Nach einem langen Wochenende am gefühlten anderen Ende Europas hat Prag mich jetzt wieder und ich musste erstmal einigen Schlaf und ein paar Episoden nachholen (btw: Die neue Staffel von SHERLOCK ist streambar!!! Habe soweit die ersten beiden Folgen gesehen und bin völlig hin und weg!).
Verschlagen hat es mich mit Bears nach Bern, ihre Mutterstadt und Namenstante, wenn man so will, außerdem Wohnort ihrer Eltern und Standort eines bemerkenswerten spätmittelalterlichen Münsters. Nach 14 Stunden und einer langen Nacht im Zug (durch Dunkeldeutschland über Dresden, Leipzig, Erfurt, Fulda, Frankfurt, Mannheim, Karlsruhe, Freiburg schließlich nach Basel und von dort mit der Schweizer Bahn eine weitere Stunde bis nach Bern) war der ersten Eindruck der Schweiz erstmal ernüchternd: Wenn ich nach Nürnberg reinfahre, sieht das genauso aus. Schnee und Berge waren nirgends zu sehen und ich begann bereits innerlich wieder liebevoll gepflegte Vorurteile zu bestatten - I seem to be doing that a lot these days....
Anfangs herrschte natürlich großes Sprachen-Wirrwarr meinerseits. Nachdem ich als Bundesdeutscher versuchte mit den Schweizern am Bahnhofsschalter auf Tschechisch Kontakt aufzunehmen übernahm meine eingeborene Führerin in fließenden Berndeutsch erstmal die grundlegende Kommunikation. Aber auch bei meinen schweizerischen Gegenübern sorgte der Deutsche, der sich ein schweizerisches Halbtax-Ticket (sowas wie ne Bahncard) kaufte und eine tschechische Adresse und Nummer angab, für einige Verwirrung. Irritierenderweise wurde dann auch noch Französisch in den Mix gebracht, da man hier "merci" und "adieu" sagt.
Es ging natürlich weiter mit der babylonischen Verwirrung: Alles ist überall mindestens drei (Deutsch, Französisch, Englisch), wenn nicht viersprachig (plus Italienisch). Jede Durchsage ein kleiner Sprachkurs für sich. Und anders als die inzwischen legendären Bemühungen der Deutschen Bundesbahn sich polyglott zu geben, wurde hier natürlich jede Durchsage in jeder Sprache perfekt (soweit ich das mit rückläufigen Französisch- und nicht vorhandenen Italienischkenntnissen sagen kann) vorgetragen. Mit gewisser Erleichterung konnte ich also zumindest ein liebgewonnenes Klischee vor der unzeitigen Bestattung bewahren.
Nebenbei: Schweizer Geld sieht unfassbar ulkig aus. Aber einer Währung die aus Franken und Rappen besteht, verzeiht man jede optische Eigenwilligkeit.
Nach fürsorglichster und großzügigster Bewirtung durch Bears' Mutter (in einem fantastisch kitschigen 2000 Seelen Örtchen, ca. 20 km von Bern entfernt liegend) ging es dann nach Bern, wo das volle Programm aus Bundeshaus und Bundesplatz (unter dem das Schweizer Gold liegt!), Münster, Matte, Bärengraben (keine Bären in Sicht), Rosengarten (keine Rosen in Sicht) und Kramgasse gefahren wurde. Stilecht haben wir Maroni gegessen und uns in einem Studentencafé mit einigen Freunden von Bears getroffen, wobei man sich erstmal über die Umgangssprache (Deutsch, Berndeutsch, Englisch) einigen musste - zu meiner Erleichterung wurde es Hochdeutsch.
Bern selbst ist eine wunderhübsche, sehr schön erhaltene Stadt, die ich mir gelegentlich auf jeden Fall noch einmal genau ansehen werde. Die Uni hingegen (zumindest die ExWi - Exakten Wissenschaften) verströmen eher Parkhaus und Bildungsbunker Charme. Da Lob ich mir doch unsere Innenstadtuni!
Um das Schweiz-tutorial für diesen Tag abzuschließen gab es am Abend - richtig - Käsefondue! Schmeckte besser als erträumt, machte unfassbar satt und am Ende musste auch niemand in den See mit einem Gewicht an den Füßen.
Am nächsten Tag haben wir den Gurten, den Berner "Hausberg" erstiegen (mit der Bergbahn). Dort musste erneut (vgl. Mála Skála) diskutiert werden, was denn nun ein Berg sei und ab wann ein Spaziergang zu einer Wanderung werde. Offensichtlich hat mal eine gemeinsame niederländische Freundin auf dem Gurten ganz stolz der Mutti zu Hause verkündet auf einem "actual swiss mountain" zu stehen, was natürlich unter den Schweizern zu pikiertem Kopfschütteln führte. Immerhin hatte man von dort aus nicht nur einen tollen Blick über die Stadt, sondern man konnte im Süden am fernen Horizont auch ein paar "ACTUAL swiss mountains" bewundern. Dort ragten nämlich die Berner Alpen um Eiger, Mönch und Jungfrau auf. Echte Berge, auch nach schweizer Standards.
Am Abend wurde dann im familiären Kreis Bears' Geburtstag gefeiert. Tja, das bedeutete für mich jede Menge Vorstellungen, Fragen, neue Namen und Gesichter. Es erwies sich aber als überaus angenehme und sehr erträgliche Runde, eine Spanische Inquisition fand nicht statt und ich denke ich habe es geschafft einen nicht völlig unerträglichen Eindruck zu hinterlassen. UFFZ! Am Tisch herrschte ein buntes durcheinander aus Hochdeutsch, Berndeutsch und Tschechisch und ich ging mit den Eindruck zu Bett, dass es von Bern nach Prag eigentlich deutlich weniger als 14 Stunden Zugfahrt sein müssten.
Am dritten Tag sind wir dann mit Bears' Eltern wandern (andere würden wohl "spazieren" als Terminus Technicus vorziehen) gegangen, zu einem nahen Aussichtsturm, von dem man das gesamte Land zwischen dem Schweizer Jura ("dahinter ist Frankreich") und den Berner Alpen (s.o.) überblicken kann. Seeeeehr beeindruckend. Am Ende hatte die Schweiz also doch noch zumindest was die Berge anbelangt, geliefert :).
Jetzt 14 weitere Stunden Zugfahrt später sitze ich wieder im heimischen Kolej und sehe einigen entspannten Wochen entgegen, in denen sich im schlimmsten Fall Freizeitstress einstellen dürfte. Wirklich müssen, muss ich nur die Unterschriften für meine jeweiligen Noten auftreiben, damit ich die nach Bamme weiterleiten kann, damit man mir dort glaubt, dass ich hier auch etwas tue ;-).
Es gefällt mir was du tust und ich hoffe ich kann in naher Zukunft einen Besuch bei dir Ankündigen. Den selben Eindruck über die Schweiz hatte ich auch, doch in nur einer kurzen Zeit hat sich das geändert, obwohl dort alle Französich gesprochen haben.
AntwortenLöschenDas Mutterschiff kann mich korrigieren - ich glaube es war in Virginia, im Shenandoah national park als wir auf einen berg stiegen und mit den Worten "so, you are from germany? then this mountain means NOTHING!" begrüßt wurden. "Yes. And i have never been to Switzerland!" war die Antwort.
AntwortenLöschenUnd viel wichtiger: "Na Obelix? Wie ist Helvetien denn so als Land??" "Flach."
NOCH wichtiger: "Ich hab zum dritten mal mein Brot verloren!" - "In den See! In den See."
Ach, das Leben ist kein Asterixcomic.
ja und wir haben da in flip-flops ne gruppe amerikanischer studenten in bergschuhen überholt...
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