Montag, 31. Oktober 2011

Christoph vs. the Ian Curtis cover

Dank des tschechischen Unabhängigkeitstages (byebye Habsburg!) war das letzte Wochenende also lang. Seeeeeeeehr lang. Es begann im Prinzip am Donnerstag Nachmittag, nach dem Tschechisch-Test. Der war im übrigen relativ simpel... aber natürlich hab ich mich im letzten Augeblick doch noch entschieden zwei Endungen anders zu machen, die natürlich dann falsch waren und vorher richtig gewesen wären... das kommt davon, wenn man das Zeug nur als ganze Sätze beigebracht bekommt und keine ordentlichen Konjugationstabellen vorgesetzt kriegt... Aber gut.
Danach sind wir zu dritt (mit den beiden Berlinerinnen) losgezogen, um ein Geschenk für die Finnin mit dem Pferdenamen zu kaufen, was dann in Form eines "The Shining" Poster recht schnell gefunden war. Die Feier unten in Hostivar war dann auch sehr schön eigentlich... nur hatte ich vorher nix Ordentliches gegessen und dann irgendwie zuviel Junk aufeinmal, weswegen ich mich verfrüht zurückziehen musste... Mann, war mir schlecht :P

Die drei Tage des Wochenendes habe ich realtiv faul zugebracht. Ich habe mein "Nibelungenlied" Referat vorbereitet (heißt: aus den Unterlagen der letzten vier Jahre und dem eingescannten Verfasserlexikon auf meinem Laptop zusammengesucht) und online gestellt, mit der allerschönsten Hutfrau geskypet (deren Besuch sich aus terminlicher Verplantheit meinerseits um eine Woche nach vorne verschoben hat - also auf Donnerstag!). Dann habe ich noch einige längere Spaziergänge in der Umgebung des Wohnheims und durch den Park des nahen Klosters unternommen. Sehr schön alles: Das Wohnheim ist in seiner baufälligen Erhabenheit größer als gedacht, das müssen fünf oder sechs, weit verteilte Blöcke sein. Nur manche haben vergitterte Fenster. Dazwischen liegen verwilderte Wald und Parkanlagen, es riecht nach feuchter Erde, schimmeligen Laub, faulen Äpfeln und einem Hauch von Hundekot! Es gibt ein großes, eingezäuntes Grundstück mit Stacheldraht auf den Zäunen, dicht bewaldet mit großen Toren, die sich automatisch öffnen wie schwere Limousinen aus dem nicht einsehbaren Inneren hervorkriechen und wer sich davon nicht abschrecken lässt, kann durch die dschungelartige Vegetation zu einer neonerleuchteten Tankstelle vorstoßen.
Der Weiher im Klosterpark hat einen sehr charmanten und schlecht kaschierten Betonrand, Plastikflaschen treiben gelassen darin umher und auch das Wasser selbst, scheint schonmal bessere Tage gesehen zu haben. Dennoch gefällt es mir sehr. Überall sind Familien unterwegs. Auf jeden (aufrecht gehenden, erwachsenen) Menschen kommen bestimmten vier Hunde und zwei Kinderwägen, welche die Parks und Wege bevölkern.
Tja und ansonsten... ansonsten habe ich vor allem seeeeeeehr viel (zu viel? Ich weiss nicht, ob das geht...) CHUCK geschaut. Habe gestern das Midseason Finale der Vierten Staffel erreicht, was mich sehr glücklich gemacht hat :). Wie ich an anderer Stelle schon einmal schrieb: Chuck ist gut für die Seele!

Einzige größere Aktivität war es am Freitag Abend mit der Finnin mit dem Pferdenamen auf das Konzert einer "Joy Division" Coverband namens "The Dead Souls" zu gehen. Das war in einem ziemlich abgefahren Klub in den Gewölben unter einem Altbau in der Altstadt mit spätgotischen Torbögen und allen. Der Klub war im Inneren vollgepflastert mit (originalen?) Paraphernalia, Relikten, Artefakten und Devotionalien aus kommunistischer Zeit und hieß entsprechend auch "Iron Curtain - Propaganda". Hinzu kam noch ein leichter Halloween-touch, immerhin stiegen hier das ganze Wochenende entsprechende Feiern. Meine Abneigung gegen derartige Verkleidungsrituale hat mich aber davon abzuhalten, da allzu entschlossen zu partizipieren.
Das Konzert (das mit gerade mal zwei Stunden Verspätung anfing - quasi Standard hier) hat überraschend Laune gemacht. Ich meine die Totenschädelschminke hätte sich die Band auch sparen können (jaja, das ganze "Dead Souls trifft auf Halloween"-Ding...:P), aber die Ian Curtis Imitation des Sängers war gar nicht mal so albern und unangemessen, wie man das vielleicht glauben möchte und sie waren klug genug DAS Lied auf das alle gewartet haben eben NICHT zu spielen. Wer also von Liebe entzwei gerissen werden wollte, musste an diesem Abend noch umdisponieren.
Fand ich aber gut. Die Interpretation der großen Klassiker einer nicht mehr existenten Band durch ihre jeweiligen Cover-Bands ist immer gefährlich. Klar, gut vorgetragen, kann man das Publikum leicht in einen extatischen Rausch versetzen und zum hymnischen Mitgröhlen verleiten, doch während die Coverband bei den weniger bekannteren Songs noch viel von sich selbst einbringen kann, wird die Darbietung eines solchen monolithischen Meisterwerkes immer nur geliehenen Applaus erringen, bzw. allzu offensichtlich machen, dass ALLER Applaus und Zuspruch den eine Coverband erhält, geliehen ist.
Zu keinem Zeitpunkt ist innerhalb des Performanz-Rezeptions-Spannungsfeldes bei einem Coverband-Konzert die Gefahr so groß, dass die Illusion implodiert. Der von beiden Seiten für diesen einen Abend geschlossene Substitutions-Konsens (Wir feiern euch wie die echte Band, ihr liefert uns Musik wie die echte Band) droht dann zu kollabieren und am Ende stehen alle als das da was sie eigentlich sind: Die Band als ein Haufen geltungssüchtiger Möchtgern-Rockstars, mit schlechten Kostümen und zweifelhafter Beherrschung ihrer jeweiligen musikalischen Aufgaben, die es mit eigener Musik und aus eigener Kraft nicht geschafft haben. Das Publikum als ein Haufen leicht verführbarer Zuspätgeborener, welche die Flucht aus ihrer verkorksten Generation in einem diffusen musikalischen Äquvalent zum "Früher war alles besser"-Gejammer, älterer Generationen, suchen.

Jetzt steht vor mit eine neue Woche. Die SECHSTE Woche in Prag! Am Dienstag halte ich mein Nibelungenlied-Referat, am Mittwoch steht die Midterm-Klausur am CIEE an. Außerdem muss ich immernoch den PIN von der Sparkasse im tiefsten Süden Prags abholen, meine Unterlagen nach BA zurückschicken UND mir einen elektrischen Rasierapparat kaufen. Der Schicke, den ich in BA hatte, erwies sich leider als nicht transportabel... Tja und dann wird am Donnerstag auch schon die allerschönste Hutfrau für fünfeinhalb Tage hier vorbeischauen und ich hab endlich einen Grund den ganzen touristischen Kram nachzuholen, den ich bisher noch nicht geschafft habe ;)

5 Kommentare:

  1. Ich halte nichts vom Covern. Sie sind wie ein guter, aber alter Witz, den man denen erklären muss, die den Pointenhintergrund nicht mehr kennen. Ich höre nur das Original oder ich höre nichts!

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  2. Das ist mir zu kategorisch. Wenn Johnny Cash niemals "Hurt" von Nine Inch Nails gesungen hätte, The Killers niemals "Shadowplay" von Joy Division (!) oder Jimmy Hendrix (UND Bear Mac Creary) niemals "All along the watchtower", wäre diese Welt ein traurigerer Ort... :)

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  3. Echt? So wenig nur würde Dir fehlen, um aus der Welt eine "bonne tristesse" zu machen?
    Ouh, das macht mich traurig!
    ...
    "Komm, Nikolai Sergejwitsch, spiel mir auf deiner Geige!" ... :)

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  4. Hätte vielleicht "ärmerer Ort" schreiben sollen. Das trifft eher was ich meine... merke zunhemend wie meine Semantik hier in Schräglage gerät...;)

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  5. Das mit der Semantik liegt nicht an Prag, sondern kommt vom zu vielen US-Serien Schauen! (wegduck...) :)

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