Montag, 21. November 2011

Christoph vs. chinese plastic music

So, jetzt hat euch die Sprache verschlagen, ja? Zuviel Selbstentäußerung im Internet? Ich kann nicht versprechen, dass das besser wird :P...

Die letzten beiden Tage saß ich an meinem Course Report, war im Gottesdienst in St. Martin und bin viel durch die Stadt gestiefelt.
Beim Course Report war die Gretchenfrage: Verreisse ich den italienischen Prof und seine steile "Wie-Wolfram-von-Eschenbach-fast-auf-dem-Scheiterhaufen-gelandet-wäre"-These oder doch nicht? Nach langem Hin- und Herformulieren, hab ich mich für eine leicht entschärfte, aber immernoch sehr klare Version entschieden, in der ich die Probleme seiner Argumentation (KEINE Quellengrundlage) aufzeige und gleichzeitig einen alternative Herangehensweise (narrativ-konzeptionell) vorschlage. Mal sehen was sie sagen... aber so stehen lassen ging einfach gar nicht :P. Zumal ich indirekt durch einen prominenten Wolfram-Experten bestätigt worden bin ;).

Am Samstag hab ich außerdem die ersten Folgen von "Grimm" angeguckt. Ein bisschen "Fables" und "Supernatural" mit einer Prise Crime-Series... naja, mitreissend nicht, nur Silas Weir Mitchell als im Grunde sympathischer aber leicht instabiler "Big Bad Wolf" hinterlässt einen (guten) bleibenden Eindruck. Er ist übrigens eines dieser Gesichter, das man sicherlich schon hundertmal in diversen Serien gesehen hat, aber auf Anhieb nicht an eine Rolle nageln kann. Ich für meinen Teil kannte ihn, wie sich herausstellte, aus Burn Notice (Seymour). Darüber hinaus bemerkenswert ist die Tatsache, dass viele der 'Monsters of the week' deutsche Namen haben: Während "Blutbad" (Plural "Blutbaden") und "Hexenbiest" (Plural "Hexenbiests") noch schlicht amüsant sind, ist "Jagerbaer" schon ein bisschen 'cringe-worthy'.

Eine weitere Seriem, die ich mir fürs lange Wochenende vorgenomme hatte war "Revenge". Trotz der sehr positiven Berichterstattung eines gewissen Taugenichts, schreckten mich die Optik und die Trailer ein bisschen ab. Sah für mich aus wie O.C. California ans andere Ende der Staaten (in die Hamptons) versetzt. Interessiere ich mich wirklich für den Liebesschmerz, die Lebenskrisen und Intrigen und ein bisschen Rachedrama um einen Haufen lächerlich reicher und absurd gut aussehender Amis? Wie es sich herausstellt tut es das! Emilys Rachestreben steht im Mittelpunkt (Schon ganz am Anfang heißt es "This is not a story about forgiveness" und dieser Tenor zieht sich bislang durch die ganze Serie) und bestimmt die anderen Erzählbögen, welche sich um sie herum entfalten. Eine O.C.-Atmossphäre kommt also erfreulicherweise zu keinem Zeitpunkt auf. Die Handlung ist dicht, spannend und schreitet schnell voran. Gerade hier hatte ich Angst, dass die Macher der Versuchung erliegen das Setting in aller Breite auszuschlachten und nochmal in allen bekannten Topoi einzuführen. Aber es geht erfreulich schnell zur Sache und Emily beginnt die Fassaden der reichen, schicken Hamptons-Welt einzureissen, nicht jedoch ohne sich dabei selbst immer tiefer in das komplexe Beziehungsgeflecht ihres Opferkreises zu verstricken. Gefällt mir!

Eben habe ich angefangen mit "Once upon a time", das zweite große Märchen-Abenteuer, dass die US-Serien diese Saison auf den Markt werfen. Klar bietet sich der Vergleich mit "Grimm" irgendwie an, aber die Jury ist in dieser Sache immernoch draußen (btw: Hoorray for direkt ins Deutsche übersetzte englische Idiome!) !

Als Ausgleichprogramm für viel zu viel Serienguckerei bin ich am Samstag im großen Bogen durch die Stadt gegangen. Von Hradcanská, über die Prager Burg, durch Hradcany bis zum Kloster Strahov (was überraschend schnell ging). Von Strahov aus müsste ich eigentlich in ca. 30 Minuten bis zu meinem Wohnheim laufen können... mal sehen, vielleicht teste ich das heute noch aus. Wirklich was zu tun hab ich heute nämlich bis 17h nicht. Von Strahov aus bin ich dann in die Kleinseite hinabgestiegen, wo ich über die Deutsche Botschaft stolperte und den Genscherschen Balkon ausspähte, was zu einer bizarren und äußert befremdlichen patriotischen Regung irgendwo tief in meiner bundesdeutschen Brust führte. Hm, das wird beobachtet!
Danach bin ich im weiten Bogen durch Malá Strana wieder zurück zur Hradcanská gelaufen. War schön, ein bisschen Bewegung und ich habe wieder ein paar Verknüpfungen hergestellt und Horizonte verschoben. Wer hätte gedacht, dass man von Strahov aus so einen tollen Blick auf die Stadt hat?

Am nächsten Tag hatte ich die (katholische) Schweizer Mathematikerin überredet mich ich den evangelischen (Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder) Gottesdienst in St. Martin an der Mauer zu begleiten. Eigentlich nur ein Vorwand um Tschechiens ältestes erhaltenes Kreuzrippengewölbe zu bewundern. Außerdem wurde in dieser Kirche 1414 im Rahmen der hussitischen Reformen zu ersten mal das Abendmahl sub utraque specie gefeiert. War dann aber auch ein sehr schöner Gottesdienst. Die Pfarrerin war ein bisschen anstrengend, sehr enthusiastisch-salbungsvoll, darauf steh ich ja GAR NICHT. Aber der Gastpfarrer, der (dankenswerterweise) die Predigt hielt schlug sich da schon besser. Ausreichende Kontextualisierung der Bibelstelle und keine Angst vor unbequemen Passagen (Unvergessen die Äußerung einer Ex-Freundin: "Ich mag das Alte Testament nicht..." :P). Auch ein gewisser Pfarrerskind-Nostaligefaktor machte sich breit: Die haben noch die alten Gesangsbücher! Nachdem meine katholische Begleitung ihre Verwunderung über eine "richtige Struktur im Gottesdienst" überwunden hatte, eskalierte unser Heimweg ("eigentlich könnten wir auch laufen") ein bisschen, führte uns über die Karlsbrücke, durch die Kleinseite und Újezd, dort in eine bonbonbuntes China-Restaurant mit hirnerweichender pseudo-asiatischer Schmachtmusik, die sich unauslöschlich in meine Ohwindungen wurmte, und schließlich über Strahov hinauf zu ihrem Wohnheim/meiner Tram.
Nachdem ich mich also in dieser Weise wieder erfolgreich für einen halben Tag vor der Fertigstellung des Course Reports gedrückt hatte, musste dieser nun, nachdem ich wieder im Wohnheim war, ernsthaft angegangen werden. Um aber das Hörtrauma aus dem Chinarestaurant zu überwinden, mussten wahrhaft schwere Geschütze aufgefahren werden. Vorher war an ein sinnvolles Arbeiten nicht zu denken. J.S. Bachs Johannespassion hat sich dann aber doch als seeeeeehr effektiv erwiesen! Mit so gereinigtem Hörapparat konnte dann im Laufe des Abends auch der Course Report zu einem (hoffentlich) glücklichen Ende gebracht werden.

Was habe ich heute/am Wochenende gelernt: Ein bisschen was über Bach, die Deutsche Wiedervereinigung sowie die Topographie dieser schönen Stadt. Ansonsten war ich erfreulich faul!

Was höre ich gerade:
Bach war schon ne Granate. Hat mich gerade echt am Haken: "Wir haben ein Ge-seeetz, und nach-deeem Ge-seeetz soll er steheheheheheheheheheheheeeerben!"

PS: Als Nachtrag vielleicht noch mein großer Lacher des Wochenendes zur aktuellen Verfassungsschutz/Rechtsradikalismus-Debatte in der Heimat...

Samstag, 19. November 2011

Christoph vs. Mater Urbium

Etwas außerordentliches passierte in den letzten Tagen. Etwas, das mir in dieser Form seit den frühen Tagen meines Zivildienstes nicht mehr passiert ist: Ich verliebe mich in eine Stadt.
Damals war ich neu in Bamberg, zum ersten mal von zu Hause weg, alleine und für mich und habe die Stadt erkundet, beseelt von einem (rückblickend eventuell unangebrachten) "Christoph-in-der-großen-Stadt"-Gefühl.
Die letzten zwei, drei Tage war es hier ähnlich, nur dass ich mich hier dabei meist in exzellenter Gesellschaft befinde ;).
Es begann damit, dass wir die Reste des "Jüdische Museum Prag" Tickets aufsammeln wollten und daher Maisel-, Klausen- und Spanische Synagoge abgeklappert haben. Davon ausgehend eskalierte das dann und führte in endlosen Runden durch und um die Altstadt. Und - meine Fresse- diese Stadt ist groß! Ich hatte ja ein bisschen Angst bevor ich hierher kam, dass mir das zu klein werden würde - wollte ja in eine GROSSE Stadt. Auf den Bildern sah dass dann alles sehr überschaubar aus in Bamberg war der Tenor von Leuten, die schonmal in Prag gewesen waren "Ach Prag, das ist ja wie hier, nur ein bisschen größer." Zunächst mal ist "ein bisschen" in diesem Fall 17x (SIEBZEHN) größer und in Bamberg wird man lange suchen müssen, um eine kubistische Villa oder eine abgefahrene Anlage wie das Clementinum finden zu können. Oder einem Haufen hinduistischer Mönche (? - die Hare Krishna-Typen halt...) über den Weg zu laufen, oder so etwas leckeres wie Kolaatsch (Lautschrift) zu essen, oder mitten in der Stadt über ein spätgotisches Kloster zu stolpern mit der Aufschrift "Sonntags 10.30h evangelischer Gottesdienst in deutscher Sprache" (fest vorgenommen für morgen, wenn ich aus dem Bett komme...:P).
Jedesmal, wenn ich meinen Horizont ein bisschen weiter hinausschiebe, neue Wege und neue Ecken erkunde, erfahre ich von weiteren Orten, jenseits meines gerade erst erweiterten Horizontes: "Aha, das ist also das Südende des Karlsplatzes... wie jetzt dahinter kommt noch ein Botanischer Garten?", "Hm, die Kafka Ausstellung war jetzt nicht so prickelnd, gut, dass es in Malá Strana noch ein Kafka-Museum zu geben scheint".
Langweilig oder zu klein wird es mir hier nicht, diese Stadt bietet genug zu Erkunden und zu Entdecken, um mich die nächsten Monate zu beschäftigen. Gut, dass ich nicht nur ein Semester hierher gekommen bin, das wäre jetzt ja schon wieder fast halb vorbei und ich fange grade erst an unter die Oberfläche dieser Stadt zu blicken.
Kafka hat es sicherlich nochmal ganz anders - und weit weniger schmeichelhaft gemeint - als er schrieb: "Prag lässt nicht los. Dieses Mütterchen hat Krallen", aber gerade kann ich mich - auf meiner Ebene - sehr mit diesem Satz identifizieren.
Nichts von dem was in den letzten eineinhalb Jahren mein Leben bestimmt und strukturiert hat fällt hier noch an oder wird wirksam... and I'm enjoying the shit out of it!
Das bisschen Uni, dass ich hier habe, lässt sich relativ simpel marginalisieren...
Auch die Entdeckung wie kurz der Weg von einer Metro-Station zur anderen eigentlich ist, hat maßgeblich zu dieser Entwicklung in den letzten Tagen beigetragen. Ich überlege es mir jetzt zweimal, ob ich wirklich die Metro/Tram nehmen sollte oder müsste. So bin ich gestern, nach einem vergnüglichen Abend mit den ERASMUS-Damen, vom Café Slavia in der Neustadt bis zur Hradcanská Metro-Station hinter der Prager Burg gelaufen und auch dieser Weg erschien am Ende gar nicht mehr so weit...
Ja, merkwürdig. Je enger alles zusammen rückt, umso größer erscheint es im Ganzen.

Was habe ich heute/die letzten Tage gelernt: Viel über diese Stadt. Die Spanische Synagoge ist eigentlich eine byzantinische, das ehemalige Judenviertel Josefov wurde im späten 19. Jhd. komplett eingestampft und im Gründerzeit-Stil in der heutigen Form neu aufgebaut, Kolaatsch ist superlecker, Das Tanzende Haus soll tatsächlich aussehen wie ein tanzendes Paar - es hat sogar eine "Frisur" - und, dass diese Stadt GROSS ist und größer zu werden scheint je länger man sich mit ihr beschäftigt.

Was höre ich gerade: Einem wertvollen Musik-Tipp aus Bonn folgend, läuft bei mir gerade Elbow rauf und runter, v.a. die großartige Live-Aufnahme ihres vorletzten Albums "The Seldom Seen Kid" in den Abbey Road Studios mit Unterstützung des BBC Concert Orchestra.

Cause holy cow I love your eyes
And only now I see the light
Yeah lying with you half awake
Stumbling over what to say
Well, anyway: It's looking like a beautiful day.

So throw those curtains wide
One day like this a year we'll sing it right.

Mittwoch, 16. November 2011

Christoph vs. the short way home

Heute bin ich einer Laune folgend nach dem Tschechischen Filmabend mal nicht direkt vor der Uni in die Metro runtergestiegen, um von dort aus zwei Stationen nach Norden, bis hinter die Prager Burg nach Hradtschanskaa (Lautschrift) zu fahren, sondern bin von der Uni (S-taromnjestkaa - Lautschrift, ist die Station in der ich normalerweise einsteige) bis dorthin gelaufen. Das ging überraschend schnell! Malos-transkaa (Lautschrift) ist gleich auf der anderen Seite des Flusses und Hradcanská nur etwa 10 Minuten den Berg hinauf. Insgesamt bin ich auf keinen Fall länger als 20 min unterwegs gewesen. Also eigentlich kein Weg. Und das fällt mir jetzt nach bald zwei Monaten auf! Mal sehen vielleicht lauf ich das jetzt in Zukunft öfter, ist auch ne ganz nette Strecke so. Nur von Hradcanska aus bis zum Wohnheim das dürfte sich ein bisschen ziehen. Da werd ich doch weiterhin auf die Tram zurückgreifen... Aber mal schaun, wenn ich mal Zeit und Lust habe, versuch ich das mal zu Fuß zu machen. Man dürfte so ne gute Stunde unterwegs sein, schätz ich jetzt mal...

Was gibt es sonst noch:

- Der Film heute erzählte vom Leben Prager Jugendlicher in den 70er Jahren, also zur Zeit der sowjetischen Besatzung. Manchmal bizarr, manchmal lustig, machmal bittersüß, oft bedrückend, aber leider auch ein bisschen träge und wenig pointiert, werden vier Heranwachsende von ihrem 16. bis zum 19. (?) Lebensjahr begleitet. Interessant, aber sicherlich nicht der Höhepunkt dessen was wir da bisher gesehen haben.

- Ach ja, die Midterm-Klausur in "Czech & Central European History" war ein A. Also ne 1. 58/60 Punkten :p... 'Nuff said.

- In der Nähe des Bethlehemsplatzes hängt hier eine Figur von Sigmund Freud an einem Arm von einem Träger, der weit in die Straße hineinragt. Köstlich. Trotz seiner bedrohlichen Situation hat er seine andere Hand aber ganz entspannt in die Hosentasche gesteckt.

- Der Drei-Bücher-Philosoph hat mich zu meinen "Gestapo"-Handschuhen beglückwünscht. Mal sehen, ob ich noch einen passenden Mantel und natürlich einen entsprechenden Hut auftreiben kann... :P

- Der Drei-Bücher-Philosoph (der Prager mit dem ich mich auf dem ersten Stammtisch so angeregt unterhalten habe...) heißt hier jetzt so, weil er drei imaginäre Bücher führt. Ein "rotes", indem sich wohl Vertraute und Vorbilder finden. Das umfasst unter anderen Rosa Luxemburg, Hegel und Karl Marx. Dann gibt es ein violettes - unentschiedenes - indem ich mich mit Lenin, Kant und der Schweizer Mathematikerin in exzellenter Gesellschaft befinde. Und schließlich eine schwarzes für Stalin, Engels z.B. oder die beiden Niederländerinnen vom Wochenende, die sich wohl allzu offensiv für ein allgemeines Rauchverbot aussprachen, was beim kettenrauchenden Drei-Bücher-Philosophen gar nicht gut ankam. Ich war auch schon kurz davor ins Schwarze Buch abzusteigen, konnte aber meine Mitgliedschaft in der Facebook-Gruppe "Wir wollen Reichskanzler von Bismarck zurück" als Satire plausibel machen und behalte daher meine entspannte Mittelmacht-Position ;).

- Morgen wir der Rest des Synagogentickets abgefeiert. Wäsche waschen muss ich auch noch und zudem sollte ich ernsthaft anfangen mich um den Kursbericht für das Blockseminar vom letzten Wochenende zu kümmern. Ach, wem mach ich was vor! Wird sowieso wieder Sonntagnachmittag bis ich das Ding wirklich schreibe! :P

Was habe ich heute gelernt: Mal von der Entdeckung des Laufweges nach Hradcanská abgesehen: Karl IV. hat tatsächlich die Anfertigung neuer Kronjuwelen in Auftrag gegeben und auch zur modernen Tschechischen Republik gehören noch Teile von Schlesien. Hätte ich das schon vor zweieinhalb Wochen gewusst hätte es in dem midterm Test 60/60 gehießen ;)

Was höre ich gerade: Es bleibt erstmal bei Muse. Und wenn man erstmal bei Muse angekommen ist, dann wird es wirklich zunehmend schwieriger noch etwas besseres zu finden... Tipps?

Dienstag, 15. November 2011

Christoph vs. the remains of the day

Was hat sich ansonsten noch in den letzten Tagen so zugetragen? Zeit für eine Collage ungeordeneter Erinnerungsfetzen:

- Donnerstag Abend bis Samstag Abend war ich tagsüber auf dem Blockseminar "Obscuritas in the Middle Ages". Drei Dozenten (Tschechien, Ungarn, Italien) haben in mehreren Blöcken v.a. Rätsel als obskure Schlüssel zu Konstitution von exklusiven Gruppen vorgestellt bzw. haben Obskurität als Problem beim Übersetzen aus dem Griechischen ins Lateinische und die damit verbundene Diskussion von Quintillian, über Hieronymus bis Leonardo Bruni vorgestellt. Beides erwies sich als ziemlich interessant und ließ sich überraschenderweise auch recht gut verzahnen. Besonders abgefahren fand ich die Isländische Skaldendichtung, die eine sehr metaphorische Sprache pflegt (Kenning). Ein Beispiel:

GAETIR GEIRASTÍGS: GAETIR ist der Wächter, GEIRA das Schwert, STÍGS meint Pfad. Wir haben also den Wächter des Schwertpfades. Nun muss man Schwertpfad als Schlachtfeld erkennen und man hat den Wächter des Schlachtfeldes und das wäre? Richtig, der "Krieger". So oder so ähnlich, sind die dann aufgebaut. Weiteres Beispiel, vom berühmtesten aller Skalden Egill Skalla-Grímsson:

That maelti mín módhir
at mér skyldi kaupa
fley ok fagrar árar,
fara á brott medh vikingum,
standa uppi stafni,
stýra dýrum knaerri,
halda svá til hafnar,
höggva mann ok mannan.

Frei übersetzt bedeutet es etwa: "Meine Mutter sagte mir ich sollte mir ein schickes Schiff und tolle Pferde kaufen, es mit Wikingern bemannen, und das wertvolle Schiff in einen Hafen steuern um dort den einen oder anderen Mann zu Mann zu töten". Also ganz lebensnahe Tipps von der Wikingermama an ihr Kleines... in your face Wickie! Außerdem vermute ich Ansätze zu einem frühen "Deine Mudder..."-Witzchen...

Das andere bemerkenswerte war eine hahnebüchene Theorie des italienischen Profs an dessen Ende er im Prinzip behauptete, dass Wolfram von Eschenbach, wegen ketzerischen Gedankenguts im Parzival, fast von der Inquisition verbrannt worden wäre. Da musste ich dann intervenieren, weil das.... das war einfach.... das ging einfach... das ging einfach zu weit. Aus einer Reihe von im Grunde nachvollziehbaren Annahmen
konstruierte der dann eine geradezu atemberaubende Ereigniskette: Wolfram war durch Robert de Boron beeinflusst, der Wiederum durch die Katharer, Wolfram nimmt also unreflektiert und ohne es zu wissen katharisches Gedankengut in seine Gralsthematik mit auf, das fällt den mächtigen Franziskanern/Dominikanern (?) am Hof des thüringischen Landgrafens auf, an dem Wolfram sich befindet, die weisen ihn darauf hin, Wolfram muss sich innerhalb seines Textes selbst revidieren - er lässt Trevrizent die frührere Beschreibung des Grals als "Unwahrheit" darstellen und ihn dann eine orthodoxere Beschreibung nachliefern - weil ihm - also Wolfram - sonst ein Ketzerprozess drohte.
Ja richtig! Warum auf Textebene nach einer intradiegetischen Erklärung suchen, wenn man auch so eine bizarre Kopfgeburt ausbrüten kann, um es zu erklären und es einem noch dazu in den akademischen Quark passt. Nochmal: Wir wissen next to nothing über Leben und Arbeiten Wolframs von Eschenbach, außer das was er in seinen Texten schreibt und von der Problematik aus literarischen Texten auf historisch-biographische Einzelheiten des Autors schließen zu wollen, fang ich hier gar nicht erst an. Und jetzt zaubert dieser Italiener diese abenteuerliche Geschichte aus dem Hut. Ich muss sagen ich war erstmal sprachlos. Hab dann ne Weile mit ihm rumverhandelt, bis er am Ende eingeräumt hat, dass es natürlich keinerlei Beweise oder auch nur seriöse Hinweise auf diese Theorie gibt... abzubringen war er davon nicht und ich könnte mich immernoch furchtbar drüber aufregen. Das es den Leuten so schwer fällt einfach mal zuzugeben, wie wenig wir eigentlich wissen und wissen können und sich immer verpflichtet fühlen, das ohne harte Anhaltspunkte derartig fantasievoll auszuschmücken...
Aber gut. Ansonsten war das Seminar sehr spannend und interessant und ich muss jetzt bis Sonntag einen Kursbericht schreiben, wenn ich meine Punkte haben will... mal sehen inwieweit ich diese Theorie berücksichtigen werde... :P

- Samstag und Sonntag durfte ich dann dankenswerterweise der Schweizer Mathematikerin helfen ihren internationalen Besuch zu bespaßen. Eine improvisierte Führung über den Altstädter Ring brachte überraschend viel hervor, ich war ENDLICH mal auf dem Alten Jüdischen Friedhof (sehr beeindruckend) sowie in der Pinkas- und der Altneusynagoge. Die anderen (Maisel, Spanische und Klaus) kommen auch noch dran, das Ticket ist noch bis nächste Woche gültig. Später haben wir es sogar noch auf den Altstädter Rathausturm geschafft! Spitzenaussicht, Spaßiger Aufzug mit Spiegel an der Decke was natürlich zu fotographischen Alberheiten einlud. Aber langsam lichtet sich das Feld der touristischen Sachen, die ich noch unbedingt hier machen muss... Ach ja, die Leuten waren auch sehr nett ;). Zwei Niederländerinnen wurden zu meinen persönlichen Heldinnen, als sie anlässlich einer kurzen Orientierungsverwirrung bei der Suche nach der nächsten Tramstation sangen "Where do we go from here?" und damit Gesprächsstoff für die nächsten eineinhalb Stunden lieferten... und dann war da noch die Sache mit dem Kinn... :P

- Habe gelernt, dass "Vêtrník" der Stadtteil in dem ich wohne und nachdem auch mein Wohnheim benannt wurde "Windrad" bedeutet. Ist das nicht süüüüüß?

- Der zweite Tschechisch-Text gestern lief ganz ok. Hab wohl wieder zu viele Leichtsinnsfehler gemacht... bin diese Art von Leistungserhebung nicht mehr gewohnt.... ;)

- Wir haben jetzt mit dem Akkusativ angefangen. Langsam, ganz langsam bekommen wir es mit seriöser Grammatik zu tun.

- Habe endlich das Finale von Staffel Vier von "Chuck" geguckt... Allerschönst, herzerwärmend, wunderbar unterhaltsam und ein John Casey in Hochform: "Russians! So many russians!"

- Am Montag war ich mit zwei ERASMUS-Damen im Kino und zwar in "Midnight in Paris" von Woody Allen. Ein sehr putziges, harmloses Filmchen mit einer lustigen Plotidee, um die zu goutieren man wohl ein größerer Paris-Narr (v.a. 20er Jahre & Belle Epoque) sein muss als ich es bin... aber die Inszenierung der auftretenden historischen Persönlichkeiten und Künstler waren köstlich amüsant und machen den Film ziemlich sehenswert... d.h. wenn man ein weiteres herbeigezaubertes und über Knie gebrochene Happy-End verkraften kann...

- Das Wetter in Prag war die letzten Tage knackekalt und sehr, sehr neblig! Man konnte z.T. kaum weiter als 10m sehen.... v.a. für den Taiwanesischen Zellengenossen ein klimatischer Kulturschock (?) "Is it going to be like that all winter? I've never seen snow before.... is that snow?".

- Es steht wieder ein langes Wochenende bevor. Das dritte in diesem Semester, so kann das gerne weitergehen... ;). Werde auf jeden Fall mal noch die übrigen Synagogen auf meinem Ticket abklappern, dann gibt es noch einige Zweigestelle der Narodní Galerie, die ich noch nicht gesehen habe (Antike, Barock, Moderne) mal sehen, ob ich mich motivieren kann und ob ich jemanden finde, der leichtsinnig genug ist mit mir in ein Museum zu gehen...

Was habe ich heute/die letzten Tage gelernt: Ganz ehrlich, ich glaube ich habe die letzten Tage mehr über das Leben, das Universum und den ganzen Rest gelernt als in den zwei Jahren zuvor...

Was ich gerade höre: Fragt mich nicht, wie ich dazu gekommen bin, aber irgendwie bin ich gerade bei System of a Down gelandet... However did that happen??? Ansonsten hab ich die letzten Tage noch viel The Killers gehört (vgl. letzter Eintrag), Tegan&Sara und natürlich Muse (und ja, ich weiss, dass das ein Cover ist).

Mittwoch, 9. November 2011

Christoph vs. Graf Rudolf

Zur allgemeinen Überraschung und Erleichterung eines ganzen Seminars, stellte sich der Vortragende für diese Woche (und die nächsten drei) , als ein sehr putziges, altes Männchen, von mindestens 100 Jahren heraus, das zwar auch etwas schwer verständlich spricht, aber dafür lebhaft und interessant vorträgt. So werden wir die kommenden Vorträge über Buchkultur am luxemburgischen Hof in Prag, denke ich ganz gut überstehen! Er hat Fragen gestellt, auf Nachfragen nicht völlig authistisch reagiert und versucht den Wissenshorizont seiner Zuhörer mit einzubeziehen. Was zu beunruhigenden Erkenntnissen auf dieser Seite führte: Kann es wirklich sein, dass von 15 Studenten aus Deutschland und Österreich nur einer weiß was die DFG ist?

Die anschließende Vorlesung über "Dt. Lit. vor 1700" war an und für sich ganz interessant, nur verstehe ich nicht so ganz warum er in einer Überblicksveranstaltung wie dieser, die knapp 900 Jahre deutsche Literaturgeschichte abdecken soll, eine ganze Doppelstunde für obskure Texte wie "Trierer Floyris","König Rother","Graf Rudolf" und auch den von mir ja sehr geliebten "Herzog Ernst" hernimmt. Sogar "Orendel" und "Salman und Morolf" haben es in seine ppt. geschafft...
Am Ende immerhin kamen wir noch kurz zu Hartmann von Aue und seiner "Klage", dem "Gregorius" und dem "Armen Heinrich", aber dennoch scheint es mir nicht ganz verhältnismäßig zu sein, Texten wie "Iwein","Erec" und "Parzival" dann genausoviel/wenig Zeit einzuräumen, wie den oben genannten... Hätte das ja anders organisiert, weniger auf Vollständigkeit, dafür bei den wichtigeren Texte auch mal ein bisschen ins Detail... aber naja... bin gespannt wie es das machen will, wenn wir mal ins 15.-17. Jhd. kommen...!

Uuuund ich habe endlich ein paar Leute aufgetrieben, die noch nicht auf dem Alten Jüdischen Friedhof und in den ganzen Synagogen hier waren (die sich DIREKT neben dem Fakultätsgebäude befinden) und so werden wir uns das hoffentlich am Sonntag Vormittag ansehen...

Ansonsten habe ich den gestrigen Tag damit verbracht eine Hausarbeit Korrektur zu lesen, die mir aus Bamberg zugeschickt wurde (bald fertig, keine Angst ;) und vergangene Woche aus IRGENDWELCHEN Gründen liegengebliebene Serien aufzuholen. Außerdem beginnt heute Abend ja das Blockseminar "Obscuritas in the Middle Ages" was zwar sehr interessant klinggt und worauf ich mich sehr freue, wofür ich aber auch noch einiges lesen muss (u.a. einen sehr... nunja obskuren belletristischen Text über Averroes...) Dieses Blockseminar wird mich auf jeden Fall die nächsten beiden Tag vollauf beschäftigen, mal sehen wann ich wieder zum Schreiben komme und wie einsatzfähig mein Hirn dann am Sonntag sein wird...

Was habe ich heute gelernt: Naja eigentlich vorgestern. Trotzdem: Wenn ein Tscheche sehr gut Deutsch spricht, dabei aber immer wieder nahtlose Tschechische Worte einbaut, nennt man das "Makkaronisch"... warum auch immer... lustig ist es allemal!

Was höre ich gerade: Einer Facebook Verlinkung folgend höre ich gerade Anita Lipnicka & John Porter, einem höchst interessanten und vielseitigen Englisch/Polnischen-Duo...

I wear scars
On my body, in my mind
They remind me
Of who I am
Got no place
To call my home
I live where I stand

Christoph vs. the Island


So, nun ist sie wieder fort. Nach fünf Tagen hessischer Hutfräulichkeit in meinem Prager Leben stürze ich wieder zurück in das was einem "Alltag" in dieser Stadt am nähesten kommt.
Rückblickend war es eine sensationell schöne Zeit, wir haben viel unternommen und gesehen, aber auch eine merkwürdige Episode, wie eine kleine Insel in der großen Insel meines Auslandaufenthaltes und es fällt schwer jetzt einfach wieder weiterzumachen. Es fiel auch schwer sich auf dieser Insel zunächst zurecht zu finden. Es zeigte sich, dass ich hier recht schnell und umstandslos wieder in alte vor-hutfräuliche Lebensformen zurückgefunden habe, hier, wo ich mein Leben nicht mehr tagein tagaus mit diesem sehr besonderen Menschen teile.
Zum einen liegt mir das als Lebensform sehr und hat sich hier in den letzten sechs, sieben Wochen bewährt. Ich genieße mein Einzelgängerdasein hier ja schon ein bisschen...;)
Zum anderen führte es auch zu Kollisionen und Diskussionsstoff. Doch diese Themen haben wir zum Glück rechtzeitig ansgesprochen und aus der Welt geschafft, so dass vier vollen Tagen von Museums-hopping (2x National Gallery), in Touristenfallen tappen (NIEMALS in Ujezd ins Hotelrestaurant "Zu den drei Kreuzen" gehen!), durch die Stadt Gerenne (Vysehrad, Neuer Jüdischer Friedhof, Petrin), Nilpferde und Pinguine bestaunen (Zoo) und Shopping (Andel) nichts mehr im Wege stand. So kam ich - mehr oder weniger zufällig - auch mal dazu das Grab eines gewissen Dr. Franz Kafkas zu besuchen, auch wenn das Grab als solches eher enttäuschend ist. Hatte schon etwas... interessanteres, erwartet als einen Obelisken...
Ansonsten war ich im Rahmen eines Seminars noch in der Bibliothek des Prämonstratenser Stifts Strahov, eine durch und durch beeindruckende Anlage vergleichbar vielleicht nur mit St. Gallen, mit Bibliothekssälen aus Barock und Klassizismus und einer fantastischen Sammlung. Könnten einen ganzen Beitrag nur über diese Biblothek schreiben.... u.a. haben sie da z.B. ein "Bücherrad" (eines von sieben oder so, die es in Europa noch gibt, vgl. Bild oben), eine Art spezialisierter Schreibtisch, den man seit dem 17. Jhd. nutzte, um Schriften zu kompilieren. Klare Sache, dass ich sowas jetzt auch brauch', man stelle sich vor wie viel Spaß Hausarbeiten schreiben aufeinmal machen würde, wenn man alle Literatur und Editionen einfach auf diesen praktischen Brettern ausbreiten und je nach Bedarf einfach rauf und runter drehen könnte! Jetzt brauch ich natürlich nur noch ein standesgemäßes Arbeitszimmer...

Ich muss mich leider kurz fassen, werde aber heute Abend nochmal schreiben. Die nächste Veranstaltung steht aber schon an, wieder ein Vortrag über Kultur im mittelalterlichen Böhmen. Mal sehen, was sie sich heute ausdenken, um die abgrundtiefe Schnarchigkeit der letzten drei Vorträge noch zu über bzw untertreffen...

Mittwoch, 2. November 2011

Christoph vs. the midterm

Heute vormittag hab ich mich gezwungen früh aufzustehen (also vor neun... mein Tagesrhythmus hat sich hier ganz schön nach hinten verschoben. Nie vor eins ins Bett, kaum vor neun wieder raus...) und mal ein bisschen was für die midterm Klausur zu lernen, die heute in "Czech and Central European History anstand. Konnte das nur schwer einschätzen. Der Dozent legt großen wert auf Jahreszahlen, was mir ja gar nicht liegt... aber gut, da musste ich dann durch, und habe Namen, Daten, Orte gepaukt. Es gelang mir auch fast ohne Ablenkung, bzw. ich hab es irgendwann geschafft mich immerhin nicht mehr fachfremd abzulenken.

Mittags war dann wieder eine Vorlesung in der Reihe "Kultur im mittelalterlichen Böhmen". Erinnert ihr euch noch, wie ich mich letzte Woche optimistisch geäußert habe, dass es nach den beiden völlig verschnarchten Vorstellungen in den letzten beiden Wochen eigentlich gar nicht mehr schlimmer kommen könnte? Nicht sehr genre savvy von mir, denn natürlich, sobald die Worte "Jetzt kann es ja nicht mehr schlimmer kommen", einmal geäußert wurden ist das Universum durch alle Gesetze von Narration und Dramatik dazu verpflichtet es schlimmer kommen zu lassen. Und - meine Fresse - heute hat das Universum aber geliefert. In Form einer mausgrauen, völlig verhuschten Paläographin, die uns was über die Entwicklung der Schrift in Böhmen erzählen wollte. An und für sich - mal wieder - nicht uninteressant. Aber dann sprach sie superleise, völlig ohne Intonation, guckte dauern nach unten oder irgendwohin, lief dauernd vor den Tischen hind und her und all dies TAT - SIE - UN - END - LICH - LAAAAAAAANG - SAM! Zwischen Anfang und Ende eines Satzes brachte sie gerne mal die gesamte Breite des Raumes und gönnte sich etwa zu jedem Komma eine Denkpause von gefühlten viereinhalb Minuten. Ihr Vortrag driftete ziellos vor sich hin, sie wiederholte sich zu allem Übel auch noch hundertmal und meanderte so durch ihre Gedankenwelt. STER - BENS - LANG - WEI - LIG!
Nun weiss ich ja zum Glück, dass Paläographie durchaus spannend sein kann (und das sage ich als Bamberg/Enzensberger-Geschädigter) und, dass die Beschäftigung mit dem Mittelalter (VIEL) mehr ist als das Schnüffeln an alten Pergamenten. Aber nun saßen da eben auch noch 14 andere Studenten, bei denen sich mal wieder ALLE Vorurteile über das Mittelalter und das Studium desselben bestätigt haben dürften. Dann hat sie auch noch versucht die Leute zur Mitarbeiten zu bewegen! Der Einzige, der sich dann erbarmt hat, war mal wieder ich... aber was erwartet sie auch, dass die Leute hier einfach mal anfangen gotische Minuskel oder Bastarda von furchtbaren Kopien runterzulesen?
Die Geschichte und das Studium des Mittelalters ist so spannend und hat soviel zu bieten und dann macht man hier in der akademischen Lehre so eine Schnarchnummer drauß. Sowas macht mich wütend, wütend, wütend! Wo ist Funny Eicky, wenn man ihn braucht? (A propos, für alle denen gegenüber ich noch nicht damit rumgeprahlt habe: In meiner letzten Hausarbeit- noch aus dem letzten Wintersemester - beim erwähnten Bamberger Mittealterprof habe ich zum spannenden Thema: "Fromme Stiftungen in Orient und Okzident: Das Heilig-Geist-Spital in Nürnberg und der Begräbnis-Khanqah al-Muzaffar Baybars in Kairo im Vergleich", eine 1,0! HAH!)
Manchmal vermisse ich Bamberg tatsächlich. Zumindest als Biotop für Mittelalter-Nerds wird man weiter gehen müssen als bis Prag, um etwas Besseres finden zu können...*soifz*

Danach war dann die Vorlesung über Höfische Literatur (Minnesang und Frühe Epik) fast ein Genuss. Obwohl auch hier alles schonmal gehört gewesen. Danach bin ich noch zur Post, um ENDLICH mal den ganzen Papierkram nach Bamberg auf den Weg zu schicken. In Erwartung eines umständlichen, bürokratischen und servicefeindlichen Spießrutenlaufes hab ich mir extra die Schweizer Mathematikerin als tschechischsprachige Verstärkung mitgenommen, doch - siehe da - es war - einfach! Hin, Umschlag abgeben, Geld für Briefmarken zahlen, fertig. Wie in der Heimat. Wundervoll!

Kaum erwähnenswert war dann noch die midterm-Klausur am Abend. Bei Fragen von der Qualität "Welche historischen Landschaften gehören zu Tschechien" oder "Streichen sie durch welche Institutionen/Gebäude/Gegenstände nicht von Karl IV. gestiften/errichtet/angefertigt wurden" oder aber auch "Beschreiben sie den Begriff 'Defenestration' mit einigen Worten" (im Ernst? Ich mein... wtf?) wurde mir klar, warum der Dozent sich in der zweiten Woche so wortreich bei mir für die Qualität des Kurses entschuldigte. Auf jeden Fall hab ich mich in meiner Herangehensweise so wenig wie möglich zu lernen voll und ganz bestätigt gefühlt. Nur beginne ich mir langsam, ganz langsam Sorgen um mein akademisches Niveau zu machen... naja, zum Glück lern ich ja noch Tschechisch und hab das Amerika-Seminar...
Dafür gehen wir mit dem Dozenten am Montag in die Bibliothek des Klosters Strahov hier in Prag. Der Dozent ist da nämlich auch noch Bibliothekar und bei der Bibliothek handelt es sich um eine der ältesten, bedeutendsten und schönsten in ganz Tschechien! Da hüpft das Mittelalternerd-Herz!

Morgen kommt dann die Allerschönste Hutfrau und bleibt bis Dienstag! Weiss also nicht wie bald ich hier wieder zum Schreiben komme. Aber sorgt euch nicht, ihr könnt mit gutem Gewissen davon ausgehen, dass es mir nicht schlechter geht, als sonst in den letzten Wochen. ;)

Was habe ich heute gelernt: Dass es immer auch noch schlimmer geht. Gerade bei Vorträgen zu mittelalterlicher Paläographie. Und ja, das hat mich überrascht!
Naja und zusätzlich hab ich mir heute noch die gesamte tschechische Geschichte vom späten 9. bis ins frühe 17. Jhd. ins Hirn gekippt... mal sehen wieviel das am Ende wert ist...

Was höre ich gerade: Dasselbe wie gestern. Ansonsten ein bisschen Tom Waits oder Anna Calvi...

PS: Ich weiss nicht genau, wie die rechtliche Situation ist, aber ich glaube jetzt wo ich hier Sachen verlinke muss ich mich auch davon distanzieren oder so. Es gibt auch irgendeinen klugen Paragraphen, der das besagt und auf den ich mich jetzt hier berufen sollte. Also... *räusper* hiermit distanziere ich mich ausdrücklich von all den kreativen Großartigkeiten, wichtigen Informationen und wundervollen Fundstücken, die ich hier verlinke. Ich bin weder für die Recherchearbeit, noch sonstige Geistesleistungen dahinter in irgendeiner Weise verantwortlich und will das auch gar nicht sein. Und da dieses Blog hier schätzungsweise fünfeinhalb Leute verfolgen, will ich es jetzt damit gut sein lassen...


Dienstag, 1. November 2011

Christoph vs. excessive linking

Es ist vollbracht:


Alle. Unterschriften. vereint.


Das erfüllt mich mit einem Gefühl tiefer Zufriedenheit und hohen Triumphes. Morgen geht der ganze Mist mit der Post raus! Mehr gibt es zu heute eigentlich nicht zu sagen :)

Außer vielleicht, dass mein kleiner Vortrag zum Nibelungenlied wohl erst nächste Woche stattfindet, wobei ich das Seminar auch heute schon (Minnesang, Gottfrieds Literaturexkurs) ziemlich monopolisiert habe... manchmal fühl ich mich da ja gar nicht wohl bei, aber ich finde das immer zuuuuu unangenehm, wenn das GAR keiner was sagt und alle nur ratlos gucken... und ich kann da schon immer was zu sagen... fragt sich halt, wie klug das dann immer ist. Naja...

Im Tschechisch-Kurs haben wir ausführlichst Adjektive geübt, was auch bitter nötig war. Der Test ist ganz gut gelaufen, hab nur nen Haufen Leichtsinnsfehler gemacht, das ärgert einen dann doch...

Zwischenrein war ich mit dem Herrn Philosophen vom Stammtisch in einer Kneipe zu einer vergnüglichen Diskussion über Kommunismus, Deutsche Politik und Hannah Arendt. Wie immer sehr anregend und ich hab ein tolles neues Bier entdeckt: Bernard. Mit richtigen Bernhardinern im Wappen! Nur vollgeraucht war es da wieder... alles stinkt und dieses urrrrrks-Gefühl im Rachen, wo der Passivrauch sehr aktiv reinkriecht... äkälich!

Nur der Stammtisch heute abend war dann nicht so dolle... war eine andere Kneipe, weniger Leute d.h. v.a. viele Leute von den letzten beiden Wochen nicht da. Die erste Stunde war ich der einzige, der kein Tschechisch sprach, was ein bisschen anstregnend war, wenn man sich dann immer auf deutsch dazwischen drängen zu müssen. Lustig war nur die Anekdote eines Tschechen der erzählte, dass er in Deutschland einem Mädchen ein aufrichtiges Kompliment machen wollte, sich aber idiomatisch Vergriff, als er ihr versicherte:"Im breitesten Sinne des Wortes hast du eine sehr gute Figur."
Aber ansonsten blieb es irgendwie eher lahm...
Zum Glück war ich nicht der Einzige, der das so sah und so geriet der vergleichsweise frühe Heimweg mit meinem Waschmaschinenretter und seiner Freundin ins wunderhübsche Wohnheim zum nettesten Teil des Abends... ;-)

So zur Erweiterung meines kleinen Blog-Unterfangens hier, hab ich mir überlegt zwei kleine Kategorien jeweils am Ende einzuführen.

Erstens: "Was habe ich heute gelernt", weil am Ende bin ich ja doch hier um was zu lernen und in meinem angestrebten Berufsfeld geht es ja v.a. darum: Lernen, lernen, jeden Tag lernen. Aber keine Angst, ich begnüge mich mit einem bemerkenswerten (oder auch nicht) Detail, keinen dreien und ich fange auch nicht an Spielleute abzustechen und ihnen ihre Stiefel zu klauen oder Versicherungskaufleute zu vergiften (Ja richtig, irgendwo hier verbirgt sich eine sehr subtil versteckte SOIAF Anspielung...)

Als zweites: "Was höre ich gerade", weil das was ich gerade höre, einfach zu toll ist, um es nicht zu teilen!

Also:

Was habe ich heute gelernt?: Die fünf Stufen der Entstehung einer Rede (Officies) in der klassischen Rhetorik: Inventio, Dispositio, Elocutio, Memoria, Pronuntiatio/Actio! Solche Wissensbrocken zu verinnerlichen ist wichtig, das Rumspuckpotential zu späteren Gelegenheit ist ENORM!

Oh und ich habe gelernt wie man hier Links einfügt. Das wird mir - und euch - noch leid tun... ;) Man kann so viele schöne Dinge verlinken...

Was höre ich gerade?: Ich höre zu Musik gewordene Großartigkeit! Nichts geringes. Ein hochklassiges Ratespiel auf der Pinnwand meines jüngsten Bruders brachte mich dazu, mal wieder in Anais Mitchell's Konzeptalbum "Hadestown" von 2010 reinzuhören, das ich zum letzten mal vor etwa einem Jahr angehört habe, also kurz nachdem es rauskam... mir aber aus irgendwelchen Gründen nie gekauft habe... Narr, der ich war! Es handelt sich um eine Verarbeitung des Orpheus&Eurydike Stoffes im schönsten Americana-Stil. Mal mitreissender Gospel, mal leidenschaftliche Arie, mal schmissiger Country, oft einfach herzzerreissend aber immer schlicht und einfach großartig, alle reinhören! In der vielleicht großartigsten Nummer wird in einer Art Wechselgesang zwischen Hades und seinem Gefolge, mit Tom Waitseskem Geraune die ganze Paradoxie der US-amerikanischen Angstneurose seziert (ähnlich gut - wenn auch völlig anders - hat das bisher eigentlich nur Michael Moore geschafft).
Den Rest einfach zusammensuchen, in einer Playlist arrangieren und genießen. Es macht Laune, es kribbelt, es kracht, es schmerzt!

Hey little songbird, give me a song!
I'm a busy man and I can't stay long.
I got clients to call, I got orders to fill,
I got walls to build, I got riots to quell,
and they're giving me hell back in Hades.

Oh und morgen steht die midterm Klausur am CIEE an... ich sollte langsam anfangen zu lernen...