Nur kurz was die letzten Tage noch so gelaufen ist. Es war ja am Ende recht stressig geworden, aber ich denke es lief am Ende alles ganz gut. Der CIEE Test war faktisch auch ohne gelernt zu haben mehr als machbar. Ein paar Sachen wusste ich aus eben diesem Grund schlicht nicht, aber für eine Klausur in der ernsthaft Fragen wie "Wer war der ersten Präsident der Ersten Tschechoslowakischen Republik" gestellt werden, weigere ich mich einfach zu lernen :P (Zur Frage: Es war Tomáš Garrigue Masaryk. Und das ist etwa so wie in Dtld. zu fragen: "Wer regiert Dtld. von 1933 bis 45." Auf jedem Platz der groß genug ist, um dort ne Klobasa-Bude aufzubauen, steht eine Statue von ihm...). Auch den Essay hab ich dann am Abend noch durchgerissen und ihn Punkt 00:00 Uhr an den Dozenten verschickt. Ein großes UFFZ an dieser Stelle. Hatte vorher im Kurs gesehen, was sich die Amis unter einem Essay (wörtlich "Versuch";-) vorstellen und musste feststellen, dass ich mir natürlich viel zu viel Arbeit gemacht hab. Die schreiben halt Erörterungen und haben am Ende drei Zeitungsartikel und fünf Internet-Seiten gelistet. Fußnoten? Wiebittewas? (Unnötig zu erwähnen, dass ich natürlich in49 Fußnoten großzügigst mittellateinische Quellen aus der MGH zitiert habe. Das ist etwa so wie mit einer F-22 zu einer Kneipenschlägerei aufzutauchen...;-))
Am nächsten Mittag stand dann auch schon der Tschechisch-Test an und weil ich natürlich mal wieder nicht aus dem Bett kam hatte ich als ich endlich einen ruhigen Ort zum Lernen gefunden hatte, noch etwas mehr eine Stunde Zeit mir das nötigste ins Hirn zu jagen.
Man muss sagen, dass die Klausur zwar ziemlich umfangreich war (vier Seiten, fast 20 Aufgaben), aber wir sehr gut vorbereitet worden waren. Zum Teil fast 1:1 die Aufgaben, die wir vorher geübt hatten. Von daher war das auch mit meiner minimalistischen Vorbereitung mehr als machbar und ich habe ein dickes, fettes "A" bekommen ( = 1). Jetzt muss ich nur noch viereinhalb Jahre hier wohnen, dann kann ich mich einbürgern lassen ;).
Im Anschluss sind Bears und ich fleissig Weihnachtsgeschenke shoppen (tschech: nakupovat :-)) gegangen und haben tschechische Weihnachts/Winterspezialitäten verköstigt. Räucherkäse und Gulaschsuppe haben wir uns selber zugeführt. Außerdem sieht man jetzt an jeder Ecke Stände mit großen Zubern an denen man lebendigen Karpfen kaufen kann. Entweder lässt man ihn sich vor Ort umbringen und zerlegen und fertigt sich dann zu Hause was leckeres draus, oder man nimmt ihn lebendig mit nach Hause, wo es zwei mögliche Schicksale für ihn gibt. Entweder verbringt er dann bis Weihnachten seinen Lebensabend in der Badewanne fristen darf, bevor er von der Dame des Hauses fachgerecht enthauptet, ausgenommen und zubereitet wird. Oder die Kinder des Hauses verlieben sich Hals über Kopf in das große, schuppige Blubbermaul und adoptieren ihn, bis es dem Papa zu dumm wird und er ihn entweder trotzdem schlachtet oder der Kinder wegen, im nächsten Weiher aussetzt, wo er es sich dann nochmal ein Jahr gut gehen lassen kann. Ist auf jeden Fall angeblich super-tschechisch und geht auf die Zeit zurück als die Habsburger in jedem Dorf Karpfenweiher haben anlegen lassen, damit sich die Dorfgemeinschaft quasi autark ernähren kann.

Ja Geschenke hab ich auch ein paar zumindest gefunden, allerdings werd ich morgen, bevor mein Bus fährt nochmal ran müssen :P. NERVIGST!
Im Anschluss waren wir dann nochmal auf dem Stammtisch, der wie immer sehr spaßig war. Natürlich war diesmal aber - neben den üblichen "Oberflächligen linguistischen Diskussionen" (Drei-Bücher-Philosoph") - der Tod von Havel das große Thema. Offenbar war der Mann innenpolitisch nicht unumstritten und bei allem Charisma und unpolitischen Anspruch, musste er doch seine Zugeständnisse an die berühmten "realpolitischen Sachzwänge" machen. So befürwortete er nicht nur den Krieg in Jugoslawien und Afghanistan, sondern auch im Irak! Außerdem hat der Drei-Bücher-Philosoph Bears und mich gemeinsam mit seiner Tschechin deren Antlitz der Schiffe Tausend rief zu Silvester auf eine Datscha etwas außerhalb eingeladen. Alleine mitten im Wald! Zudem soll es bis dahin auch Schnee haben! Klingt zum kotzen romantisch!
Heute hat Bears sich dann in Richtung Bern verabschiedet was das zarte Pflänzchen unserer hoffnungsvollen Beziehung der Belastungsprobe von acht Tagen Trennung aussetzt! Mit herzzerreissender Abschiedsszene am Bahnhof, Winken mit dem Taschentuch und dem Zug hinterherlaufen bis der Atem ausbleibt und allem! (Ja gut, ich übertreibe... ein bisschen zumindest... ;))
Ihr nicht unumfangreiches Gepäck zunächst aber mal zum Hauptbahnhof zu bringen gestaltete sich als mittelschwere logistische Herausforderung, die wir Dank der Kooperation des öffentlichen Prager Nahverkehrs aber ganz gut überstanden haben...
Das wars jetzt fürs erste mal. Vielleicht auch schon für den Rest des Jahres, weiss nicht wie schnell ich, wenn ich vor Silvester wieder hierher komme, nochmal zu schreiben komme. Zumal mein Heimaturblaub hier wohl eher keine Rollen spielen wird (und sollte). Ich werde morgen in jedem Falle noch meine Sachen packen, meine Wohnheim-Zelle in Ordnung bringen, Einsicht in meine Tschechisch-Klausur nehmen und hoffentlich die noch fehlenden Weihnachtsgeschenke auftreiben, ehe ich mich am Abend in den Bus nach Nürnberg setze :). Und dann sehe ich die meisten von euch hoffentlich wieder live und in Farbe :)
Těším me!
Kryštof