Mittwoch, 1. Februar 2012

Christoph vs. the morning after

Gestern haben wir die Finnin mit dem Pferdenamen verabschiedet. Morgen fliegt sie. Werde "my little finnish girl" schon vermissen, gerade in den ersten Wochen und Monaten haben wir sehr viel zusammen gemacht.
Wir haben uns also recht spät in der Stadt (Národní Třída) getroffen. Die Belgierin hatte am Abend zuvor - den wir mit Kuchen, Sandwichtorte und portugiesischem Sangria im Wohnheim meiner tschechischen Ex-Tutorin verbracht hatten - die dusselige Idee gehabt, doch Karaoke-Singen zu gehen. Das wurde natürlich sogleich mit großen Enthusiasmus auf und am folgenden Abend nun in Angriff genommen.
Die Karaoke-Lokalität unserer Wahl war dann eine gay-Bar namens "Friends" in der Altstadt. Ein ziemlich schräger Laden mit noch schrägeren Publikum. Meine Ex-Tutorin lieferte eine eher zaghafte Darbietung von "Take a bow" (Madonna/Rihanna? Whatever...), die Finnin mit dem Pferdenamen schmetterte sehr überzeugend Depeche Modes "All I ever wanted" und die Belgierin brachte nochmal sehr souverän Madonnas "Papa don't preach" aufs Parkett. Vorurteile wurden bestätigt als die Stammkundschaft den Laden bei den Village People mit "YMCA" fast auseinander nahm. Ein großartiger Spaß!
Nachdem ich mich anfangs geziert hatte, hab ich mir nach einigen Wein dann doch mal das Karaoke-Menü geschnappt und entzückt festgestellt, dass es einige Killers Lieder im Angebot gab. Damit war ich eigentlich schon verloren. Ich entschied mich (mal wieder) für den Weg des geringsten Widerstandes und performte einige Weißwein später "Mr. Brightside" mit dem einzigartigen Enthusiasmus zu dem nur betrunkene Musikjunkies in der Lage sind, in die Runde. Nächstes mal kommt dann der "Spaceman" ;).
Habe mich wirklich großartig amüsiert und es war schön mal wieder was mit den ERASMUS-Leuten zu machen. Bears war auch dabei, konnte sich aber nicht zum singen überreden lassen und beschränkte sich auf moralische Unterstützung und solidarisches Weintrinken. Gut, aaaaalso: Karaoke. Kann ich das auch abhaken.

Gut alkoholisert haben wir gegen drei die Bar verlassen und uns voneinander verabschiedet. Die Finnin mit dem Pferdenamen und ich haben uns vorgenommen uns binnen fünf Jahren in unseren jeweiligen Heimatländern zu besuchen! Mal sehen, ob wir das hinkriegen. Auf jeden Fall hab ich jetzt mal den Grund mir Finnland anzusehen!
Es ist schon was dran. Eigentlicher Zweck eines Austauschjahres ist es nicht möglichst sinnvoll zu studieren, sondern ein anderes Land vertieft zu erfahren und darüber hinaus auch Leute aus Resteuropa kennen zu lernen und so Kontakte herzustellen, die vielleicht länger Bestand haben. Die Förderung einer europäischen Wahrnehmung und Identifikation durch das Entdecken von Gemeinsamkeiten und Unterschieden sozusagen. Zumindest hoffe ich, dass wir das - nicht nur in diesem Fall - schaffen. Die Belgierin ist noch ein bisschen da, hat aber auch Mitte Februar ihre Abschiedsfeier.

Damit war die Nacht aber noch nicht vorrüber. An den Heimweg hab ich nur noch nebulöse Erinnerungen, der Wein, der mich auf die Bühne des leeren Orchesters geführt hatte, schlug jetzt voll an und mir ging es einigermaßen dreckig, als wir Bears' Wohnheim erreichten. Mit flauem Magen, schwimmenden Kopf und klebrigen Rachen kroch ich ins Bett nur um... im Bad wieder aufzuwachen!
Meine schlaftrunkene Verwirrung schlug in völlige Orientierungslosigkeit um, als ich feststellte: Es war nicht Bears' Bad!
Ich verließ das Bad und erwartete fast ein völlig zerstörtes Hotelzimmer, eine blutüberströmte Leiche im Bett, sowie eine Reihe weiterer obskurer Spuren vorzufinden, die ich nun rekonstruieren müsste, um erstens herauszufinden was passiert war und mich somit zweitens vom Mordvorwurf reinzuwaschen.
Die Realität war nur unwesentlich weniger verstörend. Ich fand mich in der Wohnheim-WG den halben Flur von Bears WG entfernt wieder (Das Wohnheim ist nicht so wie meins organisiert: Ein Gang, viele Zimmer, zwei Betten pro Zimmer, am jeden Ende des Flures Ein großer Dusch und Toiletten raum und eine große Küche, sondern zwei bis fünf kleinere (Einzel-)Zimmer teilen sich jeweils ein Bad und eine Küche mit Flur, daher meine merkwürdige Bezeichnung als "Wohnheim-WG").
IRGENDWIE war ich in den allfrühesten Morgenstunden ins Bad der Neben-neben-WG gelangt, ohne mich auch nur im GERINGSTEN daran erinnern zu können WIE (Warum lassen die auch mitten in der Nacht ihre Flurtüren aufstehen?).
Das volle Ausmaß des Dramas wurde mir erst nach einigem schlaftrunkenen, orientierungslosen, noch-immer-ein-bisschen-aber-nicht-mehr-so-richtig-betrunkenen Hin und Hertorkeln auf dem Gang klar: Die Tür zu Bears Wohnheim-WG war zu! Und ich stand da. Mit nichts bekleidet außer einem schlabbrigen T-Shirt, Boxershorts und einem rechten Hausschuh (Bears' nicht meiner). Die Dämmerung zeichnete sich erst langsam am Horizont ab und die Kälte auf dem Flur kroch mir in die Knochen.
Ich kauerte mich also embryonenhaft vor der Tür zusammen, um wenigstens einigermaßen würdevoll dem Kältetod entgegenzutreten. Ab und an klopfte ich verzagt an die Tür in der Hoffnung Bears oder eine ihre Mitbewohnerinnen würden mich noch rechtzeitig erretten. Zur Rezeption gehen und um Hilfe bitte kam nicht in Frage: Ersten ließ das mein Aufzug kaum zu und zweitens bin ich wohl zwar geduldet aber immernoch nur so halblegal regelmäßig in diesem Wohnheim zu Gast.
Nach einer schwer zu beurteilenden Zeitspanne in der es draußen hell, aber auf dem Flur - wenn möglich - noch kälter, geworden war, wurde mein langsam schwächer werdendes Klopfen dann von einer Mitbewohnerin meiner selig schlafenden Freundin erhört und ich sprang dem in mir hochkriechenden Kältetod im letzten Augenblick von der Schippe. Der völlig entsetzte Blick auf dem Gesicht meiner Retterin war die ganze Sache aber fast wert ;). Zum Glück muss wenigstens eine aus diesem Laden früh raus und arbeiten :P
So richtig einordnen kann ich den Zwischenfall immernoch nicht. Einfach ein Alkohol- bzw Müdigkeitsbedingter Filmriss? Oder fang ich an Schlafzuwandeln? Erinnre mich dunkel an ein oder zwei vergleichbare Zwischenfälle in meiner Kindheit, als ich plötzlich nachts in der Küche stand und nicht wusste wie ich dorthin gekommen war...

Noch ein paar weitere Kleinigkeiten:

- Habe letzthin erneut Panama (Nachdem ich die Frage danach wie die Bewohner Panamas heißen noch immer - für mich - nicht befriedigen klären konnte, nenne ich sie jetzt einfach so) in der Tram getroffen, auch wenn ich sie nicht auf Anhieb erkannt habe. Hat sich nochmal für ihre betrunkene Anhänglichkeit damals entschuldigt. Sie lernt jetzt Deutsch und die Tramfahrt dauerte genau lang genug, um ihr zu erklären, wie wir unser Futur I bilden.

- Habe meinen Course Review für das Amerika-Seminar jetzt nochmal persönlich im Büro der Dozentin (in einem seeeeehr schönen Barock-Palais in der Hybernská!) vorbeigebracht. Allerdings war sie selbst nicht anwesend. Hoffentlich ist es weitergeleitet worden. Da ich aber immernoch keine Mail von ihr erhalten habe, befürchte ich das schlimmste.... nervig, nervig, nervig.

- In der letzten Woche hab ich mir die erste Staffel von "Amercian Horror Story" angeschaut. Eine ur-gruselige Horror-Serie, von den Co-Glee-Machern... (Zentraler Unterschied zu Glee ist wohl, dass AHS gewollt gruselig ist). Dass sie darüber hinaus auch noch Nip/Tuck gemacht haben, sie man AHS bisweilen recht deutlich an. Grundsätzlich sind Zutaten und Plot konventionell (Verkrachte Familie zieht in neues Haus ein, um ihre Probleme zu beheben und NATÜRLICH spukt es) aber die Art auf die das ganze weiterentwickelt wird, sowie der bunte Strauß an völlig verdrehten und verstörenden Charakteren, der aufgeboten wird, machen die Serie zu einem echten Erlebnis! Und gerade als man sich in der zweiten Hälfte der Staffel in die Show eingesehen hat und beginnt die verschiedenen Geisterschicksale zu duchschauen, bringen sie den Schocker überhaupt der "The 6th sense" echt alt aussehen lässt... Also, jeder der sich schon immer mal so richtig schön vor den Dingen unter dem Bett, in den dunklen Ecken im Keller und in der Vergangenheit seiner Mitmenschen fürchten wollte: Undbedingt reingucken!

5 Kommentare:

  1. gnihhihihhehehahahohohurhurhURHURHARHAR!
    Ich bin befriedigt. Auf SO viele Weisen!

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  2. Pffhh ... und da muss ich mir jahrelang irgendwelche Stories über einen harmlosen Laternenmast anhören, während gewisse junge Herren in falschen Betten und Fluren landen und dann auch noch blackouts haben!

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  3. der entscheidende unterschied könnte vielleicht der sein, dass gewisse junge herren noch in einer anderen lebensphase sind und dabei noch nicht von ihren kindern beobachtet werden...

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  4. Du warst an dem Abend auch nicht besser dran :)

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  5. ups....
    aber ich hatte noch nie nen blackout oder alkoholbedingt gekotzt....

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