Meine Fresse was für eine Wochenende! Tag und Nacht verschwommen, Zeit und Raum hörten irgendwann auf eine Rolle zu spielen und wann gestern aufhörte, ob heute nicht eigentlich schon morgen, oder gestern nicht eigentlich schon vorgestern war, wurde zunehmend unklar.
Es begann mit hohem Besuch aus Bamberg. Als einzige der groß angekündigten WG-Delegation hat es dann doch das Frollein D. geschafft - wenn auch nur für wenige Stunden - im schönen Praha vorbeizuschauen. Nach einem ausgedehnten Spaziergang durch die wichtigsten Ecken (Hradcanská, Malá Strana, Karlsbrücke, Uni, Altstädter Ring, Namestí Republiky, Wenzelsplatz, Clementinum) haben wir dann Bears von ihrer Mathe-Schicht in der Biblithek desselbigen erlöst, um dann in Zizkov an bewährter Stelle angemessen tschechisch zu Abend zu tafeln und Bier zu verköstigen (geht einfach nichts über Master-Bier... außer vielleicht Kozel... oder Bernard...). Danach dann noch eine Runde ins K4, wo sich eine studentische Bastelgruppe breit gemacht hatte (Erläuterung: Das K4 ist eigentlich eine ganz coole Kneipe, gut vor Touristen und anderen Ahnungslosen Publikum unter einem Unigebäude versteckt. Eigentlich soll es dort, nach Worten Bears' "normalerweise" sehr cool sein, aber irgendwie scheint nie "normalerweise" zu sein, wenn wir dort aufkreuzen. Von Senior-Rockbands, über Vorträge zu Genese des gay-pornos, über obskure Nikolaus-und-Hundefutter-Parties, bis hin zu Bastelgruppen, haben wird dort schon alles beobachten dürfen...).
Da das Frollein D. am nächsten Tag um 13.30h bereits wieder in Würzburg (also im tiefsten Deutschland) am Bahnhof sein musste, hab ich sie am nächsten morgen - mit kaum vier Stunden Schlaf - in meinem Wohnheim abgeholt und zum Bahnhof eskortiert, nur um mich danach wieder in Bears' Wohnheim einzuschleichen, wo dann versucht wurde ein bisschen Schlaf nachzuholen, was den Tag völlig fragmentierte. Besser wurde es nicht dadurch, dass wir Abends auf so eine Art Privat-Seminar der "Hm-es-ist-kompliziert-Freundin" des Drei-Bücher-Philosophen eingeladen waren (Im Folgenden: Die Tschechin deren Antlitz der Schiffe Tausend rief!). Es ging darum wie Sprache unser Denken beeinflusst - natürlich auf Tschechisch. Während Bears daher gleich zu Beginn hinging, entschloss ich mich erst zum gemütlichen Teil des Abends nachzukommen. Allerdings war ich dann doch - trotz großzügiger Zeitplanung - zu früh da und habe mir noch zwei tschechische Vorträge anhören können in denen es wohl um nordische Mythen (u.a. um die Länge des Nibelungenliedes) ging und zum Höhepunkt den des Drei-Bücher-Philosophen, der sich an einer Volkspsychologie der Deutschen Sprache versuchte, und natürlich zu dem Schluss kam, dass die Deutsche Sprache einen intrinsischen Ödipuskomplex hat mit Hitler als ridiküler Vaterfigur. Weil man ja nicht über die Deutsche Sprache und Kultur diskutieren kann und darf ohne wenigstens einmal Hitler als Ursache, Ergebnis oder am besten beides gleichzeitig zu präsentieren :P.
Die Tschechin deren Antlitz der Schiffe Tausend rief, hatte mir, um mich über die mir unverständlichen tschechischen Vorträge hinweg zu trösten, ein bisschen leichte - deutsche - Lektüre in die Hand gedrückt: Der Briefwechsel von Freud und Jung neu ediert und zusammengestellt. Überraschend spannend :P.
Wie dem auch sei, nach dem erhellenden Vortrag des Drei-Bücher-Philosophen begann mit einem riesigen Topf Chilli der gemütliche Teil des Abends. Die Erinnerungen verschwimmen ab diesem Punkt zunehmend. Ich erinnere mich nur noch an einen wachsenden Berg Weinflaschen, eine beherzte Sammelaktion, um noch mehr Wein kaufen zu können, als die Vorräte sich dem Ende zu neigten, an den Drei-Bücher-Philosophen der sich als überraschend begabter Gitarrespieler und Sänger erwies, als er kommunistische Kampflieder anstimmte und dann das langsame hinübergleiten in einen Dämmerzustand so ab 5 Uhr am Morgen. Gegen halb zehn erwachte ich mich Weinkater im Kopf, Muskelkater in den Beinen und in Embryonalstellung zusammengekauert vor dem Sofa auf dem Bears sich inzwischen breit gemacht hatte und mich im Laufe der "Nacht" (Wann auch immer die stattfand) gänzlich verdrängt hatte. Die Wohnung glich einem Schlachtfeld, die gefallenen Alkoholbehältnisse gingen in die Hunderte und lagen überall verstreut umher, wie die Körper in treuer Pflichterfüllung niedergeschossener Soldaten. Weißgraue Asche und der Gestank von erkaltendem Rauch lag beissend über dem erschütternden Panorama, das sich mir bot, als ich mich aus meinen Fleece-Decken wurstelte und ich hätte mich nicht über das Wrack einen rauchenden Kampfpanzers im Flur gewundert. Vor meiner Nase lag jedoch nur ein Schlüssel mit einem Zettel der uns anwies uns doch selbst rauszulassen, sobald wir wach seien, während der Drei-Bücher-Philosoph den Geräuschen nach, die aus seiner Kammer tönten, gerade in seinen Träumen gerade begann die ersten Anzeichen eines ernsten posttraumatischen Stress-Syndroms zu bekämpfen. In der Küche fand ich dann ein gänzlich menschliches Opfer der letzten Nacht, auf der Schlafcouch daniedergestreckt, schnarchend vor. Bears und ich haben uns dann so gegen Mittag aus der Wohnung gelassen, um uns irgendwo, irgendwas zu Essen zu suchen, was dann auch irgendwie erfolgreich war, auch wenn es am Ende nur darum ging, schnell wieder in ein ordentliches Bett zu kommen, um zumindest noch ein bisschen seriösen Schlaf zu bekommen.
Zurückblickend komme ich nicht um den Eindruck herum, dass dieses Wochenende irgendwie mehr als drei Tage und zwei Nächte hatte... es war im bestenes Sinne des Wortes "very weird". Solche Tage (und Nächte) sind es die meine Zeit hier unvergesslich und zu einem großartigen Erlebnis machen. Danke an alle beteiligten, es war eine Ehre, ein Vergnügen und nur manchmal ein bisschen merkwürdig ;).
Ansonsten:
- Aufgrund organisatorischer Verwirrungen seitens des Dozenten, hat sich der Abgabetermin für mein Paper um zwei Tage nach vorne verschoben! Yay! Einige Aufsätze habe ich schon aufgespürt, ein paar weitere werde ich jetzt einsammeln. So etwas wie einen OPAC mit Internetausleihe scheint es hier nicht zu geben, dafür nicht weniger als 20 Departmental Libraries über die ganze Stadt verstreut, in denen ich mir jetzt meine hoffentlich hilfreichen Titel zusammen suchen darf :P. Montag Abend muss das Ding fertig sein: 10 Seiten. Bisher hab ich nur kopiert und recherchiert :P. Es läuft auf ein langes Wochenende im Lesesaal des Clementinums hinaus...
- Bears und ich planen/planten einen Feuerzangenbowle-Abend für den Drei-Bücher-Philosophen und die Tschechin, deren Antlitz der Schiffe Tausend rief. Gerade droht er jedoch an deren strammen Stundenplan zu scheitern...
- Am Donnerstag wird hier Goethe-Institut von einigen Deutschen und Tschechen, die ich vom Stammtisch her kenne, "Der Besuch der Alten Dame" von Dürrenmatt gespielt. Leider war ich dieses Semester zu spät um selbst mitzuwirken (nächstes mal!), aber wir werden uns das auf jeden Fall ansehen!
- Außerdem geplant ist ein Besuch in der Ceska mse vánocní von Jan Jakub Ryba, weil man das hier zu Weihnachtszeit eben so macht.
- Mittwoch in einer Woche entschwindet Bears nach Bern. Ich einen Tag und eine Klausur später ins lauschige Oberfranken! Yay, Weihnachten! :P
tststs...
AntwortenLöschenzwei kinder - zwei orte - ein absturz...
It was a good week for the people of our clan.
AntwortenLöschenAll hail mighty Dionysos!
Ruhm und Ehre für unser Haus! Qua'plah!
AntwortenLöschenzwei kinder - zwei orte??? hat der valle sich auf zamgelassen???
AntwortenLöschenIch bin ein bisschen beleidigt, dass du seinen Blog liest, aber meinen nicht...
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