Montag, 25. Juni 2012

Christoph vs. the Prague Spring

Dieser Post soll euch zurückführen in die Mitte des diesjährigen Aprils: Das Wetter war grau und diesig, die Uni noch wenig fordernd und nur die Arbeit in der Theatergruppe zog langsam an. Immerhin stand die Aufführung in einem Monat bevor und wollte vorbereitet werden. Zu Stella und all dem werde ich mich hier nur wenig äußern. Dafür wird die nächsten Tage ein eigener Post folgen. Vielmehr will ich mich hier einigermaßen knapp hoffe ich über meine universitären und sonstigen Aktivitäten von Mitte April bis Ende Mai konzentrieren. Erwähnt sei nur, dass Stella diese stets begleitete, oft erschwerte, gelegentlich auch bereicherte und zumindest in der ersten Maihälfte beinahe völlig an den Rand drängte.

Was hatte also die Uni in der zweiten Hälfte meines zweiten Semesters hier zu bieten? War gar nicht mal so unanstrengend gegen Ende...

1) Der Gotischkurs erwies sich als genauso arbeitsintensiv wie befürchtet. Um unser "Zápočet"("Bestanden") zu bekommen mussten wir geschlagene 40 Verse aus dem Codex Argenteus, dem einzigen größeren Textzeugen für das Gotische, übersetzen von denen wir dann jeweils nur eine handvoll im Kurs vorstellen mussten. Natürlich wussten wir vorher nicht welche. Netterweise war es immerhin die Weihnachtsgeschichte nach Lukas (Kleine Hörprobe aus dem 1. Kapitel - unbedingt reinhören!), eine sprachlich vergleichsweise simple Passage. Dennoch war es genausoviel Arbeit wie es klingt und ich saß deswegen zwei geschlagene Tage in der Bib und habe kaum was anderes gemacht, als mir den Kopf darüber zu zerbrechen was die ei-Endung bei þankjandei soll, ob 3. Pers. Pl. Prät.Indikativ wirklich Sinn macht und zu bereuen, dass es Reduplikationen bei Vergangenheitsformen in dieser Form in unserer schönen Sprache nicht mehr gibt. Wirklich ich würde töten, um Formen wie gawandidedun ("sie wandten sich um"), tawidedeina ("sie mögen getan haben" - ich halte unsere Konjunktiv für einen eher würdelosen Ersatz für den indogermanischen Optativ) oder gesaiƕandans ("gesehen habend") in meinen aktiven Sprachgebrauch integrieren  zu können! 
Am Ende des Kurses gab es auf jeden Fall eine sehr nette vierstündige Blocksitzung mit Kaffee, Tee und Kuchen, an deren Ende ich dann erfolgreich meine Unterschrift einstreichen konnte. Strike one!


2) Die Vorlesung "Deutsche Literatur zwischen 1700 und 1880" war am Ende dann deutlich mehr als eine Wiederholung von altem Leistungskurswissen und hat sich - trotz einiger Längen gerade in den ersten Sitzungen - als recht spannend erwiesen. Ich fühle mich wieder einigermaßen über Grundzüge von Literatur und Geistesgeschichte in dieser Zeit informiert. Klausur lief dann auch - trotz minimaler Vorbereitung - überraschend gut. 1,7 und damit beste Arbeit des Kurses ;). Die Unterschrift hol ich mir am Mittwoch. Strike two!


3) Oh zu dem wirklich tollen Landscape&Sociology gibt es viel zu erzählen. Ich habe mich ja schon darüber geäußert wie geglückt verschiedene Disziplinen, Standpunkte und Theorien vom Dozenten kombiniert wurden. Den richtigen Mittelweg zwischen Ökologie, Ökonomie, Soziologie, Kulturwissenschaft und Philosophie zu finden war in diesem Umfeld sicherlich nicht immer einfach. Umso mehr habe ich es genossen. Mein Referatsthema waren dann Symbolic Landscapes und ich habe tatsächlich einige Vorbereitung hineingesteckt. 
Am Ende wurde es dementsprechend wieder einigermaßen enzyklopädisch. Wie bei jedem guten Referat fing ich mit Aristoteles an, habe mindestens einmal Goethe zitert und jede Menge mehr oder weniger gut versteckter Herr-der-Ringe, Matrix, Shakespeare und Asterix Anspielungen untergebracht. Hab es sogar geschafft ein Bild von Untersteinach in die Präsentation zu schmuggeln! Am Ende schlug ich einen Bogen von den Loca Sancta und der Stadttopographie Jerusalems über Romantische Landschaftsmalerei (Caspar David Friedrich, John Constable) und den englischen Landschaftsgarten, zum "Scouring of the Shire" in Tolkiens Magnum Opus und endete fulminant mit der ebenso epischen wie inoffiziellen englischen Nationalhymne "Jerusalem" von Sir Charles Hubert Hastings Parry auf ein Gedicht von William Blake, in dem all dies zusammen kommt. Donnernder Applaus und ein zu Tränen gerührter Dozent, der sich gar nicht mehr hinter sein Pult traute, waren Belohnung genug für den Tag und ich beschloss irgendetwas zu tun um mein Ego wieder runterzufahren (In den Spiegel zu gucken zum Beispiel: Neun Monate tschechische Küche und tschechisches Bier hinterlassen ihre Spuren... ;)). 
Der Dozent war so begeistert, dass er mit ein A und die ECTS Punkte gab BEVOR ich den dazugehörigen Essay auch nur mit ihm besprochen hatte. In dem habe ich mich dann ein bisschen über die Bedeutung und Kontexte von Landschaftsmalerei im späten Mittelalter ausgelassen: Also ein bisschen Lorenzetti Wandfresken aus dem Palazzo Poppolo Siena, ein bisschen Trés Riches Heures und ein bisschen van Eycks. So viel Spaß für so wenig Geld! Strike Three!   

PS: Mit dem Seminar war auch eine sehr schöne dreitägige Exkursion ins Český Raj verbunden, aber dazu später mehr...  

4) Der Tschechischkurs schloss mehr oder weniger mit der Einführung der Vergangenheit ab. Ab da haben wir eigentlich nur noch Übungen gemacht und Filme geguckt. Am Ende gabs nen Test, auf dem dann 90% und ein A standen. Naja... der erste Schritt ist gemacht, aber um Tschechisch wirklichg zu können und sich einigermaßen in dieser Sprache auszudrücken ist es noch ein ordentlicher Weg zu gehen... In jedem Falle: Strike Four!


5) Auch zu dem Art & Architecture Kurs wurde eigentlich schon alles gesagt. Der Vollständigkeit halber: Die Klausur war ein Witz und als Essay hab ich den Teil zum Heilig-Kreuz-Münster Schwäbisch Gmünd aus meiner Proseminararbeit über Hallenumgangschöre recycelt und um den Veitsdom in Prag sowie St. Just et St. Pasteur in Narbonne erweitert. Das was wirklich nett an dem Kurs war, war der verpeilte Dozent und unsere Ausflüge in fast alle Zweigstellen der Národní Galerie, versteckten Undergroundküstler-Ausstellungen und ein kubistisches Museum/Café! Einziger Kurs von dem ich die Note noch nicht weiss, aber ich denke furchtbar schlecht wird es nicht gewesen sein...


6) Schlussendlich der GEILOMAT-Kurs. Der fiel gegen Ende leider ein bisschen ab. Alt-Ägyptische Literatur ist (für mich zumindest) nicht halb so spannend wie Sprache, Religion, Kosmologie, Kunst und Architektur. Aber gut. Die Klausur war mal wieder geschenkt und ich hab mein A ohne weiteren Lernaufwand eingefahren. Als einziger Junge wie es die Dozentin wert fand zu betonen.... Strike Five!

Abschließend noch einige Worte zur wirklich schönen Exkursion ins Český Raj ("Böhmisches Paradies"). Diese fand am ersten Maiwochende statt und führte uns in eines der größten und schönsten Naturschutzgebiete Tschechiens. Ist etwas südlich der Malá Skála Ecke, wo wir über Silvester waren. Dort sind wir dann zweieinhalb Tage lang wacker durch Wald und Wiesen marschiert, haben uns zunächst die wirklich spektakulär in der Landschaft liegende Burgruine Trosky angeschaut. Ein tolles Ding, in seiner Lage daramtisch wie in einem Fantasyfilm. Noch dazu war das Wetter wirklich bombastisch! Auf dem Rückweg dann noch das schicke Schloss Hrubá Skála  und am zweiten Tag die Burg Valdštejn, der Stammsitz des nach ihr benannten böhmischen Adelsgeschlechtes z Valdštejna. Bei uns, Dank eines gewissen Friedrich Schiller, besser als Wallenstein bekannten. Am zweiten Tag haben wir und aber nicht nur Burgen in toller Landschaft angeguckt, sondern vor allem auch tolle Landschaften ganz ohne Burgen, so zum Beispiel die wirklichen beeindruckenden Felsentürme von Hruboskalské skalní město was zu deutsch etwa soviel bedeutet wie die "Großfelser Felsenstadt". Untergebracht waren wir in einem alten Spa aus dem frühen 20. Jahrhundert bei dem man in der Dusche schon mal auf Frösche treten konnte (Tatsächlich musste ich eines morgens eine Gruppe völlig hysterischer Putzfrauen vor einer dieser gefährlichen Monstrositäten retten) dafür aber ein exzellentes Frühstücksbuffet vorgesetzt bekam. Die Gruppe bestand v.a. aus Amis, ein paar Kanadiern und mit mir, einem Portugiesen und einem Finnen noch drei Europäern. Wir sind gut miteinander ausgekommen, es gab fantastisches Essen in der Hospoda gleich ums Eck und ich konnte mein Englisch - das unter dem Mongel-ERASMUS-Sprech doch recht gelitten hatte - wieder ein bisschen aufbessern. 
Höhepunkt des Ganzen war sicherlich die Installation von "Landart" in der Landschaft, wo wir etwas zum Thema "Landscape between Heaven and Hell" fabrizieren sollten. Einer kanadischen Idee folgend - die von mir auf theoretische Füße gestellt und historisch abgesichtert wurde - spannten wir zwischen den Bäumen, die wir wie Säulen behandelten auf unterschiedlichen Ebenen Schnüre und schafften es so den architektonischen Rahmen einer Kathedrale quasi in die Landschaft zu skizzieren. Mit Langhaus, Querhaus, Westfassade, Chor und allem. Wir hatten das ganze mit dem Chor nach der Sonne ausgerichtet und mit dem finsteren Ende in den Wald gelegt, so dass man nun, während man den zwischen den Bäumen angedeuteten architektonischen Raum durchschritt, von der Finsternis ins Licht ging. Großartiges Erlebnis und hat irre Spaß gemacht!  

Noch einige Halodria zum Abgang:

- Ich bin viel durch die Gegen gelaufen und hab mir endlich mal die Stadtteile im Prager Norden aber auch im Osten angeguckt. Also v.a. Holešovice in der Flusschleife nördlich der Altstadt, mit dem riesigen Stromovka Park und dem interessanten Výstaviště Praha Gelände, wo Ausstellungen u.ä. stattfinden, aber auch das südlich von Žižkov und östlich der Neustadt gelegene sehr hübsche und hippe Vinohrady, sowie den Vítkov, nördlich von Žižkov mit dem riesigen Jan Žižka Denkmal. 
- Für alle dies noch nicht auf Facebook gesehen haben: Ich hab mir die Haare schneiden lassen! Kurz nachdem Stella gelaufen war, kamen die Haare runter. War überraschend teuer und hat eeeeeendlos lange gedauert. Hätte vielleicht nicht einfach den nächstbesten Friseur nehmen sollen... aber ich bin mit dem Ergebnis (inzwischen) ganz zufrieden...


Soviel für den Moment. Die nächsten Tage liefere ich dann alles was sich in Zusammenhang mit unserer "Stella"-Doppel-Premiere/Derniere-Aufführung ereignete, nach.

Sonntag, 24. Juni 2012

Christoph vs. the Prague dawn

Man könnte ohne Übertreibung sagen, dass es ne Weile her ist, dass ich das letzte mal hier geschrieben habe. Über zwei Monate um ganz ehrlich zu sein. Ich wünschte ich könnte behaupten ich sei fuuuuurchtbar beschäftigt gewesen und hätte SO VIEL wichtigen Kram zu tun gehabt, dass ich leider, leider, leider keine Gelegenheit gehabt hätte hier wenigstens alle ein, zwei Wochen zu schreiben. Aber das wäre eine lächerliche Übertreibung. Die Zeit wäre gewesen, nur habe ich sie genutzt um Serien zu gucken (Person of Interest, Revenge, Breaking Bad, Community, Grimm...), Prag zu erkunden (Holešovíce, Vinohrady, Vítkov), Theater zu spielen (STELLA!!!!) mit Bears die Schweiz (Zürich und Basel) und Tschechien (Praha - Ostrava - Opava - Olomouc - Brno - Jihlava - Telč - Tábor - České Budějovice - Český Krumlov - Praha) zu bereisen und nebenher auch noch ein bisschen zu studieren.

Aber der Reihe nach: Nun da sich mein Aufenthalt hier im größten aller böhmischen Dörfer unweigerlich dem Ende zuneigt (Kommenden Freitag holt mich hoffentlich der Baron hier ab...) hat mich der Ehrgeiz gepackt die letzten zweieinhalb Monate handlich zu verpacken und hier häppchenweise in den nächsten Tagen (in denen ich nichts weiter zu tun habe als in dem subtropischen mittelböhmischen Klima nicht einzugehen und natürlich das organisatorische Abwicklen meines Auslandsaufenthalts) nachzuliefern. Das wird in einer Reihe getrennter Beiträge geschehen. In diesem hier werde ich mich noch ein bisschen über meine aktuelle Situation und wie es so weitergeht auslassen. Darauf folgend kommt ein Artikel mit dem schönen Namen "Christoph vs. the Prague Spring" in dem ich v.a. mein universitären und sonstigen Aktivitäten bis Ende Mai - und damit Ende des Sommersemesters - nachliefere. Dem folgt ein weiterer Artikel "Christoph vs. Goethe", denn alle Aktivitäten um unsere Aufführung von Goethes unterschätztestem Trauerspiel "Stella" am 14. Mai dieses Jahres verdienen einen extra Post, wie ich meine. Schlussendlich werde ich dann in einem spannenden travelogue unter dem Namen "Christoph vs. the Rest of the Republic" den größeren Teil des Junis zusammenfassen, den ich v.a. auf Reisen in den oben genannten Städten in der Schweiz oder in Tschechien verbracht habe.
Der Vorsatz ist also gefasst und wortreich formuliert und sei hiermit mit der Bitte um Nachsicht für mein langes Schweigen verbunden, sollte es da draußen wirklich jemanden geben, der diesen Umstand als Schmälerung seiner Lebensqualität angesehen haben sollte.

Aktuell bin ich also wieder in Prag, sei Freitag Mittag, um genau zu sein und somit hat offiziell meine letzte Woche in dieser schönen Stadt und diesem noch viel schöneren Land angefangen. Bears musste sich schon Freitag Abend wieder in die schweizer Heimat verabschieden was mich dazu übergehenließ mit den Resten der Stella-Crew und einigem Anhang auf einem Biergarten zwischen Zizkov und Vinohrady das Viertelfinale Deutschland vs. Griechenland zu gucken.
Bei diesem auserlesenen Zirkel (von einer finnischen Mitläuferin konsequent als "German Mafia" bezeichnet), handelt es sich v.a. um den bereits erwähnten Postillion, der mir in den letzten Monaten zu so etwas wie der der Volker Kauder zu meinem Peter Struck (was macht der eigentlich zur Zeit?) geworden ist, dann noch Cäcilie mein Weib die, hier ebenfalls nach ihrer Rolle in "Stella" geführt werden wird und mit der ich nach Anfangsschwierigkeiten intensiv geek-bonden konnte (Community, Buffy, Scru´bs et. al. Erinnert sich noch jemand über meine Worte zur integrativen Kraft amerkanischer Geek-Kultur ganz zu Beginn dieses Blogs?)  und nicht zu vergessen that other Czech-Swiss girl, die hier sinnigerweise so heißt, weil sie neben Bears hier eben genau das ist: das andere Mädchen mit einem tschechisch-schweizerischen Hintergrund (Tatsächlich scheint es hier einen ganzen Sack voll von denen zu geben! Wie diese spezielle Bekanntschaft zustande kam wird an anderer Stelle noch detaillierter beschrieben). Dieser Kreis ließe sich sicherlich noch um drei oder vier weitere Namen, die an Stella (und den nachfolgenden Feten) beteiligten waren erweitern, aber der Übersicht halber wollen wir es hier bei den Genannten belassen, was natürlich keinenfalls den Wert der anderen (Annchen, Stella-Stella, Mme. Postmeisterin, Ředitelka, Žiráffe) schmälern soll. 

Nachdem also in dieser erlesenen Runde die erfolgreiche Demontage Griechenlands bezeugt worden war, alle schlechten "Heimspiel in Danzig"-Blödeleien des Postillions sowie seine und anderer hahnebüchenen Versuche aus dem Gag-Setup "Euro/EM/Griechenland vs. DeutschlandPleite/Gyros/Angela Merkel" ein paar passable Witzchen zu stricken, ertragen worden waren, ging es noch weiter ins Prager Nachtleben. Im ersten Club wurde die Musik für zu schlecht, das Bier für zu dünn und das Publikum für zu jung erachtet, in den zweiten Club kamen wir dann nicht rein, weil offensichtlich halb Prag hoffte die oben genannten Probleme in diesem hier nicht zu haben, und im dritten Club war es dann doch ein bisschen zuuuu lahm. Mein Weib Cäcilie und ich wurden irgendwann müde halb-erinnerte Reprisals von Xander's und Anya's "I'll never tell" zu geben, irgendjemand beschwerte sich über schmerzende Füße, der mitgeführte Alkohol ging aus, der Postillion verabschiedete sich mit seiner erst kürzlich erworbenen Prager Freundin und so kam es zu einer Situation, wie sie wohl nur nach drei enttäsuchenden Clubs, mehreren Bieren, stundenlangen durch die Stadt Gelatsche und in einer geschrumpften Gruppe nach drei Uhr morgens entstehen kann: Irgendjemand beschwerte sich über schmerzende Füße, jemand anderes wollte unbedingt eine Večerka also einen 24-Std. Potraviny (etw. Mini-Market) finden, und jemand anderes schlug vor den Sonnenaufgang zu beobachten. Und so fanden wir uns zu sechst eine gute Stunde später zunächst auf der Burg und dann an den Hängen unterhalb des Klosters Strahov ein, um die Sonne über Prag aufgehen zu sehen.
Ein merkwürdig liminaler Moment in dem in mir, als sich die Drei-Turm-Shilouette des Veitsdom tiefschwarz vor dem langsam blauviolett schimmernden Himmel im Osten abzeichnete, viel zusammenkam: Die Eindrücke aus der langen Reise mit Bears, und das Vermissen dieser Frau an meiner Seite, die ich jetzt vier Wochen lang jeden Tag um mich hatte, das Bewusststein nun die letzte Woche in Prag nach fast einem Jahr anzutreten, der Rückblick auf im Großen und Ganzen neun ganz fantastische Monate in dieser Stadt und in diesem Land, die Aussicht auf ein weiteres Jahr in Bamberg, die große Ungewissheit auf das "Danach", sowie die Hoffnung ein paar Menschen an meiner Seite zu haben aus denen sich echte Freunde entwickeln könnten...    
Die Vögel plärrten um uns herum von den Hängen des Petřin, jemand beschwerte sich über schmerzende Füße und der Himmel im Osten wurde immer heller, man konnte an den Türmen des Veitsdoms langsam einzelne der feingesponnen Bögen und Streben erkennen. Das Licht der Morgensonne kroch langsam über das vor uns ausgebreitete Prag, dessen viel beschworenen "Tausend Türme" sich von keinem Ort besser erahnen lassen, als hier.

Prague Dawn: Das Bild ist nicht von mir sondern ganz dreist und ohne sie zu fragen von der Frau geklaut, die sich den ganzen Morgen über schmerzende Füße beklagt hat. Ja, vorsicht mit Facebook....


Zu unser aller Erstaunen war von der Sonne selbst noch nichts zu sehen, obwohl es nun bereits fast taghell war, auch dann nicht als die anderen beschlossen sich ein frühes Frühstück zu organisieren und ich mich in Richtung Kolej wandte.
Auf dem Weg wurde mir klar, dass meine liminalen Abenteuer bei weitem nicht abgeschlossen sind. Mein Leben wird noch für einige Jahre, wenn nicht länger, ein Gleiten und Wechseln zwischen Polen, Phasen, Städten, Ländern und Menschen bleiben. Ich gehe davon aus, dass es - anders als bisher ganz überwiegend - dabei nicht immer nur aufwärts gehen wird, dass es beizeiten richtig anstrengend und sogar schmerzhaft werden wird.
Aber das ist der Pfad den ich eingeschlagen habe, spätestens als ich der Dame in der Bamberger Studentenkanzlei "In-ter-dis-zi-pli-nä-re Mittelalterstudien" in die Tastatur diktierte. Sicherlich hat sich nicht alles so entwickelt wie erwartet oder geplant, sicherlich ist vieles erschreckend unklar dafür dass ich fast 26 bin und noch immer meinen Eltern auf der Tasche liege, wohingegen Andere in meinem Alter schon seit acht Jahren sozialversicherungspflichtig arbeiten und das zweite Kind kommen haben. Aber ich würde es um nichts in der Welt anders wollen und werde jeden Tag genießen inzwischen alledem.
Als ich schließlich am Kolej angekommen war, war dann auch endlich die Sonne selbst über den Rand der Welt gekrochen und zumindest dieser spezielle Tag begann damit, dass ich endlich ins Bett ging.