Tschechisch lief heute sehr gut, sehe dem Test am Donnerstag recht gelassen entgegen. Wir haben Adjektive gelernt und was wäre da besser geeignet, um mit Adjektiven einzusteigen als - richtig - Farben! (Beispiel: Gelb heißt "Zlutá" Hájek über "Z", wird also gesprochen wie "schlutaa". Steht es vor einem Maskulinum - wie z.B. banán [Ja es heißt "der Banane"] wird es zu slutý, womit wir in meiner naiven Lesweise bei einer "slutty banana" angekommen waren, was zu infantilen Kichern und störendem Konzentrationsdefizit meinerseits führte...)
Danach bin ich mit der Finnin mit dem Pferdenamen in so eine Art Mensa für Touristen gegangen, in der man traditionelle böhmische Küche für sehr gemäßigte Preise zu futtern bekommt! Sehr empfehlenswert!
Das "Deutsche Literatur vor 1700" Seminar war heute sehr... merkwürdig und auch ein bisschen anstregend. Ich hab immer den Eindruck der Dozent möchte immer eine Sache, ein Schlagwort oder was auch immer hören. Da reicht es nich das zu umschreiben, oder mit einer anderen Terminologie das selbe zu bezeichnen, sondern er möchte das hören und nichts anderes. Ich sage also etwas zum Thema, er sagt "Ja, aber eigentlich..." und führt das dann weiter aus und am Ende denke ich mir "Hm und wo war das jetzt was anderes als das was ich gesagt habe, nur halt mit anderen Worten?!?". Mag solche hermetischen Fragestellungen nicht. Zudem ist mir aufgefallen wieviel ich im bereich "Mittelalter" voraussetze. Der Dozent ist wie verrückt drauf rumgeritten, dass es im Mittelalter die moderne Einteilung "weltlich / geistlich" nicht gibt und hat davor gewarnt diesen Gegensatz etwa im Prolog des Rolandsliedes zu sehen. Ich saß nur da "Hö? Gegensatz, wo denn? Herrschaft ist doch IMMER religiös". Ich denke da sehr mittelalterlich bzw. es ist bei mir genau andersherum. Ich muss mir nicht nochmal extra die Wirksamkeit mittelalterlicher Denkmuster bei der Betrachtung eines mittelalterlichen (!!!) Textes vergegenwärtigen... womöglich dafür bei einem modernen Text sehr wohl nochmal drüber nachdenken, dass wir jetzt einen völlig anderen geistesgeschichtlichen Hintergrund haben, der für "normale" Germanistikstudenten (also NDL-Püppchen) Standard ist. Scheint so als funktioniere mein analytisches Denken innerhalb mittelalterlicher Horizonte. Womit sich die Frage stellte, ob man es dann noch als "analytisch" bezeichnen darf...
Der Stammtisch im Anschluss war wie letztes mal wieder sehr amüsant. Völlig ohne auf die Uhr zu gucken ziehen Biere und Stunden nur so an einem vorbei und man unterhält sich über Nationale Stereotypen, ob sich diese in bestimmte Sexualpraktiken umsetzen lassen, inwieweit man Hegels Europäische Trinität im Prinzip auch einfach auf Kloschüsseln reduzieren kann, die Vorzüge und Nachteile von Weißwurst und leuchtet das weite semantische Feld Pfannkuchen/Eierkuchen/Berliner/Krapfen aus. Außerdem hab ich mir von einem Tschechen erklären lassen (müssen), warum Sätze wie "Der Brief wird schreiben gekonnt haben werden" (??? Bin mir nicht mehr ganz sicher, muss mir das nochmal aufschreiben lassen), dank sprachlicher Gemeinheiten wie Futur II und Ersatzinfinitiv, grammatikalisch völlig korrekt sind. Offensichtlich schreibt man über sowas in Deutscher Linguistik Hausarbeiten (Hallo lieber Lexer! Hab ich dich heute schon geknuddelt und geküsst? Was ist es nicht schön in der ÄDL!) Das machte massives Hirn-Aua. Für (noch) mehr Hirn-Aua sorgte die Schweizer Mathematikern, die gelegentlich erzählte (wie auch immer wir auf DAS Thema gekommen sind), dass man mathematisch beweisen kann, dass wenn man 10+100+1000+10.000+100.000+1000.000+usw.usf. unendlich oft addiert ( oder war es multipilziert?) das Ergebnis gegen (brace yourselves!) - 1/9 geht!!!! Und wegen solchen Sachen kann ich dann nicht einschlafen!!!
Womit ich weiterhin aber gar nicht klarkomme ist das ständige und allgegenwärtige Rauchen bei solchen Gelegenheiten um mich herum. Gerade hatte meine Jacke aufgehört zu stinken, jetzt sitzt das Zeug wieder drin. Mein Rucksack ist eigentlich nicht mehr tragbar und muss zwei Tage auslüften, meine Hose ebenfalls (meine letzte lange Hose!). Beißender Teer und juckendes Nikotin ist in meinen Augen, meinem Mund, meinen Haaren und meinen Kleidern (!!!)... bääääh ich muss DRINGEND duschen... so ins Bett gehen, geht gar nicht. Das vermisse ich wirklich an Deutschland: Rauchfreie Clubs und Kneipen... Aber sicherlich wir auch diese Errungenschaft Deutschen Wesens bald erfolgreich exportiert, und wenn sie dann noch den Euro annehmen, dann dürfen sie endlich das machen, was sie seit 20 Jahren anstreben: Sich in Mitteleuropa verorten. Herzlich Willkommen!
Morgen hoffe ich die letzten Überschriften eintreiben zu können und endlich die Learning Agreements nach Bamberg zurück schicken... Und irgendwann muss ich ja noch zur PIN-Stelle der Bank und meinen nervigen PIN abholen...
Übermorgen gucken wir uns dann Kenneth Brannaghs Verfilmung von Shakespeare's "Henry V" an. Und weil ich mich so darauf freue und heute der 25. Oktober - also St. Cyprianstag - ist bzw. war, hier noch einer der großartigsten Monologe den Shakespeare sich jemals ausgedacht hat (evtl. nach "poor yorick", "dagger", "to be or not to be" und "all the world's a stage"... hm das sind dann doch wieder ganz schön viele, wenn man ein bisschen drüber nachdenkt) und bei dem selbst ein völlig patriotismusbefreiter, überwiegend postmodern geprägter, deutscher/deutschsprachiger (!), militärskeptischer, kriegsdienstverweigernder Mittelalterstudenten, ein kleines bisschen Gänsehaut kriegt...
kann es sein, dass du zu spät geboren bist, oder in deinem früheren leben im mittelalter gelebt hast?!? bei so einer durchgehenden affinität zum mittelalter und so einem selbstverständlichen verständnis....
AntwortenLöschenHehe... vermutlich wäre ich wirklich vor 600 Jahren besser aufgehoben gewesen, um zusammen mit Henry V "Once more upon the breach, dear friends!"
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