Tja. Nun isses passiert. Ich wurde beklaut. Nachdem ich mich seit meiner Ankunft hier, zu keinem Zeitpunkt in persönlicher Erfahrung mit dem Klischee des diebischen Tschechen (Wobei die Tschechen mit denen ich mich unterhalten haben sowieso meinen es wären keine Tschechen gewesen sondern Roma...) konfrontiert sah, hat es (das Klischee) jetzt brutalstmöglich zugeschlagen. Und zwar, da wo es richtig wehtut. Die Vollwixer sind durch das Fenster in mein Wohnheimzimmer eingestiegen und haben meinen Laptop, ebenso wie den meines Mitbewohner mitgehen lassen. Abtransportiert vermutlich in seinen Taschen, die ebenfalls fehlen... Nehmt mir mein Geld, meine Schlüssel, mein Handy, meine Kreditkarte, meinen Ausweis und meinen Führerschein! BITTE, DA NEHMT! Aber meinen Laptop? Seriously?
Ich kam am Abend von der Uni nach hause da stand mein armer Mitbewohner und einige anderen Leute schon vor dem Zimmer und teilten mir mit was geschehen war. Die Polizei sei schon da gewesen, habe sie angewiesen das Zimmer nicht zu betreten und bald kämen ein Kriminalpolizist und die Spurensicherung oder so ähnlich... beide rückten dann auch kurz hintereinander an. Die freundlichen Tschechen übersetzen für uns, denn hier kann auch die Kripo oder die Spurensicherung offensichtlich kein Englisch. Klasse. Deswegen lief alles sehr gefiltert, während wir unsere Aussagen machten, und die Antworten kamen bei uns als Betroffenen immer nur sehr indirekt an. Bis wir mal auf dem neusten Stand waren, waren die jeweiligen Beamten schon immer zwei Schritte weiter. War frustrierend. Am Ende haben wir irgendeinen tschechischen Wisch unterschrieben, der wohl meinte, dass ein Bericht angefertigt werden würde und wir berechtigt sein in die Ermittlungsakten Einsicht zu nehmen. Nachdem CSI Prag wieder abgerückt war, blieb mir nur das hinterlassene Chaos zu beseitigen und mir eine Abendgestaltung OHNE Laptop zu überlegen - am Ende blieb mir nichts anderes übrig als zu lesen... ;-)
Die diebischen Bastarde waren offensichtlich durchs Fenster gekommen. Es stand sperrangelweit auf, das Fensterbrett war völlig abgeräumt und auf meinem Bett waren mehrere Fußabdrücke (ja, wenn das mal so einfach wäre...). Der Polizist meinte, wir hätten das Fenster nicht richtig geschlossen gehabt. Kunststück. Die Fenster waren schon immer undicht (hatte Nachts immer einen gewissen Zug in und über meinem Bett) und der blöde Hebel klemmte seitdem ich da eingezogen war...
So richtig wissen an wen ich mich wenden kann, wegen Versicherung oder so, tu ich nicht. In einem Monat kommt ein Bericht oder sowas von der Polizei, der soll wohl weiteren Aufschluss liefern. Die Chancen, dass diese Ermittlungen zu irgendetwas führen und wir unsere Laptops jemals wieder sehen sind inetwa so groß wie die eines Schneeballs in der Hölle eine Eisdiele zu eröffnen. Die Polizei war bemüht da keine Illusionen aufkommen zu lassen. Im Nachhinein hab ich erfahren, dass mein Wohnheim durchaus einen gewissen Ruf hat regelmäßig das Ziel von Dieben zu werden. Steht da bestimmt auch irgendwo auf Aushängen. Auf Tschechisch. Aber gut, dass ich das jetzt weiss...
Nun gut. Mein Laptop ist also weg. Um mein treues, anrazithfarbenes Schlachtross von einem Schleppi ist es v.a. (und eigentlich um ehrlich zu sein nur) aus emotionalen Gründen Schade. Er selbst war ein alter, lauter, langsamer Kübel. Ans Herz gewachsen war er mit in den letzten 5 Jahren trotzdem. Wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich schmerzhaft in der Verlust von den Dingen die darauf gespeichert waren. Und das ist so ziemlich alles was ich habe, kann und weiss. Ich habe ja durchaus eine externe Festplatte, aber ich bin mir nicht ganz sicher, wann genau ich die letzte Sicherung angelegt hab (sicher weiss ich dass eine im Januar 2011 stattfand als mein Laptop kurzzeitig abschmierte...). Ich bilde mir ein irgendwann im Laufe des letzten Jahres nochmal die Festplatte übertragen zu haben, aber die Verluste - gerade im Bereich Weltenbau - dürften doch erheblich sein. Ich hab mich noch nicht getraut draufzukucken, aber wenn ich mal im Kopf überschlage was ich so alles im letzten Jahr geschrieben, strukturiert und verändert habe, dürfte ich um etwa eineinhalb bis zwei Jahre zurückgeworfen worden sein. Da ich v.a. in den letzten beiden Monaten sehr produktiv war und davon ausgehen muss, dass auch 2011 komplett verloren ist, schätze ich die Verluste mal auf um die 30-40 Prozent. Im Grunde also letal, ich seh das im Augenblick nicht, dass sich dieses Projekt davon erholt.
Ich weiss es war ein albernens Hobby das schlussendlich zu nichts führte, eigentlich ein Atavismus aus Jugendtagen, aber mir war es einfach sehr ans Herz gewachsen und mehr als nur ein wichtiges kreatives Ventil oder eine Spielwiese für große Kinder. Sehr viel von dem was ich gelesen, gelernt oder sonstwie rezipiert habe, sei es im Rahmen meines Studiums oder durch diverse Produkte aus der Nerdkultur (Fernseh- und Comicserien, Fantasyromane, Literatur im weiteren, v.a. natürlich Rollenspiele) ist da eingeflossen und hat so für mich eine Weiterverwertung und ganz neue Dimensionierung erfahren. Mein Weltenbauprojekt war die Agentur, die all diese diversen Rezeptionseindrücke bündelte und in etwas verwandelte, das mir persönlich viel bedeutete und einen großen Stellenwert in meinem täglichen Denken einnahm. Der Gedanke, dass dieses Projekt, dieses Hobby, meine zweite Welt, jetzt verloren oder doch zumindest irreparabel beschädigt sein sollte, macht mich noch immer furchtbar, furchtbar wütend. Habe eben auf meinem Block mit Bleistift und Kuli den verzweifelten Versuch eines Reboots gestartet (Jetzt neu und noch besser!). Aber es geht im Augenblick noch nicht. Der Schmerz ist noch zu frisch (An dieser Stelle darf der geneigte Leser gerne einige Zeilen zurückgehen und zusehen, ob er die Stelle findet, ab der aufrichtige Betroffenheit von einem dicken Schutzwall aus Ironie überdeckt wird).
Neben dem Weltenbau-projekt dürften die Verluste auch die letzten zwei bis drei Unisemester umfassen, was mich sehr froh macht, dass ich die Jerusalem Hausarbeit erst kürzlich endlich doch noch abgeschickt habe. Die Hausarbeit vom letzten Semester über die deutschen Kaiser und die böhmischen Fürsten konnte ich aus meinem Mailfach noch retten, aber z.B. meine Referatsunterlagen zu den timuridischen Schahnamehs - auf denen aufbauend ich, wieder in Bamberg, noch eine Hausarbeit hätte schreiben müssen - dürften ebenfalls nicht gesichert gewesen sein. Selbiges gilt für das Material und die Hausarbeiten zum Stiftungsvergleich in Orient und Okzident und für die mittelalterliche persische und mittelhochdeutsche Literatur. Eigentlich alles was ich im Master gemacht habe...
Außerdem als Verluste zu verzeichnen:
Fortgeschrittene Speicherstände in Baldurs Gate, Icewind Dale und Starcraft, jeweils erster und zweiter Teil.
Der Anfang zu meinem neusten Prosa Machwerk. Nur 9 Seiten oder so. Trotzdem schmerzhaft.
Viele, viele, viele, viele Fotos.
Meine Arbeit an den letzten beiden Akten der aktuell laufenden DnD Kampagne...
Die Erste DVD der 2. Twin Peaks Staffel, die sich noch im Laufwerk befand.
AAAAAAAARGH!!!!
Sicherlich wird mir noch das ein oder andere einfallen und für viele wundervolle, schmerzhafte Momente in den nächsten Stunden und Tagen sorgen.
Darüber hinaus habe ich jetzt ganz pragmatisch keinen Arbeitsplatz und keinen Internetzugang mehr (sitze im Computerraum des Bücherladens in der Celetná). Erst jetzt bemerke ich wie sehr mein Laptop - und mit ihm mein Zugang zum Internet und zu meinen Arbeiten und Hobbies - Mitte und Anker meines Lebens ist. Ohne Mist. Mein Laptop ist mir Kommunikations-, Informations- und Unterhaltungsterminal, gleichzeitg mein zentraler Arbeitsplatz und somit DIE Instanz die meinen Alltag strukturiert und gestaltet ja überhaupt in der Form in der ich ihn pflege und schätze möglich macht. Melodramatisch? Meinetwegen. Aber dadurch nicht weniger wahr! Ich fühle mich gerade echt entwurzelt, ein bisschen wie in den ersten Wochen, nur dass ich mich jetzt natürlich nicht in ein Starbucks oder Internetcafé setzen kann... mangels Laptop!
Wie also weiter? Eher früher als später werde ich einen neuen Laptop brauchen. Schon allein um sinnvoll für die Uni arbeiten zu können. Von Unterhaltung (Serien), Information (Nachrichten) und Kommunikation (E-Mail, skype und facebook) mal ganz zu schweigen. Muss mir nun also überlegen ob, wann und wo ich mir ein neues Teil zulege, wenn ja welches und in welcher Form. Gleich ein ganz neues Teil? Oder für erste - solange ich mich noch in diesem Land befinde in dem auch Wohnheimzimmer nicht heilig sind - nur ein Arbeitsgerät zum Übergang? Ich muss drüber nachdenken...
Einziger GROSSER Silberstreif, der mich hier gerade nicht völlig die Wände hochgehen lässt, ist die Aussicht bereits ÜBERMORGEN VORMITTAG im Flieger nach London Gatwick (nicht Heathrow wie früher geschrieben) zu sitzen, d.h. in weniger als 43 Std. schon wieder bei Bears und in einem anderen Land, weit, weit weg von hier zu sein.
PS: Es stellt sich heraus, dass die Archäologie Vorlesung ebenfalls nur auch Tschechisch stattfindet. Das ist jetzt schon der zweite Blindgänger, auf den ich mich eigentlich gefreut hatte, der fälschlicherweise als englischsprachig ausgeschrieben war. Grrrrrrrr...
PPS: Der Tschechischkurs (in dem sich saß während mutterlose Arschgeburten meinen Laptop geklaut haben) lässt sich ganz gut an. Bei der kurzen Wiederholung am Anfang kam ich recht gut mit. Abgesehen vom Vokabular, das natürlich in den letzten zwei Monaten, eher geschumpft als gewachsen ist, scheint mein Tschechisch nicht völlig degeneriert zu sein...
Dienstag, 28. Februar 2012
Sonntag, 26. Februar 2012
Christoph vs. the periphery
Das erste Wochenende des Semesters ist überstanden und es gibt einige erfreuliche Entwicklungen:
- Am Freitag habe ich ENDLICH, das Drama mit dem Course-Review für das Amerika Seminar klären können. MEINE HERREN! Ich hab der guten Frau am späten Vormittag vor ihrem Büro aufgelauert (ich war am Dienstag schonmal da gewesen und hab in Erfahrung gebracht, wann sie das nächste mal da ist) und sie dann mit meinem Nachfragen bzgl. des Reviews überfallen. Stellte sich heraus, dass wohl mehrere Studenten ihre Berichte nicht an sie verschicken konnten, gab wohl Probleme mit dem Mailserver der Uni, was auch immer. Sie wollte, dass ich's ihr einfach nochmal schicke. Ich wollte mir weitere Schickerei und Nachfragerei ersparen, bin also von ihrem Büro in der Hybernská (das ist östlich der Altstadt, also hinter Pulvertrum und Naměstí Republiky) zum Fakultätsgebäude (ganz im Westen der Altstadt) gespurtet, hab dort in der Bib den blöden Bericht nochmal ausgedruckt, und bin wieder zurück zu ihrem Gebäude gehetzt :P. Hab sie auch noch erwischt, bevor sie in ihren Unterricht musste. Ich wollte noch einen Termin machen, an dem wir das Ergebnis besprechen können, aber sie meinte, sie habe gerade noch ein bisschen Zeit und würde es sich jetzt gleich anschaun. Spektisch - in der Erwartung jetzt 20 min. rumsitzen und warten zu müssen - nahm ich Platz. Sie hat sich dann den fünfseitigen Text ca. 40 Sekunden lang angekuckt (oder solange, wie ich eben brauchte, um ihr zu erzählen was ich hier bzw. in Bamberg so mache), hat ein paar "Germanisms" (in der Regel Großbuchstaben, wo keine sein sollten z.B. "Czech Lands") eingekreist und hat mit ein A gegeben. Ich war erstmal geschockt. Was mach ich hier eigentlich? Wieso geb ich mir überhaupt Mühe? Sind meine anderen Noten auch so zu Stande gekommen? Die sieht nur: "Ah ok, Auslandsstudent, womöglich auch noch ERASMUS..." (Nein, KEIN ERASMUS!) und PENG krieg ich meine eins. Seriously??? Aber, na gut.... geschenkter Gaul und so... ich bin nur froh, dass das unschöne "FAILED" jetzt aus meinem SIS-Eintrag verschwunden ist :).
- Dort fehlt allerdings immernoch der 6 ECTS Punkte Eintrag für mein Czech&Central European History Seminar beim CIEE aus dem letzten Semester. Die nette Dame im International Office sagt zwar seit zwei Wochen sie tragen es demnächst ein, aber irgendwie zweifel ich da noch so ein bisschen dran. DAS A habe ich mir nämlich mit zwei Klausuren, einer Hausarbeit und 2x1,5 Std die Woche, tatsächlich verdient...
- Für das Wochenende hatte ich mir vorgenommen mal die beiden Tramlinien, die hier nördlich und südlich an meinem Wohnheim vorbeiführen, bis zu ihrem jeweiligen westlichsten Ende abzufahren. Beiden enden nämlich jeweils an verheißungsvollen Orten: Im Norden führen die Linie 26 u.a. nach Divoká Šárka (Die wilde Scharka), ein Naturpark direkt am Stadtrand von Prag. Im Süden führt u.a. die 22 nach Bilá Horá. Übersetzt ist das der "Weiße Berg" (bzw. die weiße Bergin - der Berg - hora - ist auf Tschechisch weiblich!) und bei allen, die in Geschichte ein bisschen aufgepasst haben, müssten da sämtliche Alarmglocken schrillen! Richtig: 1620, Die Schlacht am Weißen Berg.
- Die Wilde Scharka stellte sich am Samstag Nachmittag, bei heftigem Wind, aber strahlender Wintersonne, als durchaus beeindruckend heraus. Ein schmaler Strom schneidet sich durch dramatische Felsklüfte, Wälder und Felder. Man kann stundenlang durch die Wildnis streifen, es gibt ein großes Wassereservoir ein gutes Hostinec (Wirtshaus) und ein im Umbau befindliches McDonalds. Die Landschaft ist wild, schroff und hat den Wald-und-Wiesenromantiker, der tief in mir (und wohl in den meisten Deutschen) schlummert, durchaus angesprochen. Auf den aufragenden Felsnasen fühlte ich mich permanent dazu genötigt an exponierter Stelle möglichst daramatische Posen vor den majestätischen Panoramen , die sich um mich herum ausbreiteten, einzunehmen. Das Gelände ist wirklich riesig, ein Blick auf die Karte zu Hause zeigte mir, dass ich in den zweieinhalb Stunden, die ich dort gewesen war, gerade mal die Südspitze erkundet hatte! Auf jeden Fall im Sommer oder so mal einen zweiten Besuch wert. Hingefahren war ich ja mit der Tram (10 min von mir nach Hradčanská und von da aus dann in dieselbe Richtung, nur auf einer anderen Achse 20 min weiter). Vor Ort hab ich dann, als ich mich auf den Rückweg machte festgestellt, dass man auch den Bus hätte nehmen können, der in 8 min im Prinzip bis direkt vor mein Wohnheim fährt... :P Wieder was gelernt, man (also ich) vergisst manchmal einfach, dass hier auch Busse fahren... dabei sind die gerade in den Randbezirken und Nachts oft viel besser und nützlicher als die Trams... oder gar die Metros.
- Heute hab ich mich dann als Tourist historischer Schlachtfelder versuchen wollen. Die Fahrt nach Bilá Horá dauerte nicht ganz so lange, aber der Anblick beim Verlassen der Tram war erstmal ernüchternd. Wohnhäuser, Baumarkt, Tankstelle... Stadtrandbesiedlung halt. Auf dem zweiten Blick eine heruntergekommene, barocke Klosteranlage. Was zunächst vielversprechend wirkte, stellte sich beim Umrunden leider als unzugänglich heraus. Dabei entdeckte ich aber andrerseits einen Weg der zwischen einigen schäbigen Wohnhäusern hinaus auf einen Acker führte. Einem gewissen Harndrang folgend (Ich hatte zuvor beim Mittagessen im U Klašterá zwei Kofola getrunken. Kofola ist so ne Art teschech[oslowak]ische Cola, ein sehr leckeres Relikt aus kommunistischer Zeit...) machte ich mich auf zum Acker, nur um dort, in mehrerer Hinsicht erleichtert, auf der Hügelhöhe oberhalb des Ackers eine merkwürdige Erhebung zu erspähen. Über einen schlammigen Feldweg dorthin gestiefelt, entdeckte ich eine kleine Steinpyramide auf der künstlichen Aufschüttung, die wohl tatsächlich an den Ort der Schlacht erinnern soll. Ich muss sagen ich war überrascht. Angesichts der Position, welche die Schlacht am Weißen Berg im historischen Bewusstsein der Tschechen einnimmt (vergleichbar etwa mit dem Amselfeld für die Serben oder der Schlacht von Mohács für die Ungarn... gibt es sowas für die Deutschen?) hätte ich irgendeine monumentale Geschmacklosigkeit aus der Zeit der Ersten Republik erwartet. Die eher bescheidenen Ausmaße dieses Denkmals fand ich vor diesem Hintergrund geradezu angenehm. Naja. Insgesamt also eher unspektakulär das Ganze. Ein paar Steine, eine Tafel mit Inschrift. Drumrum ein paar Bäume auf einem Hügel (der berühmte Weiße Berg ist als solcher in der Landschaft kaum wahrnehmbar) voller Äcker und Felder.
Randnotiz: to get bilahora-ed scheint v.a. unter angloamerikanischen Gaststudenten in Prag ein feststehender Ausdruck zu sein. Er bezeichnet das betrunkene Einschlafen in der Tram 22 (die Sowohl das ECES - also v.a. von Amis genutzte - Kolej Komenskeho als auch das v.a. von ERASMUS Studenten bewohnte Wohnheim in Hostivař ansteuert), woraufhin man an der Endstation vom Fahrer geweckt wird und sich in spätester Nacht in Bilá Horá ausgesetzt vorfindet.
- Erfreuliche Erkenntis aus diesen beiden Mini-Exkursionen: Diese Stadt hat einen Rand. Felder und Äcker hinter Prag sehen auch nicht anders aus als die hinter Untersteinach.
- Das Wochenende zeigte mir überdeutlich, dass mein Sozialleben in den letzten drei Monaten deutlich monopolisiert worden war. Natürlich in der angenehmst vorstellbaren Weise, aber nichtsdestotrotz stehe ich jetzt ein bisschen alleine da. Hinzu kommt die bereits beklagte Abreise der meisten anderen Leute, mit denen ich darüber hinaus sonst noch was zu tun hatte. Versuche also - bisher wenig erfolgreich - ein paar eingeschlafene Kontakte vom Anfang des letzten Semesters zu beleben: "Dear second choice..."
- In Oxford wird ein neunmonatiger Medieval Studies Master angeboten!!! Entry Requierements klingen nicht unschaffbar. Und mit einem DAAD Stipendium im Rücken (Bewerbungsschluss 15.11.12) nach meinem Master in Bamme für ein Jahr nach England klingt verlockend... hummhommm....
- Für die nähere Zukunft suche ich gerade nach Praktika hier in Prag für den Zeitraum Juni/Juli bis August/September. Hab ein paar vielversprechende Sachen aufgetan und werde mal ein paar E-Mails schreiben. Wäre ja nett, wenn sich Prag so noch ein bisschen verlängern ließe und ich am Ende sogar noch ein Auslandspraktikum vorzuweisen hätte :). Passt gut zu den vielen Praktika, die ich in Deutschland noch nie gemacht habe!
- Morgen ist zum ersten mal wieder Tschechischkurs. Glaub ich zumindest. Die Woche sind nämlich auch große Demonstrationen gegen die aktuelle Hochschulreform geplant und es fällt wohl einiges aus. Ich hab nur leider keinen Dunst was und wann und wo und sowieso, weil alle Infos auf Tschechisch sind... was mich wieder zu diesem Kurs zurückführt... :P
- Am Freitag habe ich ENDLICH, das Drama mit dem Course-Review für das Amerika Seminar klären können. MEINE HERREN! Ich hab der guten Frau am späten Vormittag vor ihrem Büro aufgelauert (ich war am Dienstag schonmal da gewesen und hab in Erfahrung gebracht, wann sie das nächste mal da ist) und sie dann mit meinem Nachfragen bzgl. des Reviews überfallen. Stellte sich heraus, dass wohl mehrere Studenten ihre Berichte nicht an sie verschicken konnten, gab wohl Probleme mit dem Mailserver der Uni, was auch immer. Sie wollte, dass ich's ihr einfach nochmal schicke. Ich wollte mir weitere Schickerei und Nachfragerei ersparen, bin also von ihrem Büro in der Hybernská (das ist östlich der Altstadt, also hinter Pulvertrum und Naměstí Republiky) zum Fakultätsgebäude (ganz im Westen der Altstadt) gespurtet, hab dort in der Bib den blöden Bericht nochmal ausgedruckt, und bin wieder zurück zu ihrem Gebäude gehetzt :P. Hab sie auch noch erwischt, bevor sie in ihren Unterricht musste. Ich wollte noch einen Termin machen, an dem wir das Ergebnis besprechen können, aber sie meinte, sie habe gerade noch ein bisschen Zeit und würde es sich jetzt gleich anschaun. Spektisch - in der Erwartung jetzt 20 min. rumsitzen und warten zu müssen - nahm ich Platz. Sie hat sich dann den fünfseitigen Text ca. 40 Sekunden lang angekuckt (oder solange, wie ich eben brauchte, um ihr zu erzählen was ich hier bzw. in Bamberg so mache), hat ein paar "Germanisms" (in der Regel Großbuchstaben, wo keine sein sollten z.B. "Czech Lands") eingekreist und hat mit ein A gegeben. Ich war erstmal geschockt. Was mach ich hier eigentlich? Wieso geb ich mir überhaupt Mühe? Sind meine anderen Noten auch so zu Stande gekommen? Die sieht nur: "Ah ok, Auslandsstudent, womöglich auch noch ERASMUS..." (Nein, KEIN ERASMUS!) und PENG krieg ich meine eins. Seriously??? Aber, na gut.... geschenkter Gaul und so... ich bin nur froh, dass das unschöne "FAILED" jetzt aus meinem SIS-Eintrag verschwunden ist :).
- Dort fehlt allerdings immernoch der 6 ECTS Punkte Eintrag für mein Czech&Central European History Seminar beim CIEE aus dem letzten Semester. Die nette Dame im International Office sagt zwar seit zwei Wochen sie tragen es demnächst ein, aber irgendwie zweifel ich da noch so ein bisschen dran. DAS A habe ich mir nämlich mit zwei Klausuren, einer Hausarbeit und 2x1,5 Std die Woche, tatsächlich verdient...
- Für das Wochenende hatte ich mir vorgenommen mal die beiden Tramlinien, die hier nördlich und südlich an meinem Wohnheim vorbeiführen, bis zu ihrem jeweiligen westlichsten Ende abzufahren. Beiden enden nämlich jeweils an verheißungsvollen Orten: Im Norden führen die Linie 26 u.a. nach Divoká Šárka (Die wilde Scharka), ein Naturpark direkt am Stadtrand von Prag. Im Süden führt u.a. die 22 nach Bilá Horá. Übersetzt ist das der "Weiße Berg" (bzw. die weiße Bergin - der Berg - hora - ist auf Tschechisch weiblich!) und bei allen, die in Geschichte ein bisschen aufgepasst haben, müssten da sämtliche Alarmglocken schrillen! Richtig: 1620, Die Schlacht am Weißen Berg.
- Die Wilde Scharka stellte sich am Samstag Nachmittag, bei heftigem Wind, aber strahlender Wintersonne, als durchaus beeindruckend heraus. Ein schmaler Strom schneidet sich durch dramatische Felsklüfte, Wälder und Felder. Man kann stundenlang durch die Wildnis streifen, es gibt ein großes Wassereservoir ein gutes Hostinec (Wirtshaus) und ein im Umbau befindliches McDonalds. Die Landschaft ist wild, schroff und hat den Wald-und-Wiesenromantiker, der tief in mir (und wohl in den meisten Deutschen) schlummert, durchaus angesprochen. Auf den aufragenden Felsnasen fühlte ich mich permanent dazu genötigt an exponierter Stelle möglichst daramatische Posen vor den majestätischen Panoramen , die sich um mich herum ausbreiteten, einzunehmen. Das Gelände ist wirklich riesig, ein Blick auf die Karte zu Hause zeigte mir, dass ich in den zweieinhalb Stunden, die ich dort gewesen war, gerade mal die Südspitze erkundet hatte! Auf jeden Fall im Sommer oder so mal einen zweiten Besuch wert. Hingefahren war ich ja mit der Tram (10 min von mir nach Hradčanská und von da aus dann in dieselbe Richtung, nur auf einer anderen Achse 20 min weiter). Vor Ort hab ich dann, als ich mich auf den Rückweg machte festgestellt, dass man auch den Bus hätte nehmen können, der in 8 min im Prinzip bis direkt vor mein Wohnheim fährt... :P Wieder was gelernt, man (also ich) vergisst manchmal einfach, dass hier auch Busse fahren... dabei sind die gerade in den Randbezirken und Nachts oft viel besser und nützlicher als die Trams... oder gar die Metros.
- Heute hab ich mich dann als Tourist historischer Schlachtfelder versuchen wollen. Die Fahrt nach Bilá Horá dauerte nicht ganz so lange, aber der Anblick beim Verlassen der Tram war erstmal ernüchternd. Wohnhäuser, Baumarkt, Tankstelle... Stadtrandbesiedlung halt. Auf dem zweiten Blick eine heruntergekommene, barocke Klosteranlage. Was zunächst vielversprechend wirkte, stellte sich beim Umrunden leider als unzugänglich heraus. Dabei entdeckte ich aber andrerseits einen Weg der zwischen einigen schäbigen Wohnhäusern hinaus auf einen Acker führte. Einem gewissen Harndrang folgend (Ich hatte zuvor beim Mittagessen im U Klašterá zwei Kofola getrunken. Kofola ist so ne Art teschech[oslowak]ische Cola, ein sehr leckeres Relikt aus kommunistischer Zeit...) machte ich mich auf zum Acker, nur um dort, in mehrerer Hinsicht erleichtert, auf der Hügelhöhe oberhalb des Ackers eine merkwürdige Erhebung zu erspähen. Über einen schlammigen Feldweg dorthin gestiefelt, entdeckte ich eine kleine Steinpyramide auf der künstlichen Aufschüttung, die wohl tatsächlich an den Ort der Schlacht erinnern soll. Ich muss sagen ich war überrascht. Angesichts der Position, welche die Schlacht am Weißen Berg im historischen Bewusstsein der Tschechen einnimmt (vergleichbar etwa mit dem Amselfeld für die Serben oder der Schlacht von Mohács für die Ungarn... gibt es sowas für die Deutschen?) hätte ich irgendeine monumentale Geschmacklosigkeit aus der Zeit der Ersten Republik erwartet. Die eher bescheidenen Ausmaße dieses Denkmals fand ich vor diesem Hintergrund geradezu angenehm. Naja. Insgesamt also eher unspektakulär das Ganze. Ein paar Steine, eine Tafel mit Inschrift. Drumrum ein paar Bäume auf einem Hügel (der berühmte Weiße Berg ist als solcher in der Landschaft kaum wahrnehmbar) voller Äcker und Felder.
Randnotiz: to get bilahora-ed scheint v.a. unter angloamerikanischen Gaststudenten in Prag ein feststehender Ausdruck zu sein. Er bezeichnet das betrunkene Einschlafen in der Tram 22 (die Sowohl das ECES - also v.a. von Amis genutzte - Kolej Komenskeho als auch das v.a. von ERASMUS Studenten bewohnte Wohnheim in Hostivař ansteuert), woraufhin man an der Endstation vom Fahrer geweckt wird und sich in spätester Nacht in Bilá Horá ausgesetzt vorfindet.
- Erfreuliche Erkenntis aus diesen beiden Mini-Exkursionen: Diese Stadt hat einen Rand. Felder und Äcker hinter Prag sehen auch nicht anders aus als die hinter Untersteinach.
- Das Wochenende zeigte mir überdeutlich, dass mein Sozialleben in den letzten drei Monaten deutlich monopolisiert worden war. Natürlich in der angenehmst vorstellbaren Weise, aber nichtsdestotrotz stehe ich jetzt ein bisschen alleine da. Hinzu kommt die bereits beklagte Abreise der meisten anderen Leute, mit denen ich darüber hinaus sonst noch was zu tun hatte. Versuche also - bisher wenig erfolgreich - ein paar eingeschlafene Kontakte vom Anfang des letzten Semesters zu beleben: "Dear second choice..."
- In Oxford wird ein neunmonatiger Medieval Studies Master angeboten!!! Entry Requierements klingen nicht unschaffbar. Und mit einem DAAD Stipendium im Rücken (Bewerbungsschluss 15.11.12) nach meinem Master in Bamme für ein Jahr nach England klingt verlockend... hummhommm....
- Für die nähere Zukunft suche ich gerade nach Praktika hier in Prag für den Zeitraum Juni/Juli bis August/September. Hab ein paar vielversprechende Sachen aufgetan und werde mal ein paar E-Mails schreiben. Wäre ja nett, wenn sich Prag so noch ein bisschen verlängern ließe und ich am Ende sogar noch ein Auslandspraktikum vorzuweisen hätte :). Passt gut zu den vielen Praktika, die ich in Deutschland noch nie gemacht habe!
- Morgen ist zum ersten mal wieder Tschechischkurs. Glaub ich zumindest. Die Woche sind nämlich auch große Demonstrationen gegen die aktuelle Hochschulreform geplant und es fällt wohl einiges aus. Ich hab nur leider keinen Dunst was und wann und wo und sowieso, weil alle Infos auf Tschechisch sind... was mich wieder zu diesem Kurs zurückführt... :P
Donnerstag, 23. Februar 2012
Christoph vs. Salman Rushdie
Für den Rest der sonst noch so passiert in der Woche und mich beschäftigt hat, mach ich mal nen zweiten Eintrag auf sonst wird das so länglich. Wenn ihr also meinen Studenplan-review noch nicht gelesen habt, das kommt eins weiter unten. Nicht dass ich davon ausgehe, dass es irgendjemanden interessiert ;).
Desweiteren habe ich also diese Woche mal wieder erfolgreich (BERGEWEISE) Wäsche gewaschen und musste mich danach - weniger erfolgreichen - mit der Pförtnerin ein bisschen auf Tschechisch unterhalten: Offensichtlich geht es nämlich nicht nur einen Schlüssel für den Waschraum zu mieten und dann beide Waschmaschinen (ja es gibt genau zwei Maschinen für den ganzen Block) zu belegen... yikes! Auf jeden Fall hat die Pförtnerin - sehr nett und langsam - versucht mir das klar zu machen. Zumindest hoffe ich, dass es das war, das habe ich nämlich verstanden. Ein bisschen Tschechisch konnte ich dann auch zurückkleckern aber am Ende liefs doch meist nur auf děkuju (Danke) und promiňte (Entschuldigung) hinaus... :P
Und oh ja genau, das war noch, ich habe mir eine amerikanische Tandempartnerin organisiert. Bzw. sie sich mich. Ein Tandempartner ist ein Muttersprachler, der einem hilft seine jeweilige Sprache zu lernen bzw. zu perfektionieren. Ich soll der jungen Damen - deren Nachnamen man die deutsche Herkunft recht deutlich anhört - also beim Deutschlernen helfen und sie mir.... jaaaaaaa... das ist so ein bisschen das Problem. Nachdem wir uns jetzt zweimal getroffen haben zeichnet sich bereits ab, dass das Ganze eine recht asymmetrische Sache wird. Während ich ihr im Prinzip die ganze Chose mit starken und schwachen Verben, Partizipbildung, Hilfsverben und als Zugabe noch den Futur I versucht hab nahe zu bringen(erstmal wie es scheint recht erfolgreich, sie lernt echt gut), hab ich bisher den semantischen Unterschied zwischen to toss und to throw gelernt, dass queer naja.... eben nicht queer sondern eher odd oder off klingt und, dass man a plethora of (hab ich bei den Gilmore Girls gelernt ;)) zwar sagen kann, es aber halt "super-smart" klingt (Wie die Gilmore Girls eben.. *hach* :)).
Und ja. Ich war gemein genug um - in aller Unschuld - nach der semantischen Bedeutung des Nachnamens des im Augenblick gehyptesten potentiellen Präsidentschaftskandidaten der GOP Rick Santorum zu fragen - obwohl ich es natürlich bereits wusste. Ihre süße Ahnungslosigkeit erfrischte mein Herz. Mal sehen, ob sie es bis nächste Woche nachrecherchiert hat und ich sie nun moralisch und charakterlich völlig korrumpiert habe... v.a. glaube ich war es ihr peinlich, dass ich über ihre Innenpolitik besser informiert war als sie...
Was mich zu meinem nächsten Highlight führt. Ich gewöhne mir gerade an mir jeden Morgen, oder wann immer ich die Zeit dazu finde mir Jon Stewart (*hach* massive mancrush!) und seine Daily Show reinzustreamen! Und es ist wirklich immer ein absoluter Hochgenuss. Ist jedem, der sich auch nur im entferntesten für Amerika und gute Polit-Satire interessiert zu empfehlen! Gerade die ersten beiden Blöcke, die von ihm und seinen Mitarbeitern bestritten werden, sind einfach nur BRÜLLEND komisch. Seine Gäste im Interview sind zwar oft hochkarätig, aber manchmal geht es dann doch recht tief in die jüngeren und nicht mehr ganz so jungen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Fragen, Krisen und Diskurse der US-amerikanischen Zeitgeschichte hinein, so dass es gelegentlich recht schwer wird dem zu folgen. Manchmal sind die Gäste auch einfach nur Schnarchnasen.
Außerdem hab ich mir ein neues Tram und Metro-Buch gekauft (und ein neues Ticket! Für die nächsten drei Monate bin ich erstmal wieder versorgt)! Ich sah im Regal einen Titel stehen von dem ich schon mehrfach gehört bzw. gelesen hatte und der mich schon immer interessierte und das für grade mal 245 CZK. Ich griff natürlich ohne weiter nachzudenken zu: Salman Rushdies The Satanic Verses. Und - oh boy - es könnte KEIN Buch - und das schließt den Koran und die Bibel ausdrücklich mit ein - geben, das zum mal eben so nebenher in der Tram lesen ungeeigneter sein könnte. Nicht nur rollt Rushie darin die gesamte islamisch-indisch-orientalische Religions und Kulturgeschichte, sowie die Popkultur der 80er Jahre auf, sondern er baut auch IN EINER TOUR ehrfurchtgebietende Satzungetüme wie dieses:
"See, there, at the Willingdon Club golf links - only nine holes nowadays, skyscrapers having sprouted out of the other nine like giant weeds, or, let's say, like tombstones marking the sites where the torn corpse of the old city lay - there, right there, upper-echelon executives, missing the simplest putts, and look above, tufts of anguished hair, torn from senior heads, wafting down from high-level windows"
Ja, genauso hab ich auch gekuckt. Man muss also jeden dieser brutalstmöglich verschränkten, kunstvoll gedrechselten, durch Parenthesen gepreizten und Hypotaxen erweiterten Satzmoloch nicht nur mindestens dreimal lesen, sondern danach auch noch etwa 20% der Wörter nachschlagen. Danach weiß man - natürlich - meistens immernoch nicht was der Mann einem eigentlich sagen will. Und das geht wirklich in einem fort so weiter! Aaaaaaaaah! Leider bin ich süchtig und werde mich jetzt durch dieses Buch durchBEISSEN müssen... Aber vielleicht kann ich es mir ja als 2 Punkte Seminar für mein Oriental Studies Modul anrechnen lassen...
PS: Für alle die sich jetzt fragen "Rushdie... Rushdie.... da war doch was". Richtig. Da war was. Damit verbindet sich nämlich eine recht spannende und schockierende Episode, über die wir auch mal in der islamwissenschaftlichen Vorlesung, die ich letztes Jahr in Bamme besucht hab, gesprochen haben. Daher kannte ich den Titel auch. Kurzversion: Rushdies Buch wurde in weiten Teilen der islamischen Welt als Beleidigung und Blasphemie angesehen, er selbst gilt seitdem als Apostat was beides - sagen wir es wie es ist - keine gute Nachricht für einen gebürtigen Moslem ist. Der selige Großayatholla Ruhollah Khomeini (genau der sympathische Bartträger der den Iranern/Persern die Islamische Republik eingebrockt hat) hat in einer bis heute gültigen Fatwa 1989 jeden rechtgläubigen Muslim dazu aufgefordert Rushdie deswegen zu töten oder Anderen seine Tötung zu ermöglichen. Der lebt seitdem in England, bisweilen unter Personenschutz und wurde zwischenzeitlich von der Queen zum Knight Bachelor ernannt.
Desweiteren habe ich also diese Woche mal wieder erfolgreich (BERGEWEISE) Wäsche gewaschen und musste mich danach - weniger erfolgreichen - mit der Pförtnerin ein bisschen auf Tschechisch unterhalten: Offensichtlich geht es nämlich nicht nur einen Schlüssel für den Waschraum zu mieten und dann beide Waschmaschinen (ja es gibt genau zwei Maschinen für den ganzen Block) zu belegen... yikes! Auf jeden Fall hat die Pförtnerin - sehr nett und langsam - versucht mir das klar zu machen. Zumindest hoffe ich, dass es das war, das habe ich nämlich verstanden. Ein bisschen Tschechisch konnte ich dann auch zurückkleckern aber am Ende liefs doch meist nur auf děkuju (Danke) und promiňte (Entschuldigung) hinaus... :P
Und oh ja genau, das war noch, ich habe mir eine amerikanische Tandempartnerin organisiert. Bzw. sie sich mich. Ein Tandempartner ist ein Muttersprachler, der einem hilft seine jeweilige Sprache zu lernen bzw. zu perfektionieren. Ich soll der jungen Damen - deren Nachnamen man die deutsche Herkunft recht deutlich anhört - also beim Deutschlernen helfen und sie mir.... jaaaaaaa... das ist so ein bisschen das Problem. Nachdem wir uns jetzt zweimal getroffen haben zeichnet sich bereits ab, dass das Ganze eine recht asymmetrische Sache wird. Während ich ihr im Prinzip die ganze Chose mit starken und schwachen Verben, Partizipbildung, Hilfsverben und als Zugabe noch den Futur I versucht hab nahe zu bringen(erstmal wie es scheint recht erfolgreich, sie lernt echt gut), hab ich bisher den semantischen Unterschied zwischen to toss und to throw gelernt, dass queer naja.... eben nicht queer sondern eher odd oder off klingt und, dass man a plethora of (hab ich bei den Gilmore Girls gelernt ;)) zwar sagen kann, es aber halt "super-smart" klingt (Wie die Gilmore Girls eben.. *hach* :)).
Und ja. Ich war gemein genug um - in aller Unschuld - nach der semantischen Bedeutung des Nachnamens des im Augenblick gehyptesten potentiellen Präsidentschaftskandidaten der GOP Rick Santorum zu fragen - obwohl ich es natürlich bereits wusste. Ihre süße Ahnungslosigkeit erfrischte mein Herz. Mal sehen, ob sie es bis nächste Woche nachrecherchiert hat und ich sie nun moralisch und charakterlich völlig korrumpiert habe... v.a. glaube ich war es ihr peinlich, dass ich über ihre Innenpolitik besser informiert war als sie...
Was mich zu meinem nächsten Highlight führt. Ich gewöhne mir gerade an mir jeden Morgen, oder wann immer ich die Zeit dazu finde mir Jon Stewart (*hach* massive mancrush!) und seine Daily Show reinzustreamen! Und es ist wirklich immer ein absoluter Hochgenuss. Ist jedem, der sich auch nur im entferntesten für Amerika und gute Polit-Satire interessiert zu empfehlen! Gerade die ersten beiden Blöcke, die von ihm und seinen Mitarbeitern bestritten werden, sind einfach nur BRÜLLEND komisch. Seine Gäste im Interview sind zwar oft hochkarätig, aber manchmal geht es dann doch recht tief in die jüngeren und nicht mehr ganz so jungen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Fragen, Krisen und Diskurse der US-amerikanischen Zeitgeschichte hinein, so dass es gelegentlich recht schwer wird dem zu folgen. Manchmal sind die Gäste auch einfach nur Schnarchnasen.
Außerdem hab ich mir ein neues Tram und Metro-Buch gekauft (und ein neues Ticket! Für die nächsten drei Monate bin ich erstmal wieder versorgt)! Ich sah im Regal einen Titel stehen von dem ich schon mehrfach gehört bzw. gelesen hatte und der mich schon immer interessierte und das für grade mal 245 CZK. Ich griff natürlich ohne weiter nachzudenken zu: Salman Rushdies The Satanic Verses. Und - oh boy - es könnte KEIN Buch - und das schließt den Koran und die Bibel ausdrücklich mit ein - geben, das zum mal eben so nebenher in der Tram lesen ungeeigneter sein könnte. Nicht nur rollt Rushie darin die gesamte islamisch-indisch-orientalische Religions und Kulturgeschichte, sowie die Popkultur der 80er Jahre auf, sondern er baut auch IN EINER TOUR ehrfurchtgebietende Satzungetüme wie dieses:
"See, there, at the Willingdon Club golf links - only nine holes nowadays, skyscrapers having sprouted out of the other nine like giant weeds, or, let's say, like tombstones marking the sites where the torn corpse of the old city lay - there, right there, upper-echelon executives, missing the simplest putts, and look above, tufts of anguished hair, torn from senior heads, wafting down from high-level windows"
Ja, genauso hab ich auch gekuckt. Man muss also jeden dieser brutalstmöglich verschränkten, kunstvoll gedrechselten, durch Parenthesen gepreizten und Hypotaxen erweiterten Satzmoloch nicht nur mindestens dreimal lesen, sondern danach auch noch etwa 20% der Wörter nachschlagen. Danach weiß man - natürlich - meistens immernoch nicht was der Mann einem eigentlich sagen will. Und das geht wirklich in einem fort so weiter! Aaaaaaaaah! Leider bin ich süchtig und werde mich jetzt durch dieses Buch durchBEISSEN müssen... Aber vielleicht kann ich es mir ja als 2 Punkte Seminar für mein Oriental Studies Modul anrechnen lassen...
PS: Für alle die sich jetzt fragen "Rushdie... Rushdie.... da war doch was". Richtig. Da war was. Damit verbindet sich nämlich eine recht spannende und schockierende Episode, über die wir auch mal in der islamwissenschaftlichen Vorlesung, die ich letztes Jahr in Bamme besucht hab, gesprochen haben. Daher kannte ich den Titel auch. Kurzversion: Rushdies Buch wurde in weiten Teilen der islamischen Welt als Beleidigung und Blasphemie angesehen, er selbst gilt seitdem als Apostat was beides - sagen wir es wie es ist - keine gute Nachricht für einen gebürtigen Moslem ist. Der selige Großayatholla Ruhollah Khomeini (genau der sympathische Bartträger der den Iranern/Persern die Islamische Republik eingebrockt hat) hat in einer bis heute gültigen Fatwa 1989 jeden rechtgläubigen Muslim dazu aufgefordert Rushdie deswegen zu töten oder Anderen seine Tötung zu ermöglichen. Der lebt seitdem in England, bisweilen unter Personenschutz und wurde zwischenzeitlich von der Queen zum Knight Bachelor ernannt.
Christoph vs. this semester's vintage
Soooooooooooo Gemeinde! Die erste Woche des neuen Semesters ist überstanden (sehr richtig: Am Donnerstag! Wer das in Anspruch nehmen kann, hat bei der Stundenplanerstellung ALLES richtig gemacht!) und es gibt einiges zu berichten. Zunächst mal zu den auserwählten Kursen, sie es in meinen Stundenplan geschafft haben:
1) Der Habsburger Kurs gefiel mir gut! Eine sehr sympathische und kompetente Dozentin aus Frankreich, die neben dem obligatorischen Englisch auch fließend Deutsch sprach! Sehr beeindruckend! An die deutschsprachigen im Kurs adressierte sie gleich zu beginn die Bitte ihren Vornamen "Gaelle" nicht wie "geil" auszusprechen. Da hatte sie mich schon gewonnen. Nun aber zum großen LEIDER. LEIDER handelt es sich beim Habsburger-Kurs um eine vom ECES ausgerichtete Veranstaltung. Genauso wie bei dem Art&Architecture und dem Ancient Egypt Kurs. Als nicht hauseigener ECES Student darf ich aber nur an zwei ECES Kursen teilnehmen. Blöd. Zwar wäre der Habsburgerkurs der gewesen, den ich mir theoretisch am ehesten hätte vorstellen können auszulassen, aber nachdem die Dozentin mich derartig überzeugt hatte stand ich nun vor einer schwierigen Wahl. Eine Mail, die mich spät am Abend erreichte, sorgte dann aber für klare Verhältnisse... mehr dazu unter 8)
2) Jaaaaaa... der Gotisch-Kurs. Das wird knackig. Der Dozent ist ein völlig verpeilter Deutscher, der sowohl mit seinem Englisch, als auch seiner Didaktik, als auch seiner Technologiefähigkeit vor etwa 30 Jahren stehen geblieben ist (Internet? Powerpoint? Diesem Manne böhmische Dörfer...). Er redet die ganze Zeit zu seiner Tafel hin und mäandert so durch seine Gedankenlandschaft, ohne sich groß darum zu sorgen, ob jemand seinem brutal teutonisch dahinstolpernden Englisch folgen kann. Nun ist jene Gedankenlandschaft - Gottseidank - durchaus beeindruckend: Ohne nachzudenken schüttelt er für fast jeden Namen, jeden Ort und jedes Konzept über das er da so stolpert die gesamte Etymologie aus dem Ärmel und vergleicht frei assoziierend quer durchs gesamte indogermanische Sprachspektrum vom Altisländischen, übers Altgriechische, bis hin zum Sanskrit. Daneben sitzt sein Assistent - der wesentlich kompetenter, weltgewandter und genauso gebildet wirkt - und bringt das Ganze dann mit dem Tschechischen in Verbindung. Sehr erhellend alles, aber sackschwer dem zu folgen. Ich bin gespannt.
3) Als nächstes: Archäologie. Da wollte ich ja echt hin und war sehr gespannt, doch dann hat sich der Raum erfolgreich im labyrinthischen Dschungel der Unigebäude zwischen Celetná und Ovocný Trh vor mir versteckt und ich hab ihn einfach. nicht. gefunden. Im Ernst! Man muss sich diesen Teil der Uni ein bisschen so vorstellen wie das Gebäude Hochzeitshaus/Kranen in Bamme, nur mit fünfmal sovielen Innenhöfen, Zwischengeschossen, Nebenflügeln und einem hundertfachen an Türen, Treppenhäusern und Fluren. Ein wahrhaft kafkaeskes (überstrapaziere ich dieses Attribut langsam?) Gebäude in dem ich damals auch schon auf der Suche nach der Bibliothek des Archivs der Universität fast um den Verstand gekommen wäre. So muss Archäologie also auf nächstes mal verschoben werden. Ich bleibe neugierig und sehe das jetzt mal ganz entschlossen NICHT als Zeichen an bloß die Finger von dieser glorifizierten Hilfswissenschaft zu lassen ;).
4) Das Landscape&Society Seminar lässt sich ganz gut an. Haut mich nicht um, aber der Dozent ist ganz cool und ich denke, dass das inhaltlich recht vielseitig wird. Eingestiegen ist der mit einer kulturwissenschaftlichen Annäherung an den Landschaftsbegriff - da hatte er mich schonmal überzeugt - und zwar ausgehend von einer kurzen Geschichte der Landschaftsmalerei, wo er mich wiederrum nicht ganz so auf seiner Seite hatte. Er setzt eine Emanzipation der Landschaft in der Malerei erst so mit Breughel im 16. Jhd. an. Also kein van Eyck, keine Limburger, die das - meiner Sichtweise nach - schon im 15. Jhd. vorgemacht haben. Ich weiß nur leider selber auch nicht (mehr) genug darüber, um groß zu widersprechen, aber mir erschien das alles ein bisschen krumm... Dennoch bleib ich dem Kurs erhalten, schon allein weil es Anfang Mai eine dreitägige Exkursion ins Český ráj gibt - also die Gegend in der wir über Neujahr waren. Und damit nochmal die Gelegenheit im U Boučku, Böhmens bestem Wirtshaus zu essen!!! :)
5) Tja, das so heiß ersehnte Seminar, von dem ich mir erhoffte ENDLICH mal den lange überflüssigen Überblick über die mittelalterliche Kunst in England zu bekommen, fällt für mich leider flach, da - entgegen der Ausschreibung - das Seminar auf Tschechisch stattfindet. DARN! Da war ich wirklich nen halben Tag lang echt geknickt. Sowas tut mir immer fast physisch weh! Da gibt es etwas, dass ich in Bamberg schon seit zwei Jahren suche und erhoffe und dann... scheitert es an sowas arbiträren wie nicht vorhandenen Sprachkenntnissen! Grumpf! Dislike!
6) Der Art&Architecture Kurs wurde von mir ja lange und heiß ersehnt. Eigentlich wollte ich ihn schon letztes Semester machen, aber damals kollidierte er noch mit dem Tschechischkurs. Dies ist diesmal - Spoileralert für 8) - nicht der Fall. Leider muss ich sagen, dass ich, obwohl der Dozent mehr als nur ein bisschen aussieht wie Quentin Tarantino, bisher eher unterwältigt bin. Er begann mit einer seeeeehr allgemeinen Einführung zur "Entstehung" der "europäischen""Kultur" und damit "Kunst". Während man Vieles von dem was er sagte, eben um der Vereinfachung willen hinnehmen konnte, aber in Anführungszeichen denken musste, war manches schlichtweg falsch (Keine sakralen Bilder im Judentum - Dura Europos anyone?) und der Rest eben wirklich sehr, sehr einführend und grundlegend. Naja, ich hoffe einfach in späteren Stunden auf einen engeren und härteren Bezug zu Prag. Das Programm für nächste Woche klänge in der Hinsicht sogar recht vielversprechend - er besucht mit dem Kurs die Ausstellung für Mittelalterliche Kunst im Agneskloster - aber das fällt für mich ja leider flach, da ich zu dem Zeitpunkt bereits in London bin :).
7) Die freudige Überraschung zum Schluss. Der Pyramiden/Hieroglyphen und Mumien-Kurs (Im Folgenden: Geilomat!!!-Kurs) wird glaube ich ein kleines Highlight. Ohne lästige Vorbildung (die über die kindliche Begeisterungs eines 12jährigen hinausgeht), die mir den Spaß verderben könnte, sauge ich im Geilomat!!!-Kurs alles begierig in mich auf und fühle mich wieder wie 12. Aber eine coole Art von 12! Das wird super, ich freu mich! Wir lernen sogar Hieroglyphen zu lesen!!! Yay! Dass einer der Dozenten aussieht wie der hochgeschätzte Betreuer meines Deutsch LKs in der K 13 - nur 20 Jahre jünger und ohne den fragwürdigen Oberlippenbart - ist auch kein Hindernis, eher im Gegenteil...;)
8) Die oben unter 1) ansprochene E-Mail teilte mir endlich Ort und Datum für den Aufbaukurs in Tschechisch mit, der für mich in Frage kam. Und angesichts des Dilemmas indem ich mich im Hinblick auf meine ECES Kurse befand hätte der Kurs gar nicht besser liegen können - oder schlechter, je nach dem. Denn er überschneidet sich natürlich auf voller Breite mit dem Habsburgerkurs. Das machte mir es dann - wenn auch schweren Herzens - recht einfach den Habsburgerkurs zu knicken und den Tschechischkurs aufzunehmen. Ich lernen also weiter diese abgefahrene Sprache. Das ist immerhin die gute Nachricht dabei!
9) Ja richtig, es gibt diesmal noch eine Nummer Neun. Ob das so klug ist, wird sich noch zeigen. Aber als besonderes Schmankerl hab ich mich noch in den Theaterkurs für dieses Semester eingetragen! Yay, ich werde wieder Theater spielen! Endlich! Abgesehen davon, dass die Dozentin erfreulicherweise aussieht wie eine etwas jüngere und kürzer geratene Version von Marissa Tomei, hat sie mich noch nicht wirklich überzeugt. Etwas sehr brav und lieb und ich weiß nicht ob sie beinhart genug sein kann, um bis ANFANG MAI einer derartig heterogenen Gruppe ein ordentliches Stück einzupeitschen (Warte Anfang Mai... war da nicht noch irgendwas...)
Soviel zur Besprechung meines Veranstaltungsplans. Fortsetzung folgt wegen eskalierender Länge in einem neuen Post...
1) Der Habsburger Kurs gefiel mir gut! Eine sehr sympathische und kompetente Dozentin aus Frankreich, die neben dem obligatorischen Englisch auch fließend Deutsch sprach! Sehr beeindruckend! An die deutschsprachigen im Kurs adressierte sie gleich zu beginn die Bitte ihren Vornamen "Gaelle" nicht wie "geil" auszusprechen. Da hatte sie mich schon gewonnen. Nun aber zum großen LEIDER. LEIDER handelt es sich beim Habsburger-Kurs um eine vom ECES ausgerichtete Veranstaltung. Genauso wie bei dem Art&Architecture und dem Ancient Egypt Kurs. Als nicht hauseigener ECES Student darf ich aber nur an zwei ECES Kursen teilnehmen. Blöd. Zwar wäre der Habsburgerkurs der gewesen, den ich mir theoretisch am ehesten hätte vorstellen können auszulassen, aber nachdem die Dozentin mich derartig überzeugt hatte stand ich nun vor einer schwierigen Wahl. Eine Mail, die mich spät am Abend erreichte, sorgte dann aber für klare Verhältnisse... mehr dazu unter 8)
2) Jaaaaaa... der Gotisch-Kurs. Das wird knackig. Der Dozent ist ein völlig verpeilter Deutscher, der sowohl mit seinem Englisch, als auch seiner Didaktik, als auch seiner Technologiefähigkeit vor etwa 30 Jahren stehen geblieben ist (Internet? Powerpoint? Diesem Manne böhmische Dörfer...). Er redet die ganze Zeit zu seiner Tafel hin und mäandert so durch seine Gedankenlandschaft, ohne sich groß darum zu sorgen, ob jemand seinem brutal teutonisch dahinstolpernden Englisch folgen kann. Nun ist jene Gedankenlandschaft - Gottseidank - durchaus beeindruckend: Ohne nachzudenken schüttelt er für fast jeden Namen, jeden Ort und jedes Konzept über das er da so stolpert die gesamte Etymologie aus dem Ärmel und vergleicht frei assoziierend quer durchs gesamte indogermanische Sprachspektrum vom Altisländischen, übers Altgriechische, bis hin zum Sanskrit. Daneben sitzt sein Assistent - der wesentlich kompetenter, weltgewandter und genauso gebildet wirkt - und bringt das Ganze dann mit dem Tschechischen in Verbindung. Sehr erhellend alles, aber sackschwer dem zu folgen. Ich bin gespannt.
3) Als nächstes: Archäologie. Da wollte ich ja echt hin und war sehr gespannt, doch dann hat sich der Raum erfolgreich im labyrinthischen Dschungel der Unigebäude zwischen Celetná und Ovocný Trh vor mir versteckt und ich hab ihn einfach. nicht. gefunden. Im Ernst! Man muss sich diesen Teil der Uni ein bisschen so vorstellen wie das Gebäude Hochzeitshaus/Kranen in Bamme, nur mit fünfmal sovielen Innenhöfen, Zwischengeschossen, Nebenflügeln und einem hundertfachen an Türen, Treppenhäusern und Fluren. Ein wahrhaft kafkaeskes (überstrapaziere ich dieses Attribut langsam?) Gebäude in dem ich damals auch schon auf der Suche nach der Bibliothek des Archivs der Universität fast um den Verstand gekommen wäre. So muss Archäologie also auf nächstes mal verschoben werden. Ich bleibe neugierig und sehe das jetzt mal ganz entschlossen NICHT als Zeichen an bloß die Finger von dieser glorifizierten Hilfswissenschaft zu lassen ;).
4) Das Landscape&Society Seminar lässt sich ganz gut an. Haut mich nicht um, aber der Dozent ist ganz cool und ich denke, dass das inhaltlich recht vielseitig wird. Eingestiegen ist der mit einer kulturwissenschaftlichen Annäherung an den Landschaftsbegriff - da hatte er mich schonmal überzeugt - und zwar ausgehend von einer kurzen Geschichte der Landschaftsmalerei, wo er mich wiederrum nicht ganz so auf seiner Seite hatte. Er setzt eine Emanzipation der Landschaft in der Malerei erst so mit Breughel im 16. Jhd. an. Also kein van Eyck, keine Limburger, die das - meiner Sichtweise nach - schon im 15. Jhd. vorgemacht haben. Ich weiß nur leider selber auch nicht (mehr) genug darüber, um groß zu widersprechen, aber mir erschien das alles ein bisschen krumm... Dennoch bleib ich dem Kurs erhalten, schon allein weil es Anfang Mai eine dreitägige Exkursion ins Český ráj gibt - also die Gegend in der wir über Neujahr waren. Und damit nochmal die Gelegenheit im U Boučku, Böhmens bestem Wirtshaus zu essen!!! :)
5) Tja, das so heiß ersehnte Seminar, von dem ich mir erhoffte ENDLICH mal den lange überflüssigen Überblick über die mittelalterliche Kunst in England zu bekommen, fällt für mich leider flach, da - entgegen der Ausschreibung - das Seminar auf Tschechisch stattfindet. DARN! Da war ich wirklich nen halben Tag lang echt geknickt. Sowas tut mir immer fast physisch weh! Da gibt es etwas, dass ich in Bamberg schon seit zwei Jahren suche und erhoffe und dann... scheitert es an sowas arbiträren wie nicht vorhandenen Sprachkenntnissen! Grumpf! Dislike!
6) Der Art&Architecture Kurs wurde von mir ja lange und heiß ersehnt. Eigentlich wollte ich ihn schon letztes Semester machen, aber damals kollidierte er noch mit dem Tschechischkurs. Dies ist diesmal - Spoileralert für 8) - nicht der Fall. Leider muss ich sagen, dass ich, obwohl der Dozent mehr als nur ein bisschen aussieht wie Quentin Tarantino, bisher eher unterwältigt bin. Er begann mit einer seeeeehr allgemeinen Einführung zur "Entstehung" der "europäischen""Kultur" und damit "Kunst". Während man Vieles von dem was er sagte, eben um der Vereinfachung willen hinnehmen konnte, aber in Anführungszeichen denken musste, war manches schlichtweg falsch (Keine sakralen Bilder im Judentum - Dura Europos anyone?) und der Rest eben wirklich sehr, sehr einführend und grundlegend. Naja, ich hoffe einfach in späteren Stunden auf einen engeren und härteren Bezug zu Prag. Das Programm für nächste Woche klänge in der Hinsicht sogar recht vielversprechend - er besucht mit dem Kurs die Ausstellung für Mittelalterliche Kunst im Agneskloster - aber das fällt für mich ja leider flach, da ich zu dem Zeitpunkt bereits in London bin :).
7) Die freudige Überraschung zum Schluss. Der Pyramiden/Hieroglyphen und Mumien-Kurs (Im Folgenden: Geilomat!!!-Kurs) wird glaube ich ein kleines Highlight. Ohne lästige Vorbildung (die über die kindliche Begeisterungs eines 12jährigen hinausgeht), die mir den Spaß verderben könnte, sauge ich im Geilomat!!!-Kurs alles begierig in mich auf und fühle mich wieder wie 12. Aber eine coole Art von 12! Das wird super, ich freu mich! Wir lernen sogar Hieroglyphen zu lesen!!! Yay! Dass einer der Dozenten aussieht wie der hochgeschätzte Betreuer meines Deutsch LKs in der K 13 - nur 20 Jahre jünger und ohne den fragwürdigen Oberlippenbart - ist auch kein Hindernis, eher im Gegenteil...;)
8) Die oben unter 1) ansprochene E-Mail teilte mir endlich Ort und Datum für den Aufbaukurs in Tschechisch mit, der für mich in Frage kam. Und angesichts des Dilemmas indem ich mich im Hinblick auf meine ECES Kurse befand hätte der Kurs gar nicht besser liegen können - oder schlechter, je nach dem. Denn er überschneidet sich natürlich auf voller Breite mit dem Habsburgerkurs. Das machte mir es dann - wenn auch schweren Herzens - recht einfach den Habsburgerkurs zu knicken und den Tschechischkurs aufzunehmen. Ich lernen also weiter diese abgefahrene Sprache. Das ist immerhin die gute Nachricht dabei!
9) Ja richtig, es gibt diesmal noch eine Nummer Neun. Ob das so klug ist, wird sich noch zeigen. Aber als besonderes Schmankerl hab ich mich noch in den Theaterkurs für dieses Semester eingetragen! Yay, ich werde wieder Theater spielen! Endlich! Abgesehen davon, dass die Dozentin erfreulicherweise aussieht wie eine etwas jüngere und kürzer geratene Version von Marissa Tomei, hat sie mich noch nicht wirklich überzeugt. Etwas sehr brav und lieb und ich weiß nicht ob sie beinhart genug sein kann, um bis ANFANG MAI einer derartig heterogenen Gruppe ein ordentliches Stück einzupeitschen (Warte Anfang Mai... war da nicht noch irgendwas...)
Soviel zur Besprechung meines Veranstaltungsplans. Fortsetzung folgt wegen eskalierender Länge in einem neuen Post...
Sonntag, 19. Februar 2012
Christoph vs. the inner accountant III (Hausarbeiten)
| Geschichte | ||||||||||||||||
| WS 07/08 | Randgruppen in der Mittelalterlichen Stadt | |||||||||||||||
| Proseminar MA Geschichte: Stadt im Mittelalter | ||||||||||||||||
| Note: 1,0 | ||||||||||||||||
| SoSe 2008 | Bursenstatuten | |||||||||||||||
| QK Übung: Europäische Universität im Mittelalter | ||||||||||||||||
| Note: 1,0 | ||||||||||||||||
| WS 08/09 | ||||||||||||||||
| SoSe 2009 | Die Entstehung des Kardinalskollegiums | |||||||||||||||
| HS MA Geschichte: Rom im Mittelalter | ||||||||||||||||
| Note: 1,7 | ||||||||||||||||
| WS 09/10 | Die Pataria Mailands | |||||||||||||||
| HS MA Geschichte: Kirchenkritik im Mittelalter | ||||||||||||||||
| Note: 1,3 | ||||||||||||||||
| SoSe 2010 | ||||||||||||||||
| WS 10/11 | Fromme Stifungen in Orient und Okzident | |||||||||||||||
| HS MA Geschichte: Europ. MA im kulturellen Vergleich | ||||||||||||||||
| Note: 1,0 | ||||||||||||||||
| SoSe 2011 | Essay 1: Renaissance des 12. Jhd.? | |||||||||||||||
| Essay 2: Zwerge auf den Schultern von Riesen? | ||||||||||||||||
| Essay 3: Abaelards Calamitates als Selbstinszenierung? | ||||||||||||||||
| Qk Übung: Renaissance des 12. Jhd. | ||||||||||||||||
| Note: 1,0 | ||||||||||||||||
Christoph vs. the inner accountant II (Weltenbau)
| Region/Kulturraum | Seitenzahlen | ||
| Die Zwölf Reiche von Charwendor | 90 | ||
| Das Alte Reich | 86 | ||
| Meandor und die Grauen Gestade | 76 | ||
| Der Enmarwald und die Steinere Küste | 72 | ||
| Mithland, Lasgar, Magiebrache | 69 | ||
| Die Orklande | 62 | ||
| Das Herz des Nordens | 62 | ||
| Kivar | 57 | ||
| Die Wolfslande und das Sutrunland | 55 | ||
| Scarcadach | 54 | ||
| Nördyr | 52 | ||
| Zyrris | 41 | ||
| Der Graue Wall | 37 | ||
| Camwyr und die Wilderlande | 36 | ||
| Finglach | 36 | ||
| Narchond | 34 | ||
| Fornoch | 32 | ||
| Kharrazan | 31 | ||
| Adaron&Ossarien | 27 | ||
| Insgesamt | 1009 | ||
Christoph vs. the inner accountant I (Führungen)
Eigentlich hasse ich Buchführung und Zettelwirtschaft mit großer Hingabe. Jeder der schon einmal einen von mir gestalteten Schreibtisch oder ein von mir bewohnter Zimmer gesehen kann, wird das vermutlich bestätigen können.
In Konsequenz daraus hasse ich einmal pro Jahr auch mich selbst mit großer Hingabe, nämlich dann, wenn ich meine Steuererklärung machen, und daher natürlich nicht sortierte Unterlagen aus dem letzten Jahr überall zusammensuchen muss um den Scheiss endlich erledigt zu kriegen. Und das ist nur ein Beispiel: ob es um Studienbescheinigungen, Unterlagen den Zivildienst betreffend oder sonstigen Papierkram gibt. Meine erste Reaktion ist es in Schweiß auszubrechen und mich und alle Gegenstände in meiner Umwelt mit nicht wiederzugebenden Flüchen bedenke.
Dabei gäbe es da aber einen, der dabei helfen könnte. Einen der die Fähigkeiten, das Ausdauervermögen und die Konzentrationsfähigkeit hat dieses festgefahrene Schema zu durchbrechen und mich aus diesem Teufelkreis zu erretten: Es ist der innere Buchhalter, der tief in jeder deutschen Seele schlummert, deren kollektive Erinnerung noch immer mit der Aufarbeitung des preußischen oder des habsburgerischen Bürokratenstaates ringt.
Leider, leider, leider entzieht er sich - wie die österreichisch-ungarische Staatsbürokratie bei Kafka - nur allzu oft jedem zielführenden Zugriff. Er scheint nur dann anwesend zu sein, wenn es ihm passt und ganz nach belieben zu meist eher arbiträren Themen tätig zu werden. Wenn man ihn bräuchte dann macht der Innere Buchhalter wohl gerade zusammen mit dem Inneren Lebensplaner und dem Inneren Karrieremanager Urlaub auf Rügen. Nur einmal wünschte ich sie hätten den Anstand den Inneren Schweinehund auch mitzunehmen...
Wie dem auch sie hier möchte ich nun nur kurz die Ergebnisse der willkürlichen Bemühungen des Inneren Buchhalters der letzten Monate präsentieren.
Führungen insgesamt für Uschis Traumstadtservice
In Konsequenz daraus hasse ich einmal pro Jahr auch mich selbst mit großer Hingabe, nämlich dann, wenn ich meine Steuererklärung machen, und daher natürlich nicht sortierte Unterlagen aus dem letzten Jahr überall zusammensuchen muss um den Scheiss endlich erledigt zu kriegen. Und das ist nur ein Beispiel: ob es um Studienbescheinigungen, Unterlagen den Zivildienst betreffend oder sonstigen Papierkram gibt. Meine erste Reaktion ist es in Schweiß auszubrechen und mich und alle Gegenstände in meiner Umwelt mit nicht wiederzugebenden Flüchen bedenke.
Dabei gäbe es da aber einen, der dabei helfen könnte. Einen der die Fähigkeiten, das Ausdauervermögen und die Konzentrationsfähigkeit hat dieses festgefahrene Schema zu durchbrechen und mich aus diesem Teufelkreis zu erretten: Es ist der innere Buchhalter, der tief in jeder deutschen Seele schlummert, deren kollektive Erinnerung noch immer mit der Aufarbeitung des preußischen oder des habsburgerischen Bürokratenstaates ringt.
Leider, leider, leider entzieht er sich - wie die österreichisch-ungarische Staatsbürokratie bei Kafka - nur allzu oft jedem zielführenden Zugriff. Er scheint nur dann anwesend zu sein, wenn es ihm passt und ganz nach belieben zu meist eher arbiträren Themen tätig zu werden. Wenn man ihn bräuchte dann macht der Innere Buchhalter wohl gerade zusammen mit dem Inneren Lebensplaner und dem Inneren Karrieremanager Urlaub auf Rügen. Nur einmal wünschte ich sie hätten den Anstand den Inneren Schweinehund auch mitzunehmen...
Wie dem auch sie hier möchte ich nun nur kurz die Ergebnisse der willkürlichen Bemühungen des Inneren Buchhalters der letzten Monate präsentieren.
Führungen insgesamt für Uschis Traumstadtservice
| 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | ||
| Führungen/Monat | |||||
| Januar | 0 | 1 | 2 | 2 | 1,66666667 |
| Februar | 0 | 2 | 1 | 1 | 1,33333333 |
| März | 1 | 3 | 2 | 2 | 2 |
| April | 10 | 11 | 6 | 4 | 7,75 |
| Mai | 7 | 9 | 10 | 13 | 9,75 |
| Juni | 5 | 8 | 6 | 7 | 6,5 |
| Juli | 6 | 13 | 11 | 9 | 9,75 |
| August | 9 | 16 | 9 | 8 | 10,5 |
| September | 8 | 17 | 15 | 9 | 12,25 |
| Oktober | 15 | 11 | 12 | 0 | 11,6666667 |
| November | 5 | 1 | 6 | 0 | 4 |
| Dezember | 7 | 6 | 5 | 0 | 6 |
| INSGESAMT | |||||
| Insgesamt/Jahr | 73 | 98 | 85 | 55 | 311 |
| Führungen/Monat insg. | 7,23255814 | ||||
| Führungen/Jahr | 86,3333333 | ||||
Samstag, 18. Februar 2012
Christoph vs. the end of the prologue
Am Montag beginnt das neue Semester. Das bedeutet in erster Linie drei Dinge:
1. Es ist jetzt ziemlich genau Halbzeit für mich in Prag. Viereinhalb Monate liegen hinter mir, viereinhalb Monate liegen noch vor mir.
2. Bears ist heute nach Hause gefahren. Schnüff. Diesmal endgültig, wir sehen uns dann in zwei Wochen in London, aber unsere gemeinsamen Prag-Tage sind jetzt erstmal vorbei. Nach dem vielversprechenden Prolog beginnt jetzt nach knapp drei Monaten unsere Beziehung wirklich... Hoffentlich verfehlen wir uns in den endlosen Weiten des Heathrow Airports nicht....
3. Es sind noch 43 Tage (DREIUNDVIERZIG!) bis die zweite Staffel von "Game of thrones" anläuft! ARGH!
Grund genug mal Stichpunktartig die letzten Wochen Revue passieren zu lassen und ein bisschen auf die Dinge, die da kommen vorauszublicken.
- Vor etwa zwei Wochen war das Muttertier mit ihrem ältesten Mitbewohner da. Das war sehr schön und ich hab gerne mal "mein" Prag ein bisschen vorgezeigt. Leider, leider hatte Prag sich in den Kopf gesetzt unter subpolarer Kälte zu ächzen. So flüchteten wir von Café zu Restaurant und zitterten ansonsten um die Wette.
- In Konsequenz dessen hab ich mich natürlich gründlich erkältet und v.a. die vorletzte Woche mit viel Tee, Hustenbonbons und Serien vor meinem Laptop verbracht.
- Immerhin hab ich so endlich mal wieder den Anschluss an Breaking Bad und Revenge geschafft, sowie mich mal wieder hinter Farscape geklemmt. Auch wenn ich jetzt - nachdem die Box der esten Staffel eineinhalb Jahre in meinem Zimmer rumstand - endlich in die Mitte der Staffel vorgestoßen bin, so hat es mich immernoch nicht völlig überzeugt. Dass die Soundwiedergabe meines VLC-Players mal wieder spinnt hilft nicht gerade.
- Das hat mich nicht davon abgehalten mir die komplette zweite Staffel von Twin Peaks zu kaufen. Yay! Die ersten Minuten sind wirklich kaum zu ertragen. Und es geht anstregend weiter! Hielt sich die erste Staffel mit mysteriösen Andeutungen und Phänomenen noch zurück (Red Room, Bobs erster Auftritt...) hat schon allein die erste Folge der zweiten Staffel dasselbe Pensum eingefahren. Ich bin gespannt und auch ein bisschen skeptisch.
- Vor einigen Wochen haben wir einen "cultural evening" in der WG der Belgierin veranstaltet. Im wesentlich ist es ein uferloses Abendessen bei dem jeder etwas zu Essen mitbringt oder macht, das typisch für sein Heimatland ist. Eine halbe Stunde nachdem der Abend offiziell begonnen hatte, bin ich immernoch völlig ratlos durch die Stadt geirrt, völlig überfordert mit dieser Aufgabenstellung. Mal ehrlich, was ist den bitte typisch für ein Land in dem die kulinarische Palette von Lapskaus bis Weißwurst reicht? Ja, sicherlich seid ihr zum selben Ergebnis gekommen wie ich: Leberkäääs.
Ich hab also bei einer armen Metzgereifachangestellten (auf Tschechisch: "řeznický tovaryš", ja das weiss ich jetzt...:P) 10 Leberkäslaabla in Auftrag gegeben. Da diese schöne Vokabel natürlich weder im Englischen, noch im Tschechischen (und ganz streng genommen auch nicht im Deutschen...) existiert, war zuerst wieder viel Kommunikation mit Händen und Füßen angesagt. Welches Fleisch, in welche Brötchen und wieviel ("desetkrat?" "Najo, ano: desetkrat, prosím!" "Tak: desetkrat!"), mussten erst umständlich vermittelt werden. Am Ende bin ich aber mit einer großen Tasche möglichst deutscher Essensbeiträge zum "cultural evening" aufgekreuzt. Und auch wenn ich natürlich keine Chance gegen selbstgemachten portugiesischen Sangria, finnische Sandwichtorte oder belgische Schokolade hatte, sind sie doch ganz gut angekommen. Natürlich waren zehn viel zu viel und ich musste mich noch den ganzen kommenden Tag davon ernähren. Ich Armer :).
- Ja, das Problem mit dem verschwundenen/nicht angekommenen Course-Review bleibt bestehen. Ich erreiche die Frau nicht, auch jetzt nicht wo ich echt mehrfach da angerufen hab und persönlich vorbeimarschiert bin. Zum Mäusemelken! Dafür renkt sich der Rest langsam ein. Meine Daten im Internet werden vervollständigt und ich weiss jetzt wessen Unterschrift ich noch für was brauche, um mir nach meine Rückkehr meine Sachen aus dem ersten Semester hier in Bamme anerkennen zu lassen.
- Die Planung meiner Veranstaltungen für das kommende Semester erwies sich als äußerst befriedigen. Habe mir viele tollen Sachen ausgeguckt:
1) Einen Kurs über die Geschichte der Habsburger. Sind ja gerade in Süd/Ost-Mitteleuropa ein großes Thema die Burschen (und die Damen, bitte um Verzeihung Maria Theresia, von Gottes Gnaden Römische Kaiserin, Königin von Ungarn und Böhmen, Erzherzogin von Österreich!)
2) Damit meine Sprachwissenschaft (nicht jetzt schon) völlig auf der Strecke bleibt: Eine Einführung ins Gotische! Ich erinnere mich noch allzu deutlich, als mir im zweiten Semester meine SpraGe-Tutorin von ihrem Gotischkurs erzählte und ich mir noch dachte: Wie krank muss man sein... Im internationalen Umfeld als deutscher Muttersprachler und recht guter Vorbildung in Mittel- und Althochdeutsch hoffe ich diesmal nicht der letzte Vollpfosten des Kurses zu sein...
1. Es ist jetzt ziemlich genau Halbzeit für mich in Prag. Viereinhalb Monate liegen hinter mir, viereinhalb Monate liegen noch vor mir.
2. Bears ist heute nach Hause gefahren. Schnüff. Diesmal endgültig, wir sehen uns dann in zwei Wochen in London, aber unsere gemeinsamen Prag-Tage sind jetzt erstmal vorbei. Nach dem vielversprechenden Prolog beginnt jetzt nach knapp drei Monaten unsere Beziehung wirklich... Hoffentlich verfehlen wir uns in den endlosen Weiten des Heathrow Airports nicht....
3. Es sind noch 43 Tage (DREIUNDVIERZIG!) bis die zweite Staffel von "Game of thrones" anläuft! ARGH!
Grund genug mal Stichpunktartig die letzten Wochen Revue passieren zu lassen und ein bisschen auf die Dinge, die da kommen vorauszublicken.
- Vor etwa zwei Wochen war das Muttertier mit ihrem ältesten Mitbewohner da. Das war sehr schön und ich hab gerne mal "mein" Prag ein bisschen vorgezeigt. Leider, leider hatte Prag sich in den Kopf gesetzt unter subpolarer Kälte zu ächzen. So flüchteten wir von Café zu Restaurant und zitterten ansonsten um die Wette.
- In Konsequenz dessen hab ich mich natürlich gründlich erkältet und v.a. die vorletzte Woche mit viel Tee, Hustenbonbons und Serien vor meinem Laptop verbracht.
- Immerhin hab ich so endlich mal wieder den Anschluss an Breaking Bad und Revenge geschafft, sowie mich mal wieder hinter Farscape geklemmt. Auch wenn ich jetzt - nachdem die Box der esten Staffel eineinhalb Jahre in meinem Zimmer rumstand - endlich in die Mitte der Staffel vorgestoßen bin, so hat es mich immernoch nicht völlig überzeugt. Dass die Soundwiedergabe meines VLC-Players mal wieder spinnt hilft nicht gerade.
- Das hat mich nicht davon abgehalten mir die komplette zweite Staffel von Twin Peaks zu kaufen. Yay! Die ersten Minuten sind wirklich kaum zu ertragen. Und es geht anstregend weiter! Hielt sich die erste Staffel mit mysteriösen Andeutungen und Phänomenen noch zurück (Red Room, Bobs erster Auftritt...) hat schon allein die erste Folge der zweiten Staffel dasselbe Pensum eingefahren. Ich bin gespannt und auch ein bisschen skeptisch.
- Vor einigen Wochen haben wir einen "cultural evening" in der WG der Belgierin veranstaltet. Im wesentlich ist es ein uferloses Abendessen bei dem jeder etwas zu Essen mitbringt oder macht, das typisch für sein Heimatland ist. Eine halbe Stunde nachdem der Abend offiziell begonnen hatte, bin ich immernoch völlig ratlos durch die Stadt geirrt, völlig überfordert mit dieser Aufgabenstellung. Mal ehrlich, was ist den bitte typisch für ein Land in dem die kulinarische Palette von Lapskaus bis Weißwurst reicht? Ja, sicherlich seid ihr zum selben Ergebnis gekommen wie ich: Leberkäääs.
Ich hab also bei einer armen Metzgereifachangestellten (auf Tschechisch: "řeznický tovaryš", ja das weiss ich jetzt...:P) 10 Leberkäslaabla in Auftrag gegeben. Da diese schöne Vokabel natürlich weder im Englischen, noch im Tschechischen (und ganz streng genommen auch nicht im Deutschen...) existiert, war zuerst wieder viel Kommunikation mit Händen und Füßen angesagt. Welches Fleisch, in welche Brötchen und wieviel ("desetkrat?" "Najo, ano: desetkrat, prosím!" "Tak: desetkrat!"), mussten erst umständlich vermittelt werden. Am Ende bin ich aber mit einer großen Tasche möglichst deutscher Essensbeiträge zum "cultural evening" aufgekreuzt. Und auch wenn ich natürlich keine Chance gegen selbstgemachten portugiesischen Sangria, finnische Sandwichtorte oder belgische Schokolade hatte, sind sie doch ganz gut angekommen. Natürlich waren zehn viel zu viel und ich musste mich noch den ganzen kommenden Tag davon ernähren. Ich Armer :).
- Ja, das Problem mit dem verschwundenen/nicht angekommenen Course-Review bleibt bestehen. Ich erreiche die Frau nicht, auch jetzt nicht wo ich echt mehrfach da angerufen hab und persönlich vorbeimarschiert bin. Zum Mäusemelken! Dafür renkt sich der Rest langsam ein. Meine Daten im Internet werden vervollständigt und ich weiss jetzt wessen Unterschrift ich noch für was brauche, um mir nach meine Rückkehr meine Sachen aus dem ersten Semester hier in Bamme anerkennen zu lassen.
- Die Planung meiner Veranstaltungen für das kommende Semester erwies sich als äußerst befriedigen. Habe mir viele tollen Sachen ausgeguckt:
1) Einen Kurs über die Geschichte der Habsburger. Sind ja gerade in Süd/Ost-Mitteleuropa ein großes Thema die Burschen (und die Damen, bitte um Verzeihung Maria Theresia, von Gottes Gnaden Römische Kaiserin, Königin von Ungarn und Böhmen, Erzherzogin von Österreich!)
2) Damit meine Sprachwissenschaft (nicht jetzt schon) völlig auf der Strecke bleibt: Eine Einführung ins Gotische! Ich erinnere mich noch allzu deutlich, als mir im zweiten Semester meine SpraGe-Tutorin von ihrem Gotischkurs erzählte und ich mir noch dachte: Wie krank muss man sein... Im internationalen Umfeld als deutscher Muttersprachler und recht guter Vorbildung in Mittel- und Althochdeutsch hoffe ich diesmal nicht der letzte Vollpfosten des Kurses zu sein...
3) Eine Vorlesung über Nordeuropa im Mittelalter. Das besondere daran ist, dass es sich um eine ARCHÄOLOGISCHE Vorlesung handelt. Richtig. Ich werde mich in die Untiefen von Pfostenlöchern und Scherbenzählerei begeben und evtl. ein paar Vorurteile abbauen. Vielleicht aber auch bestätigen, man weiss es nie... ;) Auf jeden Fall bin ich sofort raus, wenn ich da irgendwo Grabungsschuhe oder nen Klappspaten (wobei, der Klappspaten natürlich nicht zu Ausgrabungszwecken genutzt wird...;-)) sehe...
4) Ein dem Titel nach recht... interessantes Seminar. "Landscape&Society" Wie Landschaften die darauf/darin (?) lebenden Menschen beeinflussen und umgekehrt. Erhoffe mir einige Einsichten zum schwierigen Thema "Kulturraum". Hoffe sie haben ein bisschen spatial turn gemacht, sonst wird das wieder so Blut-und-Boden-Kitsch... Mal sehen, das ist das erste das fliegt, wenn es nix taugt.
5) Besonders freue ich mich auf ein Seminar das erstmal nur ganz unspektakulär die Grundzüge und Hauptthemen christlicher Ikonographie des Mittelalters beleuchtet. Also nichts was ich nicht schon zwei, dreimal gehört hätte. Das Besondere und Aufregende daran: Als Beispiele werden ausschließlich Objekte aus dem mittelalterlichen England herangezogen! Yay! Während man nämlich an deutschen Unis natürlich immer mit den Glanzpunkten der heimischen Entwicklung sowie den unvermeidlichen Klassikern aus Frankreich und Italien konfrontiert wird, werden die Britischen Inseln gerne etwas ausgeblendet. Liegt wohl auch daran, dass unsere schöne, bequem Epocheneinteilung spätestens da ein bisschen in Schieflage gerät. Auf jeden Fall ist das was, wo ich mich wirklich drauf freue!
6) Einen Kurs ganz allgemein zu "Art and Building History of Prague". Auch davon versprech ich mir recht viel. So etwas verschafft einen doch nochmal einen ganz anderen Zugang zu der Stadt, durch die man sich bewegt. Erinnere mich noch gut daran, wie mein Kunstgeschichtsstudium und meine Stadtführerausbildung das bei mir im Hinblick auf Bamberg bewirkt haben. "Mindblowing" ist leider die einzige Vokabel, die das meiner Ansicht nach einigermaßen erfasst.
7) Und dann als fluffiges Highlight, um den kleinen Jungen der irgendwo in mir, eher schlecht als recht versteckt fröhliche Urstände feiert, zu befriedigen: Ein Seminar über Kultur, Wissenschaft und Literatur im Alten Ägypten! Richtig: Pyramiden, Mumien, Hieroglyphen: GOIL!
8) Am Ende würde ich natürlich noch gerne einen auf dem ersten Sprachkurs aufbauenden weiteren Tschechischkurs machen. Da erfahr ich aber noch, ob es da was gibt und wenn ja was und wann und wie und wer und so...
- Etwas überraschend haben sich jetzt der Baron und der Taugenichts zum Besuch angekündigt. Eigentlich sollten die Modalitäten gerade per skype besprochen werden, aber der Herr Baron ist natürlich mal wieder spät... ;)
Ich denke das war jetzt erstmal alles... melde mich im Laufe der Woche nochmal um Bericht vom Beginn des neuen Semsters zu erstatten, und wie sich die Veranstaltungen so anlassen...
4) Ein dem Titel nach recht... interessantes Seminar. "Landscape&Society" Wie Landschaften die darauf/darin (?) lebenden Menschen beeinflussen und umgekehrt. Erhoffe mir einige Einsichten zum schwierigen Thema "Kulturraum". Hoffe sie haben ein bisschen spatial turn gemacht, sonst wird das wieder so Blut-und-Boden-Kitsch... Mal sehen, das ist das erste das fliegt, wenn es nix taugt.
5) Besonders freue ich mich auf ein Seminar das erstmal nur ganz unspektakulär die Grundzüge und Hauptthemen christlicher Ikonographie des Mittelalters beleuchtet. Also nichts was ich nicht schon zwei, dreimal gehört hätte. Das Besondere und Aufregende daran: Als Beispiele werden ausschließlich Objekte aus dem mittelalterlichen England herangezogen! Yay! Während man nämlich an deutschen Unis natürlich immer mit den Glanzpunkten der heimischen Entwicklung sowie den unvermeidlichen Klassikern aus Frankreich und Italien konfrontiert wird, werden die Britischen Inseln gerne etwas ausgeblendet. Liegt wohl auch daran, dass unsere schöne, bequem Epocheneinteilung spätestens da ein bisschen in Schieflage gerät. Auf jeden Fall ist das was, wo ich mich wirklich drauf freue!
6) Einen Kurs ganz allgemein zu "Art and Building History of Prague". Auch davon versprech ich mir recht viel. So etwas verschafft einen doch nochmal einen ganz anderen Zugang zu der Stadt, durch die man sich bewegt. Erinnere mich noch gut daran, wie mein Kunstgeschichtsstudium und meine Stadtführerausbildung das bei mir im Hinblick auf Bamberg bewirkt haben. "Mindblowing" ist leider die einzige Vokabel, die das meiner Ansicht nach einigermaßen erfasst.
7) Und dann als fluffiges Highlight, um den kleinen Jungen der irgendwo in mir, eher schlecht als recht versteckt fröhliche Urstände feiert, zu befriedigen: Ein Seminar über Kultur, Wissenschaft und Literatur im Alten Ägypten! Richtig: Pyramiden, Mumien, Hieroglyphen: GOIL!
8) Am Ende würde ich natürlich noch gerne einen auf dem ersten Sprachkurs aufbauenden weiteren Tschechischkurs machen. Da erfahr ich aber noch, ob es da was gibt und wenn ja was und wann und wie und wer und so...
- Etwas überraschend haben sich jetzt der Baron und der Taugenichts zum Besuch angekündigt. Eigentlich sollten die Modalitäten gerade per skype besprochen werden, aber der Herr Baron ist natürlich mal wieder spät... ;)
Ich denke das war jetzt erstmal alles... melde mich im Laufe der Woche nochmal um Bericht vom Beginn des neuen Semsters zu erstatten, und wie sich die Veranstaltungen so anlassen...
Mittwoch, 1. Februar 2012
Christoph vs. the morning after
Gestern haben wir die Finnin mit dem Pferdenamen verabschiedet. Morgen fliegt sie. Werde "my little finnish girl" schon vermissen, gerade in den ersten Wochen und Monaten haben wir sehr viel zusammen gemacht.
Wir haben uns also recht spät in der Stadt (Národní Třída) getroffen. Die Belgierin hatte am Abend zuvor - den wir mit Kuchen, Sandwichtorte und portugiesischem Sangria im Wohnheim meiner tschechischen Ex-Tutorin verbracht hatten - die dusselige Idee gehabt, doch Karaoke-Singen zu gehen. Das wurde natürlich sogleich mit großen Enthusiasmus auf und am folgenden Abend nun in Angriff genommen.
Die Karaoke-Lokalität unserer Wahl war dann eine gay-Bar namens "Friends" in der Altstadt. Ein ziemlich schräger Laden mit noch schrägeren Publikum. Meine Ex-Tutorin lieferte eine eher zaghafte Darbietung von "Take a bow" (Madonna/Rihanna? Whatever...), die Finnin mit dem Pferdenamen schmetterte sehr überzeugend Depeche Modes "All I ever wanted" und die Belgierin brachte nochmal sehr souverän Madonnas "Papa don't preach" aufs Parkett. Vorurteile wurden bestätigt als die Stammkundschaft den Laden bei den Village People mit "YMCA" fast auseinander nahm. Ein großartiger Spaß!
Nachdem ich mich anfangs geziert hatte, hab ich mir nach einigen Wein dann doch mal das Karaoke-Menü geschnappt und entzückt festgestellt, dass es einige Killers Lieder im Angebot gab. Damit war ich eigentlich schon verloren. Ich entschied mich (mal wieder) für den Weg des geringsten Widerstandes und performte einige Weißwein später "Mr. Brightside" mit dem einzigartigen Enthusiasmus zu dem nur betrunkene Musikjunkies in der Lage sind, in die Runde. Nächstes mal kommt dann der "Spaceman" ;).
Habe mich wirklich großartig amüsiert und es war schön mal wieder was mit den ERASMUS-Leuten zu machen. Bears war auch dabei, konnte sich aber nicht zum singen überreden lassen und beschränkte sich auf moralische Unterstützung und solidarisches Weintrinken. Gut, aaaaalso: Karaoke. Kann ich das auch abhaken.
Gut alkoholisert haben wir gegen drei die Bar verlassen und uns voneinander verabschiedet. Die Finnin mit dem Pferdenamen und ich haben uns vorgenommen uns binnen fünf Jahren in unseren jeweiligen Heimatländern zu besuchen! Mal sehen, ob wir das hinkriegen. Auf jeden Fall hab ich jetzt mal den Grund mir Finnland anzusehen!
Es ist schon was dran. Eigentlicher Zweck eines Austauschjahres ist es nicht möglichst sinnvoll zu studieren, sondern ein anderes Land vertieft zu erfahren und darüber hinaus auch Leute aus Resteuropa kennen zu lernen und so Kontakte herzustellen, die vielleicht länger Bestand haben. Die Förderung einer europäischen Wahrnehmung und Identifikation durch das Entdecken von Gemeinsamkeiten und Unterschieden sozusagen. Zumindest hoffe ich, dass wir das - nicht nur in diesem Fall - schaffen. Die Belgierin ist noch ein bisschen da, hat aber auch Mitte Februar ihre Abschiedsfeier.
Damit war die Nacht aber noch nicht vorrüber. An den Heimweg hab ich nur noch nebulöse Erinnerungen, der Wein, der mich auf die Bühne des leeren Orchesters geführt hatte, schlug jetzt voll an und mir ging es einigermaßen dreckig, als wir Bears' Wohnheim erreichten. Mit flauem Magen, schwimmenden Kopf und klebrigen Rachen kroch ich ins Bett nur um... im Bad wieder aufzuwachen!
Meine schlaftrunkene Verwirrung schlug in völlige Orientierungslosigkeit um, als ich feststellte: Es war nicht Bears' Bad!
Ich verließ das Bad und erwartete fast ein völlig zerstörtes Hotelzimmer, eine blutüberströmte Leiche im Bett, sowie eine Reihe weiterer obskurer Spuren vorzufinden, die ich nun rekonstruieren müsste, um erstens herauszufinden was passiert war und mich somit zweitens vom Mordvorwurf reinzuwaschen.
Die Realität war nur unwesentlich weniger verstörend. Ich fand mich in der Wohnheim-WG den halben Flur von Bears WG entfernt wieder (Das Wohnheim ist nicht so wie meins organisiert: Ein Gang, viele Zimmer, zwei Betten pro Zimmer, am jeden Ende des Flures Ein großer Dusch und Toiletten raum und eine große Küche, sondern zwei bis fünf kleinere (Einzel-)Zimmer teilen sich jeweils ein Bad und eine Küche mit Flur, daher meine merkwürdige Bezeichnung als "Wohnheim-WG").
IRGENDWIE war ich in den allfrühesten Morgenstunden ins Bad der Neben-neben-WG gelangt, ohne mich auch nur im GERINGSTEN daran erinnern zu können WIE (Warum lassen die auch mitten in der Nacht ihre Flurtüren aufstehen?).
Das volle Ausmaß des Dramas wurde mir erst nach einigem schlaftrunkenen, orientierungslosen, noch-immer-ein-bisschen-aber-nicht-mehr-so-richtig-betrunkenen Hin und Hertorkeln auf dem Gang klar: Die Tür zu Bears Wohnheim-WG war zu! Und ich stand da. Mit nichts bekleidet außer einem schlabbrigen T-Shirt, Boxershorts und einem rechten Hausschuh (Bears' nicht meiner). Die Dämmerung zeichnete sich erst langsam am Horizont ab und die Kälte auf dem Flur kroch mir in die Knochen.
Ich kauerte mich also embryonenhaft vor der Tür zusammen, um wenigstens einigermaßen würdevoll dem Kältetod entgegenzutreten. Ab und an klopfte ich verzagt an die Tür in der Hoffnung Bears oder eine ihre Mitbewohnerinnen würden mich noch rechtzeitig erretten. Zur Rezeption gehen und um Hilfe bitte kam nicht in Frage: Ersten ließ das mein Aufzug kaum zu und zweitens bin ich wohl zwar geduldet aber immernoch nur so halblegal regelmäßig in diesem Wohnheim zu Gast.
Nach einer schwer zu beurteilenden Zeitspanne in der es draußen hell, aber auf dem Flur - wenn möglich - noch kälter, geworden war, wurde mein langsam schwächer werdendes Klopfen dann von einer Mitbewohnerin meiner selig schlafenden Freundin erhört und ich sprang dem in mir hochkriechenden Kältetod im letzten Augenblick von der Schippe. Der völlig entsetzte Blick auf dem Gesicht meiner Retterin war die ganze Sache aber fast wert ;). Zum Glück muss wenigstens eine aus diesem Laden früh raus und arbeiten :P
So richtig einordnen kann ich den Zwischenfall immernoch nicht. Einfach ein Alkohol- bzw Müdigkeitsbedingter Filmriss? Oder fang ich an Schlafzuwandeln? Erinnre mich dunkel an ein oder zwei vergleichbare Zwischenfälle in meiner Kindheit, als ich plötzlich nachts in der Küche stand und nicht wusste wie ich dorthin gekommen war...
Noch ein paar weitere Kleinigkeiten:
- Habe letzthin erneut Panama (Nachdem ich die Frage danach wie die Bewohner Panamas heißen noch immer - für mich - nicht befriedigen klären konnte, nenne ich sie jetzt einfach so) in der Tram getroffen, auch wenn ich sie nicht auf Anhieb erkannt habe. Hat sich nochmal für ihre betrunkene Anhänglichkeit damals entschuldigt. Sie lernt jetzt Deutsch und die Tramfahrt dauerte genau lang genug, um ihr zu erklären, wie wir unser Futur I bilden.
- Habe meinen Course Review für das Amerika-Seminar jetzt nochmal persönlich im Büro der Dozentin (in einem seeeeehr schönen Barock-Palais in der Hybernská!) vorbeigebracht. Allerdings war sie selbst nicht anwesend. Hoffentlich ist es weitergeleitet worden. Da ich aber immernoch keine Mail von ihr erhalten habe, befürchte ich das schlimmste.... nervig, nervig, nervig.
- In der letzten Woche hab ich mir die erste Staffel von "Amercian Horror Story" angeschaut. Eine ur-gruselige Horror-Serie, von den Co-Glee-Machern... (Zentraler Unterschied zu Glee ist wohl, dass AHS gewollt gruselig ist). Dass sie darüber hinaus auch noch Nip/Tuck gemacht haben, sie man AHS bisweilen recht deutlich an. Grundsätzlich sind Zutaten und Plot konventionell (Verkrachte Familie zieht in neues Haus ein, um ihre Probleme zu beheben und NATÜRLICH spukt es) aber die Art auf die das ganze weiterentwickelt wird, sowie der bunte Strauß an völlig verdrehten und verstörenden Charakteren, der aufgeboten wird, machen die Serie zu einem echten Erlebnis! Und gerade als man sich in der zweiten Hälfte der Staffel in die Show eingesehen hat und beginnt die verschiedenen Geisterschicksale zu duchschauen, bringen sie den Schocker überhaupt der "The 6th sense" echt alt aussehen lässt... Also, jeder der sich schon immer mal so richtig schön vor den Dingen unter dem Bett, in den dunklen Ecken im Keller und in der Vergangenheit seiner Mitmenschen fürchten wollte: Undbedingt reingucken!
Wir haben uns also recht spät in der Stadt (Národní Třída) getroffen. Die Belgierin hatte am Abend zuvor - den wir mit Kuchen, Sandwichtorte und portugiesischem Sangria im Wohnheim meiner tschechischen Ex-Tutorin verbracht hatten - die dusselige Idee gehabt, doch Karaoke-Singen zu gehen. Das wurde natürlich sogleich mit großen Enthusiasmus auf und am folgenden Abend nun in Angriff genommen.
Die Karaoke-Lokalität unserer Wahl war dann eine gay-Bar namens "Friends" in der Altstadt. Ein ziemlich schräger Laden mit noch schrägeren Publikum. Meine Ex-Tutorin lieferte eine eher zaghafte Darbietung von "Take a bow" (Madonna/Rihanna? Whatever...), die Finnin mit dem Pferdenamen schmetterte sehr überzeugend Depeche Modes "All I ever wanted" und die Belgierin brachte nochmal sehr souverän Madonnas "Papa don't preach" aufs Parkett. Vorurteile wurden bestätigt als die Stammkundschaft den Laden bei den Village People mit "YMCA" fast auseinander nahm. Ein großartiger Spaß!
Nachdem ich mich anfangs geziert hatte, hab ich mir nach einigen Wein dann doch mal das Karaoke-Menü geschnappt und entzückt festgestellt, dass es einige Killers Lieder im Angebot gab. Damit war ich eigentlich schon verloren. Ich entschied mich (mal wieder) für den Weg des geringsten Widerstandes und performte einige Weißwein später "Mr. Brightside" mit dem einzigartigen Enthusiasmus zu dem nur betrunkene Musikjunkies in der Lage sind, in die Runde. Nächstes mal kommt dann der "Spaceman" ;).
Habe mich wirklich großartig amüsiert und es war schön mal wieder was mit den ERASMUS-Leuten zu machen. Bears war auch dabei, konnte sich aber nicht zum singen überreden lassen und beschränkte sich auf moralische Unterstützung und solidarisches Weintrinken. Gut, aaaaalso: Karaoke. Kann ich das auch abhaken.
Gut alkoholisert haben wir gegen drei die Bar verlassen und uns voneinander verabschiedet. Die Finnin mit dem Pferdenamen und ich haben uns vorgenommen uns binnen fünf Jahren in unseren jeweiligen Heimatländern zu besuchen! Mal sehen, ob wir das hinkriegen. Auf jeden Fall hab ich jetzt mal den Grund mir Finnland anzusehen!
Es ist schon was dran. Eigentlicher Zweck eines Austauschjahres ist es nicht möglichst sinnvoll zu studieren, sondern ein anderes Land vertieft zu erfahren und darüber hinaus auch Leute aus Resteuropa kennen zu lernen und so Kontakte herzustellen, die vielleicht länger Bestand haben. Die Förderung einer europäischen Wahrnehmung und Identifikation durch das Entdecken von Gemeinsamkeiten und Unterschieden sozusagen. Zumindest hoffe ich, dass wir das - nicht nur in diesem Fall - schaffen. Die Belgierin ist noch ein bisschen da, hat aber auch Mitte Februar ihre Abschiedsfeier.
Damit war die Nacht aber noch nicht vorrüber. An den Heimweg hab ich nur noch nebulöse Erinnerungen, der Wein, der mich auf die Bühne des leeren Orchesters geführt hatte, schlug jetzt voll an und mir ging es einigermaßen dreckig, als wir Bears' Wohnheim erreichten. Mit flauem Magen, schwimmenden Kopf und klebrigen Rachen kroch ich ins Bett nur um... im Bad wieder aufzuwachen!
Meine schlaftrunkene Verwirrung schlug in völlige Orientierungslosigkeit um, als ich feststellte: Es war nicht Bears' Bad!
Ich verließ das Bad und erwartete fast ein völlig zerstörtes Hotelzimmer, eine blutüberströmte Leiche im Bett, sowie eine Reihe weiterer obskurer Spuren vorzufinden, die ich nun rekonstruieren müsste, um erstens herauszufinden was passiert war und mich somit zweitens vom Mordvorwurf reinzuwaschen.
Die Realität war nur unwesentlich weniger verstörend. Ich fand mich in der Wohnheim-WG den halben Flur von Bears WG entfernt wieder (Das Wohnheim ist nicht so wie meins organisiert: Ein Gang, viele Zimmer, zwei Betten pro Zimmer, am jeden Ende des Flures Ein großer Dusch und Toiletten raum und eine große Küche, sondern zwei bis fünf kleinere (Einzel-)Zimmer teilen sich jeweils ein Bad und eine Küche mit Flur, daher meine merkwürdige Bezeichnung als "Wohnheim-WG").
IRGENDWIE war ich in den allfrühesten Morgenstunden ins Bad der Neben-neben-WG gelangt, ohne mich auch nur im GERINGSTEN daran erinnern zu können WIE (Warum lassen die auch mitten in der Nacht ihre Flurtüren aufstehen?).
Das volle Ausmaß des Dramas wurde mir erst nach einigem schlaftrunkenen, orientierungslosen, noch-immer-ein-bisschen-aber-nicht-mehr-so-richtig-betrunkenen Hin und Hertorkeln auf dem Gang klar: Die Tür zu Bears Wohnheim-WG war zu! Und ich stand da. Mit nichts bekleidet außer einem schlabbrigen T-Shirt, Boxershorts und einem rechten Hausschuh (Bears' nicht meiner). Die Dämmerung zeichnete sich erst langsam am Horizont ab und die Kälte auf dem Flur kroch mir in die Knochen.
Ich kauerte mich also embryonenhaft vor der Tür zusammen, um wenigstens einigermaßen würdevoll dem Kältetod entgegenzutreten. Ab und an klopfte ich verzagt an die Tür in der Hoffnung Bears oder eine ihre Mitbewohnerinnen würden mich noch rechtzeitig erretten. Zur Rezeption gehen und um Hilfe bitte kam nicht in Frage: Ersten ließ das mein Aufzug kaum zu und zweitens bin ich wohl zwar geduldet aber immernoch nur so halblegal regelmäßig in diesem Wohnheim zu Gast.
Nach einer schwer zu beurteilenden Zeitspanne in der es draußen hell, aber auf dem Flur - wenn möglich - noch kälter, geworden war, wurde mein langsam schwächer werdendes Klopfen dann von einer Mitbewohnerin meiner selig schlafenden Freundin erhört und ich sprang dem in mir hochkriechenden Kältetod im letzten Augenblick von der Schippe. Der völlig entsetzte Blick auf dem Gesicht meiner Retterin war die ganze Sache aber fast wert ;). Zum Glück muss wenigstens eine aus diesem Laden früh raus und arbeiten :P
So richtig einordnen kann ich den Zwischenfall immernoch nicht. Einfach ein Alkohol- bzw Müdigkeitsbedingter Filmriss? Oder fang ich an Schlafzuwandeln? Erinnre mich dunkel an ein oder zwei vergleichbare Zwischenfälle in meiner Kindheit, als ich plötzlich nachts in der Küche stand und nicht wusste wie ich dorthin gekommen war...
Noch ein paar weitere Kleinigkeiten:
- Habe letzthin erneut Panama (Nachdem ich die Frage danach wie die Bewohner Panamas heißen noch immer - für mich - nicht befriedigen klären konnte, nenne ich sie jetzt einfach so) in der Tram getroffen, auch wenn ich sie nicht auf Anhieb erkannt habe. Hat sich nochmal für ihre betrunkene Anhänglichkeit damals entschuldigt. Sie lernt jetzt Deutsch und die Tramfahrt dauerte genau lang genug, um ihr zu erklären, wie wir unser Futur I bilden.
- Habe meinen Course Review für das Amerika-Seminar jetzt nochmal persönlich im Büro der Dozentin (in einem seeeeehr schönen Barock-Palais in der Hybernská!) vorbeigebracht. Allerdings war sie selbst nicht anwesend. Hoffentlich ist es weitergeleitet worden. Da ich aber immernoch keine Mail von ihr erhalten habe, befürchte ich das schlimmste.... nervig, nervig, nervig.
- In der letzten Woche hab ich mir die erste Staffel von "Amercian Horror Story" angeschaut. Eine ur-gruselige Horror-Serie, von den Co-Glee-Machern... (Zentraler Unterschied zu Glee ist wohl, dass AHS gewollt gruselig ist). Dass sie darüber hinaus auch noch Nip/Tuck gemacht haben, sie man AHS bisweilen recht deutlich an. Grundsätzlich sind Zutaten und Plot konventionell (Verkrachte Familie zieht in neues Haus ein, um ihre Probleme zu beheben und NATÜRLICH spukt es) aber die Art auf die das ganze weiterentwickelt wird, sowie der bunte Strauß an völlig verdrehten und verstörenden Charakteren, der aufgeboten wird, machen die Serie zu einem echten Erlebnis! Und gerade als man sich in der zweiten Hälfte der Staffel in die Show eingesehen hat und beginnt die verschiedenen Geisterschicksale zu duchschauen, bringen sie den Schocker überhaupt der "The 6th sense" echt alt aussehen lässt... Also, jeder der sich schon immer mal so richtig schön vor den Dingen unter dem Bett, in den dunklen Ecken im Keller und in der Vergangenheit seiner Mitmenschen fürchten wollte: Undbedingt reingucken!
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