Mittwoch, 14. März 2012

Christoph vs. way too much stuff to find an adequate tagline for today's post and anyway look at the time how late it is, so what do you expect?

Mal wieder an der Zeit mich zu melden, damit hier (in meinem Expat-Leben) langsam wieder Ruhe und Normalität einkehrt. Es gibt einiges zu berichten, evtl. werde ich es daher auch auf zwei Einträge verteilen...

1) Ich habe wieder einen LAPTOP! Danke an die besten Eltern der Welt!!! Langsam richte ich mich wieder ein, organisiere neue Soft- und Hardware, richte meinen Desktop und meinen Browser ein, hole verpasse Serien auf (dazu später evtl. mehr). Habe auch mal meine Externe gecheckt und wiewohl der Datenverlust nicht GANZ so massiv ist wie befürchtet, ist er doch brutal. Dank meiner UTS und Unidaten konnte ich die letzte Speicherung auf Januar 2011 datieren. In Seitenzahlen gesagt habe ich über 500 Seiten meines Weltenbauprojekts verloren (die besten, die neusten, die dichtesten Seiten), drei Semester Uni (die besten, die neusten, die dichtesten Arbeiten) und ein Jahr UTS-Daten (viel Spaß bei der Steuererklärung!).
Unnötig zu sagen, dass ich den Laptop jetzt keine Sekunde mehr aus den Augen lasse und sogar zum Einkaufen bei der Norma mitnehme und die Tür abschließe, wenn ich auch nur aufs Klo gehe...:P

2) Bears und ich waren 4 Tage in England: London & Oxford. Most astounding! Wir haben uns glücklich in Gatwick getroffen und sind nach London reingefahren, wo wir uns mit einer Freundin von Bears auf ihren Cambridge Tagen getroffen haben, bei der wir übernachten konnten. Den Nachmittag haben wir dann v.a. damit verbracht mit großen Augen durch die Stadt zu marschieren, dem British Museum, Covent Garden, Westminster Abbey und den Houses of Parliament zuzwinken und am Ende ganz gemütlich durch die Dämmerung an der Themse entlang zu marschieren (und dabei permanent allgegenwärtigen Joggern auszuweichen). Was soll ich sagen... London raubt mir immer wieder den Atem! Da kommt man aus Prag mit 1,2 Mio. Einwohner, Tram, Parlament und Metro und denkt, man lebt in einer großen Stadt und dann kommt man nach LONDON mit massiven acht Millionen Einwohnern aufwärts! Und das sieht man der Stadt einfach an. Die vielfältige Mischung aus historischer Gravitas und moderner Exotik, aus britischem Understatement und ex-kolonialer Mulitkulturalität ist einfach einzigartig. Prag erschien mir einmal mehr nur wie das größte aller böhmischen Dörfer - natürlich ist der Vergleich völlig unfair, aber ich konnte mich ihm in meiner Situation nicht entziehen. Am krassesten hat mich getroffen, dass ich plötzlich wieder alles lesen und verstehe konnte was an öffentlicher Kommunikation im Cityscape um mich herum geschieht: Plakate, Werbung, Pläne, Karten, Lautsprecherdurchsagen, Beschilderungen aber natürlich auch im Vorbeigehen aufgeschnappte Gespräche, Kommunikation mit Leuten hinter Schaltern und in Restaurants oder einfach auf der Straße... Fantastisch! Im Prag laufe ich demnach im Prinzip die ganze Zeit blind, taub und in gewisser Weise auch stumm durch die Gegend!

Am Abend wurden wir von Bears Freundin lecker bekocht und haben Hammersmith kennengelernt, auch so eine Gegend die man normalerweise nicht besuchen würde...
Der zweite Tag war dann voll Programm. Zuerst führte uns einer der immer wieder unterhaltsamen und informativen London Walks durch die City. Die City von London ist seit dem Finanzcrash vor über drei Jahren für das Europa des 21. Jhd. etwa das was Mordor für das Mittelerde Ende des Dritten Zeitalters ist, aber unser Guide hat es dennoch verstanden zwei Stunden in kürzester Zeit zwischen Banktürmen und Glasfassaden, und wie im Fluge vergehen zu lassen.
Nach einem standesgemäßen Fish&Chips-Mittagessen in der Nähe von Covent Garden ging es dann in die National Gallery!!! Eigentlich wollte ich nur schnell vorbei gehen und Herrn van Eycks wohl berühmtesten Werk meine Referenz erweisen. Am Ende blieben wir natürlich viel zu lange drin und mussten uns beeilen, um noch rechtzeitig in die Brick Lane zu kommen (was wir nicht schafften...). Dort war Bears nämlich mit ihren ehemaligen Klassenkameraden vond er Europäischen Schule verabredet, an der sie als Kind ja einige Jahre verbracht hat. Das führte uns also in den wilden Osten Londons, wo die Straßen auf Bangladesisch beschriftet sind und man vor Kneipen erstmal von grimmigen, tätowierten Glatzköpfen abgetastet wird. Neben ausgezeichnetem asiatischem Essen, gab es da aber auch ganz anständiges Bier und so wurde der Abend, obwohl ich eigentlich außer Bears niemanden kannte, doch noch ganz unterhaltsam (Dieses Klassentreffen war der eigentliche Anlass für unsere Trip - dafür haben wir es allerdings ziemlich marginalisiert...). Bei der Heimkehr noch eine kurze Schrecksekunde, da die Tickets abliefen während wir noch in der Metro saßen, aber zum Glück kein Problem beim Rausgehen.
Der Sonntag Morgen entließ uns dann, nach einem herzhaften englischen Frühstück (Niemand hält dieses Volk davon ab drei Scheiben Schinken, massig Rührei, vier Scheiben Toast, gebratene Tomaten mit frittierten Pilzen und Bohnensoße zu kombinieren!) mit unserer überaus charmanten und unterhaltsamen Gastgeberin ("Frustykk?") und ihrem französischen Freund (liebevoll "Frenchie" genannt), in Richtung Victoria Station, wo wir die lächerlich hohen Preise für die Tickets bezahlten. Ohnehin scheint alles in London aber auch in Restengland lächerlich teuer zu sein. Vermutlich wird der Eindruck durch mein "normales" Leben in Prag noch katalysiert, aber als wir am Ende Kassensturz gemacht haben, stellte sich heraus, dass ich in vier Tagen England etwa soviel Geld ausgegeben hatte wie in einem Monat in Prag (ohne Miete natürlich:P).
Mit dem Bus ging es dann nach Oxford (Untwerwegs gelernt das Seitenstreifen auf der Insel wohl "Hard shoulder" heißt... verrückt), wo wir mit einer weiteren Freundin von Bears verabredet waren (diesmal eine aus der Schweiz). Oxford ist charmant, britisch-kleinstädtisch, altehrwürdig und WUNDERSCHÖN! An jeder Ecke steht ein großartiges Collegegebäude in Perpendicular Gothic Style, wir waren in einer kleinen Ausstellung über "Romatische Literatur im Mittelalter" (alles von König Arthur bis zum Shahnahme war vertreten!) und zum krönenden Abschluss natürlich ein verspätetes Mittagessen im legendäre Eagle & Child Pub!

Hab ich schon erwähnt, dass es einen neunmonatigen Medieval Studies Masterstudiengang in Oxford gibt?

Unser Hotel war leider deutlich weiter außerhalb der Stadt, als es die Webseite suggeriert hatte, weswegen wir uns ein Taxi nehmen mussten (was gemessen an den sonstigen Preisen überraschend bazahlbar war) und als wir wieder in der Stadt waren, ging es dann auch schon wieder zum Abendessen mit Bears' Freundin und ein paar Freunden, die sie noch mit eingeladen hatten. Die Einladerei war wohl etwas eskaliert und wir haben einen riesigen Tisch belegt und äußerst kreativ belegte Pizza verdrückt. War ein schöner Abend mit lauter interessanten Leuten. Und - hah - auch Oxford-Studenten kann man mit ein paar Brocken schlechtem Tschechisch beeindrucken ;). Danach waren wir noch in einer College-Bar, wo einige Junior Studenten besoffene Schlachtenhymnen unter anderen über die "fucking Germans" grölten. Gehört wohl auch dazu...
Am zweiten Tag haben wir außer lange schlafen, das Frühstücksbuffet im Hotel verpassen, ein bisschen durch die Stadt bummeln, in Waterstones einkaufen (Bücher, Bücher, Bücher, Bücher!) und in einem urigen Pub Mittagzuessen, nicht viel gemacht. Es stand ja auch schon wieder die nächste Busfahrt an, die uns nun in ca. zweieinhalb Stunden zurück nach Gatwick führen sollte. Der tränenreiche Abschied soll hier ausgespart werden. So ist das jetzt nun mal, so wird das fürs erste auch bleiben. Selber Schuld, keine Ausreden, grow up with it! Sonntag Abend war ich wieder in Prag gelandet und musste in mein mikroskopisches, laptoploses Zimmerchen zurückkehren, den Kopf voller Sehnsucht, Nostalgie und wirrer Pläne für die nächsten zweieinhalb Jahre...

3) Der Herr Baron und ein gewisser Taugenichts haben mich übers letzte verlängerte Wochenende hier besucht. War toll mal wieder mit "meinem" Prag, meiner Wahl- und Zwischenheimat, sowie meinem radebrechenden Tschechisch anzugeben. Haben das volle Programm mit Burg, Kampa Museum, Jüdisches Viertel, Synagogen und Museum sowie Kafka Museum durchgezogen. Waren für mich einige zweite und dritte male dabei, aber das stört erstmal gar nicht. So verstetigt sich am Ende evtl. sogar irgendeine dieser Informationen. Gezecht und gefressen haben wir natürlich wie die Nilpferde, traue mich kaum noch Essen auch nur anzusehen nach dem Wochenende... Es war auf jeden Fall sehr schön ein bisschen Familie um sich zu haben. Wie sehr man sie am Ende doch vermisst, merkt man erst wenn sie dann wieder weg sind... :)

4) Dank eines wertvollen Hinweises befinde ich mich nun im Besitz einer digitalen Kopie des Rollenspielklassikers Baldur's Gate einer der Zauberorte meiner Kindheits- und Jungederinnerung. Heute wurde ich schon von der Flammenden Faust in den Straßen von Beregost augefordert doch zum nächtigen in ein Wirtshaus zu gehen und bin einige male vom verrückten Cyric-Kleriker Bassilus (bzw. seiner RIESEIGEN Heerschar armbrustbewehrter Skelette) niedergemacht geworden. SEUFZ: Ein gutes Gefühl, zu Hause zu sein :).

5) UNI! die gibt's ja auch noch, wusste ich doch das was fehlt. Ja, Uni läuft, oder? Wir spielen in der Theatergruppe Goethes wenig bekannte Stella, ich werde vermutlich Fernando übernehmen (müssen). Am 14. Mai sind die Aufführungen und zwar im Geothe-Institut Prag (Nah, too easy...). Im Tschechischkurs wurden erste Schwächen meinerseits aufgedeckt (Akkusativformen von Demonstrativpronomen... :-P). Den Gotischkurs hab ich die Woche großzügig und gar nicht mal so versehentlich ausfallen lassen und mir dafür schicke neue Schuhe gekauft. In der nach wie vor echt interessanten Landscape&Sociology Klasse werde ich ein Referat zum selbstausgebrüteten Thema "Hellscape: Landscapes of Hell - Imagining the Unimaginable" halten. Schuld ist ein langer Nachmittag/Abend, den ich mit John Milton verbrachte habe. Der Art&Architecture Kurs führte uns letzte Woche in die Nationalgalerie (wobei sich der Dozent - mal wieder - bei mir entschuldigte, nachdem ich ihm erzählt habe was ich studiere und mir danach aus welchen Gründen auch immer seine halbe Lebensgeschichte inkusive frisch gescheiterter Ehe und kleinem Kind, erzählt hat...) und morgen werden wir uns den Dom angucken. Und der GEILOMAT-Kurs ist und bleibt eben genau das ;).