Montag, 25. Juni 2012

Christoph vs. the Prague Spring

Dieser Post soll euch zurückführen in die Mitte des diesjährigen Aprils: Das Wetter war grau und diesig, die Uni noch wenig fordernd und nur die Arbeit in der Theatergruppe zog langsam an. Immerhin stand die Aufführung in einem Monat bevor und wollte vorbereitet werden. Zu Stella und all dem werde ich mich hier nur wenig äußern. Dafür wird die nächsten Tage ein eigener Post folgen. Vielmehr will ich mich hier einigermaßen knapp hoffe ich über meine universitären und sonstigen Aktivitäten von Mitte April bis Ende Mai konzentrieren. Erwähnt sei nur, dass Stella diese stets begleitete, oft erschwerte, gelegentlich auch bereicherte und zumindest in der ersten Maihälfte beinahe völlig an den Rand drängte.

Was hatte also die Uni in der zweiten Hälfte meines zweiten Semesters hier zu bieten? War gar nicht mal so unanstrengend gegen Ende...

1) Der Gotischkurs erwies sich als genauso arbeitsintensiv wie befürchtet. Um unser "Zápočet"("Bestanden") zu bekommen mussten wir geschlagene 40 Verse aus dem Codex Argenteus, dem einzigen größeren Textzeugen für das Gotische, übersetzen von denen wir dann jeweils nur eine handvoll im Kurs vorstellen mussten. Natürlich wussten wir vorher nicht welche. Netterweise war es immerhin die Weihnachtsgeschichte nach Lukas (Kleine Hörprobe aus dem 1. Kapitel - unbedingt reinhören!), eine sprachlich vergleichsweise simple Passage. Dennoch war es genausoviel Arbeit wie es klingt und ich saß deswegen zwei geschlagene Tage in der Bib und habe kaum was anderes gemacht, als mir den Kopf darüber zu zerbrechen was die ei-Endung bei þankjandei soll, ob 3. Pers. Pl. Prät.Indikativ wirklich Sinn macht und zu bereuen, dass es Reduplikationen bei Vergangenheitsformen in dieser Form in unserer schönen Sprache nicht mehr gibt. Wirklich ich würde töten, um Formen wie gawandidedun ("sie wandten sich um"), tawidedeina ("sie mögen getan haben" - ich halte unsere Konjunktiv für einen eher würdelosen Ersatz für den indogermanischen Optativ) oder gesaiƕandans ("gesehen habend") in meinen aktiven Sprachgebrauch integrieren  zu können! 
Am Ende des Kurses gab es auf jeden Fall eine sehr nette vierstündige Blocksitzung mit Kaffee, Tee und Kuchen, an deren Ende ich dann erfolgreich meine Unterschrift einstreichen konnte. Strike one!


2) Die Vorlesung "Deutsche Literatur zwischen 1700 und 1880" war am Ende dann deutlich mehr als eine Wiederholung von altem Leistungskurswissen und hat sich - trotz einiger Längen gerade in den ersten Sitzungen - als recht spannend erwiesen. Ich fühle mich wieder einigermaßen über Grundzüge von Literatur und Geistesgeschichte in dieser Zeit informiert. Klausur lief dann auch - trotz minimaler Vorbereitung - überraschend gut. 1,7 und damit beste Arbeit des Kurses ;). Die Unterschrift hol ich mir am Mittwoch. Strike two!


3) Oh zu dem wirklich tollen Landscape&Sociology gibt es viel zu erzählen. Ich habe mich ja schon darüber geäußert wie geglückt verschiedene Disziplinen, Standpunkte und Theorien vom Dozenten kombiniert wurden. Den richtigen Mittelweg zwischen Ökologie, Ökonomie, Soziologie, Kulturwissenschaft und Philosophie zu finden war in diesem Umfeld sicherlich nicht immer einfach. Umso mehr habe ich es genossen. Mein Referatsthema waren dann Symbolic Landscapes und ich habe tatsächlich einige Vorbereitung hineingesteckt. 
Am Ende wurde es dementsprechend wieder einigermaßen enzyklopädisch. Wie bei jedem guten Referat fing ich mit Aristoteles an, habe mindestens einmal Goethe zitert und jede Menge mehr oder weniger gut versteckter Herr-der-Ringe, Matrix, Shakespeare und Asterix Anspielungen untergebracht. Hab es sogar geschafft ein Bild von Untersteinach in die Präsentation zu schmuggeln! Am Ende schlug ich einen Bogen von den Loca Sancta und der Stadttopographie Jerusalems über Romantische Landschaftsmalerei (Caspar David Friedrich, John Constable) und den englischen Landschaftsgarten, zum "Scouring of the Shire" in Tolkiens Magnum Opus und endete fulminant mit der ebenso epischen wie inoffiziellen englischen Nationalhymne "Jerusalem" von Sir Charles Hubert Hastings Parry auf ein Gedicht von William Blake, in dem all dies zusammen kommt. Donnernder Applaus und ein zu Tränen gerührter Dozent, der sich gar nicht mehr hinter sein Pult traute, waren Belohnung genug für den Tag und ich beschloss irgendetwas zu tun um mein Ego wieder runterzufahren (In den Spiegel zu gucken zum Beispiel: Neun Monate tschechische Küche und tschechisches Bier hinterlassen ihre Spuren... ;)). 
Der Dozent war so begeistert, dass er mit ein A und die ECTS Punkte gab BEVOR ich den dazugehörigen Essay auch nur mit ihm besprochen hatte. In dem habe ich mich dann ein bisschen über die Bedeutung und Kontexte von Landschaftsmalerei im späten Mittelalter ausgelassen: Also ein bisschen Lorenzetti Wandfresken aus dem Palazzo Poppolo Siena, ein bisschen Trés Riches Heures und ein bisschen van Eycks. So viel Spaß für so wenig Geld! Strike Three!   

PS: Mit dem Seminar war auch eine sehr schöne dreitägige Exkursion ins Český Raj verbunden, aber dazu später mehr...  

4) Der Tschechischkurs schloss mehr oder weniger mit der Einführung der Vergangenheit ab. Ab da haben wir eigentlich nur noch Übungen gemacht und Filme geguckt. Am Ende gabs nen Test, auf dem dann 90% und ein A standen. Naja... der erste Schritt ist gemacht, aber um Tschechisch wirklichg zu können und sich einigermaßen in dieser Sprache auszudrücken ist es noch ein ordentlicher Weg zu gehen... In jedem Falle: Strike Four!


5) Auch zu dem Art & Architecture Kurs wurde eigentlich schon alles gesagt. Der Vollständigkeit halber: Die Klausur war ein Witz und als Essay hab ich den Teil zum Heilig-Kreuz-Münster Schwäbisch Gmünd aus meiner Proseminararbeit über Hallenumgangschöre recycelt und um den Veitsdom in Prag sowie St. Just et St. Pasteur in Narbonne erweitert. Das was wirklich nett an dem Kurs war, war der verpeilte Dozent und unsere Ausflüge in fast alle Zweigstellen der Národní Galerie, versteckten Undergroundküstler-Ausstellungen und ein kubistisches Museum/Café! Einziger Kurs von dem ich die Note noch nicht weiss, aber ich denke furchtbar schlecht wird es nicht gewesen sein...


6) Schlussendlich der GEILOMAT-Kurs. Der fiel gegen Ende leider ein bisschen ab. Alt-Ägyptische Literatur ist (für mich zumindest) nicht halb so spannend wie Sprache, Religion, Kosmologie, Kunst und Architektur. Aber gut. Die Klausur war mal wieder geschenkt und ich hab mein A ohne weiteren Lernaufwand eingefahren. Als einziger Junge wie es die Dozentin wert fand zu betonen.... Strike Five!

Abschließend noch einige Worte zur wirklich schönen Exkursion ins Český Raj ("Böhmisches Paradies"). Diese fand am ersten Maiwochende statt und führte uns in eines der größten und schönsten Naturschutzgebiete Tschechiens. Ist etwas südlich der Malá Skála Ecke, wo wir über Silvester waren. Dort sind wir dann zweieinhalb Tage lang wacker durch Wald und Wiesen marschiert, haben uns zunächst die wirklich spektakulär in der Landschaft liegende Burgruine Trosky angeschaut. Ein tolles Ding, in seiner Lage daramtisch wie in einem Fantasyfilm. Noch dazu war das Wetter wirklich bombastisch! Auf dem Rückweg dann noch das schicke Schloss Hrubá Skála  und am zweiten Tag die Burg Valdštejn, der Stammsitz des nach ihr benannten böhmischen Adelsgeschlechtes z Valdštejna. Bei uns, Dank eines gewissen Friedrich Schiller, besser als Wallenstein bekannten. Am zweiten Tag haben wir und aber nicht nur Burgen in toller Landschaft angeguckt, sondern vor allem auch tolle Landschaften ganz ohne Burgen, so zum Beispiel die wirklichen beeindruckenden Felsentürme von Hruboskalské skalní město was zu deutsch etwa soviel bedeutet wie die "Großfelser Felsenstadt". Untergebracht waren wir in einem alten Spa aus dem frühen 20. Jahrhundert bei dem man in der Dusche schon mal auf Frösche treten konnte (Tatsächlich musste ich eines morgens eine Gruppe völlig hysterischer Putzfrauen vor einer dieser gefährlichen Monstrositäten retten) dafür aber ein exzellentes Frühstücksbuffet vorgesetzt bekam. Die Gruppe bestand v.a. aus Amis, ein paar Kanadiern und mit mir, einem Portugiesen und einem Finnen noch drei Europäern. Wir sind gut miteinander ausgekommen, es gab fantastisches Essen in der Hospoda gleich ums Eck und ich konnte mein Englisch - das unter dem Mongel-ERASMUS-Sprech doch recht gelitten hatte - wieder ein bisschen aufbessern. 
Höhepunkt des Ganzen war sicherlich die Installation von "Landart" in der Landschaft, wo wir etwas zum Thema "Landscape between Heaven and Hell" fabrizieren sollten. Einer kanadischen Idee folgend - die von mir auf theoretische Füße gestellt und historisch abgesichtert wurde - spannten wir zwischen den Bäumen, die wir wie Säulen behandelten auf unterschiedlichen Ebenen Schnüre und schafften es so den architektonischen Rahmen einer Kathedrale quasi in die Landschaft zu skizzieren. Mit Langhaus, Querhaus, Westfassade, Chor und allem. Wir hatten das ganze mit dem Chor nach der Sonne ausgerichtet und mit dem finsteren Ende in den Wald gelegt, so dass man nun, während man den zwischen den Bäumen angedeuteten architektonischen Raum durchschritt, von der Finsternis ins Licht ging. Großartiges Erlebnis und hat irre Spaß gemacht!  

Noch einige Halodria zum Abgang:

- Ich bin viel durch die Gegen gelaufen und hab mir endlich mal die Stadtteile im Prager Norden aber auch im Osten angeguckt. Also v.a. Holešovice in der Flusschleife nördlich der Altstadt, mit dem riesigen Stromovka Park und dem interessanten Výstaviště Praha Gelände, wo Ausstellungen u.ä. stattfinden, aber auch das südlich von Žižkov und östlich der Neustadt gelegene sehr hübsche und hippe Vinohrady, sowie den Vítkov, nördlich von Žižkov mit dem riesigen Jan Žižka Denkmal. 
- Für alle dies noch nicht auf Facebook gesehen haben: Ich hab mir die Haare schneiden lassen! Kurz nachdem Stella gelaufen war, kamen die Haare runter. War überraschend teuer und hat eeeeeendlos lange gedauert. Hätte vielleicht nicht einfach den nächstbesten Friseur nehmen sollen... aber ich bin mit dem Ergebnis (inzwischen) ganz zufrieden...


Soviel für den Moment. Die nächsten Tage liefere ich dann alles was sich in Zusammenhang mit unserer "Stella"-Doppel-Premiere/Derniere-Aufführung ereignete, nach.

Sonntag, 24. Juni 2012

Christoph vs. the Prague dawn

Man könnte ohne Übertreibung sagen, dass es ne Weile her ist, dass ich das letzte mal hier geschrieben habe. Über zwei Monate um ganz ehrlich zu sein. Ich wünschte ich könnte behaupten ich sei fuuuuurchtbar beschäftigt gewesen und hätte SO VIEL wichtigen Kram zu tun gehabt, dass ich leider, leider, leider keine Gelegenheit gehabt hätte hier wenigstens alle ein, zwei Wochen zu schreiben. Aber das wäre eine lächerliche Übertreibung. Die Zeit wäre gewesen, nur habe ich sie genutzt um Serien zu gucken (Person of Interest, Revenge, Breaking Bad, Community, Grimm...), Prag zu erkunden (Holešovíce, Vinohrady, Vítkov), Theater zu spielen (STELLA!!!!) mit Bears die Schweiz (Zürich und Basel) und Tschechien (Praha - Ostrava - Opava - Olomouc - Brno - Jihlava - Telč - Tábor - České Budějovice - Český Krumlov - Praha) zu bereisen und nebenher auch noch ein bisschen zu studieren.

Aber der Reihe nach: Nun da sich mein Aufenthalt hier im größten aller böhmischen Dörfer unweigerlich dem Ende zuneigt (Kommenden Freitag holt mich hoffentlich der Baron hier ab...) hat mich der Ehrgeiz gepackt die letzten zweieinhalb Monate handlich zu verpacken und hier häppchenweise in den nächsten Tagen (in denen ich nichts weiter zu tun habe als in dem subtropischen mittelböhmischen Klima nicht einzugehen und natürlich das organisatorische Abwicklen meines Auslandsaufenthalts) nachzuliefern. Das wird in einer Reihe getrennter Beiträge geschehen. In diesem hier werde ich mich noch ein bisschen über meine aktuelle Situation und wie es so weitergeht auslassen. Darauf folgend kommt ein Artikel mit dem schönen Namen "Christoph vs. the Prague Spring" in dem ich v.a. mein universitären und sonstigen Aktivitäten bis Ende Mai - und damit Ende des Sommersemesters - nachliefere. Dem folgt ein weiterer Artikel "Christoph vs. Goethe", denn alle Aktivitäten um unsere Aufführung von Goethes unterschätztestem Trauerspiel "Stella" am 14. Mai dieses Jahres verdienen einen extra Post, wie ich meine. Schlussendlich werde ich dann in einem spannenden travelogue unter dem Namen "Christoph vs. the Rest of the Republic" den größeren Teil des Junis zusammenfassen, den ich v.a. auf Reisen in den oben genannten Städten in der Schweiz oder in Tschechien verbracht habe.
Der Vorsatz ist also gefasst und wortreich formuliert und sei hiermit mit der Bitte um Nachsicht für mein langes Schweigen verbunden, sollte es da draußen wirklich jemanden geben, der diesen Umstand als Schmälerung seiner Lebensqualität angesehen haben sollte.

Aktuell bin ich also wieder in Prag, sei Freitag Mittag, um genau zu sein und somit hat offiziell meine letzte Woche in dieser schönen Stadt und diesem noch viel schöneren Land angefangen. Bears musste sich schon Freitag Abend wieder in die schweizer Heimat verabschieden was mich dazu übergehenließ mit den Resten der Stella-Crew und einigem Anhang auf einem Biergarten zwischen Zizkov und Vinohrady das Viertelfinale Deutschland vs. Griechenland zu gucken.
Bei diesem auserlesenen Zirkel (von einer finnischen Mitläuferin konsequent als "German Mafia" bezeichnet), handelt es sich v.a. um den bereits erwähnten Postillion, der mir in den letzten Monaten zu so etwas wie der der Volker Kauder zu meinem Peter Struck (was macht der eigentlich zur Zeit?) geworden ist, dann noch Cäcilie mein Weib die, hier ebenfalls nach ihrer Rolle in "Stella" geführt werden wird und mit der ich nach Anfangsschwierigkeiten intensiv geek-bonden konnte (Community, Buffy, Scru´bs et. al. Erinnert sich noch jemand über meine Worte zur integrativen Kraft amerkanischer Geek-Kultur ganz zu Beginn dieses Blogs?)  und nicht zu vergessen that other Czech-Swiss girl, die hier sinnigerweise so heißt, weil sie neben Bears hier eben genau das ist: das andere Mädchen mit einem tschechisch-schweizerischen Hintergrund (Tatsächlich scheint es hier einen ganzen Sack voll von denen zu geben! Wie diese spezielle Bekanntschaft zustande kam wird an anderer Stelle noch detaillierter beschrieben). Dieser Kreis ließe sich sicherlich noch um drei oder vier weitere Namen, die an Stella (und den nachfolgenden Feten) beteiligten waren erweitern, aber der Übersicht halber wollen wir es hier bei den Genannten belassen, was natürlich keinenfalls den Wert der anderen (Annchen, Stella-Stella, Mme. Postmeisterin, Ředitelka, Žiráffe) schmälern soll. 

Nachdem also in dieser erlesenen Runde die erfolgreiche Demontage Griechenlands bezeugt worden war, alle schlechten "Heimspiel in Danzig"-Blödeleien des Postillions sowie seine und anderer hahnebüchenen Versuche aus dem Gag-Setup "Euro/EM/Griechenland vs. DeutschlandPleite/Gyros/Angela Merkel" ein paar passable Witzchen zu stricken, ertragen worden waren, ging es noch weiter ins Prager Nachtleben. Im ersten Club wurde die Musik für zu schlecht, das Bier für zu dünn und das Publikum für zu jung erachtet, in den zweiten Club kamen wir dann nicht rein, weil offensichtlich halb Prag hoffte die oben genannten Probleme in diesem hier nicht zu haben, und im dritten Club war es dann doch ein bisschen zuuuu lahm. Mein Weib Cäcilie und ich wurden irgendwann müde halb-erinnerte Reprisals von Xander's und Anya's "I'll never tell" zu geben, irgendjemand beschwerte sich über schmerzende Füße, der mitgeführte Alkohol ging aus, der Postillion verabschiedete sich mit seiner erst kürzlich erworbenen Prager Freundin und so kam es zu einer Situation, wie sie wohl nur nach drei enttäsuchenden Clubs, mehreren Bieren, stundenlangen durch die Stadt Gelatsche und in einer geschrumpften Gruppe nach drei Uhr morgens entstehen kann: Irgendjemand beschwerte sich über schmerzende Füße, jemand anderes wollte unbedingt eine Večerka also einen 24-Std. Potraviny (etw. Mini-Market) finden, und jemand anderes schlug vor den Sonnenaufgang zu beobachten. Und so fanden wir uns zu sechst eine gute Stunde später zunächst auf der Burg und dann an den Hängen unterhalb des Klosters Strahov ein, um die Sonne über Prag aufgehen zu sehen.
Ein merkwürdig liminaler Moment in dem in mir, als sich die Drei-Turm-Shilouette des Veitsdom tiefschwarz vor dem langsam blauviolett schimmernden Himmel im Osten abzeichnete, viel zusammenkam: Die Eindrücke aus der langen Reise mit Bears, und das Vermissen dieser Frau an meiner Seite, die ich jetzt vier Wochen lang jeden Tag um mich hatte, das Bewusststein nun die letzte Woche in Prag nach fast einem Jahr anzutreten, der Rückblick auf im Großen und Ganzen neun ganz fantastische Monate in dieser Stadt und in diesem Land, die Aussicht auf ein weiteres Jahr in Bamberg, die große Ungewissheit auf das "Danach", sowie die Hoffnung ein paar Menschen an meiner Seite zu haben aus denen sich echte Freunde entwickeln könnten...    
Die Vögel plärrten um uns herum von den Hängen des Petřin, jemand beschwerte sich über schmerzende Füße und der Himmel im Osten wurde immer heller, man konnte an den Türmen des Veitsdoms langsam einzelne der feingesponnen Bögen und Streben erkennen. Das Licht der Morgensonne kroch langsam über das vor uns ausgebreitete Prag, dessen viel beschworenen "Tausend Türme" sich von keinem Ort besser erahnen lassen, als hier.

Prague Dawn: Das Bild ist nicht von mir sondern ganz dreist und ohne sie zu fragen von der Frau geklaut, die sich den ganzen Morgen über schmerzende Füße beklagt hat. Ja, vorsicht mit Facebook....


Zu unser aller Erstaunen war von der Sonne selbst noch nichts zu sehen, obwohl es nun bereits fast taghell war, auch dann nicht als die anderen beschlossen sich ein frühes Frühstück zu organisieren und ich mich in Richtung Kolej wandte.
Auf dem Weg wurde mir klar, dass meine liminalen Abenteuer bei weitem nicht abgeschlossen sind. Mein Leben wird noch für einige Jahre, wenn nicht länger, ein Gleiten und Wechseln zwischen Polen, Phasen, Städten, Ländern und Menschen bleiben. Ich gehe davon aus, dass es - anders als bisher ganz überwiegend - dabei nicht immer nur aufwärts gehen wird, dass es beizeiten richtig anstrengend und sogar schmerzhaft werden wird.
Aber das ist der Pfad den ich eingeschlagen habe, spätestens als ich der Dame in der Bamberger Studentenkanzlei "In-ter-dis-zi-pli-nä-re Mittelalterstudien" in die Tastatur diktierte. Sicherlich hat sich nicht alles so entwickelt wie erwartet oder geplant, sicherlich ist vieles erschreckend unklar dafür dass ich fast 26 bin und noch immer meinen Eltern auf der Tasche liege, wohingegen Andere in meinem Alter schon seit acht Jahren sozialversicherungspflichtig arbeiten und das zweite Kind kommen haben. Aber ich würde es um nichts in der Welt anders wollen und werde jeden Tag genießen inzwischen alledem.
Als ich schließlich am Kolej angekommen war, war dann auch endlich die Sonne selbst über den Rand der Welt gekrochen und zumindest dieser spezielle Tag begann damit, dass ich endlich ins Bett ging.

Mittwoch, 18. April 2012

Christoph vs. the Czech week(end)

Wie versprochen nur ganz kurz die Höhepunkte des bernerischen Besuchs in Prag. Ein glücklicher Zufall möchte es nämlich, dass wir als Hausaufgabe im Tschechischkurs schreiben müssen was wir letztes Wochenende erlebt haben. Dreimal dürft ihr raten welcher Tschechischkurs diese Woche DIE Tschechische Vergangenheitsform gelernt hat. Richtig, im Tschechischen - und scheinbar den meisten anderen slawischen Sprachen - gibt es nur EINE Vergangenheitsform (Schaut nicht so überrascht! Das bedeutet keinesfalls, dass es irgendwie einfacher wäre! Um solche Sachen wie Vorzeitigkeit anzuzeigen oder auszusagen, ob man etwas regelmäßig, über einen länderen Zeitraum hinweg oder nur einmal getan hat, gibt es die schöne Einrichtung des Aspekts, der sich zum Tschechischlernenden etwa so verhält wie Skylla und Charypdis zur Besatzung von Odysseus' Schiff...).
Ich habe diese Aufgabenstellung also etwas weiter aufgefasst, und alles was ich mit Bears in der letzten Woche gemacht habe (stark, stark, stark gekürzt, kondensiert, zensiert und entromantisiert), in dieses kurze Textchen gepresst. Morgen dürfen sich dann meine Dozentinnen mit den Hunderten von Fehlern, die sich darin befinden herumärgern. Heute erfreue ich euch damit, weil es so badass aussieht, und so bizarr ist, dass ICH das geschrieben haben soll und tatsächlich verstehen soll was darin passiert, dass das eine echte Sprache ist, die in Schrift eingefangen werden konnte und, dass damit tatsächlich Millionen von Menschen jeden Tag kommunizieren. Es ist mir immer wieder wie ein Wunder!

O víkendu byla moje přitelkyně u mě. Dělali jsme hodně věcí. Na příklad jsme šli na procházku na Letnou. Potom jsme jeli do divadla. Kromě toho jsme navštovali dobré přátele. Druhý den jsme jeli na Divokou Šarku. Naštěstí bylo počasí moc hezké. Ale bohužel jsme nemneli jenom volno, taky jsme museli pracovat. Tak jsme jeli na mojí kolej. Musel jsem dělát domácí úkol. Ona se musela učit. Přesto byl víkend moc krásný.

Fleißpunkte für Übersetzungsversuche. Wer Fehler findet darf sie behalten, einrahmen und sie mir hinterher gerne immer wieder dick aufs Brot schmieren (Tschechische [Quasi-]Muttersprachler[innen] ausdrücklich ausgeschlossen;)!

In diesem Sinne: Tally-ho!

Sonntag, 15. April 2012

Christoph vs. a day in the life

Bevor ich aber dazu komme, meine Tage mit Bears in der alten und danach in der zwischenzeitlichen Heimat zu beschreiben, erstmal einen Überblick über das was hier so in Prag die letzten Wochen gelaufen ist. Ich bin Informationen über mein zweites Semester bisher ja sträflich schuldig geblieben. Daher beginne ich mal mit der Schilderung eines typischen Tages im Prager Leben eines jüngeren Christophs im zweiten Semester an der äääääääääältsten Universität Mitteleuropas.

Also:

Durchschnittlich zwischen 06:14-8.27h wurschtelt er sich aus dem Bett. Abhängig davon ob er Uni hat oder nicht (und wann) in unterschiedlichen Stufen von Eile. Geduscht wird nicht, das geschieht in der Regel am Vorabend zwischen 00.30h und 01.30h. Gesetzt der Fall der Morgen beginnt nicht mit gemurmelten Fluchen ("Scheissescheissescheisseschonwiederzuspätverdammtescheisseaberauch!!!") und einem Spurt zur Tram, so beginnt er mit dem Hochfahren des NEUEN Laptops, einer angerührten Tasse Schweizer Hausfrauenkaffee und einer Tasse Müsli (ja Tasse, nur Juppies haben Schüsseln!). Die erste Runde durch die sowohl unterhaltsamen, als auch informativen und kommunikativen Weiten des Internets fällt je nach weiterer Tagesplanung unterschiedlich lang aus. Manchmal endet sie mit dem letzten Schluck aus der Kaffeetasse wenige Minuten später, manchmal nach gefühlten 73 Episoden "Community", am späteren Nachmittag ("JetztmussichaberwirklichlosoderdieGeschäftehabennichtmehrauf").

Früher oder später geht es dann mit Tram und Metro (Über das Fahren mit dem Öffentlichen Nahverkehr in Prag, gibt es mal einen eigenen Eintrag) in Richtung des ehrfurchtgebietenden Fakultätgebäudes am Nam. Jana Palacha. Die universitären Aktivitäten sind für den Jüngeren Christoph dieses Semester weitaus weniger nebensächlich zu handhaben wie im vorangegangen. Zum einen sind es schlicht mehr, zum anderen durchaus auch anspruchsvollere. Fast alle wollen irgendwann, irgendwie Midterms schreiben, hätten gerne einen Vortrag oder eine Diskussion und am Ende natürlich ein kleines Paper oder eine Abschlussklausur. Zusätzlich muss natürlich noch meine amerikanische Deutsch-Nachhilfeschülerin errrhmmm: Tandem-Partnerin unterhalten werden. Das geschieht mittels eines deutschen Kinderbuches, das ich für 15 CZK in einem Antiquariat ums Eck erstanden habe. Sie quält sich mit der Aussprache von <ä>, <ö>, <ü> und sowie dem Unterschied zwischen starken und schwachen Verben, während ich mehr oder qualifiziert kommtiere, erkläre oder versuche nicht zu offensichtlich zu verzweifeln.

Aus den einzelnen Klassen gibt es weiterhin zu berichten:

1) Der Tschechischkurs läuft. Nicht völlig glänzend aber souverän eiere ich - immer oberhalb von 80% - von den Präpositionen (die einfach in jeder Sprache völlig bitchy sind) zu den Hilfsverben und stehe nun kurz vor dem ersten Schritt in die Vergangenheit.

2) Zu Stella sag ich später noch was. Soweit v.a. aufwändig und zeitraubend. Aber nette Leute und ich denke am Ende wird es das alles wert sein.

3) Der Gotisch-Kurs. Oh ja, da gibt es allerdings Neuigkeiten. Ihr erinnert euch an den viel kompetener wirkenden, perfekt Englisch sprechenden Assisstenten, der den deutschen Linguistik-Teddy bisher nur unterstützend zur Seite stand? Es gab wohl einen Putsch oder eine Art Umsturz und seit zwei Wochen sind die Rollen im Kurs nun vertauscht. Ein weiterer Fall von "careful what you wish for", denn der Assistent zieht das Tempo und den Anspruch massiv an, geht auf uns ein, will uns offensichtlich tatsächlich etwas beibringen. Konnte man sich also vorher vom deutschen Liguistik-Teddy ganz entspannt berieseln lassen, sich an der eigenen Ahnungslosigkeit auf diesem Gebiet erfreuen und zusehen wie der Minutenzeiger vorankroch, so wird man jetzt auf einmal gefordert, muss Texte vor- und nachbereiten, Grammatik recherchieren - übelste Erinnerungen aus den Zeiten meines Sprachgeschichte Proseminars werden wieder wach! Bin mir immernoch nicht sicher, ob ich diese neue Entwicklung gut finden soll....

4) Das Landscape (and) Sociology Seminar bleibt interessant. Sehr schön hat der Dozent uns mit seinem lustigen tschechischen Englisch durch das Spannungsfeld von social, economical und cultural studies geführt, die alle zu den Thema beitragen. Die Midterm-Klausur letzte Woche war as easy as they get und ich freue mich auf die Exkursion ins Český Raj Anfang Mai.

5) Die Vorlesung zur Deutschen Literatur zwischen 1700 und 1880 schreitet so voran (Schillers Briefe über die Ästhetische Erziehung des Menschen erfolgreich eingeschädelt). Wenig wirklich Neues, aber dennoch interessant vieles nochmal und auf universitäten Niveau vertieft, zu hören. Letzthin war eine Gastvortragende aus Bamberg da und es war wirklich herzerfrischend: Alles von ihrer Redensart und Vortragsweise bis hin zu Gestaltung ihrer PowerPointPräsentation, kündeten von der selben harten Bamberger Schule, durch die auch ich meinerzeit gegangen bin. Eine willkommene Abwechslung zu den bisweilen reichlich unstrukturierten und schlampigen Präsentationen der Dozenten hier....

6) In dem Art&Architecture Kurs ist es bisweilen ein bisschen anstrengend zu sitzen. Ich weiß wohl einfach zu viel, so dass es oft schwer fällt still und sitzen zu bleiben, wenn der Dozent - den ich persönlich ja sehr nett finde - mal wieder so tut als wären Basilika und Kathedrale gegensätzliche Begriffe innerhalb desselben Terminologiesystems, oder bei der Begründung der Kreuzzüge so brutal vereinfacht, dass es die Grenze zum Falschen mehr als nur knapp überschreitet. Die Welt und v.a. die Geschichte, die sich in ihr entfaltet, ist nicht so einfach. Und bei aller Rücksicht auf die unterschiedlichen Bildungshintergründe der v.a. amerikanischen Kommilitonen (Dozent:"What do you think from which period is this building?" Sally aus Kansas: "Is it romanesque?" Dozent:"Yes, and that would mean it is from which century?" Sally aus Kansas:"uhm... 17th?"), ein bisschen davon sollte man ihnen schon zutrauen dürfen.
Wenn es aber um Tschechien per sé geht und v.a. jetzt, da wir in modernere Zeiten vorstoßen, lern ich aber doch ab und zu was interessantes (Zum Beispiel wie man den Wallenstein-Garten in Prag findet und was für tolle Barockmusik in Böhmen entstanden ist).

7) Zum Abschluss muss ich sagen, dass ich den Ägypten-Kurs errrrm, GEILOMAT!-Kurs nach wie vor uneingeschränkt genieße. Toll, toll, toll. Nachdem der religiös-theologische Teil durch eine schöne Diskussionsrunde über eine Reihe Aufsätze zum Lesen und Verstehen der Pyramidentexte in der Unas-Pryamide abgeschlossen wurde, ging es diese Woche mit einer erfreulich linguisitischen Einführung in die ägyptische Sprache und Schrift weiter. So kann das bleiben!

Für die Uni müssen also Aufsätze gelesen, Vokabeln gelernt und Skripts rekapituliert werden. Ein weiterer bestimmender Faktor ist "Stella" deren Aufführung in EINEM Monat ihre Schatten vorauswirft. So gilt es eifrig zu proben und Texte zu lernen.
Mittagessen erfolgt meistens in der Stadt, entweder in der Pilsen Bar, nahe der Fakultät (hab jetzt eine Club Karte, weil ich da sooft rumhänge, hihihi :)), in einer Paneria oder der Touristenmensa und bietet im idealfall Anlass zu sozialen Kontakten mit etwa der Zweiten Finnin, oder der Französin mit dem farbenfrohen Namen. Weitere Menschen, die ab und zu meine Kreise stören sind eine kleine, blonde Tschechin, hier genannt Stella (die natürlich nicht wirklich so heißt, hier nur so geführt wird weil sie eben jene im gleichnamigen Stück spielt), der Postillion (ebenfalls nach seiner Rolle im oben genannten Stück gedubbt), sowie nach wie vor der Drei-Bücher-Philosoph und mein Waschmaschinenheld und Wohnheimsdolmetscher (Wobei das Verhältnis zwischen den beiden als vergiftet bezeichnet werden darf, nachdem ersterer letzerem in Konsequenz eines heftigen, auf Tschechisch geführten, Streitgesprächs über Liebe, Beziehung, Politik, Intelligenz, Glaube, Religion und Fußball [also alles völlig unproblematische Themen mit wenig Konfliktpotential] ein Bierglas ins Gesicht schüttete!). Hinzu kommen einige flüchtige Bekanntschaften aus Kursen und Vorlesungen, die man gelegentlich und eher zufällig trifft.

In der - zunehmend abnehmenden - Freizeit, streift Christoph der Jüngere nach wie vor gerne durch die Stadt und entdeckt neue Ecken. So sind mit dem Voranschreiten des Frühlings die großen Parks (Vyšehrad, Letná, Petřin, Vítkov) in sein Blickfeld gerückt. Gerade der Vítkov ragt noch immer wie ein gewaltiger weißer Fleck über den Norden von Žižkov auf. Überhaupt gibt es im Prager Norden und Osten noch weite, durchaus reizvolle Stadtgebiete (Vinohrady, Holešovice), die der Erkundung harren.
Wenn nicht in der Stadt unterwegs unterhält der Jüngere Christoph sich mit Serien aus dem Internet (GAME OF THRONES LÄUFT WIEDER!!!!), liest Jasper Ffordes ebenso unterhaltsame, wie lustige, aber auch kluge und lehrreiche und gleichzeitig völlig abgedrehte Thursday Next Reihe oder spielt Baldur's Gate (Erst gestern gelang es mir [bzw. meiner Paladinin...? Paladina....? Paladiness....? Meinem weiblichen Paladin Aerwyn] - mit Minsc, Dynaheir, Imoen, Coran und Branwen bzw. später Yeslick im Gefolge - den schurkischen Davaeron zu bezwingen und seine schändlichen Umtriebe im Mantelwald zu beenden...).

Höhepunkt des durchschnittlichen Tages im durchschnittlichen Leben des durchschnittlichen Jüngeren Christophs ist die zum Glück ganz und gar nicht durchschnittliche abendliche skype-Sitzung mit der fernen schweizer MolMed/Mathematikerin in Bern oder wo auch immer sie sich gerade rumtreibt...*soooifz*

Christoph vs. the Ides of March

Es wird mal wieder Zeit der eitlen Idee zu frönen, dass irgendwen da draußen interessiert was ich hier so tue. Und zwar massiv, denn es ist über einen Monat her, dass ich zuletzt geschrieben habe und völlig ereignislos war er bei weitem nicht. Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht so genau wo zu beginnen. Ich denke wir beginnen am Anfang, das hat sich irgendwie so durchgesetzt...

- Dem Besuch des Herrn Barons und des jungen Taugenichts (der vor allem wegen seiner hemmungslosen Schlemmerei in Erinnerung bleibt) folgte ein weiterer Besuch aus deutschen Landen: Zwei (genau genommen drei) junge Damen aus dem Dunstkreis der alten Heimat kamen vorbei und haben sich trotz kaum überwundener Erkältung im ersten Fall, nachwuchsbedingter Ausbeulungen im Bauchbereich im zweiten Fall und einem akuten Fall von pränataler Protoexistenz im dritten Fall, wacker zwei Tage lang von mir durch Prag schleifen lassen. Das Wetter erwies sich als äußert kooperativ und sogar ich hab noch das ein oder andere Neue in Prag erlebt, so z.B. eine Rundfahrt mit einem netten, kleinen Touristenschlepper auf der Moldau. Außerdem wurde ich über das Schicksal, die Karrieren und Lebensplanungen meiner ehemaligen WG und noch aktiver oder schon ausgeschiedener Mitbewohner auf den neusten Stand gebracht. Sehr schön war's, ihr dürft jederzeit wiederkommen! :)

- Am folgenden Wochenende war ich dann drei Tage in der Schweiz: Sonne, Aare, Bern, Fondue, Lange Spaziergänge, Kellerkino (ein wahrhaft inspirierender Film über schweizer Messies), Merange, Migros, Postauto und natürlich ganz viel Bears quality time. Viel zu schnell vorbeigezogen - wie eben immer.

- Das darauf folgende Wochenende führte mich dann wieder nach Oberfranken! Zum ersten mal seit der Weihnachtszeit wieder in der alten Heimat. Merkwürdiges Gefühl. Anlass war ein Klassentreffen am Samstag Abend, aber bis dahin sollte sich noch so einiges ereignen. Donnerstag Abend kam ich in Bamberg an und habe mich lange und sehr nett mit der last Mitbweohnerin standing unterhalten über Bamberg, die WG, das Leben und den ganzen Rest. Am Freitag eskalierte dann mein ursprünglicher Plan für den Mittag in Bamberg (nur schnell am Bahnhof den Bahncard und Ticketkram organisieren und an der Uni ein paar Sache erledigen) zu einer großen, glorreichen Bamberg-Tournee, die fast den ganzen Tag dauerte und an deren Ende die Erkenntnis stand, dass es vielleicht doch so etwas wie Heimat gibt, wenn diese auch weniger in einem Ort zu suchen ist, sondern vielmehr in den Menschen welche dieser Ort vereint und zusammenbringt.
So gab es interessante Gespräche in diversen Büros und am Lehrstuhl, mit ehemaligen und evtl. auch wieder zukünftigen Kollegen, was sich so ereignet hat und was so ansteht, später dann in der Mensa mit der müttlerlichsten aller (ehemaligen) Mitbewohnerinnen und der unvergesslichsten aller Niederbayerinnen und danach am Kaffeetisch der geschätzten Chefin bei UTS (Ja den Laden gibt es - trotz meiner anhaltenden Abwesenheit - noch, ich werde also noch einen Job haben, wenn ich wieder nach BA komme!). Schön wars, man kann immernoch wunderbar den Autopiloten anwerfen und ehe man sich's versieht steht man vor der TB 4 oder in der Austraße. Ach jaaaaaaa *seufz*. Nur kleiner scheint die Stadt irgendwie geworden zu sein. Waren die Häuser nicht irgendwie höher? Die Straßen nicht irgendwie dichter befahren? Waren nicht mehr Menschen auf der Straße?
Später fuhr ich dann mit der Bahn zum Baron wo ich bis zum nächsten Abend v.a. viel aß, trank, einiges über Bienen und das oberfränkischen Vereinswesen lernte und einen Orkschamanen bemalte. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen oder in diesem Falle der WAAAAAAAAAGH!!!.
Am Samstagabend ging es dann zum ausschlaggebenden Klassentreffen, das sich - trotz anfänglicher Skepsis - als ganz, ganz wunderbar herausstellte. Überraschend viele Leute, und eigentlich (fast) alle für mich interessanten (also die Leute, die ich sowieso mehr oder weniger regelmäßig sehe) waren gekommen. Wir suhlten uns im eigenen nostalgischen Saft, schmachteten über uralten Digitalphotos von Mitte und Anfang der Nuller Jahre. Alte Freundschaften wurden reaktiviert, alte Vorurteile bestätigt und bei Leuten mit denen man sich schon zu Abi-Zeiten nichts zu sagen hatte, hat sich das auch nach sechs Jahren nicht geändert. Das freundliche Nicken und Weitergehen funktioniert damals wie heute. Einige Fragen, die seit Jahren offen waren konnten endlich geklärt werden, alten Schulden beglichen und Ungeheuerlichkeiten aufgedeckt werden. Und natürlich wurde über all dem viel zu viel Alkohol getrunken.
Dieser Umstand bestimmte dann auch die Gestaltung des folgendes Tages, den ich bei der Frau Mama auf dem Lande zubrachte (mein guter, bester, ältester Freund hatte sich erbarmt und mich, der ich ohne konkreten Abreiseplan nach Kulmbach gekommen und inzwischen recht betrunken und anhänglich war, ins periphere Neuenmarkt kutschiert) und mir, unfähig das Bett zu verlassen, heftig wünschte, mein Schädel würde endlich ein gnädiges Ende machen, seine schmerzdröhnende Drohung in die Tat umsetzen und erlösend explodieren. Wirklich, einen derartigen Kater hatte ich mein Lebtag noch nicht: Saufen wie mit 19 geht zwar auch sechs Jahre später noch, nur die Konsequenzen, die man dafür ertragen muss sind ungleich bitterer. Hach, noch einmal jung sein!

Am Montag fuhr ich wieder zurück ins schönste aller böhmischen Dörfer jedoch nur für kurze Zeit, denn schon am Donnerstag saß ich wieder im Shuttlebus Praha-Norimberk, um mich in den Weiten der oberfränkischen Wildnis in einem Regionalzug mit Bears zu treffen, die von Bern gefahren kam. Aber das, und die daraus folgenden Ereignisse welche die letzten neun bis zehn Tage bestimmten, sind einen eigenen Blog-Eintrag wert. Der kommt sobald ich mich motivieren kann bzw. es wieder Anlass zum Prokrastinieren gibt ;).

Mittwoch, 14. März 2012

Christoph vs. way too much stuff to find an adequate tagline for today's post and anyway look at the time how late it is, so what do you expect?

Mal wieder an der Zeit mich zu melden, damit hier (in meinem Expat-Leben) langsam wieder Ruhe und Normalität einkehrt. Es gibt einiges zu berichten, evtl. werde ich es daher auch auf zwei Einträge verteilen...

1) Ich habe wieder einen LAPTOP! Danke an die besten Eltern der Welt!!! Langsam richte ich mich wieder ein, organisiere neue Soft- und Hardware, richte meinen Desktop und meinen Browser ein, hole verpasse Serien auf (dazu später evtl. mehr). Habe auch mal meine Externe gecheckt und wiewohl der Datenverlust nicht GANZ so massiv ist wie befürchtet, ist er doch brutal. Dank meiner UTS und Unidaten konnte ich die letzte Speicherung auf Januar 2011 datieren. In Seitenzahlen gesagt habe ich über 500 Seiten meines Weltenbauprojekts verloren (die besten, die neusten, die dichtesten Seiten), drei Semester Uni (die besten, die neusten, die dichtesten Arbeiten) und ein Jahr UTS-Daten (viel Spaß bei der Steuererklärung!).
Unnötig zu sagen, dass ich den Laptop jetzt keine Sekunde mehr aus den Augen lasse und sogar zum Einkaufen bei der Norma mitnehme und die Tür abschließe, wenn ich auch nur aufs Klo gehe...:P

2) Bears und ich waren 4 Tage in England: London & Oxford. Most astounding! Wir haben uns glücklich in Gatwick getroffen und sind nach London reingefahren, wo wir uns mit einer Freundin von Bears auf ihren Cambridge Tagen getroffen haben, bei der wir übernachten konnten. Den Nachmittag haben wir dann v.a. damit verbracht mit großen Augen durch die Stadt zu marschieren, dem British Museum, Covent Garden, Westminster Abbey und den Houses of Parliament zuzwinken und am Ende ganz gemütlich durch die Dämmerung an der Themse entlang zu marschieren (und dabei permanent allgegenwärtigen Joggern auszuweichen). Was soll ich sagen... London raubt mir immer wieder den Atem! Da kommt man aus Prag mit 1,2 Mio. Einwohner, Tram, Parlament und Metro und denkt, man lebt in einer großen Stadt und dann kommt man nach LONDON mit massiven acht Millionen Einwohnern aufwärts! Und das sieht man der Stadt einfach an. Die vielfältige Mischung aus historischer Gravitas und moderner Exotik, aus britischem Understatement und ex-kolonialer Mulitkulturalität ist einfach einzigartig. Prag erschien mir einmal mehr nur wie das größte aller böhmischen Dörfer - natürlich ist der Vergleich völlig unfair, aber ich konnte mich ihm in meiner Situation nicht entziehen. Am krassesten hat mich getroffen, dass ich plötzlich wieder alles lesen und verstehe konnte was an öffentlicher Kommunikation im Cityscape um mich herum geschieht: Plakate, Werbung, Pläne, Karten, Lautsprecherdurchsagen, Beschilderungen aber natürlich auch im Vorbeigehen aufgeschnappte Gespräche, Kommunikation mit Leuten hinter Schaltern und in Restaurants oder einfach auf der Straße... Fantastisch! Im Prag laufe ich demnach im Prinzip die ganze Zeit blind, taub und in gewisser Weise auch stumm durch die Gegend!

Am Abend wurden wir von Bears Freundin lecker bekocht und haben Hammersmith kennengelernt, auch so eine Gegend die man normalerweise nicht besuchen würde...
Der zweite Tag war dann voll Programm. Zuerst führte uns einer der immer wieder unterhaltsamen und informativen London Walks durch die City. Die City von London ist seit dem Finanzcrash vor über drei Jahren für das Europa des 21. Jhd. etwa das was Mordor für das Mittelerde Ende des Dritten Zeitalters ist, aber unser Guide hat es dennoch verstanden zwei Stunden in kürzester Zeit zwischen Banktürmen und Glasfassaden, und wie im Fluge vergehen zu lassen.
Nach einem standesgemäßen Fish&Chips-Mittagessen in der Nähe von Covent Garden ging es dann in die National Gallery!!! Eigentlich wollte ich nur schnell vorbei gehen und Herrn van Eycks wohl berühmtesten Werk meine Referenz erweisen. Am Ende blieben wir natürlich viel zu lange drin und mussten uns beeilen, um noch rechtzeitig in die Brick Lane zu kommen (was wir nicht schafften...). Dort war Bears nämlich mit ihren ehemaligen Klassenkameraden vond er Europäischen Schule verabredet, an der sie als Kind ja einige Jahre verbracht hat. Das führte uns also in den wilden Osten Londons, wo die Straßen auf Bangladesisch beschriftet sind und man vor Kneipen erstmal von grimmigen, tätowierten Glatzköpfen abgetastet wird. Neben ausgezeichnetem asiatischem Essen, gab es da aber auch ganz anständiges Bier und so wurde der Abend, obwohl ich eigentlich außer Bears niemanden kannte, doch noch ganz unterhaltsam (Dieses Klassentreffen war der eigentliche Anlass für unsere Trip - dafür haben wir es allerdings ziemlich marginalisiert...). Bei der Heimkehr noch eine kurze Schrecksekunde, da die Tickets abliefen während wir noch in der Metro saßen, aber zum Glück kein Problem beim Rausgehen.
Der Sonntag Morgen entließ uns dann, nach einem herzhaften englischen Frühstück (Niemand hält dieses Volk davon ab drei Scheiben Schinken, massig Rührei, vier Scheiben Toast, gebratene Tomaten mit frittierten Pilzen und Bohnensoße zu kombinieren!) mit unserer überaus charmanten und unterhaltsamen Gastgeberin ("Frustykk?") und ihrem französischen Freund (liebevoll "Frenchie" genannt), in Richtung Victoria Station, wo wir die lächerlich hohen Preise für die Tickets bezahlten. Ohnehin scheint alles in London aber auch in Restengland lächerlich teuer zu sein. Vermutlich wird der Eindruck durch mein "normales" Leben in Prag noch katalysiert, aber als wir am Ende Kassensturz gemacht haben, stellte sich heraus, dass ich in vier Tagen England etwa soviel Geld ausgegeben hatte wie in einem Monat in Prag (ohne Miete natürlich:P).
Mit dem Bus ging es dann nach Oxford (Untwerwegs gelernt das Seitenstreifen auf der Insel wohl "Hard shoulder" heißt... verrückt), wo wir mit einer weiteren Freundin von Bears verabredet waren (diesmal eine aus der Schweiz). Oxford ist charmant, britisch-kleinstädtisch, altehrwürdig und WUNDERSCHÖN! An jeder Ecke steht ein großartiges Collegegebäude in Perpendicular Gothic Style, wir waren in einer kleinen Ausstellung über "Romatische Literatur im Mittelalter" (alles von König Arthur bis zum Shahnahme war vertreten!) und zum krönenden Abschluss natürlich ein verspätetes Mittagessen im legendäre Eagle & Child Pub!

Hab ich schon erwähnt, dass es einen neunmonatigen Medieval Studies Masterstudiengang in Oxford gibt?

Unser Hotel war leider deutlich weiter außerhalb der Stadt, als es die Webseite suggeriert hatte, weswegen wir uns ein Taxi nehmen mussten (was gemessen an den sonstigen Preisen überraschend bazahlbar war) und als wir wieder in der Stadt waren, ging es dann auch schon wieder zum Abendessen mit Bears' Freundin und ein paar Freunden, die sie noch mit eingeladen hatten. Die Einladerei war wohl etwas eskaliert und wir haben einen riesigen Tisch belegt und äußerst kreativ belegte Pizza verdrückt. War ein schöner Abend mit lauter interessanten Leuten. Und - hah - auch Oxford-Studenten kann man mit ein paar Brocken schlechtem Tschechisch beeindrucken ;). Danach waren wir noch in einer College-Bar, wo einige Junior Studenten besoffene Schlachtenhymnen unter anderen über die "fucking Germans" grölten. Gehört wohl auch dazu...
Am zweiten Tag haben wir außer lange schlafen, das Frühstücksbuffet im Hotel verpassen, ein bisschen durch die Stadt bummeln, in Waterstones einkaufen (Bücher, Bücher, Bücher, Bücher!) und in einem urigen Pub Mittagzuessen, nicht viel gemacht. Es stand ja auch schon wieder die nächste Busfahrt an, die uns nun in ca. zweieinhalb Stunden zurück nach Gatwick führen sollte. Der tränenreiche Abschied soll hier ausgespart werden. So ist das jetzt nun mal, so wird das fürs erste auch bleiben. Selber Schuld, keine Ausreden, grow up with it! Sonntag Abend war ich wieder in Prag gelandet und musste in mein mikroskopisches, laptoploses Zimmerchen zurückkehren, den Kopf voller Sehnsucht, Nostalgie und wirrer Pläne für die nächsten zweieinhalb Jahre...

3) Der Herr Baron und ein gewisser Taugenichts haben mich übers letzte verlängerte Wochenende hier besucht. War toll mal wieder mit "meinem" Prag, meiner Wahl- und Zwischenheimat, sowie meinem radebrechenden Tschechisch anzugeben. Haben das volle Programm mit Burg, Kampa Museum, Jüdisches Viertel, Synagogen und Museum sowie Kafka Museum durchgezogen. Waren für mich einige zweite und dritte male dabei, aber das stört erstmal gar nicht. So verstetigt sich am Ende evtl. sogar irgendeine dieser Informationen. Gezecht und gefressen haben wir natürlich wie die Nilpferde, traue mich kaum noch Essen auch nur anzusehen nach dem Wochenende... Es war auf jeden Fall sehr schön ein bisschen Familie um sich zu haben. Wie sehr man sie am Ende doch vermisst, merkt man erst wenn sie dann wieder weg sind... :)

4) Dank eines wertvollen Hinweises befinde ich mich nun im Besitz einer digitalen Kopie des Rollenspielklassikers Baldur's Gate einer der Zauberorte meiner Kindheits- und Jungederinnerung. Heute wurde ich schon von der Flammenden Faust in den Straßen von Beregost augefordert doch zum nächtigen in ein Wirtshaus zu gehen und bin einige male vom verrückten Cyric-Kleriker Bassilus (bzw. seiner RIESEIGEN Heerschar armbrustbewehrter Skelette) niedergemacht geworden. SEUFZ: Ein gutes Gefühl, zu Hause zu sein :).

5) UNI! die gibt's ja auch noch, wusste ich doch das was fehlt. Ja, Uni läuft, oder? Wir spielen in der Theatergruppe Goethes wenig bekannte Stella, ich werde vermutlich Fernando übernehmen (müssen). Am 14. Mai sind die Aufführungen und zwar im Geothe-Institut Prag (Nah, too easy...). Im Tschechischkurs wurden erste Schwächen meinerseits aufgedeckt (Akkusativformen von Demonstrativpronomen... :-P). Den Gotischkurs hab ich die Woche großzügig und gar nicht mal so versehentlich ausfallen lassen und mir dafür schicke neue Schuhe gekauft. In der nach wie vor echt interessanten Landscape&Sociology Klasse werde ich ein Referat zum selbstausgebrüteten Thema "Hellscape: Landscapes of Hell - Imagining the Unimaginable" halten. Schuld ist ein langer Nachmittag/Abend, den ich mit John Milton verbrachte habe. Der Art&Architecture Kurs führte uns letzte Woche in die Nationalgalerie (wobei sich der Dozent - mal wieder - bei mir entschuldigte, nachdem ich ihm erzählt habe was ich studiere und mir danach aus welchen Gründen auch immer seine halbe Lebensgeschichte inkusive frisch gescheiterter Ehe und kleinem Kind, erzählt hat...) und morgen werden wir uns den Dom angucken. Und der GEILOMAT-Kurs ist und bleibt eben genau das ;).

Dienstag, 28. Februar 2012

Christoph vs. the motherfucking dickheads -who are going to be forcefed with their own shit when they fall into my hands- who stole my fucking laptop!

Tja. Nun isses passiert. Ich wurde beklaut. Nachdem ich mich seit meiner Ankunft hier, zu keinem Zeitpunkt in persönlicher Erfahrung mit dem Klischee des diebischen Tschechen (Wobei die Tschechen mit denen ich mich unterhalten haben sowieso meinen es wären keine Tschechen gewesen sondern Roma...) konfrontiert sah, hat es (das Klischee) jetzt brutalstmöglich zugeschlagen. Und zwar, da wo es richtig wehtut. Die Vollwixer sind durch das Fenster in mein Wohnheimzimmer eingestiegen und haben meinen Laptop, ebenso wie den meines Mitbewohner mitgehen lassen. Abtransportiert vermutlich in seinen Taschen, die ebenfalls fehlen... Nehmt mir mein Geld, meine Schlüssel, mein Handy, meine Kreditkarte, meinen Ausweis und meinen Führerschein! BITTE, DA NEHMT! Aber meinen Laptop? Seriously?

Ich kam am Abend von der Uni nach hause da stand mein armer Mitbewohner und einige anderen Leute schon vor dem Zimmer und teilten mir mit was geschehen war. Die Polizei sei schon da gewesen, habe sie angewiesen das Zimmer nicht zu betreten und bald kämen ein Kriminalpolizist und die Spurensicherung oder so ähnlich... beide rückten dann auch kurz hintereinander an. Die freundlichen Tschechen übersetzen für uns, denn hier kann auch die Kripo oder die Spurensicherung offensichtlich kein Englisch. Klasse. Deswegen lief alles sehr gefiltert, während wir unsere Aussagen machten, und die Antworten kamen bei uns als Betroffenen immer nur sehr indirekt an. Bis wir mal auf dem neusten Stand waren, waren die jeweiligen Beamten schon immer zwei Schritte weiter. War frustrierend. Am Ende haben wir irgendeinen tschechischen Wisch unterschrieben, der wohl meinte, dass ein Bericht angefertigt werden würde und wir berechtigt sein in die Ermittlungsakten Einsicht zu nehmen. Nachdem CSI Prag wieder abgerückt war, blieb mir nur das hinterlassene Chaos zu beseitigen und mir eine Abendgestaltung OHNE Laptop zu überlegen - am Ende blieb mir nichts anderes übrig als zu lesen... ;-)


Die diebischen Bastarde waren offensichtlich durchs Fenster gekommen. Es stand sperrangelweit auf, das Fensterbrett war völlig abgeräumt und auf meinem Bett waren mehrere Fußabdrücke (ja, wenn das mal so einfach wäre...). Der Polizist meinte, wir hätten das Fenster nicht richtig geschlossen gehabt. Kunststück. Die Fenster waren schon immer undicht (hatte Nachts immer einen gewissen Zug in und über meinem Bett) und der blöde Hebel klemmte seitdem ich da eingezogen war...
So richtig wissen an wen ich mich wenden kann, wegen Versicherung oder so, tu ich nicht. In einem Monat kommt ein Bericht oder sowas von der Polizei, der soll wohl weiteren Aufschluss liefern. Die Chancen, dass diese Ermittlungen zu irgendetwas führen und wir unsere Laptops jemals wieder sehen sind inetwa so groß wie die eines Schneeballs in der Hölle eine Eisdiele zu eröffnen. Die Polizei war bemüht da keine Illusionen aufkommen zu lassen. Im Nachhinein hab ich erfahren, dass mein Wohnheim durchaus einen gewissen Ruf hat regelmäßig das Ziel von Dieben zu werden. Steht da bestimmt auch irgendwo auf Aushängen. Auf Tschechisch. Aber gut, dass ich das jetzt weiss...

Nun gut. Mein Laptop ist also weg. Um mein treues, anrazithfarbenes Schlachtross von einem Schleppi ist es v.a. (und eigentlich um ehrlich zu sein nur) aus emotionalen Gründen Schade. Er selbst war ein alter, lauter, langsamer Kübel. Ans Herz gewachsen war er mit in den letzten 5 Jahren trotzdem. Wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich schmerzhaft in der Verlust von den Dingen die darauf gespeichert waren. Und das ist so ziemlich alles was ich habe, kann und weiss. Ich habe ja durchaus eine externe Festplatte, aber ich bin mir nicht ganz sicher, wann genau ich die letzte Sicherung angelegt hab (sicher weiss ich dass eine im Januar 2011 stattfand als mein Laptop kurzzeitig abschmierte...). Ich bilde mir ein irgendwann im Laufe des letzten Jahres nochmal die Festplatte übertragen zu haben, aber die Verluste - gerade im Bereich Weltenbau - dürften doch erheblich sein. Ich hab mich noch nicht getraut draufzukucken, aber wenn ich mal im Kopf überschlage was ich so alles im letzten Jahr geschrieben, strukturiert und verändert habe, dürfte ich um etwa eineinhalb bis zwei Jahre zurückgeworfen worden sein. Da ich v.a. in den letzten beiden Monaten sehr produktiv war und davon ausgehen muss, dass auch 2011 komplett verloren ist, schätze ich die Verluste mal auf um die 30-40 Prozent. Im Grunde also letal, ich seh das im Augenblick nicht, dass sich dieses Projekt davon erholt.
Ich weiss es war ein albernens Hobby das schlussendlich zu nichts führte, eigentlich ein Atavismus aus Jugendtagen, aber mir war es einfach sehr ans Herz gewachsen und mehr als nur ein wichtiges kreatives Ventil oder eine Spielwiese für große Kinder. Sehr viel von dem was ich gelesen, gelernt oder sonstwie rezipiert habe, sei es im Rahmen meines Studiums oder durch diverse Produkte aus der Nerdkultur (Fernseh- und Comicserien, Fantasyromane, Literatur im weiteren, v.a. natürlich Rollenspiele) ist da eingeflossen und hat so für mich eine Weiterverwertung und ganz neue Dimensionierung erfahren. Mein Weltenbauprojekt war die Agentur, die all diese diversen Rezeptionseindrücke bündelte und in etwas verwandelte, das mir persönlich viel bedeutete und einen großen Stellenwert in meinem täglichen Denken einnahm. Der Gedanke, dass dieses Projekt, dieses Hobby, meine zweite Welt, jetzt verloren oder doch zumindest irreparabel beschädigt sein sollte, macht mich noch immer furchtbar, furchtbar wütend. Habe eben auf meinem Block mit Bleistift und Kuli den verzweifelten Versuch eines Reboots gestartet (Jetzt neu und noch besser!). Aber es geht im Augenblick noch nicht. Der Schmerz ist noch zu frisch (An dieser Stelle darf der geneigte Leser gerne einige Zeilen zurückgehen und zusehen, ob er die Stelle findet, ab der aufrichtige Betroffenheit von einem dicken Schutzwall aus Ironie überdeckt wird).

Neben dem Weltenbau-projekt dürften die Verluste auch die letzten zwei bis drei Unisemester umfassen, was mich sehr froh macht, dass ich die Jerusalem Hausarbeit erst kürzlich endlich doch noch abgeschickt habe. Die Hausarbeit vom letzten Semester über die deutschen Kaiser und die böhmischen Fürsten konnte ich aus meinem Mailfach noch retten, aber z.B. meine Referatsunterlagen zu den timuridischen Schahnamehs - auf denen aufbauend ich, wieder in Bamberg, noch eine Hausarbeit hätte schreiben müssen - dürften ebenfalls nicht gesichert gewesen sein. Selbiges gilt für das Material und die Hausarbeiten zum Stiftungsvergleich in Orient und Okzident und für die mittelalterliche persische und mittelhochdeutsche Literatur. Eigentlich alles was ich im Master gemacht habe...

Außerdem als Verluste zu verzeichnen:

Fortgeschrittene Speicherstände in Baldurs Gate, Icewind Dale und Starcraft, jeweils erster und zweiter Teil.

Der Anfang zu meinem neusten Prosa Machwerk. Nur 9 Seiten oder so. Trotzdem schmerzhaft.

Viele, viele, viele, viele Fotos.

Meine Arbeit an den letzten beiden Akten der aktuell laufenden DnD Kampagne...

Die Erste DVD der 2. Twin Peaks Staffel, die sich noch im Laufwerk befand.

AAAAAAAARGH!!!!

Sicherlich wird mir noch das ein oder andere einfallen und für viele wundervolle, schmerzhafte Momente in den nächsten Stunden und Tagen sorgen.

Darüber hinaus habe ich jetzt ganz pragmatisch keinen Arbeitsplatz und keinen Internetzugang mehr (sitze im Computerraum des Bücherladens in der Celetná). Erst jetzt bemerke ich wie sehr mein Laptop - und mit ihm mein Zugang zum Internet und zu meinen Arbeiten und Hobbies - Mitte und Anker meines Lebens ist. Ohne Mist. Mein Laptop ist mir Kommunikations-, Informations- und Unterhaltungsterminal, gleichzeitg mein zentraler Arbeitsplatz und somit DIE Instanz die meinen Alltag strukturiert und gestaltet ja überhaupt in der Form in der ich ihn pflege und schätze möglich macht. Melodramatisch? Meinetwegen. Aber dadurch nicht weniger wahr! Ich fühle mich gerade echt entwurzelt, ein bisschen wie in den ersten Wochen, nur dass ich mich jetzt natürlich nicht in ein Starbucks oder Internetcafé setzen kann... mangels Laptop!

Wie also weiter? Eher früher als später werde ich einen neuen Laptop brauchen. Schon allein um sinnvoll für die Uni arbeiten zu können. Von Unterhaltung (Serien), Information (Nachrichten) und Kommunikation (E-Mail, skype und facebook) mal ganz zu schweigen. Muss mir nun also überlegen ob, wann und wo ich mir ein neues Teil zulege, wenn ja welches und in welcher Form. Gleich ein ganz neues Teil? Oder für erste - solange ich mich noch in diesem Land befinde in dem auch Wohnheimzimmer nicht heilig sind - nur ein Arbeitsgerät zum Übergang? Ich muss drüber nachdenken...

Einziger GROSSER Silberstreif, der mich hier gerade nicht völlig die Wände hochgehen lässt, ist die Aussicht bereits ÜBERMORGEN VORMITTAG im Flieger nach London Gatwick (nicht Heathrow wie früher geschrieben) zu sitzen, d.h. in weniger als 43 Std. schon wieder bei Bears und in einem anderen Land, weit, weit weg von hier zu sein.

PS: Es stellt sich heraus, dass die Archäologie Vorlesung ebenfalls nur auch Tschechisch stattfindet. Das ist jetzt schon der zweite Blindgänger, auf den ich mich eigentlich gefreut hatte, der fälschlicherweise als englischsprachig ausgeschrieben war. Grrrrrrrr...

PPS: Der Tschechischkurs (in dem sich saß während mutterlose Arschgeburten meinen Laptop geklaut haben) lässt sich ganz gut an. Bei der kurzen Wiederholung am Anfang kam ich recht gut mit. Abgesehen vom Vokabular, das natürlich in den letzten zwei Monaten, eher geschumpft als gewachsen ist, scheint mein Tschechisch nicht völlig degeneriert zu sein...

Sonntag, 26. Februar 2012

Christoph vs. the periphery

Das erste Wochenende des Semesters ist überstanden und es gibt einige erfreuliche Entwicklungen:

- Am Freitag habe ich ENDLICH, das Drama mit dem Course-Review für das Amerika Seminar klären können. MEINE HERREN! Ich hab der guten Frau am späten Vormittag vor ihrem Büro aufgelauert (ich war am Dienstag schonmal da gewesen und hab in Erfahrung gebracht, wann sie das nächste mal da ist) und sie dann mit meinem Nachfragen bzgl. des Reviews überfallen. Stellte sich heraus, dass wohl mehrere Studenten ihre Berichte nicht an sie verschicken konnten, gab wohl Probleme mit dem Mailserver der Uni, was auch immer. Sie wollte, dass ich's ihr einfach nochmal schicke. Ich wollte mir weitere Schickerei und Nachfragerei ersparen, bin also von ihrem Büro in der Hybernská (das ist östlich der Altstadt, also hinter Pulvertrum und Naměstí Republiky) zum Fakultätsgebäude (ganz im Westen der Altstadt) gespurtet, hab dort in der Bib den blöden Bericht nochmal ausgedruckt, und bin wieder zurück zu ihrem Gebäude gehetzt :P. Hab sie auch noch erwischt, bevor sie in ihren Unterricht musste. Ich wollte noch einen Termin machen, an dem wir das Ergebnis besprechen können, aber sie meinte, sie habe gerade noch ein bisschen Zeit und würde es sich jetzt gleich anschaun. Spektisch - in der Erwartung jetzt 20 min. rumsitzen und warten zu müssen - nahm ich Platz. Sie hat sich dann den fünfseitigen Text ca. 40 Sekunden lang angekuckt (oder solange, wie ich eben brauchte, um ihr zu erzählen was ich hier bzw. in Bamberg so mache), hat ein paar "Germanisms" (in der Regel Großbuchstaben, wo keine sein sollten z.B. "Czech Lands") eingekreist und hat mit ein A gegeben. Ich war erstmal geschockt. Was mach ich hier eigentlich? Wieso geb ich mir überhaupt Mühe? Sind meine anderen Noten auch so zu Stande gekommen? Die sieht nur: "Ah ok, Auslandsstudent, womöglich auch noch ERASMUS..." (Nein, KEIN ERASMUS!) und PENG krieg ich meine eins. Seriously??? Aber, na gut.... geschenkter Gaul und so... ich bin nur froh, dass das unschöne "FAILED" jetzt aus meinem SIS-Eintrag verschwunden ist :).

- Dort fehlt allerdings immernoch der 6 ECTS Punkte Eintrag für mein Czech&Central European History Seminar beim CIEE aus dem letzten Semester. Die nette Dame im International Office sagt zwar seit zwei Wochen sie tragen es demnächst ein, aber irgendwie zweifel ich da noch so ein bisschen dran. DAS A habe ich mir nämlich mit zwei Klausuren, einer Hausarbeit und 2x1,5 Std die Woche, tatsächlich verdient...

- Für das Wochenende hatte ich mir vorgenommen mal die beiden Tramlinien, die hier nördlich und südlich an meinem Wohnheim vorbeiführen, bis zu ihrem jeweiligen westlichsten Ende abzufahren. Beiden enden nämlich jeweils an verheißungsvollen Orten: Im Norden führen die Linie 26 u.a. nach Divoká Šárka (Die wilde Scharka), ein Naturpark direkt am Stadtrand von Prag. Im Süden führt u.a. die 22 nach Bilá Horá. Übersetzt ist das der "Weiße Berg" (bzw. die weiße Bergin - der Berg - hora - ist auf Tschechisch weiblich!) und bei allen, die in Geschichte ein bisschen aufgepasst haben, müssten da sämtliche Alarmglocken schrillen! Richtig: 1620, Die Schlacht am Weißen Berg.

- Die Wilde Scharka stellte sich am Samstag Nachmittag, bei heftigem Wind, aber strahlender Wintersonne, als durchaus beeindruckend heraus. Ein schmaler Strom schneidet sich durch dramatische Felsklüfte, Wälder und Felder. Man kann stundenlang durch die Wildnis streifen, es gibt ein großes Wassereservoir ein gutes Hostinec (Wirtshaus) und ein im Umbau befindliches McDonalds. Die Landschaft ist wild, schroff und hat den Wald-und-Wiesenromantiker, der tief in mir (und wohl in den meisten Deutschen) schlummert, durchaus angesprochen. Auf den aufragenden Felsnasen fühlte ich mich permanent dazu genötigt an exponierter Stelle möglichst daramatische Posen vor den majestätischen Panoramen , die sich um mich herum ausbreiteten, einzunehmen. Das Gelände ist wirklich riesig, ein Blick auf die Karte zu Hause zeigte mir, dass ich in den zweieinhalb Stunden, die ich dort gewesen war, gerade mal die Südspitze erkundet hatte! Auf jeden Fall im Sommer oder so mal einen zweiten Besuch wert. Hingefahren war ich ja mit der Tram (10 min von mir nach Hradčanská und von da aus dann in dieselbe Richtung, nur auf einer anderen Achse 20 min weiter). Vor Ort hab ich dann, als ich mich auf den Rückweg machte festgestellt, dass man auch den Bus hätte nehmen können, der in 8 min im Prinzip bis direkt vor mein Wohnheim fährt... :P Wieder was gelernt, man (also ich) vergisst manchmal einfach, dass hier auch Busse fahren... dabei sind die gerade in den Randbezirken und Nachts oft viel besser und nützlicher als die Trams... oder gar die Metros.

- Heute hab ich mich dann als Tourist historischer Schlachtfelder versuchen wollen. Die Fahrt nach Bilá Horá dauerte nicht ganz so lange, aber der Anblick beim Verlassen der Tram war erstmal ernüchternd. Wohnhäuser, Baumarkt, Tankstelle... Stadtrandbesiedlung halt. Auf dem zweiten Blick eine heruntergekommene, barocke Klosteranlage. Was zunächst vielversprechend wirkte, stellte sich beim Umrunden leider als unzugänglich heraus. Dabei entdeckte ich aber andrerseits einen Weg der zwischen einigen schäbigen Wohnhäusern hinaus auf einen Acker führte. Einem gewissen Harndrang folgend (Ich hatte zuvor beim Mittagessen im U Klašterá zwei Kofola getrunken. Kofola ist so ne Art teschech[oslowak]ische Cola, ein sehr leckeres Relikt aus kommunistischer Zeit...) machte ich mich auf zum Acker, nur um dort, in mehrerer Hinsicht erleichtert, auf der Hügelhöhe oberhalb des Ackers eine merkwürdige Erhebung zu erspähen. Über einen schlammigen Feldweg dorthin gestiefelt, entdeckte ich eine kleine Steinpyramide auf der künstlichen Aufschüttung, die wohl tatsächlich an den Ort der Schlacht erinnern soll. Ich muss sagen ich war überrascht. Angesichts der Position, welche die Schlacht am Weißen Berg im historischen Bewusstsein der Tschechen einnimmt (vergleichbar etwa mit dem Amselfeld für die Serben oder der Schlacht von Mohács für die Ungarn... gibt es sowas für die Deutschen?) hätte ich irgendeine monumentale Geschmacklosigkeit aus der Zeit der Ersten Republik erwartet. Die eher bescheidenen Ausmaße dieses Denkmals fand ich vor diesem Hintergrund geradezu angenehm. Naja. Insgesamt also eher unspektakulär das Ganze. Ein paar Steine, eine Tafel mit Inschrift. Drumrum ein paar Bäume auf einem Hügel (der berühmte Weiße Berg ist als solcher in der Landschaft kaum wahrnehmbar) voller Äcker und Felder.
Randnotiz: to get bilahora-ed scheint v.a. unter angloamerikanischen Gaststudenten in Prag ein feststehender Ausdruck zu sein. Er bezeichnet das betrunkene Einschlafen in der Tram 22 (die Sowohl das ECES - also v.a. von Amis genutzte - Kolej Komenskeho als auch das v.a. von ERASMUS Studenten bewohnte Wohnheim in Hostivař ansteuert), woraufhin man an der Endstation vom Fahrer geweckt wird und sich in spätester Nacht in Bilá Horá ausgesetzt vorfindet.

- Erfreuliche Erkenntis aus diesen beiden Mini-Exkursionen: Diese Stadt hat einen Rand. Felder und Äcker hinter Prag sehen auch nicht anders aus als die hinter Untersteinach.

- Das Wochenende zeigte mir überdeutlich, dass mein Sozialleben in den letzten drei Monaten deutlich monopolisiert worden war. Natürlich in der angenehmst vorstellbaren Weise, aber nichtsdestotrotz stehe ich jetzt ein bisschen alleine da. Hinzu kommt die bereits beklagte Abreise der meisten anderen Leute, mit denen ich darüber hinaus sonst noch was zu tun hatte. Versuche also - bisher wenig erfolgreich - ein paar eingeschlafene Kontakte vom Anfang des letzten Semesters zu beleben: "Dear second choice..."

- In Oxford wird ein neunmonatiger Medieval Studies Master angeboten!!! Entry Requierements klingen nicht unschaffbar. Und mit einem DAAD Stipendium im Rücken (Bewerbungsschluss 15.11.12) nach meinem Master in Bamme für ein Jahr nach England klingt verlockend... hummhommm....

- Für die nähere Zukunft suche ich gerade nach Praktika hier in Prag für den Zeitraum Juni/Juli bis August/September. Hab ein paar vielversprechende Sachen aufgetan und werde mal ein paar E-Mails schreiben. Wäre ja nett, wenn sich Prag so noch ein bisschen verlängern ließe und ich am Ende sogar noch ein Auslandspraktikum vorzuweisen hätte :). Passt gut zu den vielen Praktika, die ich in Deutschland noch nie gemacht habe!

- Morgen ist zum ersten mal wieder Tschechischkurs. Glaub ich zumindest. Die Woche sind nämlich auch große Demonstrationen gegen die aktuelle Hochschulreform geplant und es fällt wohl einiges aus. Ich hab nur leider keinen Dunst was und wann und wo und sowieso, weil alle Infos auf Tschechisch sind... was mich wieder zu diesem Kurs zurückführt... :P

Donnerstag, 23. Februar 2012

Christoph vs. Salman Rushdie

Für den Rest der sonst noch so passiert in der Woche und mich beschäftigt hat, mach ich mal nen zweiten Eintrag auf sonst wird das so länglich. Wenn ihr also meinen Studenplan-review noch nicht gelesen habt, das kommt eins weiter unten. Nicht dass ich davon ausgehe, dass es irgendjemanden interessiert ;).

Desweiteren habe ich also diese Woche mal wieder erfolgreich (BERGEWEISE) Wäsche gewaschen und musste mich danach - weniger erfolgreichen - mit der Pförtnerin ein bisschen auf Tschechisch unterhalten: Offensichtlich geht es nämlich nicht nur einen Schlüssel für den Waschraum zu mieten und dann beide Waschmaschinen (ja es gibt genau zwei Maschinen für den ganzen Block) zu belegen... yikes! Auf jeden Fall hat die Pförtnerin - sehr nett und langsam - versucht mir das klar zu machen. Zumindest hoffe ich, dass es das war, das habe ich nämlich verstanden. Ein bisschen Tschechisch konnte ich dann auch zurückkleckern aber am Ende liefs doch meist nur auf děkuju (Danke) und promiňte (Entschuldigung) hinaus... :P

Und oh ja genau, das war noch, ich habe mir eine amerikanische Tandempartnerin organisiert. Bzw. sie sich mich. Ein Tandempartner ist ein Muttersprachler, der einem hilft seine jeweilige Sprache zu lernen bzw. zu perfektionieren. Ich soll der jungen Damen - deren Nachnamen man die deutsche Herkunft recht deutlich anhört - also beim Deutschlernen helfen und sie mir.... jaaaaaaa... das ist so ein bisschen das Problem. Nachdem wir uns jetzt zweimal getroffen haben zeichnet sich bereits ab, dass das Ganze eine recht asymmetrische Sache wird. Während ich ihr im Prinzip die ganze Chose mit starken und schwachen Verben, Partizipbildung, Hilfsverben und als Zugabe noch den Futur I versucht hab nahe zu bringen(erstmal wie es scheint recht erfolgreich, sie lernt echt gut), hab ich bisher den semantischen Unterschied zwischen to toss und to throw gelernt, dass queer naja.... eben nicht queer sondern eher odd oder off klingt und, dass man a plethora of (hab ich bei den Gilmore Girls gelernt ;)) zwar sagen kann, es aber halt "super-smart" klingt (Wie die Gilmore Girls eben.. *hach* :)).
Und ja. Ich war gemein genug um - in aller Unschuld - nach der semantischen Bedeutung des Nachnamens des im Augenblick gehyptesten potentiellen Präsidentschaftskandidaten der GOP Rick Santorum zu fragen - obwohl ich es natürlich bereits wusste. Ihre süße Ahnungslosigkeit erfrischte mein Herz. Mal sehen, ob sie es bis nächste Woche nachrecherchiert hat und ich sie nun moralisch und charakterlich völlig korrumpiert habe... v.a. glaube ich war es ihr peinlich, dass ich über ihre Innenpolitik besser informiert war als sie...

Was mich zu meinem nächsten Highlight führt. Ich gewöhne mir gerade an mir jeden Morgen, oder wann immer ich die Zeit dazu finde mir Jon Stewart (*hach* massive mancrush!) und seine Daily Show reinzustreamen! Und es ist wirklich immer ein absoluter Hochgenuss. Ist jedem, der sich auch nur im entferntesten für Amerika und gute Polit-Satire interessiert zu empfehlen! Gerade die ersten beiden Blöcke, die von ihm und seinen Mitarbeitern bestritten werden, sind einfach nur BRÜLLEND komisch. Seine Gäste im Interview sind zwar oft hochkarätig, aber manchmal geht es dann doch recht tief in die jüngeren und nicht mehr ganz so jungen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Fragen, Krisen und Diskurse der US-amerikanischen Zeitgeschichte hinein, so dass es gelegentlich recht schwer wird dem zu folgen. Manchmal sind die Gäste auch einfach nur Schnarchnasen.

Außerdem hab ich mir ein neues Tram und Metro-Buch gekauft (und ein neues Ticket! Für die nächsten drei Monate bin ich erstmal wieder versorgt)! Ich sah im Regal einen Titel stehen von dem ich schon mehrfach gehört bzw. gelesen hatte und der mich schon immer interessierte und das für grade mal 245 CZK. Ich griff natürlich ohne weiter nachzudenken zu: Salman Rushdies The Satanic Verses. Und - oh boy - es könnte KEIN Buch - und das schließt den Koran und die Bibel ausdrücklich mit ein - geben, das zum mal eben so nebenher in der Tram lesen ungeeigneter sein könnte. Nicht nur rollt Rushie darin die gesamte islamisch-indisch-orientalische Religions und Kulturgeschichte, sowie die Popkultur der 80er Jahre auf, sondern er baut auch IN EINER TOUR ehrfurchtgebietende Satzungetüme wie dieses:

"See, there, at the Willingdon Club golf links - only nine holes nowadays, skyscrapers having sprouted out of the other nine like giant weeds, or, let's say, like tombstones marking the sites where the torn corpse of the old city lay - there, right there, upper-echelon executives, missing the simplest putts, and look above, tufts of anguished hair, torn from senior heads, wafting down from high-level windows"

Ja, genauso hab ich auch gekuckt. Man muss also jeden dieser brutalstmöglich verschränkten, kunstvoll gedrechselten, durch Parenthesen gepreizten und Hypotaxen erweiterten Satzmoloch nicht nur mindestens dreimal lesen, sondern danach auch noch etwa 20% der Wörter nachschlagen. Danach weiß man - natürlich - meistens immernoch nicht was der Mann einem eigentlich sagen will. Und das geht wirklich in einem fort so weiter! Aaaaaaaaah! Leider bin ich süchtig und werde mich jetzt durch dieses Buch durchBEISSEN müssen... Aber vielleicht kann ich es mir ja als 2 Punkte Seminar für mein Oriental Studies Modul anrechnen lassen...

PS: Für alle die sich jetzt fragen "Rushdie... Rushdie.... da war doch was". Richtig. Da war was. Damit verbindet sich nämlich eine recht spannende und schockierende Episode, über die wir auch mal in der islamwissenschaftlichen Vorlesung, die ich letztes Jahr in Bamme besucht hab, gesprochen haben. Daher kannte ich den Titel auch. Kurzversion: Rushdies Buch wurde in weiten Teilen der islamischen Welt als Beleidigung und Blasphemie angesehen, er selbst gilt seitdem als Apostat was beides - sagen wir es wie es ist - keine gute Nachricht für einen gebürtigen Moslem ist. Der selige Großayatholla Ruhollah Khomeini (genau der sympathische Bartträger der den Iranern/Persern die Islamische Republik eingebrockt hat) hat in einer bis heute gültigen Fatwa 1989 jeden rechtgläubigen Muslim dazu aufgefordert Rushdie deswegen zu töten oder Anderen seine Tötung zu ermöglichen. Der lebt seitdem in England, bisweilen unter Personenschutz und wurde zwischenzeitlich von der Queen zum Knight Bachelor ernannt.

Christoph vs. this semester's vintage

Soooooooooooo Gemeinde! Die erste Woche des neuen Semesters ist überstanden (sehr richtig: Am Donnerstag! Wer das in Anspruch nehmen kann, hat bei der Stundenplanerstellung ALLES richtig gemacht!) und es gibt einiges zu berichten. Zunächst mal zu den auserwählten Kursen, sie es in meinen Stundenplan geschafft haben:

1) Der Habsburger Kurs gefiel mir gut! Eine sehr sympathische und kompetente Dozentin aus Frankreich, die neben dem obligatorischen Englisch auch fließend Deutsch sprach! Sehr beeindruckend! An die deutschsprachigen im Kurs adressierte sie gleich zu beginn die Bitte ihren Vornamen "Gaelle" nicht wie "geil" auszusprechen. Da hatte sie mich schon gewonnen. Nun aber zum großen LEIDER. LEIDER handelt es sich beim Habsburger-Kurs um eine vom ECES ausgerichtete Veranstaltung. Genauso wie bei dem Art&Architecture und dem Ancient Egypt Kurs. Als nicht hauseigener ECES Student darf ich aber nur an zwei ECES Kursen teilnehmen. Blöd. Zwar wäre der Habsburgerkurs der gewesen, den ich mir theoretisch am ehesten hätte vorstellen können auszulassen, aber nachdem die Dozentin mich derartig überzeugt hatte stand ich nun vor einer schwierigen Wahl. Eine Mail, die mich spät am Abend erreichte, sorgte dann aber für klare Verhältnisse... mehr dazu unter 8)

2) Jaaaaaa... der Gotisch-Kurs. Das wird knackig. Der Dozent ist ein völlig verpeilter Deutscher, der sowohl mit seinem Englisch, als auch seiner Didaktik, als auch seiner Technologiefähigkeit vor etwa 30 Jahren stehen geblieben ist (Internet? Powerpoint? Diesem Manne böhmische Dörfer...). Er redet die ganze Zeit zu seiner Tafel hin und mäandert so durch seine Gedankenlandschaft, ohne sich groß darum zu sorgen, ob jemand seinem brutal teutonisch dahinstolpernden Englisch folgen kann. Nun ist jene Gedankenlandschaft - Gottseidank - durchaus beeindruckend: Ohne nachzudenken schüttelt er für fast jeden Namen, jeden Ort und jedes Konzept über das er da so stolpert die gesamte Etymologie aus dem Ärmel und vergleicht frei assoziierend quer durchs gesamte indogermanische Sprachspektrum vom Altisländischen, übers Altgriechische, bis hin zum Sanskrit. Daneben sitzt sein Assistent - der wesentlich kompetenter, weltgewandter und genauso gebildet wirkt - und bringt das Ganze dann mit dem Tschechischen in Verbindung. Sehr erhellend alles, aber sackschwer dem zu folgen. Ich bin gespannt.

3) Als nächstes: Archäologie. Da wollte ich ja echt hin und war sehr gespannt, doch dann hat sich der Raum erfolgreich im labyrinthischen Dschungel der Unigebäude zwischen Celetná und Ovocný Trh vor mir versteckt und ich hab ihn einfach. nicht. gefunden. Im Ernst! Man muss sich diesen Teil der Uni ein bisschen so vorstellen wie das Gebäude Hochzeitshaus/Kranen in Bamme, nur mit fünfmal sovielen Innenhöfen, Zwischengeschossen, Nebenflügeln und einem hundertfachen an Türen, Treppenhäusern und Fluren. Ein wahrhaft kafkaeskes (überstrapaziere ich dieses Attribut langsam?) Gebäude in dem ich damals auch schon auf der Suche nach der Bibliothek des Archivs der Universität fast um den Verstand gekommen wäre. So muss Archäologie also auf nächstes mal verschoben werden. Ich bleibe neugierig und sehe das jetzt mal ganz entschlossen NICHT als Zeichen an bloß die Finger von dieser glorifizierten Hilfswissenschaft zu lassen ;).

4) Das Landscape&Society Seminar lässt sich ganz gut an. Haut mich nicht um, aber der Dozent ist ganz cool und ich denke, dass das inhaltlich recht vielseitig wird. Eingestiegen ist der mit einer kulturwissenschaftlichen Annäherung an den Landschaftsbegriff - da hatte er mich schonmal überzeugt - und zwar ausgehend von einer kurzen Geschichte der Landschaftsmalerei, wo er mich wiederrum nicht ganz so auf seiner Seite hatte. Er setzt eine Emanzipation der Landschaft in der Malerei erst so mit Breughel im 16. Jhd. an. Also kein van Eyck, keine Limburger, die das - meiner Sichtweise nach - schon im 15. Jhd. vorgemacht haben. Ich weiß nur leider selber auch nicht (mehr) genug darüber, um groß zu widersprechen, aber mir erschien das alles ein bisschen krumm... Dennoch bleib ich dem Kurs erhalten, schon allein weil es Anfang Mai eine dreitägige Exkursion ins Český ráj gibt - also die Gegend in der wir über Neujahr waren. Und damit nochmal die Gelegenheit im U Boučku, Böhmens bestem Wirtshaus zu essen!!! :)

5) Tja, das so heiß ersehnte Seminar, von dem ich mir erhoffte ENDLICH mal den lange überflüssigen Überblick über die mittelalterliche Kunst in England zu bekommen, fällt für mich leider flach, da - entgegen der Ausschreibung - das Seminar auf Tschechisch stattfindet. DARN! Da war ich wirklich nen halben Tag lang echt geknickt. Sowas tut mir immer fast physisch weh! Da gibt es etwas, dass ich in Bamberg schon seit zwei Jahren suche und erhoffe und dann... scheitert es an sowas arbiträren wie nicht vorhandenen Sprachkenntnissen! Grumpf! Dislike!

6) Der Art&Architecture Kurs wurde von mir ja lange und heiß ersehnt. Eigentlich wollte ich ihn schon letztes Semester machen, aber damals kollidierte er noch mit dem Tschechischkurs. Dies ist diesmal - Spoileralert für 8) - nicht der Fall. Leider muss ich sagen, dass ich, obwohl der Dozent mehr als nur ein bisschen aussieht wie Quentin Tarantino, bisher eher unterwältigt bin. Er begann mit einer seeeeehr allgemeinen Einführung zur "Entstehung" der "europäischen""Kultur" und damit "Kunst". Während man Vieles von dem was er sagte, eben um der Vereinfachung willen hinnehmen konnte, aber in Anführungszeichen denken musste, war manches schlichtweg falsch (Keine sakralen Bilder im Judentum - Dura Europos anyone?) und der Rest eben wirklich sehr, sehr einführend und grundlegend. Naja, ich hoffe einfach in späteren Stunden auf einen engeren und härteren Bezug zu Prag. Das Programm für nächste Woche klänge in der Hinsicht sogar recht vielversprechend - er besucht mit dem Kurs die Ausstellung für Mittelalterliche Kunst im Agneskloster - aber das fällt für mich ja leider flach, da ich zu dem Zeitpunkt bereits in London bin :).

7) Die freudige Überraschung zum Schluss. Der Pyramiden/Hieroglyphen und Mumien-Kurs (Im Folgenden: Geilomat!!!-Kurs) wird glaube ich ein kleines Highlight. Ohne lästige Vorbildung (die über die kindliche Begeisterungs eines 12jährigen hinausgeht), die mir den Spaß verderben könnte, sauge ich im Geilomat!!!-Kurs alles begierig in mich auf und fühle mich wieder wie 12. Aber eine coole Art von 12! Das wird super, ich freu mich! Wir lernen sogar Hieroglyphen zu lesen!!! Yay! Dass einer der Dozenten aussieht wie der hochgeschätzte Betreuer meines Deutsch LKs in der K 13 - nur 20 Jahre jünger und ohne den fragwürdigen Oberlippenbart - ist auch kein Hindernis, eher im Gegenteil...;)

8) Die oben unter 1) ansprochene E-Mail teilte mir endlich Ort und Datum für den Aufbaukurs in Tschechisch mit, der für mich in Frage kam. Und angesichts des Dilemmas indem ich mich im Hinblick auf meine ECES Kurse befand hätte der Kurs gar nicht besser liegen können - oder schlechter, je nach dem. Denn er überschneidet sich natürlich auf voller Breite mit dem Habsburgerkurs. Das machte mir es dann - wenn auch schweren Herzens - recht einfach den Habsburgerkurs zu knicken und den Tschechischkurs aufzunehmen. Ich lernen also weiter diese abgefahrene Sprache. Das ist immerhin die gute Nachricht dabei!

9) Ja richtig, es gibt diesmal noch eine Nummer Neun. Ob das so klug ist, wird sich noch zeigen. Aber als besonderes Schmankerl hab ich mich noch in den Theaterkurs für dieses Semester eingetragen! Yay, ich werde wieder Theater spielen! Endlich! Abgesehen davon, dass die Dozentin erfreulicherweise aussieht wie eine etwas jüngere und kürzer geratene Version von Marissa Tomei, hat sie mich noch nicht wirklich überzeugt. Etwas sehr brav und lieb und ich weiß nicht ob sie beinhart genug sein kann, um bis ANFANG MAI einer derartig heterogenen Gruppe ein ordentliches Stück einzupeitschen (Warte Anfang Mai... war da nicht noch irgendwas...)

Soviel zur Besprechung meines Veranstaltungsplans. Fortsetzung folgt wegen eskalierender Länge in einem neuen Post...

Sonntag, 19. Februar 2012

Christoph vs. the inner accountant III (Hausarbeiten)


Geschichte
























WS 07/08 Randgruppen in der Mittelalterlichen Stadt









Proseminar MA Geschichte: Stadt im Mittelalter











Note: 1,0































SoSe 2008 Bursenstatuten










QK Übung: Europäische Universität im Mittelalter







Note: 1,0































WS 08/09





























































SoSe 2009 Die Entstehung des Kardinalskollegiums












HS MA Geschichte: Rom im Mittelalter











Note: 1,7































WS 09/10 Die Pataria Mailands














HS MA Geschichte: Kirchenkritik im Mittelalter












Note: 1,3































SoSe 2010































































WS 10/11 Fromme Stifungen in Orient und Okzident






HS MA Geschichte: Europ. MA im kulturellen Vergleich










Note: 1,0































SoSe 2011 Essay 1: Renaissance des 12. Jhd.?












Essay 2: Zwerge auf den Schultern von Riesen?









Essay 3: Abaelards Calamitates als Selbstinszenierung?









Qk Übung: Renaissance des 12. Jhd.













Note: 1,0