Donnerstag, 8. Dezember 2011

Christoph vs. the gamechanger

"The game changer is the introduction of an element that significantly alters the current course of the story or event" Aus: tvtropes

Caveat: Der Folgende Artikel enthält z.T. massive Spoiler über das Leben eines gewissen Christoph P. und darüber hinaus über Entwicklungen in verschiedenen Produkten serieller Fiktion.

Ich hab mir in den letzten Tagen und Wochen viele Gedanken über Sinn und Zweck dieses Blogs gemacht. Es kam zu Entwicklungen, welche mich zeitweise sehr stark an der Sinnhaftigkeit dieses Unterfangens haben zweifeln lassen. Als ich vor inzwischen über zwei Monaten nach Prag gegangen bin, ging es mir beim Erstellen dieses Blogs v.a. um zwei Dinge: Zum Ersten wollte ich alle grundsätzlich über das was ich hier so tue informiert halten, und um nicht immer die selben Geschichten und Ereignisse fünfmal erzählen zu müssen, halt hier in dieser quasi-öffentlichen Form. Pure Faulheit, wenn ihr so wollt. Zum Zweiten brauchte ich natürlich auch meine Bühne, jetzt so ohne Tutorium und alles, wo ich meine halbklugen An- und Einsichten, sowie Musik, Filme und Serien mit Menschen, die das vielleicht, vielleicht aber auch nicht interessiert, teilen kann.
In keinem Falle hatte ich vor oder konnte ich absehen, dass ich hier das Ende einer Beziehung kommunizieren müsste. Oder den Beginn einer Neuen. Davon, dass das alles innerhalb weniger Tage geschehen würde mal ganz zu schweigen. Jaaaaa, neun Tage um genau zu sein, kann das mal jemand nachschlagen, das muss irgendein verdammter Rekord sein (Wobei mir nach drei Sekunden Nachdenken mindestens zwei Fälle einfallen bei denen es noch schneller ging: Hallooo Finnin mit dem Pferdenamen und Gefühlte Schwester aus Mittelfranken! ;)). Und Nein, ich werde dazu nichts weiter sagen. Ich habe die letzten Tage damit verbracht das permanent - v.a. vor mir selbst - zu rechtfertigen und es ist einfach der Punkt erreicht an dem man sagen muss: So ist es! Grow up with it! Weswegen ich mich auch entschieden habe, hier nicht länger zu schweigen und zu genießen.
Denn das Leben kümmmert sich nicht um "the best laid plans" (Alter Jüdischer Witz: Wie bringt man Gott zum Lachen? - Man macht einen Plan!), es schlägt Haken, keilt aus, rebelliert, tritt einem in die Eier und lacht dann auch noch dreckig. Oder es gibt einem die Gelegenheit alles zu ändern. A clean slate, sozusagen und in gewisser Weise - zumindest emotional - nochmal neu anzufangen. Eine solche Veränderung kann natürlich auf mehreren Ebenen eintreten und unterschiedlich weitreichende Implikationen haben. In fiktiven Narrativen würde man soetwas als einen gamechanger (vgl. oben) bezeichnen. Solche plot-devices schreiben das Setting, den Plot oder die interpersonellen Konstellationen welche einem solchen Narrativ inhärent sind, gründlich um. Man denke daran, als am Ende der Ersten Staffel von Alias endlich SD6 hochgenommen wurde, als Willow aus einer Jägerin Viele machte, als die Defiant zum ersten mal an DS9 andockte (hach), als Michael Westen in Washington seinem alten Boss gegenüber stand, als Chuck zum gefühlten hundersten- diesmal aber wohl endgütligen male von der CIA gefeuert wurde oder natürlich als Ned Stark seinen Kopf verlor (Die Reihe könnte sich sicherlich ad perpetuum fortsetzen lassen, wobei es mir jedoch erscheint, dass nur serielle Fiktionen in Frage kommen, da nur diese den erzählerischen Raum haben, um überhaupt ein game zu etablieren, dass dann gechanget werden kann. Innerhalb eines einzelnen Romans/Films scheint mir das nicht zu vollem Effekt nötig. Blickt man jedoch auf TV-, Comic- oder Romanserien, dann dürfte man eher fündig werden. Man denke an eine gewisse Hochzeit später im SOIAF oder den Besuch von Mr. Dark in der Bullfinch Street am Beginn der "Zweiten Staffel" von Fables oder, oder, oder...).
Gamechanger
müssen dabei allerdings nicht zwangsläufig gut ausschlagen (Alas poor Eddard, I knew him Petyr...) oder das halten was sie auf den ersten Blick zu versprechen scheinen (Was habe ich gejubelt als Ende der dritte Staffel von Chuck endlich der vermaldedeite Buy More gesprengt wurde und was haben sie daraus gemacht? Eine lächerliche CIA Basis!! Auch Burn Notice scheint ja im Grunde nicht wirklich aus seiner inzwischen gründlich ausgekauten comfort zone Miami+Case of the week ausbrechen zu wollen...). Aber sie bringen nichtsdestotrotz Schwung in ein festgefahrenes, vielleicht bisher allzu lineares Narrativ.

Lange Rede, wenig Sinn. Ich habe meinen gamechanger hier gefunden. Überraschend, ungeplant, manchmal überwältigen aber bisher - von einem strikt narrativen Standpunkt aus betrachtet - sehr postiv zu bewerten. Daher wird die bisher hier als "Schweizer Mathematikerin" gedubbte Person im Zukunft der Einfachheit halber als "B." erscheinen, denn so wie es scheint wird sie regelmäßiger hier anzutreffen sein.

Es war diese Entwicklung welche meine letzten Wochen hier dann auch ganz maßgeblich geprägt hat. Ich will euch die Details ersparen daher verlege ich mich auf die bewährte Collagentechnik, um die letzten zwei Wochen ungegliedert und wertfrei zusammenzufassen.

- Zunächst mal: Nothing important happened at university. Tschechisch läuft, und in zwei Wochen ist mein Paper für den Czech and Central European History Kurs fällig. Als Thema untersuche ich die Beziehungen zwischen den deutsch-römischen Königen/Kaisern und den böhmischen Fürsten/Königen im Hohen Mittelalter. Jetzt muss ich nur noch rausfinden wie hier die Bibliothek funktioniert... :P

- In Tschechisch haben wir inzwischen Adverbien, Verben der 2. und 3. Kategorie, Ordnungszahlen, Wochentage sowie den Nominativ und Akkusativ Plural durchgenommen. Letztere aber nur für Feminin, Neutrum und unbelebtes Maskulinum und in all diesen Kategorien auch nur solange es jeweils nicht mehr als vier sind. Denn dann wird das jedesmal wieder anders, komplizierter, nerviger und gemeiner, weil man das in dieser Sprachen eben nunmal so macht, wenn das irgendwie möglich ist. Im Plural kommt ab Nummer fünf wieder der unvermeidliche Wechseln in den Genitiv (den wir dieses Semester nicht mehr lernen werden) und Gott allein (und vielleicht ein paar reflektierte Tschechen) weiss (wissen) was sie sich für das belebte Maskulinum ausgedacht haben.

- Genug mit dem technisch-universitären Vorgeplänkel: Die Zeit mit B. bestand vor allem aus endlosen, bis tief in die Nacht dauernden Irrungen durch Prags Gassen, Straßen und Plätze. Unter anderem stolperten wir über einige lächerlich romantische Orte, aber auch eine frische Unfallstelle mit Polizei, geschrottetem Roller, Leiche und allem.
Mein Schlafrhythmus hat sich wieder massiv nach hinten verschoben, da ich nur selten vor halbdrei/drei ins Bett komme und inzwischen hab ich den Weg von der Uni bis zum Wohnheim mehr als einmal zu Fuß zurückgelegt (Nachttrams fahren nur etwa alle halbe Stunde. Würde man das von der Uni aus direkt gehen dauerte das vielleicht eine Stunde, etwas mehr eventuell...). Hinzu kamen die ein oder andere Flasche Weißwein in der Kneipe unserer Wahl, ein Tagestrip ins schöne Kutná Horá (wo es eine SENSATIONELLE spätgotische Kirche gibt - das fast noch berühmtere Ossuarium haben wir leider verpasst, das hatte schon zu, weil ich mich nicht von dem Riedschen Schleifengewölbe in der Kirche losreissen konnte... ;) - wir werden wohl nochmal kommen müssen :P) und einige tolldreiste Stunts, um ihre Mitbwohnerinnen bzw. vor allem die Pförtnerinnen ihres Wohnheims zu überlisten (Von "Ja, nur zum Lernen", über "Ich bin ein Buckel" bis hin zum seit Baldurs Gate bewährten "Wir sind die Putzkolonne" wurde alles mit zum Teil äußerst wechselhaften Erfolg versucht...). Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Oder wie seit gestern. Die Jury ist immernoch draußen... :P

- Der Tschechisch-Deutsche Stammtisch hat kollektiv das Gefühl sich für uns gratulieren zu können. Vielleicht hat er nicht ganz unrecht.

- Außerdem: Um einen Lern- und Arbeitsraum zu haben hab ich mir einen Ausweis von der Bibliothek im Clementium machen lassen. Mein Foto sieht wie immer ganz grässlich aus, aber wenigsten hab ich jetzt einen Raum, wo ich in Ruhe meinen Essay schreiben und mich hinter Büchern vergraben kann.

- Niemals nicht Punsch, Grog oder Glühwein auf dem "Königlichen Weihnachtsmarkt" auf dem Altstädter Ring trinken. Grässlich. Es gibt einen Stand am Alten Rathaus der ganz ordentlich ist, aber den Rest kann man getrost knicken. Ansonsten ist Prag zu Adventszeit einfach nur zucker! Völlig überrannt mit Touristen (wie eigentlich immer), aber ansonsten seeeeehr erträglich.

- In der Nähe des Namesti Miru habe ich einen fantastisch-nerdvanaesken Comic-Book-Store entdeckt! Aus Rücksicht auf wenig comic-affine B.-gleitung habe ich mir einen stundenlanden Stöber-Aufenthalt verkniffen. But I'll be back!

- Inzwischen kann ich auf Tschechisch fast alles bestellen und bezahlen. Manchmal verstehe ich sogar die Antworten und Nachfragen meiner jeweiligen Gegenüber (bzw. kann erfolgreich erraten, um was es geht). Eine B.-gleitung zu haben deren zweite Muttersprache Tschechisch ist, ist im Zweifelsfall zumindest nicht hinderlich.

- Gestern lief im Tschechischen Filmclub ein Puppenfilm. Solange die Unterhaltungen nicht allzu obszön wurden (schonmal einen Film mit fickenden, blutenden, kotzenden und kackenden Holzpuppen gesehen??? Die Augsburger Puppenkiste wird nie mehr diesselbe sein...) und sich nicht mit vergangenen Dingen beschäftigten, konnte ich immer wieder mal über einige Sätze hinweg, ganz gut folgen!

- Morgen kommt das Frollein D. aus der Kunigundenruhstraße in BA-Town zu Besuch. Da sie nur wenig Zeit hat werden wir das Marathon-"Prag in 12 Stunden"-Programm fahren. Brace yourselves!

Jetzt seid ihr so in etwa auf dem Laufenden. Sicherlich gäbe es noch Einiges nachzutragen, vielleicht mache ich das die nächsten Tage noch - wahrscheinlicher aber eher nicht :P.
Ich plane im Übrigen, wenn sich keine weiteren Termine auftun und alle Klausuren und sonstigen Leistungen bewältigt sind, in ziemlich genau zwei Wochen ins lauschige Oberfranken zurückzukehren. Würde für etwa eine Woche bleiben... da soll irgend so ein obskures dreitägiges Fest sein, von dem ich gehört habe, dass man es traditionell im Kreise der Familie verbringt. Kann mir da jemand mehr zu sagen? Wer fühlt sich bei "Familie" angesprochen und nimmt mich auf?

8 Kommentare:

  1. Es ist immer sehr schwer das alles unkommentiert zu lassen. Ich erspare heute das übliche "Ned Stark! How could you?", und versuche zum Fall zu schneiden und den allgemeinen Serienrant zu ersparen. Frohe Weihnachten!

    Zuerst: Herzlichen Glückwunsch und Alles Gute zum Gamechanger. (Ich rede natürlich nicht nur von der Metapher.)

    Zweitens: Ich habe lange über dem Wort "Pordukten" meditiert, und überlegt, was für eine obskure Vokabel du da weder ausgegraben hast, bis ich erkannte... "Nerdvanaesk" hat mich dann wieder sehr gefreut.

    Drittens: Angesprochen schon...

    Viertens: Hat die Putzkolonne funktioniert?

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  2. schön, dass du dich auch hier wieder ausbreitest ;)

    hier ist immer noch ein zimmer für dich frei. warm, trocken, mit frisch bezogenem bett und ganz für dich alleine ;)
    genug zu essen gibts in der regel auch, auch was warmes...

    evtl ziehst du ja doch mal in erwägung, ein günstiges zimmer zu mieten... allerdings wird das leben dann auch einfacher... und will man das überhaupt...

    freu mich jedenfalls, wenn du da bist :))))

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  3. das warme Essen ist gelogen. Es gibt Essen, aber warm machen musst dus selber!
    Gesetzt du hats Glück und dich läst überhaupt jemand rein, der nicht gerade in Italien ist...

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  4. fireladder, tut mir leid, dass du es so erfahren musstest: auch eltern haben ein leben neben dem für ihre kinder. ich dachte eigentlich, auch du wärst inzwischen alt genug für die wahrheit und die realitäten des lebens.... nein? doch noch nicht?

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  5. Bitte? Ich bin immer noch davon überzeugt, dass ihr einfach verschwindet, wenn ich nicht im Raum bin.

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  6. Mooghy, Fireladder bewegt sich in diversen Universen bzw. Entitätsskripten (um auch mal ein irrsinniges Fremdwort zu erfinden, wenn auch nicht auf englisch), und du musst höllisch aufpassen, auf WELCHE Realität er jeweil im Moment überhaupt ansprechbar ist!?
    Ich jedenfalls fröne in meiner Matrix einem liebgewonnenem déja vu, indem ich mir meinem natural gewonnenen (nein, nein, nicht aus dem Replikator) Jungmet reinziehe, was gewisse junge Herren zu Überschreitungen verschiedener Paralleluniversen motivieren könnte.
    Was die Herberge angeht, verfüge ich nach wie vor über mein frühneuzeitliches Hologramm, in dem jeder willkommen ist.

    der Baron

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  7. das mag schon sein baron, nur ein kleinkind ist hier bislang noch nicht aufgetaucht. das hat mich dann verwirrt...

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  8. Der nächste Zug fährt in einer halben Stunde, Baron. In einer Stunde am kulmbacher Bahnhof!

    Ich bin jetzt ja endlich meine Wochenendpflichten los, weil mein part im Theater vorbei ist! Das heißt bald werde ich WIRKLICH wieder heim fahren... In zehn Tagen...?

    "Und sie werden über den goldenen Nektar sehen mit der Süße des Honigs in ihrem Auge. Und sie werden ihn trinken. Und es wird ein herrliches frohlocken üm sie herum sein. Und alle werden singen und lachen und lieben. Und der HERR wird über sie gekommen sein."
    - Aus der Offenbarung des Taugenichts.

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