Samstag, 28. Januar 2012

Christoph vs. the DAMN good coffee!

Ich nutze einen meiner in letzter Zeit überhandnehmenden freien Nachmittage, um euch einen bunten Strauß an Belanglosigkeiten zu präsentieren, die mich in diesem Monat so beschäftigt haben.

- Das erste Semester ist vorbei. Viele Leute mit denen ich mich gut verstanden habe machen sich vom Acker, es stehen noch einige Abschiedsfeten an, darunter v.a. die der Finnin mit dem Pferdenamen, die ich schon sehr vermissen werde *seufz*. Insgesamt bleiben nur zwei oder drei Leute da, mit denen ich mehr als drei Sätze gewechselt hab und auch so mal was unternommen habe (Die andere Finnin und die Französin mit dem farbenfrohen Namen...).

- Habe alles bestanden, auch alles mit akzeptablen Noten bzw. solchen, die den betriebenen Aufwand wiederspiegeln... hrrrmmm... heißt: Nachdem ich mich bei der "Deutsche Literatur vor 1700" Klausur einfach auf mein Erinnerungsvermögen verlassen habe und schlicht nicht gelernt habe und LEIDER, SEHR viel Barock drankam, wozu ich einfach nicht soviel zu sagen hatte, steht da jetzt halt ne 2,5. Vom Gefühl her entspricht das immer so der Schulnote 4... na ja... das ist wohl der Preis der Faulheit und dafür, dass ich de facto nichts gelernt hatte... (Ihr seht hier einen alten psychologischen Trick der Selbstübertölpelung am Werk, der gerne von Schülern und Studenten angewandt wird: Einfach nicht lernen. Egal wie es aus geht, man fühlt sich immer selbst bestätigt. Ist die Note gut: Yay, super, ich bin so schlau, dabei hab ich gar nicht gelernt! Ist die Note schlecht: Naja, macht ja nix, hab ja eh nicht gelernt. Bewährt und erprobt seit der gymnasialen Unterstufe, lässt sich auch prima auf Uniklausuren anwenden ;)).
Da ich es eh nur für die Punkte brauch, ist es auch egal. Dafür war mein in zwei Tagen hingerotzte Mini-Hausarbeit über "Monarchy in the Making" für den CIEE "Czech and Central European History" Course, ne glatte 1, beste Arbeit des Kurses ;). Der Rest soweit auch sehr gut. Ein Problem gibt es noch, mein letzter Course Review scheint die Dozentin per Mail immernoch nicht erreicht zu haben. Zumindest bin ich heute ein bisschen erschrocken, als der Eintrag im SIS "failed" anzeigte. Jetzt muss ich rausfinden wo sie wohnt.... errrmm... ihr Büro hat und ihr das Ding persönlich vorbeibringen... :P

- Langsam muss ich mir mal Gedanken machen, was ich nächstes Semester belegen will. Das fängt hier nämlich schon am 20. Februar wieder an. Auf jeden Fall einen Kurs zur Kunst- und Baugeschichte von Prag und den Basic Czech Course II. Die Germanisten machen eine zweite Überblicksvorlesung zur Zeit von 1700 bis 1880... kann ja auch nichts schaden, dass angestaubte Deutsch-LK Wissen ein bisschen aufzufrischen. Spätestens seit der Klausur ist mir klar, dass alles was jenseits von 1500 liegt, für mich inzwischen Science Fiction ist...

- Bears und ich waren endlich mal (schon Anfang des Monats muss ich hinzufügen) in der Statní Opera und zwar in Dvořáks Rusalka, so mit der berühmtesten Tschechischen Oper überhaupt. Dafür haben wir mich extra neu eingekleidet, darunter auch schicke, neue schwarze Schuhe. Das Problem war nur, dass die beim Laufen so gar nicht saßen und brutal unter meine Knöchel schnitten. Trage die Wunden bis heute (hach!). Die Oper selbst war recht dick aufgetragen und furchtbar altbacken in Szene gesetzt. Bin gegen Ende des ersten Aktes ein bisschen entschlummert. War wirklich gespielt, gesungen und inszeniert wie so ne Märchenstunde aus den 50ern. It's the 21st century guys! Act like it!

- Was? Sagt da jemand ich widerspreche mir selbst? Hat da jemand Peter O'Toole gesagt? Jaja, alles schön und gut, aber so wie es ein Gutes im Schlechten gibt, gibt es auch ein Schlechtes im Guten ;). Ein Film bleibt nunmal ein Film und in der Zeit verankert in der er gedreht wurde (Es sei denn, der Film hat das große Pech von Georg Lucas besessen zu werden. Meine Meinung dazu dürfte klar sein...:P. Zumindest das Problem hat eine Oper nicht!).

- Wenn Bears nicht gerade lernen muss erkunden wir die Stadt. Wir haben's u.a. endlich mal ins Kafka Museum in Malá Strána geschafft. Der Biographische Teil war etwas fragwürdig (die alte Diskussion wieweit man Kafka psychologisieren kann, darf, muss mal wieder...), dafür war der Teil über die wichtigsten Werke (wobei gerade "Die Verwandlung" gefehlt hat!) sehr eindrücklich. Wirklich gelungen. Ansonsten arbeiten wir nebenher die Liste von Restaurant-Empfehlungen aus dem ERASMUS Guidebook für Prag ab und haben inzwischen eine ganze Reihe von Lokalen entdeckt, wo man z.T. auch MITTEN in Prag, SEHR gut und günstig tschechisch Essen gehen kann. Eines befindet sich direkt neben dem Kloster Břevnov unterhalb meines Wohnheims... da werd ich wohl in Zukunft öfter vorbeischaun müssen... :)

- Da Bears immernoch mitten in der allermassivsten Lern und Prüfungsphase steckt (btw: Die erste Klausur kam wenig überraschend mit einem A zurück ;) habe ich recht viel Zeit, um mich alten und neuen Projekten zu widmen. Ich habe erstmal versucht eine Exkursion der Bamberger Medieval Studies in Prag anzustoßen, am besten mit einem kleinen Kooperationsseminar mit dem CMS hier. Mal sehen was drauß wird. Der Battlestar Galactica Rerun läuft und ich habe ENDLICH mal die erste Staffel von Twin Peaks (daher auch der Titel dieses Eintrags), sowie den vom kleinen Taugenichts hochgelobten und vielgeliebten Film Scott Pilgrim vs. the world gesehen. Auch, wenn ich mich dem Enthusiasmus den der Film bei Anderen ausgelöst hat, nicht ganz anschließen kann, so habe ich ihn mir doch sehr gerne angesehen. Ein wahrer Genuss war hingegen Twin Peaks . Hab mir die Tschechische Box der ersten Staffel gekauft und werde mir wohl demnächst die Zweite holen müssen, nachdem die Erste mit der Mutter aller Cliffhanger endete... Auch wenn die Serie optisch inzwischen ein bisschen angestaubt daher kommt, so muss man doch nachvollziehen wie viel hier zum erstenmal ausprobiert und etabliert wurde. Ein Monk oder ein Dr. House wären ohne Detective Cooper, sicherlich nicht denkbar gewesen. Auch das Vermischen von bis dahin recht festgelegten Programmformaten (Soap und Crime-Drama), sollte Schule machen. Und davon, dass der Red Room in Nerdkreisen bis heute Kultstatus hat, fang ich gar nicht erst an. Ich freu mich auf jeden Fall darauf mir nächste Woche die Zweite Staffel zuzulegen, um mir erneut den Twin Peaks Effekt zu geben.

- Ansonsten hab ich mich mal wieder vermehrt meinen großen kleinen Langzeitprojekt gewidmet. Einige mögen sich noch an die obskuren selbstgemalten Landkarten in meinen Zimmern erinnern oder an die Bleistiftmännchen, die sich an den Zimmerwänden in Untersteinach tummelten. Der Fantasy-Weltenbau dahinter schreitet inzwischen in Form von einigen Dutzend Word-Dateien immer weiter voran. Manchmal arbeite ich jeden Tag daran (so wie in den letzten Wochen), zwischenzeitlich habe ich aber auch über Jahre hinweg gar nicht dran gesessen (Anfang/Mitte meines Studiums). Wenn ich überlege, wann ich angefangen habe, müsste man wohl bis 2002/2203 zurückgehen? Kürzlich habe ich auf jeden Fall die 1000. Seite geknackt. 8000 Jahre Geschichte und ein halber Kontinent sind nun langsam, ganz langsam erschöpfend behandelt ;-).

- Oh, und ich hab mal wieder ein bisschen Prosa zustande gebracht. Habe ja, seitdem ich mich vor einigen Jahren mit den Geschichten um den bretonischen Ritter Leon Mauriac und seine Kumpanen völlig in meinen Plots, narrativen Ambitionen und über 800 Seiten verhedderte, nicht mehr wirklich was geschrieben. Aber jetzt habe ich ein bisschen Zeit und mit Prag glaube ich endlich die passende Lokalität für einen Plot gefunden zu haben, der mir schon seit Jahren durch den Kopf spukt und den ich nun endlich mal austesten kann...

- Ach ja, das putzigste aus der Schweiz hab ich noch gar nicht erzählt: Die Busse, welche da die ganzen Höfe und Dörfer mit den größeren Städten verbinden werden "Postautos" genannt. Bzw. nicht nur so genannt, sondern heißen auch ganz offiziell so! Wie süß ist das denn?

- Endlich zeichnet sich ab, dass mal familiärer Besuch aus Dtld. die paar Kilometer und Stunden auf sich nimmt und mich besuchen kommt! Yay!

Ich glaube das war's soweit erstmal. Wenn's sonst was Neues gibt, melde ich mich. Hoffe es geht euch allen gut und habt eine schöne Zeit in wo auch immer ihr gerade seit!

Montag, 16. Januar 2012

Christoph vs. the actual swiss mountains

Nach einem langen Wochenende am gefühlten anderen Ende Europas hat Prag mich jetzt wieder und ich musste erstmal einigen Schlaf und ein paar Episoden nachholen (btw: Die neue Staffel von SHERLOCK ist streambar!!! Habe soweit die ersten beiden Folgen gesehen und bin völlig hin und weg!).

Verschlagen hat es mich mit Bears nach Bern, ihre Mutterstadt und Namenstante, wenn man so will, außerdem Wohnort ihrer Eltern und Standort eines bemerkenswerten spätmittelalterlichen Münsters. Nach 14 Stunden und einer langen Nacht im Zug (durch Dunkeldeutschland über Dresden, Leipzig, Erfurt, Fulda, Frankfurt, Mannheim, Karlsruhe, Freiburg schließlich nach Basel und von dort mit der Schweizer Bahn eine weitere Stunde bis nach Bern) war der ersten Eindruck der Schweiz erstmal ernüchternd: Wenn ich nach Nürnberg reinfahre, sieht das genauso aus. Schnee und Berge waren nirgends zu sehen und ich begann bereits innerlich wieder liebevoll gepflegte Vorurteile zu bestatten - I seem to be doing that a lot these days....

Anfangs herrschte natürlich großes Sprachen-Wirrwarr meinerseits. Nachdem ich als Bundesdeutscher versuchte mit den Schweizern am Bahnhofsschalter auf Tschechisch Kontakt aufzunehmen übernahm meine eingeborene Führerin in fließenden Berndeutsch erstmal die grundlegende Kommunikation. Aber auch bei meinen schweizerischen Gegenübern sorgte der Deutsche, der sich ein schweizerisches Halbtax-Ticket (sowas wie ne Bahncard) kaufte und eine tschechische Adresse und Nummer angab, für einige Verwirrung. Irritierenderweise wurde dann auch noch Französisch in den Mix gebracht, da man hier "merci" und "adieu" sagt.
Es ging natürlich weiter mit der babylonischen Verwirrung: Alles ist überall mindestens drei (Deutsch, Französisch, Englisch), wenn nicht viersprachig (plus Italienisch). Jede Durchsage ein kleiner Sprachkurs für sich. Und anders als die inzwischen legendären Bemühungen der Deutschen Bundesbahn sich polyglott zu geben, wurde hier natürlich jede Durchsage in jeder Sprache perfekt (soweit ich das mit rückläufigen Französisch- und nicht vorhandenen Italienischkenntnissen sagen kann) vorgetragen. Mit gewisser Erleichterung konnte ich also zumindest ein liebgewonnenes Klischee vor der unzeitigen Bestattung bewahren.

Nebenbei: Schweizer Geld sieht unfassbar ulkig aus. Aber einer Währung die aus Franken und Rappen besteht, verzeiht man jede optische Eigenwilligkeit.

Nach fürsorglichster und großzügigster Bewirtung durch Bears' Mutter (in einem fantastisch kitschigen 2000 Seelen Örtchen, ca. 20 km von Bern entfernt liegend) ging es dann nach Bern, wo das volle Programm aus Bundeshaus und Bundesplatz (unter dem das Schweizer Gold liegt!), Münster, Matte, Bärengraben (keine Bären in Sicht), Rosengarten (keine Rosen in Sicht) und Kramgasse gefahren wurde. Stilecht haben wir Maroni gegessen und uns in einem Studentencafé mit einigen Freunden von Bears getroffen, wobei man sich erstmal über die Umgangssprache (Deutsch, Berndeutsch, Englisch) einigen musste - zu meiner Erleichterung wurde es Hochdeutsch.
Bern selbst ist eine wunderhübsche, sehr schön erhaltene Stadt, die ich mir gelegentlich auf jeden Fall noch einmal genau ansehen werde. Die Uni hingegen (zumindest die ExWi - Exakten Wissenschaften) verströmen eher Parkhaus und Bildungsbunker Charme. Da Lob ich mir doch unsere Innenstadtuni!

Um das Schweiz-tutorial für diesen Tag abzuschließen gab es am Abend - richtig - Käsefondue! Schmeckte besser als erträumt, machte unfassbar satt und am Ende musste auch niemand in den See mit einem Gewicht an den Füßen.

Am nächsten Tag haben wir den Gurten, den Berner "Hausberg" erstiegen (mit der Bergbahn). Dort musste erneut (vgl. Mála Skála) diskutiert werden, was denn nun ein Berg sei und ab wann ein Spaziergang zu einer Wanderung werde. Offensichtlich hat mal eine gemeinsame niederländische Freundin auf dem Gurten ganz stolz der Mutti zu Hause verkündet auf einem "actual swiss mountain" zu stehen, was natürlich unter den Schweizern zu pikiertem Kopfschütteln führte. Immerhin hatte man von dort aus nicht nur einen tollen Blick über die Stadt, sondern man konnte im Süden am fernen Horizont auch ein paar "ACTUAL swiss mountains" bewundern. Dort ragten nämlich die Berner Alpen um Eiger, Mönch und Jungfrau auf. Echte Berge, auch nach schweizer Standards.

Am Abend wurde dann im familiären Kreis Bears' Geburtstag gefeiert. Tja, das bedeutete für mich jede Menge Vorstellungen, Fragen, neue Namen und Gesichter. Es erwies sich aber als überaus angenehme und sehr erträgliche Runde, eine Spanische Inquisition fand nicht statt und ich denke ich habe es geschafft einen nicht völlig unerträglichen Eindruck zu hinterlassen. UFFZ! Am Tisch herrschte ein buntes durcheinander aus Hochdeutsch, Berndeutsch und Tschechisch und ich ging mit den Eindruck zu Bett, dass es von Bern nach Prag eigentlich deutlich weniger als 14 Stunden Zugfahrt sein müssten.

Am dritten Tag sind wir dann mit Bears' Eltern wandern (andere würden wohl "spazieren" als Terminus Technicus vorziehen) gegangen, zu einem nahen Aussichtsturm, von dem man das gesamte Land zwischen dem Schweizer Jura ("dahinter ist Frankreich") und den Berner Alpen (s.o.) überblicken kann. Seeeeehr beeindruckend. Am Ende hatte die Schweiz also doch noch zumindest was die Berge anbelangt, geliefert :).

Jetzt 14 weitere Stunden Zugfahrt später sitze ich wieder im heimischen Kolej und sehe einigen entspannten Wochen entgegen, in denen sich im schlimmsten Fall Freizeitstress einstellen dürfte. Wirklich müssen, muss ich nur die Unterschriften für meine jeweiligen Noten auftreiben, damit ich die nach Bamme weiterleiten kann, damit man mir dort glaubt, dass ich hier auch etwas tue ;-).

Montag, 9. Januar 2012

Christoph vs. Doctor Dorian

Nebenbei. Während der Weihnachtstage wurde mir bewusst, dass einigen gar nicht klar ist in wievielerlei wunderbarer Weise der Titel dieses Blogs mehrdeutig ist. Dabei floß doch beim Erstellen meinerseits soviel Hirnschmalz in die Titelwahl und ich war echt einigermaßen zufrieden mit mir, als ich von "Bohemian rhapsody", "Bohemian village people", "Von böhmischen Dörfern", "Bohème in Böhmen", weiter über "Czech it out!", "Check out Czech!", schließlich einem Geistesblitz folgend bei "You don't know Czech" gelandet war.

Daher ein bisschen Aufklärungsarbeit in eigener Sache.

Erstmal bedeutet der Titel meines Blogs ganz straight-forward: "Du kannst kein Tschechisch" was natürlich sehr, sehr wahr ist und wo sich auch nur seeeeeeeehr, seeeeeeehr langsam und müüüüüüüühsam Besserung einstellt. Man kann es mit etwas Phantasie aber auch als "Du kennst keinen Tschechen" lesen, also "Czech" wie "Czech Person", wobei es dann wohl eher "Czechs" heißen müsste. Das traf zumindest zum damaligen Zeitpunkt vor etwa drei Monaten (!!!) zu, hat sich inzwischen aber zum Glück ein bisschen relativiert.
Wenn man weiterhin Tschechen beim Englisch reden zuhört, wird man schnell bemerken, dass sie von ihrem Land oft einfach als "Czech" reden und sich nicht etwa mit dem umständlichen "Czech Republic" aufhalten. Sie sagen oft einfach "Welcome to Czech!" oder "I'm from Czech, do you like it in Czech?". Das kann man nun naserümpfend als im besten Falle falsch und faul oder im schlimmsten Falle als gefährlich doppeldeutig bezeichnen, ich aber ziehe es vor, es "authentisch" zu nennen ;). Man kann den Blog-Titel dem folgend also auch einfach mit "Du kennst Tschechien nicht" übersetzen. Auch das ändert sich nun langsam, aber die Grundbotschaft hat durchaus noch Bestand.

Soviel also erstmal auf schlicht semantischer Ebene.

Doch dann kommt ja auch noch das allerschönste Kind der Postmoderne (neben dem Sozialen Konstruktivismus vielleicht...) hinzu: Die Intertextualität!

So kennt die Englische Sprache das schöne Idiom "You don't know jack shit!", in der Regel verkürzt zu "You don't know Jack!", was soviel bedeutet wie "Du hast doch keinen blassen Dunst!" oder ehrlicher (und näher am Original) "An' Scheiss weißt du!".
Eben diese Wendung wird von einem gewissen Doctor Dorian nach 42 Sekunden Scrubs wunderbar effektvoll angebracht, wo es mir vor einigen Jahren begegnete und es sich fortan in meinem Englisch-Idiomatika-Schrank gemütlich machte. (Außerdem ist die "Eureka"-Folge 3.16 sinnigerweise [ Nach Hauptcharakter Jack Carter] so benannt)
Der Rest basiert auf der gefühlten (!!!) Aussprachegleichheit von Englisch "Jack" [ʤæk] und "Czech" [ek] und wie wunderbar doch alles zusammen passt(e): Ahnungslosigkeit, ein bisschen massive Überforderung am Anfang sowie ein grundsätzliche Unkenntnis von Land, Leuten und natürlich der Sprache. Hinzu großes Identifizierungspotential mit zwei der sympathischsten TV-Gestalten der Nuller Jahre: Doctor John Dorian und Sheriff Jack Carter!

Now, isn't it a thing of beauty?

PS: In Analogie zu unserem schönen "böhmischen Dörfern", reden die Tschechen im übrigen von spanischen Dörfern. Besonders putzig sind mal wieder die Polen, die in einer solchen Situation sagen, dass sei ja "wie in einem tschechischen Film!". Word!

Christoph vs. the bohemian village

So Weihnachten ist überstanden und der Jahreswechsel auch. Schön war es in der Heimat, ein bisschen vermiss ich euch alle schon auch, aber was dort passiert ist tut hier nichts zur Sache und wurde zudem an anderer Stelle in unnachahmlicher Weise bereits prägnant zusammengefasst.
Nun bin ich seit über zehn Tagen wieder in der Zwischenheimat meiner Wahl und komme endlich mal wieder zum Schreiben, um euch auf den neusten Stand zu bringen.

Erstmal also allen, die ich nicht persönlich erreicht habe auf diesem Wege ein wundervolles neues Jahr 2012! Mögen wir alle die Enttäuschung verkraft, wenn es entgegen aller Versprechen, doch nicht das letzte aller Jahre gewesen sein wird.

Ich habe den Jahreswechsel mit Bears, dem Drei-Bücher-Propheten und der Tschechin deren Antlitz der Schiffe Tausend rief, weit weg von Prag im tiefsten, dunkelsten Riesengebirgsvorland verbracht: Malá Skála (dt.: Kleiner Felsen), ein putziges Dörfchen mit etwas mehr als 1000 Einwohnern, allerliebst gelegen im Český ráj (dt.: Böhmisches Paradies) ganz im Nordosten Böhmens.
Wir haben also das getan was "echte" Prager an Silvester machen und haben Prag so weeeeeeit wie nur möglich hinter uns gelassen und es den Touristen und Austauschstudenten überlassen besoffen von der Karlsbrücke zu fallen und sich auf dem Wenzelsplatz mit Feuerwerkskörpern zu beschießen. Dafür gabs dann halt kein kolossales Profi-Feuerwerk, sondern eher etwas in den Dimensionen von Untersteinach.
Wir sind in einer sehr hübschen Pension untergekommen und haben, außer lange zu schlafen, am 31. und am 01. vor allem viel zu gut für viel zu wenig Geld im örtlichen Gasthaus (U Boučku) gespeist (für 180 CZK, bekam man ein Riesenessen, zwei Bier und einen Schnaps! Es ist was dran: Je weiter man von Prag weg kommt, umso besser und umso billiger wird das böhmische Essen) und sind zum Ausgleich viel durch die Gegend gestiefelt. Zwar wurde mit von schweizerisch sozialisierter Seite verboten unsere Ausflüge als "Wanderungen" und das Gelände durch das wir uns dabei bewegten als "Berge" zu bezeichnen, ich bleibe aber dabei, dass es das ziemlich genau trifft: Bergwanderungen haben wir gemacht! Hah!
Die Landschaft ist wirklich atemberaubend, richtig schön wildromantisch.
Am ersten Tag war das Wetter auch noch recht kooperativ und wir haben rasch die schlammigen Hänge erklommen und nachdem wir mal die Schneefallgrenze überschritten hatten wurde es so richtig, richtig kitschig. 30 cm Neuschnee über Wald, Fels und Feld durch die wir marschiert sind. Wir haben uns durch Felsklüfte gezwängt (mein Mantel hat immernoch überall Dreckspuren) und sind auf Findlinge geklettert von denen man einen fantastischen Blick übers Land hatte. Am Ende waren wir in einer Art Felsenkessel, den Hussiten während der habsburgischen Rekatholisierung im 17. Jahrhundert als Versteck genutzt haben, wo Touristen seit dem 18. Jahrhundert sich mit Felsengraffitis verewigt haben.
Zurückgekehrt und mit Svčíková, Bier und Knoblauchsuppe gestärkt haben wir in der Pension dann unsere Feuerzangenbowle gemacht. Da wurden die Dinge dann etwas verwegen. Wir hatten es im Chaos der Anreise (Ein Kapitel für sich, es verzögerte sich alles ein bisschen, weil der Drei-Bücher-Philosoph den Prager öffentlichen Nahverkehr grundsätzlich keine Tickets zugestehen will und sich dann auch gerne mit der Polizei anlegt. Und das war nur der Anfang...) hatten wir es nicht mehr geschafft hochprozentigen Rum zu beschaffen, der ordentlich brennt. Alles was die Tschechin deren Antlitz der Schiffe tausend rief im örtlichen Potraviny noch auftreiben konnte dümpelte so um die 30% rum, was zu wenig ist (angeblich braucht es 54%). Der Drei-Bücher-Philosoph ließ sich davon nicht ermutigen und hat einfach in einer ansässigen Kneipe etwas Absinth, mit - ja - Spiritus gestreckt, aufgetrieben und in einem Gurkenglas in die Pension gebracht.
In der Hoffnung, dass wir am nächsten morgen nicht alle erblindet sein würden, haben wir diese abenteuerliche Mischung dann als Brandbeschleuniger genutzt, um den billigen Rum der sich durch die Zuckerhüte gefressen hatte, anzuzünden. Und siehe da, das Ergebnis übertraf unsere kühnsten Hoffnungen. Wir hatten spektakuläre Stichflammen, die beiden Tschechen waren vom deutschen Pyromanentum völlig begeistert und über dem Herd gibt es jetzt einige charmante Brandflecken an der Küchezeile. Ist gut fürs rustikale Ambiente. Danach haben wir uns den gleichsamen Film (Also nicht "Rustikales Ambiente", sondern "Die Feuerzangenbowle") angesehen, wobei ich mir mit jeder Minute unsicherer wurde, ob ich diesen Film schon einmal gesehen habe wie ich es mir eigentlich eingebildet hatte. Sind ja wirklich einige Hammer Oneliner dabei, wie man heute sagen würde ("Na, die Herren sind ja heute sehr animiert" und natürlich "Aber nur einön winzigön Schlock!"). Die Zeitumstände (1944) unter denen der Film entstanden ist, merkt man ihm leider ab und an an, was dann - interessanterweise nur in der deutschen Fraktion - zu schmerzverzerrten Grimassen führte. Das schmälert den Film insgesamt aber nicht, ist ein ganz putziges, wunderbares zeitloses "Loblied auf die Schule, auch wenn es möglich ist, dass die Schule das nicht merkt".
Am Rande: Bamberg verkauft sich v.a. auf Postkarten gerne mal als die "Stadt der Feuerzangenbowle". Das liegt daran, dass die in Roman und Film erwähnte Stadt "Babenberg", wohl mit der schönen oberfränkischen Bischofsstadt identifiziert worden ist. Auf meinen Führungen bin ich daher schon des Öfteren gefragt worden, ob der Film nicht hier gedreht worden ist. Jeder der jedoch nen Wikipedia-Artikel lesen kann (jeder Schimpanse) oder mal ein Referat über den Hallenumgangschor von St. Michael in Schwäbisch Hall gehalten hat (Ich;)), findet schnell heraus, dass dem Film eben jenes malerische Schwabenstädtchen als Kulisse diente...

Ein weiterer Höhepunkt des Abends war das Entzünden von Bears schweizerischer "Tischbombe", die mit einem lauten PLOPP einen bunten Schauer aus wunderbar sinnlosen Plastikhütchen, Brillen, Konfetti und anklebbaren Schnurrbärten durchs ganze Zimmer verteilte. Unnötig zu erwähnen das zahlreiche Fotos entstanden, die besser niemals an die öffentlichkeit gelangen...
In dieser Form durch supersüße Bowle, prickelnden Sekt, schweizerischen Tischterrorismus und nationalsozialistische Wohlfühlpropaganda "animiert" trieben wir dann ins neue Jahr hinüber...

Der nächste Morgen begann ernüchternd. Um halb zwölf weckte uns die Hausherrin mit dem Hinweis, dass wir in ner halben Stunde gehen müssten. Bei meinem deutschen Pflichtbewusstsein gepackt und katalysiert durch schlechtes Gewissen habe ich mich sofort daran gemacht die völlig verwüstete Küche in Stand zu setzen, während Bears, deren bisweiligen gegenläufige nationale Identitätskonzepte in diesem Augenblick eher deutsch-schweizerisch ausschlugen, sich daran machte die Schrapnelle der Tischbombe zu entschärfen... zumindest ein Teil tschechischen Fraktion zog es aber vor noch ein bisschen zu schlafen und dann zwanzig Minuten zu duschen... :P

Nach diesem unverhofft frühen Start ins neue Jahr, mussten wir uns erstmal im U Boučku mit böhmischen Ovocný knedlík (Obstknödeln! Yummie!) kräftigen und sind dann bei deutlich ungastlicheren Wetter wieder losgezogen. Über einen matschigen Waldweg, ging es zu einem ebenso matschigen Waldfriedhof, um von dort über einen anderen matschigen Waldweg schließlich zu einem abenteuerlichen Bergpfad vorzustoßen, der uns durch Regenschleier und Nebelschwaden über einen felsigen Hügelkamm zu einer alten Burgruine führte. Auf dem Weg nach dort oben, war es trotz Nässe und Kälte, sehr beeindruckend. Das Mittelgbirgsland um uns lag unter Schneewolken und Nebelfetzen, es regnete nur ein bisschen, was die leicht gruselig-mythische Atmosspähre an der Ruine dann perfekt machte. Natürlich bin ich im Geiste nicht zu einer böhmischen Burgruine geklettert, sondern wanderte an der Schwertküste zur alten Gnollfeste, um dort eine gewisse Magierin aus ihrer Gefangenschaft zu befreien... (Gosh, I miss Baldur's Gate...).

Gegen Abend brachte uns der Zug dann zurück ins schöne Prag und die harsche Realität des neuen Jahres. Das bedeutete im einzelnen in den letzten Tagen (den ersten Tage 2012):

- Ich habe meinen hoffentlich letzten Course Review für dieses Semester geschrieben. Das Amerika-Seminar. Gab wenig auszusetzen, jetzt muss ich ihn nur noch abschicken. Kann mich aber mit dieser Form der Leistungserhebung null anfreunden. Nervt. Gebt mir ein ordentliches Referat, for crying out loud!

- Bears ist total im Lernstress. Anders als andere Anwesende, studiert sie hier nämlich WIRKLICH und macht nicht so ein halbarschiges Pseudo-ERASMUS Auslandsstudium (Anders als andere Anwesende, beherrscht sie allerdings auch die Landessprache...:P)

- Am Mittwoch habe ich meine letzte Klausur. Deutsche Literatur vor 1700. Spiele mit dem Gedanken einfach nicht zu lernen.

- Nun, da das Semester zu Ende geht, muss ich sagen, dass ich mich wirklich nicht besonders angestrengt habe. Im Gegenteil. Der ganze Unikram lief wirklich nur sehr nebenher. Vielleicht in den letzten eineinhalb Wochen vor Weihnachten etwas weniger, aber ansonsten war mein universitärer Aufwand hier mehr als überschaubar. Mal sehen wie das im nächsten Semester wird. Habe gestern voll Wehmut die Excel-Tabellen mit meinen bisherigen Bamberger Studienleistungen durchforstet. Das wäre mal wieder was: Geballtes Mittelalter, mit richtiger Arbeit, richtigen Referaten und echten Diskussionen! Aber ich sitze noch ein halbes Jahr hier und werde jeden Tag dümmer .... ;).

- Am Freitag war ich mit den ERASMUS-Damen im Kino und zwar im neuen Sherlock Holmes Film. Nachdem ich mir den ersten Teil am Nachmittag noch schnell reingestreamt hatte und recht angetan war, erwies sich der Zweite auch nicht als Enttäuschung. Jeder Film in dem die deutschen Schurken tatsächlich recht passables Deutsch sprechen ("Wenn sie entkommen, seid ihr TOT!"), hat bei mir einen Stein im Brett.

- Habe außerdem Bears' Bruder kennengelernt, der auf Stippvisite in Prag vorbeikam. Kann lustige Geschichten davon erzählen wie er in Bern auf dem Bundesplatz von SVP-Schergen festgesetzt wurde...

- Wann kommen meine Brüder mich mal besuchen? Häh? Selbiges gilt für Elternteile, Kommilitonen und Mitbewohner!?!

- Nächstes WE fahren Bears und Ich für drei Tage in die Schweiz, nach Bern. Familienvorstellungsrunde. *Gulp*. Ich bin gespannt. Für den Fall, dass ihr nichts mehr von mir hört, kontaktiert die deutsche Botschaft in Bern.

- Auch die zweite größere Exkursion ist schon gebucht. Anfang März fliegen wir nach London und fahren dann weiter nach Oxford! Bears hat da ein Klassentreffen, das wir als Vorwand nehmen, um mal wieder auf der Insel vorbei zu gucken. Letztes mal war ich da... Februar 2009, wegen einer gewissen Ex-Freundin... quasi in einem anderen Leben also... Kinder wie die Zeit vergeht!!

- Jetzt sollte ich aber wirklich mal anfangen mir zumindest die Renaissance und Barock Literatur ein bisschen anzusehen...