Montag, 31. Oktober 2011

Christoph vs. Count Count

Wenig überraschend wurde aus der Unterschrift heute wieder nix. International Office hat heute gar nicht erst aufgemacht... immerhin hab ich eine Mail vom Auslandsamt Bamberg bekommen. Solange wir bis zum 15. November unser Zeug einschicken, klappt das mit dem Geld in diesem Jahr noch. Das sollte doch klappen, wenn ich das morgen/übermorgen endlich wegkriege...

Danach hab ich mir dann einen Elektrorasierer zugelegt, um nicht mehr allzusehr wie ein "U-Bootfahrer" (Zitat "Der Baron") auszusehen... um den Mittag abzurunden bin ich nochmal weit mit der Roten Linie in den Süden gefahrn und hab mir meinen Karten Code abgeholt! Endlich ist wenigstens der Kontokram erledigt. Wenn jetzt auch noch das Geld aus Dtld. ankommt bin ich hier endlich umstandslos liquide!
Auf dem Rückweg bin ich dann Essen gegangen. Nachdem ich mich das ganze Wochenende von Cornflakes, Äpfeln und Käsebrot ernährt hatte, musste mal wieder was Warmes sein und ich hab mich in so ein möglichst tschechisches Lokal, direkt ums Eck von der Bank, in der ich gewesen war gesetzt, also hoffentlich möglichst untouristisch und billig und meilenweit entfernt vom Zentrum. Und tatsächlich bekam ich für 127 CZK (etwas mehr als 5 Euro...) eine Schüssel Borschtsch (Lautschrift. Eigentlich "Borsc" mit Hájeks auf "s" und "c" hinten), ein Viertel-Hähnchen mit dem Riesenhaufen Kartoffeln, etwas Soße und Gemüse dazu und noch ne Coke. Macht satt für den Rest des Tages...

Heute Abend war dann noch der CIEE Kurs. Wir haben nochmal alles Revue passieren lassen, zur Vorbereitung auf den Zwischentest (nichts anderes versteckt sich hinter dem schönen Wort "Midterm"). Wird denk ich ganz machbar werden. Mir persönlich ist es ja ein bisschen viel Jahreszahlenlernerei hier... bäh!

Viel mehr war heute gar nicht los, aber ich kann noch ein bisschen von letzter Woche nachliefern. V.a. über das tschechische Zählen kann man viel berichten. Das haben wir nämlich nach dem Test letzte Woche gelernt. Zahlen über 10 und wie man die Uhrzeit ansagt, oder ganz allgemein Dinge zählt. Und da wird die Sache schon echt... merkwürdig.

Erstmal sind die Zahlwörter unfassbare Zungenbrecher. Das völlig unproblematische Deutsche "achthundertsiebenundzwanzig" wird im Tschechischen zu "osmset sedmadvacet". "Hundert" wiederum heißt einfach "sto". Richtig lustig klingt das wenn es dir einer im Billa an der Kasse entgegenknödelt...
Aber zum eigentlichen Problem. Wenn Dinge gezählt werden (was auch für die Uhrzeit gilt), dann unterscheidet man imTschechischen zwischen maskulin, feminin und neutrum. Es heißt also "jeden rok" (ein Jahr, mask.), "jedna koruna" (eine krone, fem.) und "jedno pivo (ein Bier, neutr.). Oder eben "jedna hodina" (Ein Uhr, fem.). Das ganze passiert völlig unverdächtig im Nominativ Singular. Soweit, so gewohnt. Wenn es mehrere Dinge sind wechselt man logischerweise in den Plural. Allerdings gilt das auch für die Uhrzeit, was für Germanisch-romanische Hörer und Sprecher, schon sehr ungewohnt sit. Es heißt also "tri hodiny" (Hájek auf das "r", etwa: "Drei Uhren"). Richtig abgefahren wird es aber dann, wenn es mehr als vier werden. Also fünf. Dann wechselt der Tscheche aus IRGENDEINEM Grund in den Genitiv. Ja Genitiv. Nicht Dativ. Nicht Akkusativ. Nicht Ablativ. Nicht Vokativ. Auch nicht einer der anderen zwei, drei Fälle, die das Tschechische noch hat. Man stellt sich auch nicht auf den Kopf und wackelt mit den Ohren, oder klatscht nach jedem Satz rhythmisch das "Friends" Intro. Nein, man wechselt in den Genitiv.
Es sind also "sedm roku" (Kringel auf das u, mask.), "sedm minut" (fem.) und "sedm piv" (neutr.). Und auch das gilt in gleicher Weise für Uhrzeiten. WARUM AUCH IMMER. Am verstörensten ist die Beliebigkeit. Scheint fast so als hätte man das mit Absicht gemacht.

1: "Hey, sagt mal habt ihr nicht irgendwelche Ideen wie wir unsere - ohnehin schon völlig abgefahrene Sprache - noch ein bisschen kranker machen können?"

2: "Klar, lasst uns noch ein paar Diakritische Zeichen einführen!"

1: "Halt die Klappe Jan, davon haben wir genug - und überhaupt wolltest du nicht nach Konstanz?"

2:"Pfüh, ich geh ja schon..."

3:"Oh ich weiss was. Wir sollten beim Zählen irgendwann und ohne offensichtlichen Grund in den Genitiv wechseln."

1:"Hmmm... die Idee hat Potential. Mit Deklinationen rumzuwurschteln schreckt immer schön ab. Aber wo genau setzen wir den Genitiv an?"

4:"Sobald es Mehrzahl wird?"

3:"Ach Quatsch, viel zu durchschaubar... wie wärs mit Sieben, das ist ne super Zahl für solche Obskuritäten"

1: "Ne, Sieben is scheisse... und außerdem immernoch viel zu naheliegend!"

4 "Dann vielleicht drei?"

3:"Nepp zu klein, wie wärs mit sechs?"

1:"Wie kommste denn auf den Mist... ich wäre ja für vier!"

4:"Ja so eine saublöde Idee! Ich denke fünf ist viel obskurer!"

3:"Finde ich völlig nachvollziehbar!"

1:"Absolut überzeugend!"

Vielen Dank auch!

Morgen dann ENDLICH, HOFFENTLICH ENDLICH die Gelegenheit die letzten Unterschriften am International Office einzufahren und den ganzen Mist nach BA zu schicken! Argh! Außerdem das Nibelungenlied-Referat. Ein bisschen aus dem Nähkästchen über das plaudern was ich in den letzten vier Jahren in der Germanistik zu getrieben habe. Außerdem ist wieder Tschechischkurs für den ich noch nen sackvoll Vokabeln lernen sollte und am Abend natürlich wieder der soziale Höhepunkt der Woche, nämlich der Deutsch-Tschechische Stammtisch! :)

Christoph vs. the Ian Curtis cover

Dank des tschechischen Unabhängigkeitstages (byebye Habsburg!) war das letzte Wochenende also lang. Seeeeeeeehr lang. Es begann im Prinzip am Donnerstag Nachmittag, nach dem Tschechisch-Test. Der war im übrigen relativ simpel... aber natürlich hab ich mich im letzten Augeblick doch noch entschieden zwei Endungen anders zu machen, die natürlich dann falsch waren und vorher richtig gewesen wären... das kommt davon, wenn man das Zeug nur als ganze Sätze beigebracht bekommt und keine ordentlichen Konjugationstabellen vorgesetzt kriegt... Aber gut.
Danach sind wir zu dritt (mit den beiden Berlinerinnen) losgezogen, um ein Geschenk für die Finnin mit dem Pferdenamen zu kaufen, was dann in Form eines "The Shining" Poster recht schnell gefunden war. Die Feier unten in Hostivar war dann auch sehr schön eigentlich... nur hatte ich vorher nix Ordentliches gegessen und dann irgendwie zuviel Junk aufeinmal, weswegen ich mich verfrüht zurückziehen musste... Mann, war mir schlecht :P

Die drei Tage des Wochenendes habe ich realtiv faul zugebracht. Ich habe mein "Nibelungenlied" Referat vorbereitet (heißt: aus den Unterlagen der letzten vier Jahre und dem eingescannten Verfasserlexikon auf meinem Laptop zusammengesucht) und online gestellt, mit der allerschönsten Hutfrau geskypet (deren Besuch sich aus terminlicher Verplantheit meinerseits um eine Woche nach vorne verschoben hat - also auf Donnerstag!). Dann habe ich noch einige längere Spaziergänge in der Umgebung des Wohnheims und durch den Park des nahen Klosters unternommen. Sehr schön alles: Das Wohnheim ist in seiner baufälligen Erhabenheit größer als gedacht, das müssen fünf oder sechs, weit verteilte Blöcke sein. Nur manche haben vergitterte Fenster. Dazwischen liegen verwilderte Wald und Parkanlagen, es riecht nach feuchter Erde, schimmeligen Laub, faulen Äpfeln und einem Hauch von Hundekot! Es gibt ein großes, eingezäuntes Grundstück mit Stacheldraht auf den Zäunen, dicht bewaldet mit großen Toren, die sich automatisch öffnen wie schwere Limousinen aus dem nicht einsehbaren Inneren hervorkriechen und wer sich davon nicht abschrecken lässt, kann durch die dschungelartige Vegetation zu einer neonerleuchteten Tankstelle vorstoßen.
Der Weiher im Klosterpark hat einen sehr charmanten und schlecht kaschierten Betonrand, Plastikflaschen treiben gelassen darin umher und auch das Wasser selbst, scheint schonmal bessere Tage gesehen zu haben. Dennoch gefällt es mir sehr. Überall sind Familien unterwegs. Auf jeden (aufrecht gehenden, erwachsenen) Menschen kommen bestimmten vier Hunde und zwei Kinderwägen, welche die Parks und Wege bevölkern.
Tja und ansonsten... ansonsten habe ich vor allem seeeeeeehr viel (zu viel? Ich weiss nicht, ob das geht...) CHUCK geschaut. Habe gestern das Midseason Finale der Vierten Staffel erreicht, was mich sehr glücklich gemacht hat :). Wie ich an anderer Stelle schon einmal schrieb: Chuck ist gut für die Seele!

Einzige größere Aktivität war es am Freitag Abend mit der Finnin mit dem Pferdenamen auf das Konzert einer "Joy Division" Coverband namens "The Dead Souls" zu gehen. Das war in einem ziemlich abgefahren Klub in den Gewölben unter einem Altbau in der Altstadt mit spätgotischen Torbögen und allen. Der Klub war im Inneren vollgepflastert mit (originalen?) Paraphernalia, Relikten, Artefakten und Devotionalien aus kommunistischer Zeit und hieß entsprechend auch "Iron Curtain - Propaganda". Hinzu kam noch ein leichter Halloween-touch, immerhin stiegen hier das ganze Wochenende entsprechende Feiern. Meine Abneigung gegen derartige Verkleidungsrituale hat mich aber davon abzuhalten, da allzu entschlossen zu partizipieren.
Das Konzert (das mit gerade mal zwei Stunden Verspätung anfing - quasi Standard hier) hat überraschend Laune gemacht. Ich meine die Totenschädelschminke hätte sich die Band auch sparen können (jaja, das ganze "Dead Souls trifft auf Halloween"-Ding...:P), aber die Ian Curtis Imitation des Sängers war gar nicht mal so albern und unangemessen, wie man das vielleicht glauben möchte und sie waren klug genug DAS Lied auf das alle gewartet haben eben NICHT zu spielen. Wer also von Liebe entzwei gerissen werden wollte, musste an diesem Abend noch umdisponieren.
Fand ich aber gut. Die Interpretation der großen Klassiker einer nicht mehr existenten Band durch ihre jeweiligen Cover-Bands ist immer gefährlich. Klar, gut vorgetragen, kann man das Publikum leicht in einen extatischen Rausch versetzen und zum hymnischen Mitgröhlen verleiten, doch während die Coverband bei den weniger bekannteren Songs noch viel von sich selbst einbringen kann, wird die Darbietung eines solchen monolithischen Meisterwerkes immer nur geliehenen Applaus erringen, bzw. allzu offensichtlich machen, dass ALLER Applaus und Zuspruch den eine Coverband erhält, geliehen ist.
Zu keinem Zeitpunkt ist innerhalb des Performanz-Rezeptions-Spannungsfeldes bei einem Coverband-Konzert die Gefahr so groß, dass die Illusion implodiert. Der von beiden Seiten für diesen einen Abend geschlossene Substitutions-Konsens (Wir feiern euch wie die echte Band, ihr liefert uns Musik wie die echte Band) droht dann zu kollabieren und am Ende stehen alle als das da was sie eigentlich sind: Die Band als ein Haufen geltungssüchtiger Möchtgern-Rockstars, mit schlechten Kostümen und zweifelhafter Beherrschung ihrer jeweiligen musikalischen Aufgaben, die es mit eigener Musik und aus eigener Kraft nicht geschafft haben. Das Publikum als ein Haufen leicht verführbarer Zuspätgeborener, welche die Flucht aus ihrer verkorksten Generation in einem diffusen musikalischen Äquvalent zum "Früher war alles besser"-Gejammer, älterer Generationen, suchen.

Jetzt steht vor mit eine neue Woche. Die SECHSTE Woche in Prag! Am Dienstag halte ich mein Nibelungenlied-Referat, am Mittwoch steht die Midterm-Klausur am CIEE an. Außerdem muss ich immernoch den PIN von der Sparkasse im tiefsten Süden Prags abholen, meine Unterlagen nach BA zurückschicken UND mir einen elektrischen Rasierapparat kaufen. Der Schicke, den ich in BA hatte, erwies sich leider als nicht transportabel... Tja und dann wird am Donnerstag auch schon die allerschönste Hutfrau für fünfeinhalb Tage hier vorbeischauen und ich hab endlich einen Grund den ganzen touristischen Kram nachzuholen, den ich bisher noch nicht geschafft habe ;)

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Christoph vs. Václav Havel

Zu allem entschlossen bin ich gestern morgen losgezogen, um die letzte Unterschrift einzufahren, die ich nicht im International Office bekommen kann. Das hat dann überraschenderweise auch - fast - problemlos geklappt. Zunächst war an dem Lehrstuhl (Lehrstuhl heißt auf Tschechisch übrigens "katedra". Ist das geil oder ist das geil?) nicht ganz klar, wer da nun unterschreiben muss, aber am Ende hat dann die Dozentin selbst unterschrieben und das MUSS jetzt einfach reichen.

Danach war wieder Vorlesung "Böhmische Kultur im Mittelalter". Wieder wurde ein eigentlich grundsätzlich interessantes Thema "Offizielle Geschichtsschreibung am Hofe Karls IV." von der Dozentin derartig verlangweiligt, dass ich bisweilen gegen den Schlaf kämpfen musste. Ab nächste Woche macht das zum Glück ein anderer... Die Hoffnung auf Besserung stirbt zuletzt!

Auch die anschließende Vorlesung "Deutsche Literatur vor 1700" brachte nur Altbekanntes.

Danach wollte ich endlich zum International Office und die letzten Unterschriften abgreifen aber NATÜRLICH, gibt es ein neues Problem: Die für meine Unterschriften verantwortliche Dame hat sich entschlossen mal eben für ein paar Tage in den Urlaub zu gehen. Tatsächlich ist morgen Tschechischer Unabhängigkeitstag (Meint: Keine Uni, Kein Amerika-Seminar) und das nutzen viele wohl für ein verlängertes Wochenende... :P Auf jeden Fall stand ich wieder ohne Unterschriften da. Vor Montag brauch ich's auch gar nicht erst versuchen, spätestens am Dienstag ist die gute Frau aber "auf jeden Fall" wieder da! Nur sollten da die Sachen halt schon im schönen Bamberg eingetroffen sein. Jetzt werd ich da mal anrufen, auf höhere Gewalt plädieren und hoffen, dass es reicht wenn ich ihnen das Zeug am Montag erstmal als Scans zuschicke oder faxe, bis es dann mit der Post angekommen ist... :P Dass das nie ein Ende findet...

Im CIEE Kurs im Anschluss sind wird heute endlich zum 30jährigen Krieg vorgestoßen. Nächste Woche ist der midterm test, da wird also alles nochmal abgeprüft, aber er macht am Montag extra nochmal eine Wiederholung von allem was wir so gemacht haben und er meint er bringt auch nur das dran, was er in der Wiederholung - ja - wiederholt... von daher, mach ich mir da jetzt mal nicht zuviele Gedanken...

Oh Geld hab ich auch abgehoben. Ich glaube ich hab mich hier noch nicht darüber ausgelassen, dass die ATMs hier das Geld immer SO GROSS WIE MÖGLICH ausspucken. Wer sich also 4000 CZK (etwas zwischen 160 und 170€) auszahlen lässt, bekommt das in genau zwei Scheinen... das nächste mal, wenn ich im Supermarkt also für 132 CZK Lebensmittel einkaufe, darf ich mich wieder auf verdrehte Augen und genervte tschechische Diskussionsversuche freuen. Die tun immer so als würde man sie zwingen ihr Klo mit ihrer besten Krawatte zu putzen, wenn man ihnen mal ein bisschen mehr Geldgewechsle zumutet... saunervig!

Am Abend hab war ich dann mit der Schweizer Mathematikerin (deren Buch über die "Grundlagen der Algebra" [auf Tschechisch] ich kurz überflogen habe... das nächste mal greife ich dann doch lieber wieder zum guten, alten "Book of Vile Darkness", da sind die Alpträume danach weniger verstörend... oder hat jemand gerade ein "Necronomicon" zur Hand?) zum Tschechischen Filmabend. Es lief "Citizen Havel" eine sehr launige Dokumentation über Václav Havel: Der war nicht nur letzter President der Tschechoslowakei und erster der Tschechischen Republik (für zwei Amtszeiten), vorher Dissident während der Sowjet-Ära (saß deswegen auch insgesamt 5 Jahre im Gefängnis), sondern auch Schriftsteller, Dichter und "Playwright" (Gibt es da ein deutsches Wort für? Dramatiker? Stückeschreiber?). Er war maßgeblich beteiligt, um nicht zu sagen verantwortlich, für die "Samtene Revolution" (die gewaltlose Bewegung welche 1989 das Sowjetregime in Tschechien in die Knie zwang) und die Auflösung des Warschauer Paktes. Eine ganz außergewöhnliche Person also, welche die jüngste Geschichte dieses Landes wie keine Zweite geprägt hat und die Doku hat das schön wiedergegeben indem sie sich aber v.a auf Szenen des Alltags bzw. hinter der Bühne konzentriert hat. Das aber ohne in anheimelnde "Schau, der ist einer von uns"-Propaganda abzugleiten (Wir erinnern uns an Helmut Kohl in seinem Garten...), sondern ein sympathisches und gleichzeitig authentisches Bild von diesem Mann zu zeichnen. Die historischen Ereignisse welche ihn von 1993 bis 2003 umgeben, werden dabei oft nur angerissen und oft ohne Erläuterungen wieder fallen gelassen. Der Fokus liegt auf Havel und den Menschen in seiner Umgebung, wie sie die Situationen seines präsidialen Lebens lösen... oder auch nicht. Vom Kampf mit nicht passenden Hosen und Jacketts vor wichtigen Fototerminen, über Wutausbrüche angesichts des Jugoslawienkrieges, bis hin zum ermüdenden Feilschen um Formulierungen und Absichtserklärungen und sehr persönlichen Epsioden wie dem Tod seiner ersten Frau oder seinen Krebsoperationen (der Mann war... ist [? er lebt nicht, aber raucht er noch?] Kettenraucher) ... wirklich ein beeindruckendes Stück Dokumentation.

Zum Schluss bleibt noch festzuhalten, dass ich mir - bei aller Vorfreude - heute Abend nicht den Shakespeare-Film anschauen können werde. Wurde zu einem Geburtstag eingeladen. Verdammtes Sozialleben! Geschenke muss ich jetzt auch noch kaufen... ;)

Jetzt muss ich erstmal Tschechisch lernen. Der erste Zwischentest steht heute an und will mich nicht völlig blamieren. Also Nase ins Buch, Zeug ins Hirn, Zeug aufs Blatt und danach hoffentlich nicht sofort wieder vergessen...

Dienstag, 25. Oktober 2011

Christoph vs. the slutty banana

Heute nur kurz. Ich bin hundemüde, stinke nach Zigaretten und Bier und will nur noch schlafen! Habe heute aber ENDLICH mal bei den Historikern jemanden angetroffen. Ansonsten war da immer alles verschlossen und verlassen. Aber lauter lustige alter Männer, die sehr gut Deutsch (!) sprechen und generell sehr hilfreich waren. Somit wäre ich jetzt bei drei von fünf Unterschriften! Tadah!

Tschechisch lief heute sehr gut, sehe dem Test am Donnerstag recht gelassen entgegen. Wir haben Adjektive gelernt und was wäre da besser geeignet, um mit Adjektiven einzusteigen als - richtig - Farben! (Beispiel: Gelb heißt "Zlutá" Hájek über "Z", wird also gesprochen wie "schlutaa". Steht es vor einem Maskulinum - wie z.B. banán [Ja es heißt "der Banane"] wird es zu slutý, womit wir in meiner naiven Lesweise bei einer "slutty banana" angekommen waren, was zu infantilen Kichern und störendem Konzentrationsdefizit meinerseits führte...)
Danach bin ich mit der Finnin mit dem Pferdenamen in so eine Art Mensa für Touristen gegangen, in der man traditionelle böhmische Küche für sehr gemäßigte Preise zu futtern bekommt! Sehr empfehlenswert!

Das "Deutsche Literatur vor 1700" Seminar war heute sehr... merkwürdig und auch ein bisschen anstregend. Ich hab immer den Eindruck der Dozent möchte immer eine Sache, ein Schlagwort oder was auch immer hören. Da reicht es nich das zu umschreiben, oder mit einer anderen Terminologie das selbe zu bezeichnen, sondern er möchte das hören und nichts anderes. Ich sage also etwas zum Thema, er sagt "Ja, aber eigentlich..." und führt das dann weiter aus und am Ende denke ich mir "Hm und wo war das jetzt was anderes als das was ich gesagt habe, nur halt mit anderen Worten?!?". Mag solche hermetischen Fragestellungen nicht. Zudem ist mir aufgefallen wieviel ich im bereich "Mittelalter" voraussetze. Der Dozent ist wie verrückt drauf rumgeritten, dass es im Mittelalter die moderne Einteilung "weltlich / geistlich" nicht gibt und hat davor gewarnt diesen Gegensatz etwa im Prolog des Rolandsliedes zu sehen. Ich saß nur da "Hö? Gegensatz, wo denn? Herrschaft ist doch IMMER religiös". Ich denke da sehr mittelalterlich bzw. es ist bei mir genau andersherum. Ich muss mir nicht nochmal extra die Wirksamkeit mittelalterlicher Denkmuster bei der Betrachtung eines mittelalterlichen (!!!) Textes vergegenwärtigen... womöglich dafür bei einem modernen Text sehr wohl nochmal drüber nachdenken, dass wir jetzt einen völlig anderen geistesgeschichtlichen Hintergrund haben, der für "normale" Germanistikstudenten (also NDL-Püppchen) Standard ist. Scheint so als funktioniere mein analytisches Denken innerhalb mittelalterlicher Horizonte. Womit sich die Frage stellte, ob man es dann noch als "analytisch" bezeichnen darf...

Der Stammtisch im Anschluss war wie letztes mal wieder sehr amüsant. Völlig ohne auf die Uhr zu gucken ziehen Biere und Stunden nur so an einem vorbei und man unterhält sich über Nationale Stereotypen, ob sich diese in bestimmte Sexualpraktiken umsetzen lassen, inwieweit man Hegels Europäische Trinität im Prinzip auch einfach auf Kloschüsseln reduzieren kann, die Vorzüge und Nachteile von Weißwurst und leuchtet das weite semantische Feld Pfannkuchen/Eierkuchen/Berliner/Krapfen aus. Außerdem hab ich mir von einem Tschechen erklären lassen (müssen), warum Sätze wie "Der Brief wird schreiben gekonnt haben werden" (??? Bin mir nicht mehr ganz sicher, muss mir das nochmal aufschreiben lassen), dank sprachlicher Gemeinheiten wie Futur II und Ersatzinfinitiv, grammatikalisch völlig korrekt sind. Offensichtlich schreibt man über sowas in Deutscher Linguistik Hausarbeiten (Hallo lieber Lexer! Hab ich dich heute schon geknuddelt und geküsst? Was ist es nicht schön in der ÄDL!) Das machte massives Hirn-Aua. Für (noch) mehr Hirn-Aua sorgte die Schweizer Mathematikern, die gelegentlich erzählte (wie auch immer wir auf DAS Thema gekommen sind), dass man mathematisch beweisen kann, dass wenn man 10+100+1000+10.000+100.000+1000.000+usw.usf. unendlich oft addiert ( oder war es multipilziert?) das Ergebnis gegen (brace yourselves!) - 1/9 geht!!!! Und wegen solchen Sachen kann ich dann nicht einschlafen!!!

Womit ich weiterhin aber gar nicht klarkomme ist das ständige und allgegenwärtige Rauchen bei solchen Gelegenheiten um mich herum. Gerade hatte meine Jacke aufgehört zu stinken, jetzt sitzt das Zeug wieder drin. Mein Rucksack ist eigentlich nicht mehr tragbar und muss zwei Tage auslüften, meine Hose ebenfalls (meine letzte lange Hose!). Beißender Teer und juckendes Nikotin ist in meinen Augen, meinem Mund, meinen Haaren und meinen Kleidern (!!!)... bääääh ich muss DRINGEND duschen... so ins Bett gehen, geht gar nicht. Das vermisse ich wirklich an Deutschland: Rauchfreie Clubs und Kneipen... Aber sicherlich wir auch diese Errungenschaft Deutschen Wesens bald erfolgreich exportiert, und wenn sie dann noch den Euro annehmen, dann dürfen sie endlich das machen, was sie seit 20 Jahren anstreben: Sich in Mitteleuropa verorten. Herzlich Willkommen!

Morgen hoffe ich die letzten Überschriften eintreiben zu können und endlich die Learning Agreements nach Bamberg zurück schicken... Und irgendwann muss ich ja noch zur PIN-Stelle der Bank und meinen nervigen PIN abholen...

Übermorgen gucken wir uns dann Kenneth Brannaghs Verfilmung von Shakespeare's "Henry V" an. Und weil ich mich so darauf freue und heute der 25. Oktober - also St. Cyprianstag - ist bzw. war, hier noch einer der großartigsten Monologe den Shakespeare sich jemals ausgedacht hat (evtl. nach "poor yorick", "dagger", "to be or not to be" und "all the world's a stage"... hm das sind dann doch wieder ganz schön viele, wenn man ein bisschen drüber nachdenkt) und bei dem selbst ein völlig patriotismusbefreiter, überwiegend postmodern geprägter, deutscher/deutschsprachiger (!), militärskeptischer, kriegsdienstverweigernder Mittelalterstudenten, ein kleines bisschen Gänsehaut kriegt...

This day is call'd the feast of Crispian.
He that outlives this day, and comes safe home,
Will stand a tip-toe when this day is named,
And rouse him at the name of Crispian.
He that shall live this day, and see old age,
Will yearly on the vigil feast his neighbours,
And say, "To-morrow is Saint Crispian."
Then will he strip his sleeve and show his scars,
And say, "These wounds I had on Crispin's day."

Old men forget; yet all shall be forgot,
But he'll remember with advantages
What feats he did that day. Then shall our names,
Familiar in his mouth as household words,
Harry the King, Bedford, and Exeter,
Warwick and Talbot, Salisbury and Gloucester,
Be in their flowing cups freshly rememb'red.
This story shall the good man teach his son;
And Crispin Crispian shall ne'er go by,
From this day to the ending of the world,
But we in it shall be remembered-

We few, we happy few, we band of brothers;
For he to-day that sheds his blood with me
Shall be my brother; be he ne'er so vile,
This day shall gentle his condition:
And gentlemen in England now a-bed
Shall think themselves accursed they were not here,
And hold their manhoods cheap whiles any speaks
That fought with us upon Saint Crispin's day."

Disclaimer: Nicht dass ich Mord und Gemetzel so toll finde, oder das unbedingte Bedürfnis verspüre König und Vaterland mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. Der Monolog/Shakespeare spricht einfach eine archaische, tief verwurzelte Sehnsucht nach zu allem entschlossener Schicksalsgemeinschaft an, nach den einfachen Wahrheiten hinter Todesmut und Tapferkeit, welche der postpost(postpostpost?)moderne Alltag mit schöner Regelmäßigkeit dekonstruiert (und vermutlich sollten wir dankbar und froh drüber sein...). Aber wie schön wäre ein bisschen pathetischer Glanz, ein Hauch von historischem Hall, ein Ahnung von epochaler Gravitas, die jedoch im spröden Laptoplicht des frühen 21. Jahrhunderts verblichen und vergessen scheinen...

Montag, 24. Oktober 2011

Christoph vs. the bohemian bureaucracy

Heute ging es also in den langen Kampf gegen die böhmische Bürokratie.

Punkt Nr. 1 Miete lief sehr gut. Auch wenn die Dame am Schalter in der Rezeption kein Wort Deutsch oder Englisch versteht - mit Geldscheinen wedeln ist international verständlich und sorgt überall für gleichermaßenn glänzenden Auge ("Ah! Pay, pay!"). Also bin ich die nächste Monatsmiete losgeworden, was mich zu dem Punkt führt, dass ich heute seit tatsächlich vier Wochen hier bin! Der erste Monat ist also überstanden und MANN ging das schnell! So viel! So schnell! So toll!

Als nächstes musste ich mir Learning Agreements und Studienbescheinigungen ausdrucken und unterschreiben lassen. Ausdrucken war kein Problem, die haben hier ein recht ausgefuchstes Kartenbezahlsystem... bei der Gelegenheit hab ich auch mal in die Bib geschaut, weil da die Drucker stehen und irgendwie... ja... keine Bücher? Hallo? Reine Bestellbib, alles ins Magazin verbannt? Sehr merkwürdig. Das mit den Büchern bestellen und ausleihen muss ich mir ohnehin langsam mal aneignen...
Ich hab meine Agreements also ausgedruckt uns soweit ausgefüllt jetzt ging es daran die fünf Unterschriften einzutreiben.
Germanistik war kein Problem, rein, Unterschrift drauf, fertig. Der Geschichtsmensch hingegen war - wie immer - nicht anzutreffen, die Tür ist immer wenn ich es versuche abgesperrt. Auch die Frau, die für die Mittellatein Veranstaltung verantwortlich ist, ist erst ab Mittwoch anzutreffen. Also verschiebt sich wieder alles um zwei Tage... Immerhin am Abend im CIEE hat alles problemlos geklappt. Zwei hab ich also drei brauch ich noch. Das letzte ist das kleinste Problem, das ist ja im International Office selbst, die mach ich ganz am Ende...

Danach wollte ich mir endlich ein vernünftiges Semester-Ticket kaufen, aber irgendwie war de Frau am Schalter damit nicht einverstanden. Nach einigen fruchtlosen Versuchen meinerseits ihre tschechischen Einwände auf englisch, deutsch und sogar französisch verstehen zu wollen, hat sie mir dann ein Ticket verkauft, es stellte sich jedoch heraus, dass es sich wieder nur um ein MONATSticket handelt! Großartig! Jetzt darf ich da in einem Monat wieder hinrennen und teurer wird es sowieso...

Entsprechend angenervt hab ich mich dann auf den Weg in den tiefen Süden der Stadt gemacht, wo die Post und PIN-Stelle der Bank ist, wo mir gesagt wurde, dass ich meine rückläufige Post abholen könne. Bin da ne ganze Ecke mit der Metro hin gefahren, war im Bankenviertel, also da wo die fünfeinhalb "Hochhäuser" stehen, die es in Prag gibt. Nach langem hin und her Gewandere hab ich das richtige Gebäude dann doch irgendwannn gefunden und dort auch recht schnell den lang ersehnten Umschlag auftreiben können. Nun hatte ich ENDLICH alles, um mein Konto freischalten und die Karte erhalten zu können - dachte ich zumindest.

Als ich nämlich wieder in die Stadt zurückgefahren war und in der Bank saß, hat mir die wirklich sehr nette und auch sehr gut englisch sprechende Dame erklärt, dass ein Umschlag fehlt. Nämlich der mit dem PIN für die Karte... Nach vielem Rumtelefoniere ihrerseits stellte sich heraus, dass die Post und PIN-Stelle zwischenzeitlich nochmal versucht hatte mir den PIN zuzuschicken. Ist ja auch naheliegend, wenns beim ersten mal an die Adresse versenden nicht klappt, ist das ja kein Grund davon auszugehen, dass es beim zweiten mal nicht doch wundersamerweise funktionieren könnte. Der Frau am Schalter war das alles sichtlich peinlich, sie hat mir dann - obwohl das ohne PIN eigentlich nicht geht - immerhin meine Karte gegeben und mir gezeigt die das Online-Banking funktioniert. Yay! Ich bin nun also bald fast finanziell einsatzbereit! Nur leider muss ich halt nochmal da runter fahren und mir bei denen meinen PIN-Abholen, wenn er wieder bei ihnen eingelaufen ist... :P

Danach beschloss ich den Kampf Kampf sein zu lassen und habe einige Stunden die Stadt erkundet, bevor es dann zum abendlichen CIEE Kurs ging. Wir nähern uns unaufhörlich dem 30jährigen Krieg in dessen Frühphase zumindest Böhmen ja eine zentrale Rolle gespielt hat... man darf gespannt sein!

Morgen geht die Jagd auf Unterschriften dann weiter, außerdem hab ich wieder Tschechisch-Kurs, Germanistik-Seminar und ganz wichtig natürlich den Deutsch/Tschechischen Stammtisch :)

Sonntag, 23. Oktober 2011

Christoph vs. the museum of medieval horror

Meine ambitionierten Pläne es mit der Prager Unibürokratie aufzunehmen wurden am Freitag von derselben unaufgeregt und souverän dekonstruiert.

- Study Coordinator Nr. 1, dessen Unterschrift ich für mein Learning Agreement gebraucht hätte, war gerade in Berlin. Erst am Montag wieder da.

- Study Coordinator Nr. 2, dessen Unterschrift ich für mein Learning Agreement ebenfalls gebraucht hätte, war ebenfalls nicht im Lande. Nächste Woche wieder!

- Im International Office fand ich immerhin heraus der mein Institutional Coordinator ist: Das International Office! Nur nicht die Dame am vorderen Tisch mit der ich am Donnerstag sprach und die mir da nich weiterhelfen konnte, sondern die am hintern Tisch.

- Der eigentliche Knackpunkt kommt erst noch: Die Dame am hinteren Tisch eröffnet mir dann, dass sie mir mein Agreement ohnehin so nicht unterschreiben kann, weil ich nämlich Veranstaltungen von fünf verschiedenen Departments besuche (Germanic Studies, General History, Middle Latin Language, International Courses, CIEE) und daher für JEDES ein einzelnes Agreement mit einer eigenen Unterschrift vom jeweiligen Koordinator vorlegen muss. Natürlich hatte ich keine Blankos mehr also musste ich mir neue organisieren und muss jetzt am Montag die gaaaaanz große Runde über alle fünf Departments machen und mir jeweils ein eigenes Agreement unterschreiben lassen! Nervig! Dann krieg ich die Unterschrift vom Institutional Coordinator/International Office und darf dann alles noch nach Bamberg schicken... Extra-nervig! Ich hasse Bürokratie!

- Danach hatte ich dann auch keinen Bock mehr mich mit dem Konto rumzuschlagen. Außerdem hatte ich den Zettel mit der Adresse vergessen. Also häng ich das am Montag einfach mit an...


- Immerhin das mit dem Ticket klärt sich jetzt. Habe mich eben mit meiner Tutorin getroffen und nach einigen Recherchen und Nachfragen (meinerseits) stellte sich heraus, dass diese Open Card gar nicht die beste Option für mich ist und ich besser "fahre" (iwSdW), wenn ich mir einfach ein reguläres Semesterticket kaufe. Das ist einfach, das kann ich ;). Immerhin eine Baustelle (fast) geklärt. Dafür bin ich heute auch gleich mal in der Metro kontrolliert worden. Sonntag vormittags! War jetzt das zweite mal in vier Wochen. Das erste mal war nach 2Uhr in einer Nacht-Tram.. also immer zu sehr entlegenen Zeiten. Niemand kommt offenbar auf die Idee Dienstag um 8.30h in der Metro kontrollieren zu wollen...

- Die Öffnungszeiten hier sind phänomenal. Habe gerade eben Vorräte für die nächsten Tage gekauft. Sonntag Mittag. Aber auch letzte Woche, als ich nach der Exkursion nach Hause kam (19.30h) hatte die Norma an meiner Station noch offen! Halb Acht Sonntag Abend! Um die Zeit sind die Geschäfte in Bamberg auch UNTER der Woche schon dicht. Am Sonntag machen sie gar nicht erst AUF! Grossartig, aber daran muss ich mich noch gewöhnen...

- Gestern hab ich nicht viel gemacht. Dem Tipp eines gewissen Taugenichts folgend habe ich mir mal die kurzlebige Fox Serie "Wonderfalls" vorgeknöpft und war sehr schnell very hooked. Es ist wirklich ein sehr besonderes Kleinod, dem man mit Freunden noch einige Staffeln länger gefolgt wäre... aber spätestens seit "Firefly" wissen wir ja, dass auch unter den Serien nur die besten jung sterben (Im ernst: Schaut euch mal Rubicon an!).

- Am Abend wollten wir (ich, die Belgierin, die Finnen ohne Pferdenamen) auf eine "Horror History Tour" gehen, für die der Treffpunkt wahnsinnig präzise mit "The Horse Statue" angegeben war. In diesem Kontext kommt dafür eigentlich nur die Wenzelsstatue am Wenzelsplatz in Frage. Da waren wir dann auch, aber niemand sonst (eine andere "Horse Statue"?), also haben wir uns unsere eigene Horror-Tour organisiert und sind endlich mal in dieses "Museum of Medieval Torture Instruments" an der Karlsbrücke gegangen. Und meine schlimmsten Befürchtungen wurden sogar noch unterboten. Kein Konzept, kein Anspruch, kein einziges Original. Alles sehr, sehr schlechte "Faksimiles" auf alt getrimmt. Kein Wort zur Theorie von Folter, zur Rechts- und Wahrheitsauffassung die dahinter steckt, warum Folter innerhalb bestimmter gedanklicher und geistiger Horizonte durchaus Sinn machte, wie sich die rechtliche Situation von Folter und Todesstrafe innerhalb eines Verfahren gestaltete... Nur auf Effekt und Grusel gemachte Touristenfalle. Oh und natürlich das Etikett "Medieval". Die älteste Jahreszeit, die ich fand war 1457... also bereits in dem was man mit allerbesten Gewissen als "spätes/ausgehendes Mittelalter und/oder frühe/beginnende Neuzeit" bezeichnen kann... aber NEIN... Medieval verkauft sich natürlich viel besser und jeder weiss ja dass im ach so finsteren, rohen und dummen Mittelalter permanent geraubt, gemordet, geplündet und eben auch gefoltert wurde was das Zeug hält... gar nicht gut also, aber meine "Horror"-Erfahrung hatte ich dann für den Abend auch...

- Mal sehen wozu ich mich heute noch aufraffen kann. Hausaufgaben und Lernerei für den Sprachkurs stünden auf jeden Fall an, zusätzlich müsste ich noch einige Adressen für meine morgige Unterschriftensammelaktion in Erfahrung bringen... und dann ist da noch die Hausarbeit für die Alllerschönste Hutfrau, die ich Korrektur lesen wollte... aber zuerst noch ein paar Folgen Chuck ;)

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Christoph vs. Franz Kafka

Die letzten beiden Tage waren insgesamt wenig ereignisreich. Mittwochs habe ich immer viel Uni, ansonsten habe ich v.a. versucht einige organisatorische Dinge auf die Reihe zu bekommen.

- Mein Learning Agreement habe ich ausgefüllt. Muss noch unterschrieben werden. Zunächst vom Study Coordinator, aber der Mann ist schwer zu erwischen, selbst dann wenn er Sprechstunde haben sollte. Wenn ich ihn morgen nicht zu fassen kriege, muss ich ihn am Montag wohl nach seiner Vorlesung auflauern. Die zweite Unterschrift brauch ich vom "Institutional Coordinator". Wer das aber ist und wo der sitzt, scheint keiner so genau zu wissen...

- Der erste Versuch gestern an der Rezeption des Wohnheims rauszufinden wie das mit der Post ist, ob irgendwo ein vereinsamter Brief mit einem PIN Code für mein hiesiges Konto auf mich wartet, scheiterte - mal wieder - an der Sprachbarriere. Heute konnte ich dann einen der netten Tschechen von Dienstag-Abend rekrutieren, der mir half ein bisschen Klarheit zu erlangen: Kein Brief nirgends, die Postfächer im Flur, die ich die letzten Wochen stets kontrolliert habe sind offenbar nur (noch) Dekoration. Dafür gibt es eine Liste auf der die an der Rezeption abzuholende Post steht. Auch hier war mein Name nicht zu finden. Postfehler? Wohnheimfehler? Bankfehler? Also ab in die Stadt zur Bank. Da hieß es wieder Nummer ziehen und warten. Dann: "Bohuzel memluvím Cesky. Mluvíte Anglicky?" - "Neeee". Also nochmal warten bis eine Dame aufgetrieben worden ist, die zumindest rudimentär Englisch beherrscht. Natürlich behaupten sie den Code abgeschickt zu haben. Nicht willens nochmal zu warten und zu hoffen dass es diesmal mit Post und Wohnheim besser klappt hab ich ihr dann die Adresse der Stelle abgeschwatzt, wo die PINCodes bereitgestellt werden. Da werde ich jetzt hingehen und das persönlich abholen, damit ich endlich mein Konto aktivieren kann, damit ich endlich dauerhaft Geld zur Verfügung hab. Die vor eineinhalb Wochen in Dtld. abgehobenen Reserven gehen nämlich langsam zu Neige und anfäng nächster Woche muss ich Miete bezahlen!

- Dann brauche ich noch ein neues Ticket. Gibt die "Open Card", sicherlich die beste, umfassenste und günstigste Alternative. Aber der Bewerbungsprozess ist labyrinthisch und - natürlich - gibt es alle Unterlagen nur auf Tschechisch. Also muss wieder meine Tutorin aus der Orientierungswoche reaktiviert werden, um mir hoffentlich beizustehen. Dann muss ich wieder rausfinden, an welchem der "contact points" diese Woche die Tickets verkauft werden und meine Bewerbung abgeben, damit ich dann hoffentlich irgendwann die Open Card bekomme...

- Langsam beginne ich die Dimensionen des Begriffs "kafkaesk" zu erahnen und begreife wo der Mann die Inspiration für "Der Prozess" u.ä. herbekommen hat...

Außerdem:

- Habe gestern voll Frustration zusehen dürfen wie eine Dozentin aus dem eigentlich ja hochinteressanten Thema "Intellektuelles Leben am Hof Karls IV." eine echt anstrengende Schnarchnummer machte. Wenn ICH bei diesem Thema gegen den Schlaf kämpfen muss, bezeugt das tatsächlich eine außerordentliche (Fehl)Leistung des Dozierenden. Andere haben tatsächlich geschlafen, gelesen, geskypt, gemalt oder Sudokus (?? Plural von "Sudoku"??) gelöst...

- Die gute Nachricht ist, dass die CIEE Midterms verschoben wurden! Eine Woche länger Zeit, um sich um andere Dinge zu kümmern...

- Es regnete die letzten beiden Tage. Mein polnischer Regenschirm und meine hessischen Handschuhe leisten mir gute Dienste. Nur knarzt er (der Regenschirm) manchmal bedrohlich... meine Handschuhe hingegen sehen einfach nur todschick aus. Muss mir außerdem eine neue Mütze kaufen. Nachdem die H&M Kopfbedeckung aus der letzten Saison, zu Beginn meines Prag-Aufenthalts die Krätsche gemacht hat...

- In der Vorlesung "Deutsche Literatur vor 1700" traf ich die Schweizer Mathematikerin wieder. Hat mir von "Brückentheorien" (???) erzählt. Grundsätzlich faszinierend, aber ich konnte spüren, wie mein Hirn nach einigen schmerzhaften Verrenkungen irgendwann in Shut-down Modus ging und beleidigt schmollte. Mathe bleibt mir eine Arkandisziplin von quasi-magischem Charakter.

- In der selben Vorlesung beim Auflisten des Quadriviums gescheitert: Arithmetik, Astronomie, Musik und... ? Geometrie war es natürlich... Argh! Und natürlich wieder MATHE! Alles andere in der Vorlesung war natürlich trivial...

- Der tschechische Film gestern Abend war ein bisschen anstrengend. Episodenfilm. Vorworrende Beziehungsschicksale in Prag, alle irgendwie miteinander verwoben. Hab den Einstieg nicht ganz mitgekriegt und konnte nur so halb folgen. Aber einige interessante Einfälle. Hm, Titel hab ich scheinbar vergessen... "Loners" auf Englisch...

- Tschechisch Kurs macht langsam ernst. Heute mit Genera angefangen. Nächste Woche steht der erste Zwischentest an und wir kriegen tonnenweise Hausaufgaben auf. Komisches Gefühl... Hausaufgaben!

- Der englische Historienfilm heute Abend war trotz Ian MacKellen eher ernüchternd. Eine "Abfilmung" (gibt es da ein richtiges Wort für?) von Christopher Marlowes "Edward II.", gemacht in den 60ern. Miserable Tonqualität, keine Untertitel und MacKellen (in der Titelrolle) spielt... weinerlich-blasiert. Wann ist der Mann gut geworden? Muss mir mal wieder LotR angucken...*seufz*

- Ansonsten hab ich noch viele, viele, viele Episoden Chuck geguckt. Schöööööööön! Bin jetzt in die Mitte der Dritten Staffel vorgestoßen... Wenn ich mit Chuck durch bin, werde ich mal die dritte Staffel von "Mad Men" in Angriff nehmen. Oder die zweite von "Fringe". Oder die dritte von "Dexter". Oder endlich mal "Twin Peaks" gucken. Oder doch die "Sopranos"? "Skins"? "Broadwalk Empire"? "Spartacus"? Warum dauert es noch ein halbes Jahr bis die zweiten Staffel von "Game of thrones" endlich anläuft? Und wer schreit da dauernd "Wonderfalls!!!"???

- Morgen steht dann an: Amerika-Seminar. Dann: Unterschrift vom Study-Coordinator organisieren. Dann Institutional Coordinator identifizieren, lokalisieren und fixieren. Dann rausfinden wo und wie ich meine Studienbescheinigung für Bamberg ausdrucken und kann und schließlich alles zur Post tragen und wegschicken. Wenn danach noch Zeit und Nerven vorhanden die PIN-Stelle der Bank aufsuchen, um Konto und Karte zu aktivieren...

- Fürs Wochenende selbst hab ich noch keine Pläne, aber da wird sich schon noch was finden. Zur Not fang ich mal an meine Museum-Liste abzuarbeiten...

- Noch DREI Wochen (EINUNDZWANZIG Tage) , bis die allerschönste Hutfrau mich besuchen kommt :-) !!!

Dienstag, 18. Oktober 2011

Christoph vs. the Stammtisch

Es hebt sich also an die dritte Woche in Prag!

Ich muss:

1) das Postproblem lösen.
2) Die Austauschunterlagen nach Bamberg zurückschicken.
3) Für die Midterms nächste Woche lernen.
4) Mein Thesenpaper für übernächste Woche vorbereiten.

Es reißt also langsam so etwas wie universitärer Alltag ein. Gaaaaaaanz laaaaaaangsaaaaaam. Ein gutes Gefühl! So schön der mobile Café&Laptop-Lifestyle der ersten Wochen war, so hatte er doch etwas sehr unruhiges und äußerst... öhm... liminales. Nichts was man für neun Monate durchhalten könnte. Was sich jetzt hier die letzten Tage abzeichnet.... schon eher! Mir hat einfach eine feste Basis gefehlt und jetzt mit dem Internet im Wohnheim hab ich die. Natürlich unter allen zu machenden Einschränkungen (mangelnder Platz, keine Privatsspähre, mangelhafte Infrastrukturen), aber im Augenblick kann ich mir Vorstellen mich ganz gut damit zu arrangieren.

Am Vormittag wurde also ein bisschen Serien geguckt und dann Tschechisch gelernt. War ganz erfolgreich, der Kurs lief dann auch entsprechend gut. Hab mir Karteikarten gekauft und alle Vokabeln und Redewendungen da drauf geschrieben. Jetzt kann ich immer in Tram und Metro Tschechisch lernen... immerhin ist der Hitchhiker's Guide fast ausgelesen... Ich hab ja schon ein bisschen den Anspruch das ordentlich zu machen (Ja! Ehrgeiz! Ich!). Ich meine bessere Bedingungen, mehr Zeit und ein besseres Umfeld, um diese Sprache richtig zu lernen, finde ich so schnell nicht mehr. Außerdem ist es unwahrscheinlich cooooool eine so abgefahren Sprache wie Tschechisch einigermaßen zu können...
Im Kurs kam heute neben den Fragen, Wer, Was und Wo etwas oder jemand ist und wie man diese beantwortet auch DER wohl brühmteste Satz der Tschechischen Sprache dran:

"Strc prst skrz krk!" (Hájek über dem "c")

Kein Scherz.

Wie man sieht verdankt der Satz seine (zweifelhafte) Berühmtheit der Tatsache, dass er sich völlig ohne Vokabeln genügt. Wozu auch? Er illustriert also sehr schön zu welchen Abscheulichkeiten das Tschechische v.a. bei der Aussprache fähig ist. Und das ganz ohne Hájek-r! Übersetzt bedeutet er etwa: "Stecke dir deinen Finger durch den Hals". Richtig "durch", nicht "in", wie mir das mal in Dtld. erklärt worden ist. Das bedeutet: Der Satz ergibt eigentlich überhaupt keinen Sinn, ist also im engeren Sinne gar kein Satz! Ergo: Auch das Tschechische kann keine Sätze ohne ein paar altmodische Vokale basteln, die Tschechen tun nur immer so als wäre ihre Sprache so krass, eigentlich ist alles nicht so schlimm und ich werde diesen Kauderwelsch in nullkommanix beherrschen ;).

Später Vorlesung. Frühmittelhochdeutsche Literatur. Geschenkt, Heimspiel. Hab mich zwischen Monophthonigerung, Diphthongierung, Lexer und Kaiserchronik sehr zu Hause gefühlt... schöööööööön! Hab mich einmal mehr für den Weg des geringsten Widerstandes entschieden und mich bei der Wahll des Textes für den wir ein Thesenpapier erstellen müssen und den wir dann im Kurs als Experten vorstellen müssen für - tadah - das Nibelungenlied entschieden :) Geschenkt, Heimspiel. Könnte ich zur Not auch aus dem Stand machen ;).

Das Seminar mit der Vorlesung richtet sich ja, wie ich schon einmal geschrieben habe, v.a. an tschechische Germanistik-Stundenten. Diese können alle einschüchternd gut Deutsch sprechen und einer hat mich dann auf den "Deutsch-Tschechischen Stammtisch" im Anschluss an das Seminar eingeladen.
Bin dann dort aufgekreuzt ohne mir allzuviel zu erwarten, and boy, was I wrong!

So einen Haufen, netter, kreativer, kluger, lustiger und interessanter Menschen, die sich dort getummelt haben! Wurde ein sehr langer, sehr schöner Abend den ich sehr genossen habe. Es war gut, den ganzen Abend völlig entspannt Deutsch sprechen zu können, wie gesagt, die Tschechen in diesem Studiengang, beherrschen das alle beunruhigend gut, und sich in dieser Weise auszutauschen. Im Folgenden nur einige Impressionen aus einem langen, bunten, unterhaltsamen Abend:

- Habe eine ganz bemerkenswerte Schweizerin kennengelernt mit beeindruckender Vita: Zweisprachig (Deutsch/Tschechisch) aufgewachsen, Mutter ist Professorin für Slavistik, Vater ist Professor für Mediävisitk (JAHA!) und arbeitet mal eben an einer Parzival Digital-Edition (Für Mediävistik-Insider: http://www.parzival.unibas.ch/home.html). Spricht zudem noch Englisch, Französisch und ein bisschen Italienisch. Hat das Latinum an der Uni nachgemacht, weil das an ihrer Schule nicht ging, machte ihren ersten Bachelor in Molekularmedizin (!!!) und studiert jetzt: MATHEMATIK. Nebenfach Germanistik. Geht in der Schweiz offenbar auch ohne Lehramt (allerdings will sie das natürlich noch nachholen).
Ja, sie hören richtig meine Damen und Herren: Da haben wir jemanden mit ALLEN Vorraussetzungen eine strahlende Geistes- und Kulturwissenschaftlerin zu werden und was macht man damit? Genau: Mathe studieren! Alle meine Versuche sie davon zu überzeugen der dunklen Seite der Macht den Rücken zuzukehren scheiterten... *seufz*... aber da stecken wohl ähnliche Mechanismen dahinter, wie hinter meiner Entscheidung nicht in die Theologie zu gehen ;).

- Habe mich mit einer Sächsin, einer Österreicherin und einem Oberpfälzer sehr spannend über Deutschen Regionalismus unterhalten. Offenbar sind wir Franken schon ein sehr besonderes Völkchen mit unserem übersteigerten, aus der Besatzungsnot und Minderwertigkeitskomplexen heraus konstituierten, Regionalpatriotismus. War gar nicht so einfach das verständlich zu machen ohne gleich als Separatist dazustehen...

- Am Ende, nach einer ganze Reihen von Bieren, hatte ich eine HÖCHST anregende Diskussion mit einem tschechischen Germanistik und Philosophie Stundenten, der einige steile Thesen über Imperialismus, Industrialisierung und Immanuel Kant hatte. Ein sehr lautstarker, schwungvoller und heftig gestikulierender Kerl mit rumpelnden Akzent und exaltierten Gebaren. Habe versucht ihn mit sozialen Konstruktivismus und kulturellen Relativismus zu knacken, bin aber wiederholt an einer dicken Wand aus Adam Smith, Napoleon und Kant abgeprallt. Einig wurden wir uns dann aber dahingehend, dass unsere jeweiligen, möglichst akademisch vergeistigten und wirtschaftlich sinnlosen Studien unsere ganz persönlichen Akte der Rebellion gegen das marktgerechte und wirtschaftkonforme Studienformat des Bologna-Prozesses sind! Das man in Dtld. so etwas wie "Interdisziplinäre Mittelalterstudien" studieren kann, hat ihn sehr glücklich gemacht. Haben uns - obwohl wir uns bei Kant wohl nicht mehr einig werden - wirklich sehr, sehr gut verstanden und er verabschiedete sich mit den Worten "auf dass wir uns Wiedersehen in der Hölle, im Mittelalter oder in einer Woche an dieser Stelle!"... was für ein Typ... :)

- Den Heimweg trat ich mit drei Tschechen an, von denen immerhin zwei im selben Wohnheim "leben" wie ich. Einer war der freundliche Zeitgenosse, der mir vor zwei Wochen kurzzeitig in meinem Kampf gegen die Sprachbarriere an der Wohnheim Rezeption beistand. Wenn ich damals gewusst schon hätte, dass er PERFEKTES Deutsch spricht... deswegen hat er mich auch zunächst auf englisch angesprochen und gedacht, dass ich Amerikaner bin, der Deutsch studiert, worauf ich wiederum auf Englisch geantwortet habe, bis wir darüber aufgeklärt worden sind, dass wir es doch mal auf Deutsch versuchen sollten, da wieder beide das ganz gut beherrschten...
Stellte sich im Gespräch mit meinen beiden Leidensgenossen heraus, dass das Wohnheim in den ich gelandet bin, eigentlich nur für tschechische Studenten gedacht war und erst seit diesem Jahr soviele ausländische Studierende hier untergebracht worden sind. Was das Problem mit der Sprache erklärt. Habe die armen Leute dann erstmal alle Schilder und Aushänge im Wohnheim für mich übersetzen lassen (allerdings... wirklich wichtig war da jetzt keiner...) und einige Fragen geklärt, die mich beschäftigten. Das Duschproblem (und viele andere auch) ist nicht exklusiv das meinige und das mit der Post müsste sich eigentlich klären lassen. Yay! Es renkt sich doch alles ein. Es bestätigt sich aber auch meine Einschätzung, dass das Wohnheim hier sehr, sehr günstig ist. Billiger kann man in Prag wohl kaum wohnen, als ich das im Augenblick tue...

- Oh, und überraschend viele Leute kennen Bamberg, sind schon mal da gewesen oder kennen zumindest jemanden, der das von sich behaupten kann. Es ist halt doch irgendwie nur einmal ums Eck von hier aus...

Auf jeden Fall werde ich diesen "Stammtisch" in mein festes Programm aufnehmen. Wirklich sehr, sehr angenehm. Schade, dass wir das in Bamberg nie regelmäßig auf die Reihe gekriegt haben...

Montag, 17. Oktober 2011

Christoph vs. the webcam

Jaaaaa ich weiss... eigentlich sollte ich erstmal den gestrigen Tagestrip nachholen. Kommt noch, wird gemacht... irgendwann!

Aber heute ist soviel einfacher. Viel ist nämlich nicht passiert. Ich habe ausgeschlafen (bis 9.30! - war nach dem Wochenende auch irgendwie nötig...) und wollte gerade anfangen Wäsche zu waschen, als ich von meinem putzwütigen Zellengenossen überrumpelt wurde der mit Mundschutz und Desinfizierungsspray durchs Zimmer turnte... nagut... ich verstehe einen Wink mit dem Zaunpfahl, egal wie unsubtil er durchgeführt wird. Also hab ich erstmal ein bisschen sauber gemacht, Müll rausgebracht und dann Wäsche gemacht. Hängt also wieder alles voll. Überall um mich herum ist Wäsche! Wann ist das so viel geworden? Und hab ich nicht eben erst Wäsche gewaschen? Dann habe ich entdeckt, dass - HEUREKA - endlich die zweite Staffel von "Walking Dead" anläuft! Ganz, ganz grossartig! Diese vom kleinen aber feinen Sender AMC (v.a. bekannnt für die bahnbrechenden Serien "Mad Men" und "Breaking Bad", sowie (weniger) für das relativ unbekannte "Rubicon", das leider, leider, leider nach der ersten Staffel geaxt wurde... was dem "Firefly-Effekt" nach für allerhöchste Qualität, grenzenloses Potential, und absoluten Kultstauts spricht... aber vermutlich ist die Show dafür zu obskur, zu intelligent und zu komplex... aber ach, schaut es euch einfach selbstan...) verantwortete Graphic Novel-Adaption, sollte man sich nur ansehen, wenn man sowohl Eingeweide als auch Nerven aus Drahtseil hat, aber es ist es immer wieder wert! Ich hoffe nur sie finden ein bisschen zurück zur Comicvorlage (die sich im Augenblick vollumfänglich in einem Karton im schönen Gärtenroth auf dem Dachboden befindet, falls sich jemand geneigt fühlen sollte, sich ein bisschen weiterzubilden ;-)), von der sie sich am Ende der ersten Staffel nahezu komplett verabschiedet hatten... das Ende der ersten Episode gibt da ja Anlass zur Zuversicht!

Später am Tag habe ich dann endlich Wäscheklammern erworben (in einem DM) mit denen die Wäsche jetzt etwas weniger provisorisch befestigt werden kann. Ist echt verrückt, was es hier alles an deutschen Läden/Firmen gibt: Schlecker, DM, Salamander, Norma, Lidl, Sparkasse, Raiffeisenbank, Volksbank, Deutsche Bank... dauernd sieht man DPD oder DHL Autos rumkurven... wir sind wirklich überall!

Danach wollte ich eine Webcam erwerben, was nicht allzu einfach war. Bin ganz schön durch die Stadt geirrt bis ich dann, nach dem Abendlichen CIEE Kurs, endlich eine gefunden habe. Dabei hab ich mich zum ersten mal (jaaaaaa) in ganzen Sätzen (jaaaaaaaaaaa) auf Tschechisch (jaaaaaaaa) verständlich gemacht (oh jaaaaaaaa). Das sah dann folgendermaßen aus:

"Dobrý den! Bohuzel nemluvím cesky [Hájek über "z" und "c"]. Mluvíte anglicky?"

Wer's übersetzen kann, darf sich nen virtuellen Keks nehmen. Hab die ganze Metro/Tram Fahrt den Satz geübt und konnte ihn dann auch erfolgreich gleich in mehreren Geschäften anbringen. Und bei einem Bettler, der mich hinter Wenzelsplatz ansprach. Am Ende hatte ich endlich eine gar nicht mal so billige Webcam erworben (nicht vom Bettler), die sich jedoch ganz wunderbar mit meinem Laptop und skype verträgt, was wiederum die Allerschönste Hutfrau sehr glücklich gemacht hat! Wer möchte kann mich jetzt also anskypen, dann kriegt er per Webcam die Fernführung durch meine sechs Quadrameter Wohnheimzimmer ;).

Ansonsten hab ich jetzt glaube ich alle aktuellen Serien aufgeholt soweit ich sie die letzten Wochen verpasst habe. Habe einen Plan gemacht, wann was zu streamen ist und freue mich auf morgen wenn neue Episoden von Terra Nova, HIMYM und Castle zur Verfügung stehen! Ansonsten werde ich an den Serien weitergucken, bei denen ich noch nicht auf dem aktuellsten Stand bin, also v.a. "Chuck" (Was mich heute nerdgasmisch glücklich gemacht hat: "Y - The last man" UND ein "Frak off"-BSG-Shirt in DERSELBEN Szene!) und "Mad Men"...

Sonntag, 16. Oktober 2011

Christoph vs. the night-tram

Ich habe Internet om Wohnheim! Das Leben ist schön! Die Vögel singen! Die Sonne scheint! Die Metro rattert und die Tram klingelt! Endlich bin ich wieder vereint mit der wichtigsten sozialen, kommunikativen und organisatorischen Infrastruktur meines Lebens!

Merkwürdig dass dennoch - oder gerade deswegen - hier seit über drei Tagen nichts mehr geschrieben worden ist... woran das liegt? Entweder es ist nicht soviel passiert oder jetzt, da das Internet allverfügbar geworden ist hat das Blogschreiben seinen Reiz verloren v.a. da es so nun nicht mehr zur Manifestation eines "bohemian" Café&Laptop-Lifestyles wird, sondern Zeit, die ich auch mit Seriengucken verbringen könnte ;).

Aber keine Furcht, ich werde hier weiterhin ab und an von mir hören lassen. Und sei es nur zwischen zwei Episoden "Chuck" oder "Mad Men"...

Donnerstags ging der Tschechisch Kurs in die zweite Runde. Wir haben zählen gelernt (Vier ist ein schlechter Witz: "Tschtytschrri" oder so ähnlich...), dann noch Aussprache und Buchstaben und solche Grundlagen eben. Für mich verwirrend. Wenn die Tschechen einen Ansprechen benutzen sie den Akkusativ (??? - muss nochmal nachfragen). D.h. auf jeden Fall, dass an den männlichen Vornamen ein "-a" angehängt wird (z.B. der nach Jan Pallach - einem Studenten, der sich im Protest gg. das Sowjet-Regime selbst verbrannte - benannte Platz, an dem unsere Uni steht heißt: Namesti Jana Palacha). Ich werde also mit "Christopha" angesprochen, was für mich klingt wie "Christopher" - verhängnisvollerwiese eine Anrede auf die ich mir seit dem Kindergarten eisern antrainiert habe nicht zu reagieren... wodurch es immer zu unangenehmen Pausen kommt, wenn ich dran bin...
Die netten diakritischen Zeichen über den tschechischen Buchstaben, welche die Aussprache so brutal merkwürdigen machen (bzw. welche die brutalen Merkwürdigkeiten der tschechischen Sprache schreib- und lesbar machen), verdanken wir übrigens keinem Geringen als Jan Hus (Danke Mann! Ich meine Laienkelch und alles ist ja schön und gut, aber das Hájek!?!? Wirklich?!?!).

Am Abend war dann wieder Englischer Historienfilmabend. Diesmal ""The Lion in winter", ein Titel bei dem SOIAF Fans Schmunzeln dürften ;-). Allerdings ging es nicht um Lannisters die sich die pupurnen Klöten im Westerosi-Winter abfrieren (leider), sondern (wieder) um Heinrich II. Plantagenet (der Mann ist einfach wichtig...), wieder mitreissend gespielt von Peter O'Toole! Ansonsten haben wir noch Katherine Hepburn als Heinrichs Gattin Eleonore von Aquitanien (Hepburn gewann einen der drei Oskars, die der Film damals kassierte - die historische Person, die sie spielt ist allerdings auch nicht ganz unwichtig ;-)) und seine Söhne Richard (später bekannt als Lionheart- gespielt von einem sehr steifen Anthony Hopkins in seinem Kinodebut!), Geoffrey und John (später bekannt als Lackland, derjenige der den Engländern die Magna Charta hat durchgehen lassen - hierzulande v.a. geliebt und gehasst als "Prinz John" aus div. Robin Hood Rezeptionen). Dazu kommt noch Timothy Dalton (Genau, James Bond No. 4! Ebenfalls sein Kino-Debut) als Französischer König Louis II..
Der Film basiert auf einem Broadway-Drama und spinnt einen dichten, sehr dramatischen Bogen an fiktiven Ereignissen der historischen Figuren in sehr akkurat gezeichneten und wechselhaften interpersonellen Konstellationen. Jeder hasst jeden, alle Söhne haben einen massiven Vater UND Mutter-Komplex, die Eltern verbindet eine hingebungsvoll gepflegte, leidenschaftliche Hassliebe (Er sperrt sie das Jahr über in Schloss Windsor ein und besetzt ihre Länderein, sie organisiert im Gegenzug Aufstände und Bürgerkriege gegen ihn...).
Die Herkunft des Stoffes von der Bühne in dem Film stark anzusehen: Die Handlung entfaltet sich in einer Nacht (Weihnachten 1183) und an einem Ort (Chinon, Hauptresidenz Heinrichs II. im Anjou, Herz des angevinischen Reiches) und bezieht seine Spannung fast ausschließlich aus den Dialogen in denen Ränke geschmiedet, Konflikte ausgetragen und Familientraumata aufgearbeitet bzw. verteift.
Das macht unwahrscheinlich Spaß, alle sind mit sichtlicher Begeisterung bei der Sache und es wird zu keinem Zeitpunkt langweilig. Manchmal aber zwickt es natürlich ein bisschen im Mediävistenherzen, wenn Eleonore von Aquitanien Weihnachtsgeschenke einpackt und kleine Pergamentstreifchen mit den Namen ihrer jeweiligen Söhne anbringt... ;). An anderen Stellen wird die enthusisastische Freude und die hypertrophe Dramatik der Schauspieler für moderne Beobachter, die diese Art zu spielen nicht mehr gewöhnt sind, natürlich unfreiwillig komisch. Etwa wenn Peter O'Toole am Ende schallend lachend mit weit ausgebreiteten Armen seiner Frau nachsieht, oder wenn Nigel Terry seinen John völlig eindimensional als undankbaren, niederträchtigen, machtgierigen, geradezu debilen Volltrottel spielt.
Davon abgesehen aber rundum empfehlenswert. Ich muss mir dringend mal "Lawrence of Arabia" ansehen, immerhin ist das DER Film und DIE Rolle mit denen O'Toole immer in Verbindung gebracht werden (Btw: O'Toole wurde nicht weniger als ACHTmal für den Oscar als "Best actor in a leading role" nominiert, davon zweimal für seine jeweilige Darstellung von Heinrich II. Plantaganet und hat ihn NIE gewonnen! Erst 2003 hat man ihn dann mit dem Ehrenoskar für sein Lebenswerk abgespeißt...).

Am Freitag hatte ich mein tolles Amerika-Seminar (was toll bleibt!) und habe dann ENDLICH mein Internet aktiviert. Leider funktionierte die Kamera der Allerschönsten Hutfrau nicht... muss mich hier mal umsehen, ob ich eine billige finde. Ansonsten bin ich jetzt aber auch über skype erreichbar und freue mich eure fernen Stimmen in meine Prager Zelle zu zaubern!

Am Abend bin ich dann endlich mal in das berühmt-berüchtigte Studentenwohnheim Hostivar gekommen. Das größte und vermeintlich schickeste der Prager Wohnheime, wo die ganzen ERASMUS-Studenten hingeschickt werden (Ich natürlich nicht, weil kein ERASMUS. Daher auch kein schickes gelbes Kursheft, keine vollumfängliche Infomappe, keine ISIC-Card usw. Austauschstunden zweiter Klasse! ;-)). Haben uns dort bei der Berlinerin getroffen und uns dort über einigen Flaschen Cider, britischem, deutschem und tschechischem Bier, sowie jeder Menge Chips&Zeugs alle drei Sherlock-Filme reingezogen!
Ich glaube ich habe den/das (?) Sherlock-Holmes Reboot unter der Regie von Steven Moffat (U.a. Coupling, Jekyll, Dr. Who und der Tintin-Film, der demnächst in die Kinos kommt) hier schonmal erwähnt, möchte aber nochmal allen dazu raten sich die drei Filme DRINGENST reinzuziehen. Benedict Cumberbatch und Martin Freeman (Hach! Massive Man-Crush!) als Sherlock und Watson sind einfach sehr, sehr, sehr, sehr sehenswert und machen unwahrscheinlich Spaß! Die Filme entwickeln eine sehr eigene Optik, die Fälle sind spannend konstruiert, die Dialoge funktionieren ganz wundern und Sherlocks Erläuterung und Deduktionen zu folgen macht sprachlos. Wie (fast) immer gilt aber auf jeden Fall die Original-Tonspur nehmen (Dringend mit Untertiteln... Wenn Sherlock mal loslegt...), wer sich auf deutsch antut, verpasst was!
Der Heimweg von Hostivar gestaltete sich dann jedoch schwierig. Hostivar liegt so ziemlich am anderen Ende der Stadt. Vetrnik liegt (fast) ganz im Nordwesten, Hostivar gaaaaaaaanz im Südosten. Schon auf dem Hinweg hab ich mit Metro und Tram fast ne Stunde gebraucht. Als ich dann Hostivar um dreiviertel eins in der Nacht verlassen hab, waren die Öffentlichen Verkehrslinien schon am umstellen auf den Nachtverkehr. Zudem setzte ich mich erstmal in den falschen Bus in die falsche Richtung, musste also umsteigen, ewig warten, zurückfahren, um nur mal wieder zum Ausgangspunkt zurückzukommen. Da hab ich dann noch die letzte reguläre Tram erwischt - die fuhr dann aber nur acht Stationen und ich steckte immernoch gaaaanz weit im Prager Südosten fest. Also wieder bei Arscheskälte in tiefster Nacht bis 01.51 warten, bis die nächste Nachttram in meine Richtung fuhr. Von der Linie dann später (inzwische weeeeeeit im NordOSTEN von Prag) nochmal auf möglichst umständliche Weise auf die Linie wechseln, die dann auch tatsächlich zu meiner Station fährt und - tadah - um kurz nach drei in der Nacht bin ich in mein Bett gefallen... :P

Ob ich diesen Nacht-Tram-Verkehr jemals durchschauen werde?

Ja am Samstag ist dann nicht viel passiert. Ich hab ausgeschlafen und den Rest des Tages damit verbracht diverse Serien nachzuholen, die ich in den letzten Wochen vernachlässig hab. Saß also den ganzen Tag in meinem Zimmer: GROSSARTIG! Manchmal brauch ich sowas. So wie andere Leute stundenlange Spaziergänge, Sport oder ihre Arbeit brauchen (Weirdos...). Vielleicht schreib ich irgendwann mal was ich so zu den einzelnen Serien denke, die ich z.Zt. verfolge (Big Bang Theory, How I met your mother, Grey's Anatomy, Eureka, Terra Nova, Person of Interest, New Girl, Castle, Modern Family...)... oder ich überlasse das anderen Taugenichtsen, die mehr Ahnung davon haben ;).
Am Abend bin ich dann doch noch mit einigen Leuten was Trinken in die Stadt gegangen. Immerhin ist ja Samstag und wir sind hier in Prag, das verpflichtet... war dann auch sehr lustig! Die Finnin mit dem Pferdenamen wollte unbedingt etwas ausprobieren, dass sich "Absinth-Sperm" nennt. Zur Erleichterung vieler und zur Enttäuschung weniger, handelte es sich natürlich nicht um echtes Sperma (es wurden schon wilde - und ich unterstelle: erwartungsfrohe - Theorien gesponnen, von welchem Tier das Zeug stammen könnte), sondern es sah nur so aus, weil so Zuckerzeug drin schwamm. Merkwürdig schmeckte es trotzdem...
Später bin ich dann, zum ersten mal seitdem die Allerschönste Hutfrau weg ist, wieder über die Karlsbrücke gelaufen. Ist schon merkwürdig: Kaum ist man hier als Student angekommen, verschwindet der touristische Horizont fast völlig. Auch Prager Burg und Kleinseite kommen so in meinem Leben hier überhaupt nicht vor. Nur am Altstädter Ring bin ich regelmäßig, aber der ist ja auch gleich neben der Uni... Meine ersten vorsichtigen Schritte hier, vor inzwischen über drei Wochen, kommen mir sehr lange zurückliegend vor. Es ist einfach unfassbar viel passiert und man taucht so richtig ein in dieses sehr liminale Paralleluniversum rund um das Auslandsstudium... ich glaube es pendelt sich so gaaaaanz langsam ein gewisser Alltag ein... was auch viel damit zusammenhängt, dass das Internet hier mir in meinem Zimmer jetzt endlich einen festen Basispunkt bietet. Ob ich schon so richtig gerafft hab, dass das jetzt für die nächsten achteinhalb Monate so weiter geht, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt...

Bei diesem Schlusswort will ich es jetzt erstmal belassen. Den Sonntag mit dem sehr tollen Tagesausflug nach Tschrrebitsch (Lautschrift ;-) im südlichen Moravia liefere ich morgen oder so mal nach...

Allen einen schönen Abend, ich hoffe mal von euch zu hören, wie es euch so geht und was ihr so treibt!

Ich glaub ich werd jetzt ein bisschen Chuck gucken oder so... :)

PS: Von dem "Lion in winter" gibt es offenbar ein Remake von 2003 mit keinem geringen PATRICK STEWART in der Rolle von Heinrich Plantagenet! Awesome!

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Christoph vs. the internet

Es ist vollbracht! Ich habe (in 22einhalb Stunden) Internet auf meinem Wohnheimzimmer! Und soooo kompliziert war es gar nicht. Die letzten Tage hat mich nur immer die endlos lange Schlange vor dem Rezeptionsgebäude davon abgehalten mich darum zu kümmern. Aber heute morgen, als ich vom Einkaufen zurückkam: Gähnende Leere. Niemand! In der Erwartung einer Geiselnahme oder eines Bombenanschlages schlich ich mich ungläubig in das Gebäude, nur um es weniger Minuten später mit der Zusagen zu verlassen, dass ich in 24 Std. Internet auf meinem Zimmer haben würde! Yay! Endlich Unabhängigkeit von Starbucks und Internet-Cafés... und das heute, wo sie im Starbucks zum ersten mal meinen Namen richtig auf den Becher geschrieben haben. Vorne mit "Ch" hinten mit "ph" aber ohne "er". Nicht wie ich es in den letzten zweieinhalb Wochen auch schon gelesen habe:

"Kriztoff", "Crzistof","Krichtoff","Krzytof","Christof" und natürlich wie immer seit der 1. Klasse der allgegenwärtige, der unvermeidliche: "Christopher"...

Da fällt mir ein: Die Berlinerin gewöhnt sich gerade an mich "Chris" zu nennen. Muss ihr das schnellstmöglich austreiben, bevor das einreißt...

Soviel zum großen Erfolgserlebnis des Tages. Gestern beschränkte sich das auf eine erfolgreiche Sprechstunde beim Germanistik-Prof hier mit dem ich die Punkte für meine Kurse ausgemacht habe... sehr netter Kerl, nur fragte er mich ERNSTLICH, als ich ihm von meinem Studium erzählte, was man denn damit machen könne! Und - ja, natürlich - inklusive des unvermeidbaren Taxifahrerwitzchen! Meine Erläuterung was ich alles so gemacht habe und vorhabe, wie diese "Interdisziplinären Mittelalterstudien" denn so funktionieren, führte dann dazu, dass sich zum zweiten mal in einer Woche ein Dozent dazu genötigt sah sich für Form und Inhalt eines Kurses vor mir zu rechtfertigen ;). Natürlich völlig unnötigerweise, aber ich befürchte mehr und mehr so richtig viel Neues zu diesem ominösen Zeitraum zwischen 500 und 1500, werd ich hier nicht mitnehmen, solange ich mich auf deutsche und englische Lehrveranstaltungen beschränken muss... Der Blick auf das was die regulären (tschechischen) Veranstaltungen so anbieten, macht dabei durchaus den Mund wässig (Gothic Architecture in Bohemia and Moravia!). Ab nächste Woche gibt es dann aber eine deutschsprachige Vorlesung über "Kultur im spätmittelalterlichen Böhmen", auf die ich sehr gespannt bin! Meine 20 Punkte werde ich aber auf jeden Fall zusammen kriegen (eher so 27-30, wenn ich nicht völlig falsch informiert bin). Muss mich langsam mal um die Rückmeldung des ganzen Austauschkrams nach Bamberg melden, damit ich mein Geld bekomme...

Da fällt mir ein: Gestern hat der Dozent im dem CIEE Kurs über "Czech and Central European History" mich beim Durchgehen der Anwesenheitsliste, als "my special expert" bezeichnet. In der Siebten Klasse wäre ich der festen Überzeugung gewesen er hasst mich und will meinen sozialen Tod! Heute finde ich es großartig! In dein Gesicht, Siebtes-Klasse-Ich! Oder eigentlich: "Kopf hoch Siebtes-Klasse-Ich! Es kommt eine Zeit, da ist es cool viel und mehr als die Anderen zu wissen!"

Am Abend war ich dann noch im Tschechischen Film-Club und hab mir mit etwa 450 anderen Austauschstunden einen sehr guten tschechischen (Surprise!) Film (mit englischen Untertiteln) angeschaut. "Protektor" von 2009 erzählt die Geschichte eines Paares in Prag im Zeitraum von 1938 bis 1942, sie jüdische Schauspielerin, er bekannter Radiomoderator immer knapp an der Grenze zur Kollaboration, das die deutsche Besatzung erlebt und schließlich in das erfolgreiche Attentat auf Heydrich verstrickt wird. Sehr krass gespielt und spannend inszeniert! Absolut sehenswert, sogar das Deutsch der Nazi-Schergen war beinahe erträglich!

Ansonsten arbeite ich gerade an einer Liste mit Museen, die ich mir hier in den nächsten Wochen dringend ansehen muss. Mit Blick zurück auf die letzten beiden Tage muss ich aber sagen, dass sich das Problem mit den großen zeitlichen Löchern langsam zu lösen beginnt. Richtig viel Zeit für Langeweile kam nicht auf... Mal sehen wie ich das am Wochenende mache... aber dann habe ich ja Internet auf dem Zimmer und kann endlich in aller Ruhe einige Serien nachholen... (Freudigkeit!!!). Außerdem hat mir die allerschönste Hutfrau ja (gänzlich uneigennützig) eine Webcam in den Rucksack geschmuggelt (Danke nochmal :-)), so dass ich demnächst auch mal mein skype entstauben kann...

PS: In tschechischen Clubs und Kneipen ist es übrigens noch immer völlig legitim zu Rauchen was das Zeug hält. Meine Garderobe freut sich! Muss spätestens am Wochenende wieder waschen gehen. Oder neue Klamotten kaufen was mir im Augenblick fast als die attraktivere Alternative erscheint. Hab gehört es gibt hier einige lächerlich billige Second-Hand Shops...

PPS: Immernoch keine Post von der Bank!

PPPS: Am Sonntag steht ein Tagestrip mit dem CIEE nach Trebic auf dem Programm. Offenbar gibt es dort ein sehr schönes jüdisches Ghetto und eine riesengroße Basilika! Sobald ich alle Museen in Prag abgeklappert habe, muss ich mir mal das Umland vorknüpfen... gerade in Südböhmen scheint es einige spektakuläre gotische Burgen zu geben, die, anders als das berühmte Karlstejn, nicht im 19. Jhd. zu Tode verschlimmbessert wurden...

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Christoph vs. Panama

Der Tschechischkurs gibt sich bisher spielerisch harmlos, geradezu belanglos. Jetzt weiss ich zwar was Mittelalterstudien auf Tschechisch heisst ("Mediální Studi", zumindest haben sich die beiden Dozentinnen nach längerer Beratung und mehrfachen Nachfragen "That exists?" darauf geeinigt...), aber den Infinitiv zu "Já jsem = Ich bin", musste ich mir selber raussuchen.
Aber ich bin mir sicher in den nächsten Stunden, wenn alle das Kursbuch haben, dann wird er sein hässliches Antlitz zeigen und uns mit sieben Fällen und fünf verschiedenen Palatallauten das Fürchten lehren... wenn nebenher noch ein bisschen Tschechisch hängen bleibt, umso besser! Ansonsten aber erfreulich viele bekannte Gesichter im Kurs, wird sicherlich nett!

Nach erfolgreichem Erwerb des Kursbuches, konnte der Mensa-Erfolg von letzter Woche erfolgreich reproduziert werden. Danach ein bisschen Spontan-Shoppen mit der Französin mit dem farbenfrohen Namen. Erworben werden sollte ein Poster, um endlich mal den Lichtfluter in der Zimmertür meiner Zelle zu stopfen... allerdings waren die Innenstadtnahen Posterläden deutlich zu teuer... werde mich mal weiter umtun...

Im Anschluss dann zum ersten mal Kontakt mit Besuch aus dem lauschigen Oberfranken. Sehr schön, wenn auch ein bisschen merkwürdig, plötzlich Bamberger Manifestationen in Prag gegenüberzustehen. Haben eine nette, kleine Runde durch die Stadt gredreht. Das Fakultätsgebäude verfehlt tatsächlich nie seine beeindruckende Wirkung ;)

Im Anschließenden Seminar ging es diese Woche um Althochdeutsche Texte. Gute Wiederholung, Althochdeutsch war immer meine Achillesferse, gut vergrabene Erinnerungen an ein gewisses Proseminar wurden langsam aber unerbittlich geradazu archäologisch freigelegt :P Nächste Woche kommt u.a. des vielgeliebte Kuriosum unter den mittelhochdeutschen epischen Texten "Herzog Ernst" dran, ein wahrer Bestseller der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts! Yay!

Am Abend wollte ich dann mit der Berlinerin und den beiden Finninnen in den Klub 007 gehen, aufgrund einer Empfehlung meines selbsternannten Musikanwaltes bzgl einer amerikanischen Band namens "Moon Duo". Nachdem wir dann, nach einer abenteuerlichen Odyssee mit Tram und Bus den Klub schließlich erreicht hatten, stellte sich heraus, dass sie allen ernstes 300CZK (ca. 12-13Euro) als Eintritt haben wollten! Da die Berliner Franktion beschloss, dass das zu teuer für den biergeschröpften Geldbeutel sei, schloss sich die oberfränkische Franktion dem Votum das Konzert sausen zu lassen, erleichtert an. 3oo Kronen ich meine... im Ernst...!!!
Muss den Klub bei anderer Gelegenheit aber auf jeden Fall mal unter die Lupe nehmen, ansonsten hört man nur gutes, scheint ein sehr solider Alternative-Club zu sein. Liegt auch sehr lauschig auf dem Gelände eines riesigen Studentenwohnheims, Eingang stilecht unter einer Treppe verborgen... das nächste mal 007, das nächste mal...
Mindestens gleichwertiger Ersatz war dafür ein sehr cocktailseliger Abend in einer super-stylischen Kneipe nahe der Újezd Station. Vor allem, als der frisch erworbene tschechische Freund der Berlinerin dazustieß, der, wie sich herausstellte, erst im Frühling in der allerschönsten oberfränkischen Biermetropole (und NEIN, sowas von NICHT Kulmbach!) gewesen war und wunderhübsche Fotos auf seinem Handy vorweisen konnte, um seine steile Behauptung zu beweisen! Hach... habe die Gelegenheit genutzt, um potentielle Kunden für Führungen in selbiger Stadt anzuwerben...

Auf dem Heimweg hatte ich in der Tram eine kuriose Begegnung mit einer spanischsprechenden jungen Dame, deutlich alkoholisiert, der ich heldenhaft in einer kommunikativen Notlage beisprang. Stellte sich heraus sie kommt aus Panama und wohnt im selben Wohnheim wie ich. Stellte sich weiterhin heraus, dass sie offensichtlich sehr informiert ist über das politische deutsche Tagesgeschehen und sie textete mich munter darüber zu, dass sie der Meinung sei, "Germany's basically running the EU" und fragte mich, ob ich nicht Angst vor meiner Regierung hätte, jetzt mit diesem "Bundestrojaner" und allem... Sie redete so engagiert, dass ich gar nicht dazu kam, die eine Frage zu stellen, die mir seit dem Beginn unserer Begegnung nicht mehr aus dem Kopf ging und die ich auch seither nicht zufriedenstellend beantworten konnte: Wie um alles in der Welt heissen Menschen, die aus Panama kommen? Panamaer? Panamanianer? Panamani? Panamanesen (Mein Favorit - Wikipedia sagt aber Panamaer, was mir gar nicht behagt...)?

Heute regnet es hier. So wie gestern. Das liefert mir die perfekte Entschuldigung um quasi permanent meinen todschicken Mantel zu tragen. Auch wenn mehr und mehr Knöpfe abreissen und ich permanent damit beschäftigt bin sie mehr oder weniger dauerhaft wieder anzunähen :P
Außerdem kündet der Blick in den Kleiderschrank langsam das unvermeidbare an: Ich muss bald wieder Wäsche waschen!
Weiterhin warte ich immernoch auf meinen Aktivierungs-Code für mein tschechisches Konto... habe zwar einiges an Bargeld aus Dtld. mitgebracht und zu nem guten Kurs (fast 25Kronen für nen Euro) getauscht, aber so langsam brauch ich hier mal ein ordentliches Konto!

Dienstag, 11. Oktober 2011

Christoph vs. the all-american teenagers

Montag Abends verschlug es mich wieder ins CIEE, wieder zu einem Haufen Ami-Teenager, wieder zurück in die Siebte Klasse: Der Dozent sah sich dazu genötigt meine klitzekleine Korrektur, die ich letztesmal NACH dem Kurs vorgenommen habe (Zusammensetzung des Kurfürstenkollegiums) vor dem Kurs mit meinem Namen zu verknüpfen. Dies brachte mir eisige Blicke von der einen Hälfte des Kurses ein, der Rest verlegte sich auf demonstrative Ignoranz.

It truly is 7th grade all over again!

ABER mit einem massiven Unterschied: Es ist GEIL! Es macht Spaß zu WISSEN und zu WISSEN, dass man mehr WEISS als der ganze Haufen zusammen (zumindest zu diesem Thema). Im Unterschied zur Siebten Klasse gab es also keine verlegen gesenkte Nase und erröteten Backen, sondern ein breites "Auf eure Knie!"-Grinsen meinerseits. Später habe ich meiner Street Rep/Cred den endgültigen Todesstoss verpasst, als ich die Beziehung zwischen Karl IV. und Ludwig dem Baiern ins rechte Licht rückte.

In a nutshell: It was awesome!

Danach noch zur Generalversammlung der Germanistik hier. Ca. 30 Leutchen, die Hälfte wurde zwar auf Tschechisch verhandelt, aber ich denke ich habe einen ganz guten Einblick erhalten, wer da wer ist und was macht. Der Fokus liegt allerdings ganz stark auf 18.-20. Jhd.... ob sie wohl jemanden brauchen, der ein bisschen ÄDL macht?

Soviel für jetzt. Hab jetzt gleich meinen ersten Tschechisch Kurs und bin schon sehr gespannt! Der Liste nach wird der Raum aus allen Nähten platzen, daher geh ich besser gleich los, wenn ich noch nen Sitzplatz abkriegen will...

Montag, 10. Oktober 2011

Christoph vs. Jaime Lannister

Jetzt komme ich endlich dazu zumindest kurz nachzureichen, was es denn nun mit dem Geschenk genau auf sich hatte. Da ich unfähig war mir was Nettes zum Geburtstag der allerschönsten Hutfrau auszudenken und alle Versuche das Postsystem zu durchschauen bislang scheiterten, entschloss ich mich am Ende einfach mich selbst zu verschicken. Der allerschönsten Hutfrau suggerierte ich, dass ein ganz tolles Geschenk, jedoch konventionell auf dem Postweg, zu ihr unterwegs sei. So konnte ich die Information erschleichen, ob sie am Wochenende in Bamberg sei oder nicht.
Mit diesem Wissen hab ich mir für Freitag-Abend nach der Tagung ein Ticket über Nürnberg bis Bamberg und für heute wieder zurück nach Prag gekauft.

Die Überraschung gelang. Mit verstellter Stimme wurde ich als vermeintlicher Paketbote vorstellig und gelangte so bis vor die Wohnungstür der bereits im Zu-Bett-geh-Modus befindlichen, bis zu diesem Augenblick völlig ahnungslosen, allerschönsten Hutfrau!

War also die letzten beiden Tage wieder im guten alten Bamberg. Weil mir nicht ganz geheuer bei der Idee war hab ich mit niemanden drüber gesprochen, hab die Wohnung kaum verlassen. Denn wenn jemand realisiert hätte, dass ich in Bamberg bin, dann hätte am Ende ich SELBST realisiert, dass ich schon wieder in der Heimat bin. So aber hab ich einfach ignoriert, wo ich bin und mich auf das "mit wem" konzentriert. Ein bisschen verwirrend war es aber schon, eigentlich war ich ja davon ausgegangen Bamberg bis Weihnachten nicht mehr zu sehen... und gerade jetzt so rückblickend, weiß ich nicht ob mir die beiden letzten Tage in Bamberg oder die beiden Wochen davor in Prag surrealer erscheinen sollen...

Aber, um es mal mit unser aller (Zweit-)Lieblings-Lannister zu sagen "The things I do for love..."

Freitag, 7. Oktober 2011

Christoph vs. Marlon Brando

Gestern morgen habe ich erstmal endlich das Geschenk für die allerschönste Hutfrau auf den Weg gebracht. Ja richtig, auch dahinter versteckt sich eine Geschichte, aber dazu komme ich an einer anderen Stelle...

Dann stand als nächstes die kleine aber feine Tagung an, die hier vom ZENTRUM FÜR MITTELALTERSTUDIEN (Jaha, wir sind überall! Nennt sich hier halt nur CMS...) und dem Lehrstuhl für Mittellatein (!!!) organisiert wird und zwar zum tollen, tollen, tollen Thema "Obscuritas in the Middle Ages". Im November gibt es dazu noch ein Blockseminar, das natürlich besucht werden wird.
Gemeinsam mit der Finnin mit dem Pferdenamen habe ich die - gut hinter einer garstigen Rezeptionsdame, einer Baustelle und einem Innenhof verstecke - Lokalität der Tagung aufgesucht, um dann den Rest des Tages genuscheltem Italiano-Englisch, gehaspelten Suomi-Englisch und geknarzten Teutonen-Englisch zu lauschen. Erster Vortrag war sehr interessant, ging darum was First Person Narration so alles kann und wie sie mit "obskuren" Inhalten korrelliert... muss dem mal nachgehen, wie in der Mittelhochdeutschen Epik Direkte Rede genutzt wird um Obskure Inhalte abzuwerten und eine narrative Distanz herzustellen... (Hab was ähnliches schon mal in einer Hausarbeit geschrieben ;-))... war auf jeden Fall sehr spannend! Die restlichen Vorträge waren ok, Extrapunkte gibts für den Sachsenspiegel/Magdeburger Stadtrecht Vortrag, wegen dem hohen Nostalgie-Faktor! Die Diskussionen waren inhaltlich durchaus spannend, v.a. aber witzig zu verfolgen wie Mediävisten aus ganz Europa mit sehr, hmmm... divergierenden Englischkenntnissen versuchen auf hohem Nivau über Editionsphilologie oder Narratologie zu diskutieren.

In der Pause haben wir dann mal die große Mensa in der Faculty of Law ausprobiert. So richtig verstanden haben wir nicht, was wir da gemacht haben, das Kartenbezahlsystem ist sehr ausgefuchst und das Personal spricht mal wieder nur Tschechisch, aber am Ende hatten wir einen durchschnittlich leckeren Gulasch mit Reis abgekriegt und herausgefunden, dass der Tee frei ist! Insofern ein Erfolg! Fragt sich nur inwieweit er sich reproduzieren lässt, da letztendlich (um eine ehemalige Mitbewohnerin zu zitieren) "das System nicht verstanden" wurde.

In der Kaffeepause haben wir dann ein sehr putziges Café in der Nähe des Bethlehemsplatzes mit SUPER-leckeren Schokobrownies entdeckt! Sucht-Garantie! Muss die allerschönste Hutfrau gelegentlich dorthin schleusen...

Nach der letzten Sektion der Tagung bin ich dann noch in ein sehr wertvolles Seminar mit dem Titel "History on film: From Plantaganet to Restoration" gegangen. Die Veranstaltung warb mit dem Slogan: "No questions asked, no credits given" (verkürzt), und im wesentlich schaut man sich halt Filme über die englische Geschichte im oben skizzierten Zeitraum an.
Gestern stand "Becket" von 1964 auf dem Programm und der Film hat mir wirklich unwahrscheinlich gefallen. Robert Burton als Becket war sehr solide, aber vor allem natürlich Peter O'Toole (der einem durch aktuelle Filme geprägten Publikum v.a. als König Priamos aus der jüngsten Verwurstung des "Illias/Aeneis" Stoffes von Wolfgang Petersen 2004 bekannt sein dürfte) als Henry II. ist einfach eine Augenweide! Ein Genuss dem Mann bei der Arbeit zuzusehen! Warum spielen Leute heute nicht mehr so? Ist das die Schuld von Marlon Brando und "anything method"? Wo ist das Drama, das Pathos, die Epik! (Das waren jetzt drei in der Literaturtheorie vollständig anders gemeinte Termini brutalst zweckentfremdet, um im Prinzip etwas völlig anderes zu sagen. Aristoteles und Schiller mögen es mir nachsehen und aufhören in ihren Gräbern zu rotieren...)

Tja und heute morgen im Wohnheim passierte dann beim Duschen, was ja irgendwann passieren musste. Der mit meinen Sachen behängte Kleiderständer, der unmissverständlich so in der Tür stand, dass er aussagte "Jetzt nicht! Belegt!", wurde mit einem fröhlichen "Bonjour!" umstandslos zur Seite geräumt. Kurz darauf entblätterte sich ein Typ neben mir, unter einem Schwall unverständlichen Französisch, das eigentlich nur bedeutet haben kann " 'allo, isch komme aus Frongraisch und werde jetzt komplett naküsch neben dir duschen"... manchmal ist es ja durchaus lustig wenn sich nationale Stereotypen bestätigen (Bleiche Finninnen, Rauchende Tschechen, prüde Deutsche, Briten mit albernen Hüten, Belgier ohne echte Regierung,), manchmal hingegen würde man sich aber doch wünschen eines Besseren belehrt zu werden...

Nachdem meine allmorgentliche Flucht aus dem Wohnheim also in dieser Form beschleunigt worden war, ging es erstmal in ein sehr interessant klingendes Seminar "The old world and the new: Understanding Civilization". Zur Enttäuschung einiger Leser muss ich gleich vorneweg sagen, dass es sich nicht um ein Vertiefungseminar zu einem beliebten PC-Spiel handelt, sondern, dass es grundsätzlich darum geht wie sich das Selbstverständnis und die Identität Europas an der Entdeckung der Amerikas seit dem 16. Jahrhundert herausformte, über die Wahrnehmung und Konstruktion des jeweils Fremden und warum Amerika weniger "entdeckt", als "erfunden" wurde. Endlich also mal ein Seminar mit einem kulturwissenschaftlich-theoretischen Ansatz, auch wenn man bei dem unvermeidlich ebenfalls bemühten Edward Said, als Mediävist, quasi qua Amt, natürlich erstmal die Stirn runzeln, den Kopf schütteln und vielleicht sogar noch die Arme hinterm Kopf verschrenken muss.
Auch wenn wir uns zu 20st in ein Büro drängen müssen, weil scheinbar auch Freitag morgens die Karlsuni unter aktuer Raumnot leidet, war es doch sehr interessant und verspricht mit einer kulturanthroplogisch geschulten Amerikanistin als Dozentin ein echter Höhepunkt des Semesters zu werden!

Gerade habe ich wieder Mittagspause. Die Tagung geht heute in die zweite Runde mit weiteren obskuren Vorträgen zu nicht weniger obskuren Themen... man darf gespannt sein was in der nächsten Sektion über Alchemie und Astronomie/logie zu hören sein wird!

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Christoph vs. the first semester

Das Bier und der Abend gestern mit den Finninnen waren sehr, sehr nett. Sind nachdem wir uns minimal verlaufen hatten, ins Pub gegangen mit dem ich vor einer gefühlten Ewigkeit auch schon mit der Allerschönsten Hutfrau saß. Habe mit MASTER-BEER (man MUSS das einfach groß schreiben), auf das entfernte Geburtstagskind angestoßen. Habe außerdem gelernt dass der Name der allerschönste Hutfrau in Finnland offenbar ein beliebter Name für Pferde ist (eine der Finninnen heißt ähnlich, spricht also als Betroffene). Außerdem haben wir ein paar Australier kennen gelernt die durch Europa gereist sind und gerade vom Oktoberfest kamen und mich als Deutschen natürlich also Experten sofort ausgefragt haben... da habt ihr euch leider den falschen Teutonen ausgesucht... ;)

Heute bin ich also ausgerückt, um endlich mal ein paar ordentliche Kurse zu besuchen. Beim ersten stellte sich dann gleich heraus, dass er auf Tschechisch ist, für mich also flachfällt und beim zweiten, dass er erst in zwei Wochen anfängt! Also stand ich wieder um 10h vor einem freien Mittag/Nachmittag, bis um 14h der nächste Kurs anstehen würde. Zunächst einmal hab ich überprüft ob mein ganzer Login-Kram funktioniert und siehe da ich kann endlich meine StudentenID aufladen, Kopieren, Scannen mich von den Terminals in der Uni aus einloggen usw. Yay! Das wird mir so manchen Cappuccino ersparen....
Im Anschluss hab ich mich auf die Strümpfe gemacht und mir diesmal den Süden der Altstadt, rund um den Bethlehemsplatz angeschaut, nachdem ich gestern vor allem in Norden also Josefov, dem alten Judenviertel, unterwegs war. Es sind wirklich endlos viele Gassen, Wege und Straßen zu erkunden und ich liebe es einfach willkürlich drauf los zu laufen und nicht zu wissen welche Straße, welcher Platz, welche Fassade mich ums nächste Eck erwartet. Heute hab ich völlig unvermutet in der südlichen Altstadt eine uralte, romanische Rundkirche entdeckt. Steht da einfach so mitten in der Stadt am Straßenrand, zwischen lauter riesigen Stadthäusern aus dem 18.-20. Jhd.! Totally awesome!
Außerdem war ich zwischenzeitlich noch bei meinen Study Coordinator. Wirklich hilfreich war das nicht, aber dennoch sehr, sehr nett!
Erster Kurs war dann okay. Deutsche Literatur vor 1700... heute stand Periodisierung und die Grundlagen mittelalterlicher, volkssprachlicher Literatur an. Anstatt in die Siebte Klasse habe ich mich heute also ins erste Semester (2007 war das...) zurückversetzt gefühlt. Die Vorlesung ist hier für einen Masterkurs Germanistik konzipiert, der aber, wie man fairerweise sagen muss, natürlich auf Nicht-Muttersprachler ausgelegt ist. Wird vermutlich auch spannender, wenn wir das Mittelalter hinter uns lassen... vielleicht sollte ich einfach nix mittelalterliches mehr machen hier...

Der "Czech and European History"-Kurs am CIEE, war heute auch wieder ganz nett, nur die Kids sind wirklich merkwürdig, schauen mich an wie nen Außerirdischen. Nach dem Kurs hat mich der Dozent gebeten kurz dazubleiben und mich gefragt was ich denn so studiert habe. Als ich ihm von vier Semestern Medieval Studies in Bamberg erzählt habe, wurde er bleich und lachte dann nervös "I was afraid so..." Danach hat er sich wortreich quasi für Form und Struktur dieses Kurses entschuldigt und gemeint, dass es nicht anders geht, weil die Amis alle andere Bildungshintergründe haben, unterschiedlichste Sachen studieren und eben auch noch sehr, sehr jung sind. Dann hab ich mit ihm noch ein bisschen über die Entstehung des Kurfürstenkollegiums diskutiert und bin versöhnt aus dem Raum gegangen. Ob er wohl hier mitliest ;)?

Danach war noch Einführung der PB Studenten am CIEE was ganz nett war (es gab Kekse, also hatten sie mich schon auf ihrer Seite), auch wenn eigentlich alles selbsterklärend und ziemlich obvious war (Zitiert ordentlich! Schreibt nicht ab! Seit nett zueinander!). Im Anschluss bin ich dann noch mit einem Deutschen und einem Briten ein belgisches Bier in einem tschechischen Pub trinken gegangen. Sehr amüsant. Britisches Englisch klingt einfach toll... und dann auch noch aus Manchester... eine wahre Wohltat nach dem Genudel der Amis im Kurs zuvor. Allerdings wurde ich mal wieder auf meinen wohl doch nicht unerheblichen deutschen Akzent hingeweisen... :P Auf meinen Vorschlag es doch mal mit Deutsch zu probieren wurde dann aber nicht weiter eingegangen... ;)

Ab Morgen findet hier eine sehr, sehr coole Tagung zum Thema "Obscuritas in the Middle Ages" statt, im November gibts dazu dann noch ein Blockseminar. Eine der Finninnen und ich werde uns das geben. das wird mich dann hoffentlich die nächsten drei Tage ganz gut beschäftigen... zudem muss ja auch noch (endlich) mal das wertvolle Geschenk für die allerschönste Hutfrau auf den Weg gebracht werden...

Dienstag, 4. Oktober 2011

Christoph vs. the slow day

Heute habe ich eine erschreckende, aber eigentlich zu erwartende, Erfahrung gemacht. Ohne Orientierungswoche und ohne Unikurse habe ich hier erstmal NICHTS zu tun. In Bamberg hatte ich die allerschönste Hutfrau an meiner Seite, die mich im Zweifelsfall 24/7 beschäftigt halten konnte. Ansonsten konnte ich jederzeit in meinem 20qm Zimmer rumhängen und mich da beschäftigen, aber das Wohnheim hier lädt nicht wirklich dazu ein. Hinzu kamen in Bamberg vier Mitbewohner, drei Jobs, ein dichtes soziales Netz. Das alles fällt hier mehr oder weniger weg und hinterlässt sehr, sehr, sehr viel freie Zeit! In der letzten Woche wurde diese Zeit durch organisatorische Kram und v.a. die diversen Aktivitäten der Orientierungswoche gefüllt. Diese Woche fängt zwar die lecture period an, aber irgendwie doch noch nicht so richtig... die letzten Tage hab ich diese Zeit v.a. in Cafés mit kostemlosen WiFi verbracht. Der Laptop&Café Lifestyle hat zwar was, wird aber auf die Dauern langweilig und v.a. teuer! Jetzt muss ich also andere Wege finden all diese Zeit zu füllen! Welch schreckliche Herausforderung! Zumal diese Stadt so arm an Eindrücken und Möglichkeiten ist...
Der Kurs von dem ich dachte, dass er heute wäre, findet erst ab nächster Woche statt. Also saß, nachdem ich die allerschönste Hutfrau antelefoniert hatte (sie hat heute Geburtstag also überbringt ihr alle schöne Glückwünsche!) ich wieder in einem Café, hab ein paar Folgen Castle/HIMYM/Modern Family gestreamt, bis es mir zu blöd wurde und ich einfach durch die Stadt gelaufen bin, neue Wege finden, ein bisschen Kram einkaufen, ein paar Ecken auskundschaften.
Dann hab ich mir ein paar Leute für heute Abend organisiert, um nicht nochmal einen Abend in einem Starbucks vorm Laptop zu verbringen... Reicht für die Woche ;).

Oh und ich hab mir ein Buch gekauft. Alle vier Teile der Hitchhiker's Guide to the Galaxy Trilogie in einem Band. Die Tschechen stehen immer so cool in der Metro und lesen. Immer, bei jeder Gelegenheit. Sogar beim Aussteigen oder beim Rolltreppefahren. Das will ich auch.

Ein paar organisatorische Sachen habe ich immerhin gestern und heute auf den Weg gebracht. Ein Konto ist eingerichtet, jetzt muss ich nur noch auf den PIN-Code warten. Der wird mir in mein Wohnheim geschickt, bin gespannt ob das klappt und ob das Abenteuer "Post abholen" auch wieder Stoff für zwei Blog-Einträge birgt. Dann ist meine tschechische SIM-Karte endlich aktiv. Wen sie interessiert kann sie gerne bei mir erfragen, gibt's dann über E-Mail. Auch den Anmeldekram für die diversen Onlinesysteme der Uni müsste ich jetzt erledigt haben... werd ich morgen mal checken.

Jetzt geht's erstmal wieder mit den beiden Finninnen nach Dschischkoff (Lautschrift), wo es das gute Bier und die vielen Kneipen gibt...

Montag, 3. Oktober 2011

Christoph vs. the 7th grade

Heute nachmittag bin ich zum ersten mal zu dem CIEE Kurs unten in Vijschechrad (Lautschrift) gegangen "Czech and Central European Histroy" steht auf dem Plan.
In meiner ersten echten Lehrveranstaltung hier ging es inhaltlich zurück ins 11. und 12. Jahrhundert, die frühe Phasen tschechischer Herrschaftsbildung unter den Przemysliden. Inhaltlich eigentlich ganz spannend.
Nur für mich ging es quasi biographisch zurück in die Siebten Klasse. Ich war der "Neue", die Veranstaltung läuft schon seit drei Wochen, alle Gruppen waren schon gebildet, Kontakte schon geknüpft, alle guckten mich komisch an, keiner hat mit mir geredet - Kindheitstrauma Halloooo! Zudem war ich der einzige vomalten Kontinent, der Rest der Besucher am CIEE sind Amerikaner...
Aber die Paralleln zur Unterstufe erschöpften sich nicht im Sozialen. Die Amis scheinen null Grundlagen zu haben. Der Dozent (eigentlich ein echt netter, sehr schwungvoller Typ, der mehr zu können und zu wissen scheint als durchkommt, der aber unter den Einschränkungen der Sprache und dem Publikum leidet) hat ihnen das Feudalsystem inetwa so erklärt wie uns das damals in der Siebten Klasse - also vor ZEHN Jahren - Herr Fischer erklärt hat. Mit Lehnspyramiden und allem. Habe auf eine schauspielerische Nachstellung des Lehenseides gewartet, wurde in dieser Hinsicht aber positiv enttäuscht. Die Landkarte Europas um 1000 hat er so vorgestellt, als handelte es sich um festgefügte, klar abgegrenzte Nationalstaaten, den Unterschied zwischen romanischer und gotischer Architektur wollte er mit den unterschiedlichen Fensterbogenformen erklären und zum Abschlusss hielt er sich, als es um Wikinger ging ernstlich zwei Finger wie Hörner an den Kopf!
Zusätzlich scheinen die Kids in dem Kurs maximal 20 zu sein, kurz: ich habe mich heute sehr, sehr, sehr, sehr alt gefühlt...

Fazit: Inhaltlich durchaus interessant, menschlich nett, aber methodisch zweifelhaft und theoretisch nicht vorhanden.

Wenn ich dran denke, dass ich meinen ganzen Stundenplan nach diesem Kurs ausgerichtet habe, könnte ich mich grade echt ein bisschen in den Arsch beissen... aber mal sehen, vielleicht wird es ja besser, wenn wir das Mittelalter verlassen und ich mich nicht mehr auskenne...

Christoph vs. the picnic

Gestern Nachmittag war die letzte Veranstaltung der Orientierungswoche. Ein Picknick im Rahmen eines kleinen Straßenfestes in einem lauschigen Hinterhof, weit im Norden Prags. War ganz nett, sehr entspannend.

- Sich mit Belgiern unterhalten macht Spaß: "Sooooo... how's your government doing these days?"

- Finnische Lakritz-Derivationen sind... gewöhnungsbedürftig.

- Konnte mein Französisch etwas entstauben. Offenbar ist der Zustand aber (noch) schlimmer als befürchtet. Zum Ausgleich großes Amusement meinerseits beim Versuch Franzosen die deutsche Endung "-zig" ("Droissüsch, führzüsch, fünfzüsch") beizubringen.

- Konnte gestern zwei gestrandeten deutschen Touristinnen an der Station Hardschanska (Lautschrift) dabei helfen den Weg zur Burg zu finden. Lag aber wohl weniger an meiner Ortkenntnis als an deren Orientierungslosigkeit.

- Meine Wäsche ist tatsächlich trocken geworden! Ich habe wieder Klamotten! Plus, in meinem Zimmer (resp. meiner Hälfte, die ich mir mit einem Kühlschrank, drei Wäscheleinen und dem Laptop des Taiwanesischen Zellengenossen teilen muss) beginnt sich langsam das gewohnte Chaos breizumachen...

- Nach dem Ende der Orientierungswoche beginnt jetzt die eigentliche Vorlesungszeit. Mein erster Kurs ist aber erst heute Abend, bis dahin werd ich noch einiges organisieren müssen: Mein study coordinator hat sich immernoch nicht gemeldet, ich muss ein Konto aufmachen, langsam geht mir nämlich mein Bargeld aus und ich sollte meine Tschechische SIM-Card langsam mal aktivieren und aufladen...

- Blick auf den Veranstaltungsplan zeigt: Art& Architecture ist raus, 6Std.-Tschechischkurs ist drin! Hab jetzt 23 ECTS, sollte erstmal reichen denk ich... mal sehen was der Coordinator sagt, wenn er sich meldet...

PS: Das Wetter wird langsam nervig. Am Morgen und am Abend arschkalt, zwischendrin richtig heiß! Schwierig sich anzuziehen... Ich war auf Herbst vorbereitet, nicht auf Sahara!

Sonntag, 2. Oktober 2011

Christoph vs. the laundry

Tjaaaaa.... aus dem Squeerdance gestern wurde wohl irgendwie nix. Hab am späteren nachmittag dann ENDLICH die heißbegehrten Schlüssel für den Waschraum ergattern können: Habe das Wörterbuch rausgekramt, das mit die allerschönste Hutfrau dankenswerterweise geschenkt hat und solange vor der Rezeption "Praschka!" (Lautschrift, heißt "Waschmaschine") skandiert, bis klar war was ich wollte. Obwohl ich das Programm dann auf 90 min. gestellt habe, damit ich rechtzeitig am Treffpunkt für die Party sein kann, dauerte die ganze Chose irgendwie doppelt so lange und ich saß noch im Waschraum, als die anderenwohl schon lange jenseits von gut und böse waren. Zwischenzeitlich hatte ich mir noch eine Wäscheleine bei Norma besorgt - aber natürlich keine Klammern, wie ich erst festellte als ich die Wäsche wieder in meine Zelle gewuchtet hatte. Auf jeden Fall hängt jetzt meine ganze Kammerhälfte voller Wäsche, die nur sehr zögerlich vor sich hin trocknet... Naja, dafür habe ich gestern Abend während die Waschmaschine röhrte, fast alles zu lesen geschafft, was für Montag ansteht :). Heute werde ich mir ein paar Ecken der Stadt ansehen, die ich noch nicht kenne, wie den Karlsplatz und heute nachmittag mit ein paar Leuten von so ein "Lebendige Stadt"-Festival/Picknick gehen... Zuerst aber noch ein paar Folgen Big Bang Theory reinziehen, der Internet-Platz im Starbucks ist teuer genug erkauft :)!