Zu allem entschlossen bin ich gestern morgen losgezogen, um die letzte Unterschrift einzufahren, die ich nicht im International Office bekommen kann. Das hat dann überraschenderweise auch - fast - problemlos geklappt. Zunächst war an dem Lehrstuhl (Lehrstuhl heißt auf Tschechisch übrigens "katedra". Ist das geil oder ist das geil?) nicht ganz klar, wer da nun unterschreiben muss, aber am Ende hat dann die Dozentin selbst unterschrieben und das MUSS jetzt einfach reichen.
Danach war wieder Vorlesung "Böhmische Kultur im Mittelalter". Wieder wurde ein eigentlich grundsätzlich interessantes Thema "Offizielle Geschichtsschreibung am Hofe Karls IV." von der Dozentin derartig verlangweiligt, dass ich bisweilen gegen den Schlaf kämpfen musste. Ab nächste Woche macht das zum Glück ein anderer... Die Hoffnung auf Besserung stirbt zuletzt!
Auch die anschließende Vorlesung "Deutsche Literatur vor 1700" brachte nur Altbekanntes.
Danach wollte ich endlich zum International Office und die letzten Unterschriften abgreifen aber NATÜRLICH, gibt es ein neues Problem: Die für meine Unterschriften verantwortliche Dame hat sich entschlossen mal eben für ein paar Tage in den Urlaub zu gehen. Tatsächlich ist morgen Tschechischer Unabhängigkeitstag (Meint: Keine Uni, Kein Amerika-Seminar) und das nutzen viele wohl für ein verlängertes Wochenende... :P Auf jeden Fall stand ich wieder ohne Unterschriften da. Vor Montag brauch ich's auch gar nicht erst versuchen, spätestens am Dienstag ist die gute Frau aber "auf jeden Fall" wieder da! Nur sollten da die Sachen halt schon im schönen Bamberg eingetroffen sein. Jetzt werd ich da mal anrufen, auf höhere Gewalt plädieren und hoffen, dass es reicht wenn ich ihnen das Zeug am Montag erstmal als Scans zuschicke oder faxe, bis es dann mit der Post angekommen ist... :P Dass das nie ein Ende findet...
Im CIEE Kurs im Anschluss sind wird heute endlich zum 30jährigen Krieg vorgestoßen. Nächste Woche ist der midterm test, da wird also alles nochmal abgeprüft, aber er macht am Montag extra nochmal eine Wiederholung von allem was wir so gemacht haben und er meint er bringt auch nur das dran, was er in der Wiederholung - ja - wiederholt... von daher, mach ich mir da jetzt mal nicht zuviele Gedanken...
Oh Geld hab ich auch abgehoben. Ich glaube ich hab mich hier noch nicht darüber ausgelassen, dass die ATMs hier das Geld immer SO GROSS WIE MÖGLICH ausspucken. Wer sich also 4000 CZK (etwas zwischen 160 und 170€) auszahlen lässt, bekommt das in genau zwei Scheinen... das nächste mal, wenn ich im Supermarkt also für 132 CZK Lebensmittel einkaufe, darf ich mich wieder auf verdrehte Augen und genervte tschechische Diskussionsversuche freuen. Die tun immer so als würde man sie zwingen ihr Klo mit ihrer besten Krawatte zu putzen, wenn man ihnen mal ein bisschen mehr Geldgewechsle zumutet... saunervig!
Am Abend hab war ich dann mit der Schweizer Mathematikerin (deren Buch über die "Grundlagen der Algebra" [auf Tschechisch] ich kurz überflogen habe... das nächste mal greife ich dann doch lieber wieder zum guten, alten "Book of Vile Darkness", da sind die Alpträume danach weniger verstörend... oder hat jemand gerade ein "Necronomicon" zur Hand?) zum Tschechischen Filmabend. Es lief "Citizen Havel" eine sehr launige Dokumentation über Václav Havel: Der war nicht nur letzter President der Tschechoslowakei und erster der Tschechischen Republik (für zwei Amtszeiten), vorher Dissident während der Sowjet-Ära (saß deswegen auch insgesamt 5 Jahre im Gefängnis), sondern auch Schriftsteller, Dichter und "Playwright" (Gibt es da ein deutsches Wort für? Dramatiker? Stückeschreiber?). Er war maßgeblich beteiligt, um nicht zu sagen verantwortlich, für die "Samtene Revolution" (die gewaltlose Bewegung welche 1989 das Sowjetregime in Tschechien in die Knie zwang) und die Auflösung des Warschauer Paktes. Eine ganz außergewöhnliche Person also, welche die jüngste Geschichte dieses Landes wie keine Zweite geprägt hat und die Doku hat das schön wiedergegeben indem sie sich aber v.a auf Szenen des Alltags bzw. hinter der Bühne konzentriert hat. Das aber ohne in anheimelnde "Schau, der ist einer von uns"-Propaganda abzugleiten (Wir erinnern uns an Helmut Kohl in seinem Garten...), sondern ein sympathisches und gleichzeitig authentisches Bild von diesem Mann zu zeichnen. Die historischen Ereignisse welche ihn von 1993 bis 2003 umgeben, werden dabei oft nur angerissen und oft ohne Erläuterungen wieder fallen gelassen. Der Fokus liegt auf Havel und den Menschen in seiner Umgebung, wie sie die Situationen seines präsidialen Lebens lösen... oder auch nicht. Vom Kampf mit nicht passenden Hosen und Jacketts vor wichtigen Fototerminen, über Wutausbrüche angesichts des Jugoslawienkrieges, bis hin zum ermüdenden Feilschen um Formulierungen und Absichtserklärungen und sehr persönlichen Epsioden wie dem Tod seiner ersten Frau oder seinen Krebsoperationen (der Mann war... ist [? er lebt nicht, aber raucht er noch?] Kettenraucher) ... wirklich ein beeindruckendes Stück Dokumentation.
Zum Schluss bleibt noch festzuhalten, dass ich mir - bei aller Vorfreude - heute Abend nicht den Shakespeare-Film anschauen können werde. Wurde zu einem Geburtstag eingeladen. Verdammtes Sozialleben! Geschenke muss ich jetzt auch noch kaufen... ;)
Jetzt muss ich erstmal Tschechisch lernen. Der erste Zwischentest steht heute an und will mich nicht völlig blamieren. Also Nase ins Buch, Zeug ins Hirn, Zeug aufs Blatt und danach hoffentlich nicht sofort wieder vergessen...
"Dramatiker" ist das Wort. Nachdem die meisten Leute damit aber nichts anfangen können, ist "Bühnen-" oder "Theaterautor" eindeutiger. Und Nein es gibt keinen Unterschied zwischen einem Bühnen- und Theaterautor. Nur für Leute, die alberne eingeschränkte Blickweisen auf die Worte "Bühne" und "Theater" haben.
AntwortenLöschenHaaach tut das gut ein bisschen reden zu können und zu WISSEN was man da eigentlich schreibt, fachliche Kompetenz hinter dem Wort zu haben und nicht ganz planlos vor sich hin blubbert.
AntwortenLöschenUnd wenn es nur gunrdlegendste Wortdefinitionen sind!
Poser! Aber Danke für die Klärung...
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