So, nun ist sie wieder fort. Nach fünf Tagen hessischer Hutfräulichkeit in meinem Prager Leben stürze ich wieder zurück in das was einem "Alltag" in dieser Stadt am nähesten kommt.
Rückblickend war es eine sensationell schöne Zeit, wir haben viel unternommen und gesehen, aber auch eine merkwürdige Episode, wie eine kleine Insel in der großen Insel meines Auslandaufenthaltes und es fällt schwer jetzt einfach wieder weiterzumachen. Es fiel auch schwer sich auf dieser Insel zunächst zurecht zu finden. Es zeigte sich, dass ich hier recht schnell und umstandslos wieder in alte vor-hutfräuliche Lebensformen zurückgefunden habe, hier, wo ich mein Leben nicht mehr tagein tagaus mit diesem sehr besonderen Menschen teile.
Zum einen liegt mir das als Lebensform sehr und hat sich hier in den letzten sechs, sieben Wochen bewährt. Ich genieße mein Einzelgängerdasein hier ja schon ein bisschen...;)
Zum anderen führte es auch zu Kollisionen und Diskussionsstoff. Doch diese Themen haben wir zum Glück rechtzeitig ansgesprochen und aus der Welt geschafft, so dass vier vollen Tagen von Museums-hopping (2x National Gallery), in Touristenfallen tappen (NIEMALS in Ujezd ins Hotelrestaurant "Zu den drei Kreuzen" gehen!), durch die Stadt Gerenne (Vysehrad, Neuer Jüdischer Friedhof, Petrin), Nilpferde und Pinguine bestaunen (Zoo) und Shopping (Andel) nichts mehr im Wege stand. So kam ich - mehr oder weniger zufällig - auch mal dazu das Grab eines gewissen Dr. Franz Kafkas zu besuchen, auch wenn das Grab als solches eher enttäuschend ist. Hatte schon etwas... interessanteres, erwartet als einen Obelisken...
Ansonsten war ich im Rahmen eines Seminars noch in der Bibliothek des Prämonstratenser Stifts Strahov, eine durch und durch beeindruckende Anlage vergleichbar vielleicht nur mit St. Gallen, mit Bibliothekssälen aus Barock und Klassizismus und einer fantastischen Sammlung. Könnten einen ganzen Beitrag nur über diese Biblothek schreiben.... u.a. haben sie da z.B. ein "Bücherrad" (eines von sieben oder so, die es in Europa noch gibt, vgl. Bild oben), eine Art spezialisierter Schreibtisch, den man seit dem 17. Jhd. nutzte, um Schriften zu kompilieren. Klare Sache, dass ich sowas jetzt auch brauch', man stelle sich vor wie viel Spaß Hausarbeiten schreiben aufeinmal machen würde, wenn man alle Literatur und Editionen einfach auf diesen praktischen Brettern ausbreiten und je nach Bedarf einfach rauf und runter drehen könnte! Jetzt brauch ich natürlich nur noch ein standesgemäßes Arbeitszimmer...
Ich muss mich leider kurz fassen, werde aber heute Abend nochmal schreiben. Die nächste Veranstaltung steht aber schon an, wieder ein Vortrag über Kultur im mittelalterlichen Böhmen. Mal sehen, was sie sich heute ausdenken, um die abgrundtiefe Schnarchigkeit der letzten drei Vorträge noch zu über bzw untertreffen...
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