Montag, 31. Oktober 2011

Christoph vs. Count Count

Wenig überraschend wurde aus der Unterschrift heute wieder nix. International Office hat heute gar nicht erst aufgemacht... immerhin hab ich eine Mail vom Auslandsamt Bamberg bekommen. Solange wir bis zum 15. November unser Zeug einschicken, klappt das mit dem Geld in diesem Jahr noch. Das sollte doch klappen, wenn ich das morgen/übermorgen endlich wegkriege...

Danach hab ich mir dann einen Elektrorasierer zugelegt, um nicht mehr allzusehr wie ein "U-Bootfahrer" (Zitat "Der Baron") auszusehen... um den Mittag abzurunden bin ich nochmal weit mit der Roten Linie in den Süden gefahrn und hab mir meinen Karten Code abgeholt! Endlich ist wenigstens der Kontokram erledigt. Wenn jetzt auch noch das Geld aus Dtld. ankommt bin ich hier endlich umstandslos liquide!
Auf dem Rückweg bin ich dann Essen gegangen. Nachdem ich mich das ganze Wochenende von Cornflakes, Äpfeln und Käsebrot ernährt hatte, musste mal wieder was Warmes sein und ich hab mich in so ein möglichst tschechisches Lokal, direkt ums Eck von der Bank, in der ich gewesen war gesetzt, also hoffentlich möglichst untouristisch und billig und meilenweit entfernt vom Zentrum. Und tatsächlich bekam ich für 127 CZK (etwas mehr als 5 Euro...) eine Schüssel Borschtsch (Lautschrift. Eigentlich "Borsc" mit Hájeks auf "s" und "c" hinten), ein Viertel-Hähnchen mit dem Riesenhaufen Kartoffeln, etwas Soße und Gemüse dazu und noch ne Coke. Macht satt für den Rest des Tages...

Heute Abend war dann noch der CIEE Kurs. Wir haben nochmal alles Revue passieren lassen, zur Vorbereitung auf den Zwischentest (nichts anderes versteckt sich hinter dem schönen Wort "Midterm"). Wird denk ich ganz machbar werden. Mir persönlich ist es ja ein bisschen viel Jahreszahlenlernerei hier... bäh!

Viel mehr war heute gar nicht los, aber ich kann noch ein bisschen von letzter Woche nachliefern. V.a. über das tschechische Zählen kann man viel berichten. Das haben wir nämlich nach dem Test letzte Woche gelernt. Zahlen über 10 und wie man die Uhrzeit ansagt, oder ganz allgemein Dinge zählt. Und da wird die Sache schon echt... merkwürdig.

Erstmal sind die Zahlwörter unfassbare Zungenbrecher. Das völlig unproblematische Deutsche "achthundertsiebenundzwanzig" wird im Tschechischen zu "osmset sedmadvacet". "Hundert" wiederum heißt einfach "sto". Richtig lustig klingt das wenn es dir einer im Billa an der Kasse entgegenknödelt...
Aber zum eigentlichen Problem. Wenn Dinge gezählt werden (was auch für die Uhrzeit gilt), dann unterscheidet man imTschechischen zwischen maskulin, feminin und neutrum. Es heißt also "jeden rok" (ein Jahr, mask.), "jedna koruna" (eine krone, fem.) und "jedno pivo (ein Bier, neutr.). Oder eben "jedna hodina" (Ein Uhr, fem.). Das ganze passiert völlig unverdächtig im Nominativ Singular. Soweit, so gewohnt. Wenn es mehrere Dinge sind wechselt man logischerweise in den Plural. Allerdings gilt das auch für die Uhrzeit, was für Germanisch-romanische Hörer und Sprecher, schon sehr ungewohnt sit. Es heißt also "tri hodiny" (Hájek auf das "r", etwa: "Drei Uhren"). Richtig abgefahren wird es aber dann, wenn es mehr als vier werden. Also fünf. Dann wechselt der Tscheche aus IRGENDEINEM Grund in den Genitiv. Ja Genitiv. Nicht Dativ. Nicht Akkusativ. Nicht Ablativ. Nicht Vokativ. Auch nicht einer der anderen zwei, drei Fälle, die das Tschechische noch hat. Man stellt sich auch nicht auf den Kopf und wackelt mit den Ohren, oder klatscht nach jedem Satz rhythmisch das "Friends" Intro. Nein, man wechselt in den Genitiv.
Es sind also "sedm roku" (Kringel auf das u, mask.), "sedm minut" (fem.) und "sedm piv" (neutr.). Und auch das gilt in gleicher Weise für Uhrzeiten. WARUM AUCH IMMER. Am verstörensten ist die Beliebigkeit. Scheint fast so als hätte man das mit Absicht gemacht.

1: "Hey, sagt mal habt ihr nicht irgendwelche Ideen wie wir unsere - ohnehin schon völlig abgefahrene Sprache - noch ein bisschen kranker machen können?"

2: "Klar, lasst uns noch ein paar Diakritische Zeichen einführen!"

1: "Halt die Klappe Jan, davon haben wir genug - und überhaupt wolltest du nicht nach Konstanz?"

2:"Pfüh, ich geh ja schon..."

3:"Oh ich weiss was. Wir sollten beim Zählen irgendwann und ohne offensichtlichen Grund in den Genitiv wechseln."

1:"Hmmm... die Idee hat Potential. Mit Deklinationen rumzuwurschteln schreckt immer schön ab. Aber wo genau setzen wir den Genitiv an?"

4:"Sobald es Mehrzahl wird?"

3:"Ach Quatsch, viel zu durchschaubar... wie wärs mit Sieben, das ist ne super Zahl für solche Obskuritäten"

1: "Ne, Sieben is scheisse... und außerdem immernoch viel zu naheliegend!"

4 "Dann vielleicht drei?"

3:"Nepp zu klein, wie wärs mit sechs?"

1:"Wie kommste denn auf den Mist... ich wäre ja für vier!"

4:"Ja so eine saublöde Idee! Ich denke fünf ist viel obskurer!"

3:"Finde ich völlig nachvollziehbar!"

1:"Absolut überzeugend!"

Vielen Dank auch!

Morgen dann ENDLICH, HOFFENTLICH ENDLICH die Gelegenheit die letzten Unterschriften am International Office einzufahren und den ganzen Mist nach BA zu schicken! Argh! Außerdem das Nibelungenlied-Referat. Ein bisschen aus dem Nähkästchen über das plaudern was ich in den letzten vier Jahren in der Germanistik zu getrieben habe. Außerdem ist wieder Tschechischkurs für den ich noch nen sackvoll Vokabeln lernen sollte und am Abend natürlich wieder der soziale Höhepunkt der Woche, nämlich der Deutsch-Tschechische Stammtisch! :)

1 Kommentar:

  1. Ad primum: Genitiv ist klar, er ist in solchen Fällen - hier der grammatikalische Topos des "Numerale" - ein alter Bekannter. Der "Genitivus Partitivus", welcher gnädig einem Indefinitum an Masse - oder hier - Menge eine erste Form (und Information) von Quantität und Überschaubarkeit liefert. Soweit alles roger!
    Ad secundum: Interessant ist die Zahl vier. Meine Hypothese: Beim Zählen an einer Hand braucht man den fünften Finger, um die restlichen vier an einer Hand aufzuzählen. Nun könnte irgendein Intelligenzler die lächerliche Tatsache anführen, dass der Mensch immerhin zwei Hände habe! Dieser nur scheinbar plausible Einwand lässt sich jedoch zweifelsfrei durch den eher soziokulturell motivierten Einwand widerlegen, dass der Tscheche in der zweiten Hand das Bierglas halten muss :) !

    Dies glaubt zu wissen ...
    der Baron

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